Luftangriffe auf Fürth

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der 1948 enthüllte Gedenkstein für die Fürther Opfer der Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs im Städtischen Friedhof Fürth.

Fürth war während des Zweiten Weltkriegs insgesamt 15 alliierten Luftangriffen ausgesetzt. Oft galten diese zwar eigentlich der Nachbarstadt Nürnberg, dennoch kam es auch in Fürth zu Schäden und Verlusten unter der Zivilbevölkerung. Während einige Angriffe mehr „nebenbei“ erfolgten, fanden aber auch gezielte Luftangriffe auf Einrichtungen in Fürth wie die Dynamit-Nobel-Werke, die Kasernen in der Südstadt und das Gelände der „Bachmann & von Blumenthal Co. KG“ Flugzeugwerke auf der heutigen Hardhöhe statt. Während dieser Flugplatz beinahe vollständig zerstört wurde, blieb der Flugplatz in Atzenhof gänzlich unbeschädigt. Andere Angriffe erfolgten auf das Stadtzentrum im Rahmen der britischen Area bombing directive Strategie. Knapp 11 % der Bausubstanz in Fürth wurde zerstört. Im Vergleich zu anderen Städten ist dies jedoch eine relativ niedrige Zahl.

Chronik der Luftangriffe[Bearbeiten]

17. August 1940
Um 1 Uhr gab es Luftalarm: Ein einzelner britischer Bomber warf seine Bomben auf Burgfarrnbach. Diese beschädigten die Würzburger Straße durch Splitterwirkung leicht und zerstörte eine Scheune in der Egersdorfer Straße 14. Laut heutigen Unterlagen hätte der Angriff eigentlich den MAN-Werken in Augsburg gelten sollen, durch einen Navigationsfehler warf der Bomber seine Last auf Fürth. Die um Fürth herum stationierte Flak feuerte zwischen 1:30 Uhr und 1:45 Uhr.
25./26. Februar 1943
Dieser erste beabsichtigte Angriff traf vor allem den Norden der Stadt und war vermutlich gegen die Dynamit-Nobel-Werke gerichtet. Während des etwa 90-minütigen Angriffs wurden unter anderem die Gebäude Erlanger Straße 30, 50, 57, Kronacher Straße 171, Ronhofer Hauptstraße 191 und 178 getroffen. Vermutlich war es auch dieser Angriff, bei dem der Ronwaldbunker getroffen wurde und sein Dach durch eine Luftmine verlor. An diesem Angriff, der auch Nürnberg traf, waren 291 britische Bomber beteiligt, die 387,7 Tonnen Spreng- und 461,6 Tonnen Brandbomben über den beiden Städten abwarfen. Neun Bomber gingen dabei verloren.
8./9. März 1943
Wieder wurde im Zuge eines Angriffs auf Nürnberg auch Fürth von britischen Bombern getroffen: Um 22:55 Uhr heulten die Sirenen und 15 Minuten später warfen die ersten von 301 feindlichen Flugzeugen ihre Ladung - bestehend aus 407 Tonnen Spreng- und 486,4 Tonnen Brandbomben - auf Fürth und die Nachbarstadt. Getroffen wurden diesmal das Kinderheim Zirndorfer Straße 114, die Möbelfabrik Scheidig (Badstraße), Karolinenstraße, Alexanderstraße 8, 10, 13, 15, 17, 19, 21, 23, Amalienstraße 43, 45, 47 und 48, 50, 52 und das Finanzamt am Hallplatz. Diesmal verlor die Royal Air Force (RAF) sieben Bomber.
10./11. August 1943
Wieder wurde Fürth neunzig Minuten lang - wieder gemeinsam mit Nürnberg - bombardiert. Der Alarm dauerte von 1 Uhr bis etwa 2:30 Uhr. Schäden gab es unter anderem in der Wolfsgrubermühle, Dambach, Burgfarrnbach, Westvorstadt, Veitsbronn, Vach, Südstadt (u.A. Schickedanz-Werke), Ludwigstraße, Amalienstraße und Winklerstraße. Diesmal warfen 611 RAF-Bomber - von denen 15 abgeschossen wurden - 840 Tonnen Spreng- und 1031,9 Tonnen Brandbomben.
25. Februar 1944
An diesem Freitag waren die Werke von Bachmann & Blumenthal das Ziel der Angriffe. Die ersten der 161 US-Bomber vom Typ B-24 erschienen gegen 12:40 Uhr von Westen kommend über Burgfarrnbach und warfen bis 15:15 Uhr Bomben. Die Flugzeugwerke wurden dabei schwer getroffen. Ebenso trafen Bomben die Cadolzburger Straße, Gutenbergstraße, Regelsbacher Straße, die Schlehenstraße, Bäumenstraße, Brauerei Geismann-Areal, Blumenstraße 53, Birkenstraße,Maistraße, Sommerstraße, den Hallplatz, die Königsstraße, Hirschenstraße, Rosenstraße, Katharinenstraße, Blumenstraße und Theaterstraße sowie die Schlehengasse. Sechs amerikanische "Liberators" wurden abgeschossen. Abgeworfen wurden 249,8 Tonnen Spreng-, 59,6 Tonnen Brandbomben und 110,3 Tonnen Luftminen.
Acht Bomber der USAAF warfen 24 Tonnen Sprengbomben gezielt auf den Burgfarrnbacher Bahnhof.
8. September 1944
Bei diesem 6. Angriff wurde besonders die Südstadt - wegen ihrer Kasernenanlagen - getroffen. Auch der Hans-Lohnert-Sportplatz wurde dabei beschädigt. Bei diesem Angriff warfen 44 britische Bomber in kleinen Formationen im Zuge von Störangriffen 65 Tonnen Spreng- und eine Tonne Brandbomben auf Ziele im Großraum Nürnberg.
10. September 1944
Erneut wurden die Werke von Bachmann & Blumenthal am Tag angegriffen. Der Alarm dauerte von 10:30 Uhr bis 12:07 Uhr. Neben schweren Schäden auf dem Werksgelände wurden auch 40 Gebäude in Burgfarrnbach beschädigt. Beteiligt waren 62 US-Bomber, die 120 Tonnen Spreng- und 30 Tonnen Brandbomben abgeworfen hatten.
26. November 1944
28. November 1944
Am frühen Abend (19:15 Uhr) wurden erneut die Dynamit-Nobel-Werke attackiert. Dabei wurde jedoch auch die Königsstraße, die Grüner-Brauerei an der Gartenstraße und das Klinikum getroffen.
19. Februar 1945
Durch Bomben kam es in der Kurgartenstraße zu Beschädigungen.
21. Februar 1945
Bei diesem Angriff auf Nürnberg, bei dem 1198 Bomber insgesamt 1700,3 Tonnen Spreng- und 1168,5 Tonnen Brandbomben abwarfen, wurde auch die Kleeblattstadt wieder schwer getroffen. Zwischen 10:45 Uhr und 14:45 Uhr fielen die Bomben. Dabei gab es Schäden in der Karolinenstraße, Waldstraße, Ritterstraße, Gebhardtstraße, Bahnhofstraße, Friedrichstraße (Parkhotel), Moststraße, Hindenburgstraße (heute Rudolf-Breitscheid-Straße), Adolf-Hitler-Straße (heute Königswarterstraße), Königsstraße und Nürnberger Straße. Zudem wurden die Foerstermühle beschädigt, sowie die Maxbrücke und das Wirtschaftsgebäude der SpVgg Fürth zerstört.
16. März 1945
Beim 12. Luftangriff kam es zu Schäden in der Südstadt (Sonnenstraße 38 und 40).
5. April 1945
66 US-Bomber attackierten ein Artilleriedepot in Fürth. Dabei fielen 143,2 Tonnen Spreng- und 50,6 Tonnen Brandbomben.
8. April 1945
Noch einmal wurden die Bachmann & Blumenthal Werke Ziel eines schweren Luftangriffes, bei dem sie laut Augenzeugenberichten „total zerstört“ wurden. Auch die erst errichtete Siedlung an der Wehlauer Straße wurde schwer getroffen, hier wurden zwei Drittel der Gebäude völlig zerstört. 89 amerikanische Bomber warfen 154,5 Tonnen Spreng- und 54 Tonnen Brandbomben.
18. April 1945
Einen Tag vor der Kapitulation Fürths wurde der 15. und letzte Angriff geflogen.

Bei den Zahlen der angreifenden Flugzeuge und der abgeworfenen Bomben handelt es sich um Gesamtzahlen des jeweiligen Einsatzes. Eingeschlossen sind auch Bomben, die Ziele außerhalb Fürths getroffen haben.

Kriegsschäden an Gebäuden[Bearbeiten]

Die Gesamtzahl der Gebäude zu Kriegsbeginn betrug 8.200, wovon 4.452 leicht, 2.133 „mittelschwer“ und 494 total zerstört wurden. Aufgeschlüsselt in Wohnungen wurden von 24.733 Wohneinheiten (1939) 2.093 leicht, 803 mittel, 783 schwer und 951 total beschädigt.[1]

Ende des Krieges[Bearbeiten]

Der Zweite Weltkrieg war für Fürth am Donnerstag, dem 19. April 1945 zu Ende, als der kommissarische Oberbürgermeister Karl Häupler die Kapitulation für Fürth unterzeichnete. In den frühen Morgenstunden überquerten US-amerikanische Streitkräfte die Rednitz und rückten die Königstraße vor, ab 11.00 Uhr am 19. April 1945 wehte die Flagge der Vereinigten Staaten vom Rathaus. Der erste Stadtkommandant war Captain John D. Cofer.

„Damit endete für die Stadt ein Zeitabschnitt, wie er in der Geschichte von Fürth noch nicht verzeichnet ist.“

Gottlieb Wunschel

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. Adolf Schwammberger: „Fürth von A bis Z“

Literatur[Bearbeiten]

  • Kriegsschäden. In: Adolf Schwammberger: Fürth von A bis Z. Ein Geschichtslexikon. Selbstverlag der Stadt, Fürth 1968, S. 230
  • Zerstörungen. In: Adolf Schwammberger: Fürth von A bis Z. Ein Geschichtslexikon. Selbstverlag der Stadt, Fürth 1968, S. 404 f.
  • Jörg Friedrich: Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940–1945. Propyläen Verlag, Berlin u. a. 2002, ISBN 3-549-07165-5.
  • Fürther Geschichtswerkstatt: Kriegsjahre in Fürth 1939–1945. Städtebilder-Fotoarchiv und Verlag, Fürth 2002, ISBN 3-927347-47-7.

Weblinks[Bearbeiten]