Luftangriffe auf Düsseldorf

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Start einer Handley Page Halifax am RAF-Flugfeld Elvington zum Bombardement auf Düsseldorf
RAF-Luftaufnahmen vom Luftangriff in der Nacht vom 11. auf den 12. Juni 1943
Einsatzkräfte der Hitlerjugend bei Löscharbeiten
In der Nacht vom 2. auf den 3. November 1944 zerstörte Industriehalle der Rüstungsfirma Rheinmetall-Borsig in Düsseldorf-Derendorf

Bei den Luftangriffen auf Düsseldorf wurde die Stadt während des Zweiten Weltkrieges stark zerstört. Den schwersten Angriff erlitt sie am 12. Juni 1943, als durch gezieltes Bombardement im Rahmen der Moral-Bombing-Strategie der britischen Royal Air Force ein Feuersturm entfacht wurde, der den historischen Stadtkern, die Innenstadt und weitere angrenzende Stadtteile weitgehend zerstörte.[1]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Als „Schreibtisch des Ruhrgebiets“ lag die Stadt seit Kriegsbeginn im Fokus britischer Luftangriffe. Ein erster britischer Luftangriff erfolgte am 5. Mai 1940 auf die Stadtteile Flingern und Oberbilk. Die ersten Bomben fielen am 14. Mai am Hermannplatz und an der Dorotheenstraße und verursachten nur kleinere Schäden. Es folgten etliche weitere kleinere Angriffe, bis im Sommer 1942 die Intensität der Bombardements zunahm. Der erste Großangriff am 1. August 1942, bei dem zum ersten Mal auch die Königsallee getroffen wurde und vor allem im Bereich von Oststraße und Friedrich-Ebert-Straße erhebliche Schäden entstanden, leitete die Welle von Zerstörungen ein, die mit der Vernichtung von mehr als der Hälfte der Bausubstanz Düsseldorfs endete. Die insgesamt weit über 243 Angriffe[2] kosteten über 6000 Zivilisten das Leben.

Angriff am 12. Juni 1943[Bearbeiten]

Die genaue Auswahl der zu bombardierenden Stadtteile wurde anhand von Luftbildern, Bevölkerungsdichtekarten und Brandversicherungskatasterkarten getroffen. Die Katasterkarten waren durch deutsche Feuerversicherungen bei britischen Rückversicherungsgesellschaften vor dem Kriege hinterlegt worden. Die Düsseldorfer Altstadt wurde als Kerngebiet des Angriffs ausgewählt, da hier der Holzanteil an der Gesamtbaumasse am Höchsten war. Damit stellte sie zum Entzünden eines Feuersturms in Düsseldorf das optimale Kernzielgebiet dar.

Vor dem Bombardement wurde das Zielgebiet von Mosquito-Schnellbombern durch rote und grüne Markierungskörper (sogenannte Christbäume) abgegrenzt. Dies wurde überwacht durch einen in großer Höhe fliegenden Masterbomber, der über Funk mit den Markierungsfliegern verbunden war. Der Angriff begann um 1:15 Uhr mit dem Setzen der Markierungskörper.[3]

Das Bombardement[Bearbeiten]

Grand Hotel Breidenbacher Hof nach dem Bombenangriff

Das Zielgebiet des Angriffs auf Düsseldorf stellte im Wesentlichen das dichtbesiedelte Stadtzentrum – insbesondere die Altstadt – dar. Das Bombardement begann um 1:25 Uhr. Der gesamte Angriff dauerte eine Stunde und 20 Minuten. Zuerst wurden 1.300 Sprengbomben sowie mehrere hundert Luftminen abgeworfen. Durch die Druckwellen der Explosionen wurden die Dächer aufgerissen. Danach wurden mehr als 225.000 Elektron-Thermit Stabbrandbomben über dem Stadtgebiet abgeworfen, die nun in die aufgerissen Dachstühle der Häuser fielen und diese innerhalb kürzester Zeit in Brand versetzten. Binnen einer Stunde breiteten sich tausende kleinere Gebäudebrände zu einem Feuersturm aus. In den angegriffenen Stadtteilen Derendorf, Düsseldorf-Zentrum und in der Düsseldorfer Südstadt entstand ein 40 Quadratkilometer großes Feuermeer mit insgesamt etwa 9000 Einzelbränden.[4]

Schäden und Opfer[Bearbeiten]

Trümmerbeseitigung 1948

Bei diesem Großangriff wurden rund 600 Menschen getötet und mehr als 3 000 Menschen verwundet. Weite Teile der Innenstadt, von Derendorf, Carlstadt, Friedrichstadt, Unterbilk, Bilk, Oberbilk und der Südstadt waren völlig zerstört. Ausgedehnte Schäden entstanden in dem gesamten Gebiet zwischen Reeser Platz im Norden und Klinikum im Süden.

Weitere Angriffe und Schäden[Bearbeiten]

Ein weiterer Großangriff in der Nacht vom 3. auf den 4. November 1943 forderte 622 Menschenleben.[5] Noch größere Schäden entstanden in der Nacht vom 22. auf den 23. April 1944, als 1.200 Menschen getötet und 20.500 obdachlos wurden.[6] Ein weiterer Großangriff in der Nacht vom 2. auf den 3. November 1944 hatte 748 Tote und 15.000 Obdachlose zur Folge.[7]

Später folgten weitere Angriffe, die bis Kriegsende in Düsseldorf mit insgesamt 1,14 Millionen Brandbomben eine gewaltige Verwüstung hinterließen. Es waren im Bereich der Kernstadt 93 % aller Wohnhäuser, 96 % der öffentlichen und 93 % der Geschäftsgebäude zerstört oder schwer beschädigt worden. Von 535.000 Bewohnern zu Kriegsbeginn war ein großer Teil aus der Stadt geflohen. Bei Kriegsende lebten weniger als 250.000 in den Ruinen Düsseldorfs.[8]

Rezeption[Bearbeiten]

Den Luftangriff vom 12. Juni 1943 erwähnte der britische Premierminister Winston Churchill ausdrücklich in einer Rede, die er am 30. Juni 1943 anlässlich der Verleihung der Londoner Ehrenbürgerwürde hielt. Dieser Angriff, so Churchill, hätte die Überlegenheit der britischen Luftwaffe schlagend vor Augen geführt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Friedrich-Wilhelm Henning: Düsseldorf und seine Wirtschaft. Zur Geschichte einer Region. Bd. 2: Von 1860 bis zur Gegenwart, Düsseldorf 1981, S 84 f.
  2. Friedrich-Wilhelm Henning, S 84 f.
  3. Friedrich-Wilhelm Henning, S 93-117 f.
  4. Friedrich-Wilhelm Henning, S 93-117 f.
  5. A.C. Grayling: Die toten Städte: Waren die alliierten Bombenangriffe Kriegsverbrechen? München 2009, S. 369
  6. A.C. Grayling, S. 374
  7. A.C. Grayling, S. 380
  8. Friedrich-Wilhelm Henning, S 93-117 f.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stadtarchiv Düsseldorf, IV 483, Garten- und Friedhofsamt, 25. September 1944; IV 481, Hauptamt, 15. März 1944 und Broschüre
  • Alfons Houben: Düsseldorf. Stunde Null. 1945/46 – Ende und Anfang, Düsseldorf 1985
  • Peter Hüttenberger: Die Industrie- und Verwaltungsstadt (20. Jahrhundert), In: Düsseldorf. Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert, Bd. 3, Düsseldorf 1989
  • Dokumentation zur Geschichte der Stadt Düsseldorf. Im „Dritten Reich“ 1935–1945, Quellensammlung, hrsg. v. pädagogischen Institut der Landeshauptstadt Düsseldorf, Düsseldorf 1983
  • Friedrich-Wilhelm Henning: Düsseldorf und seine Wirtschaft. Zur Geschichte einer Region. Bd. 2: Von 1860 bis zur Gegenwart, Düsseldorf 1981
  • Clemens von Looz-Corswarem: Die Stadt in Trümmern – Düsseldorf im Zweiten Weltkrieg. In: Der Düsseldorf Atlas. Geschichte und Gegenwart der Landeshauptstadt im Kartenbild, Köln 2004, S. 48f.
  • Clemens von Looz-Corswarem: Das Rechnungsbuch der Stadt Düsseldorf aus dem Jahre 1540/41. Ein Beitrag zur Stadtgeschichte in der Mitte des 16. Jahrhunderts. In: Düsseldorfer Jahrbuch 72 (2001), S. 13–95.
  • Anna Schack: Das Haus Nr. 131, Flensburg/Hamburg 1946, Neuausgabe Berlin 2013 pdf
  • Gaby und Peter Schulenberg: Ein Bunker für Jan Wellem. In: Archäologie im Rheinland 2002, Stuttgart 2003, S. 221–223
  • Olaf Steinacker: Bombenkrieg über Düsseldorf, Gudensberg-Gleichen 2003
  • Hugo Weidenhaupt: Kleine Geschichte der Stadt Düsseldorf, Düsseldorf 1983 (9)
  • Volker Zimmermann: In Schutt und Asche. Das Ende des Zweiten Weltkrieges in Düsseldorf, Düsseldorf 1995