Luftangriffe auf München

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Die Münchener Innenstadt 1945 und 1989 im Vergleich

Bei den Luftangriffen auf München im Zweiten Weltkrieg wurde die bayerische Hauptstadt München schwer getroffen. Die Luftangriffe wurden von Einheiten der britischen Royal Air Force (RAF) und den United States Army Air Forces (USAAF) ausgeführt. Bei insgesamt 74 alliierten Luftangriffen kamen 6.632 Einwohner ums Leben; 15.800 wurden verwundet. Von der gesamten Stadtfläche war die Hälfte und die Altstadt sogar zu 90 Prozent zerstört.

Speziell die Nachtangriffe der RAF mit dem Flächenbombardement ziviler Ziele (Innenstadt, Wohngebiete und andere) erfolgten aufgrund der vom britischen Luftfahrtministerium (Air Ministry) am 14. Februar 1942 erteilten „Area Bombing Directive“.[1] Neben seiner Bedeutung als Standort kriegswichtiger Betriebe war München als „Hauptstadt der Bewegung“ auch ein propagandistisches Angriffsziel.

Auswahl alliierter Luftangriffe[Bearbeiten]

Datum Schwerpunkte Opfer Angreifende Bomber Abgeworfene Bomben Anmerkungen
4. Juni 1940 Innenstadt unbekannte Anzahl Bomber der französischen
Armée de l’air
erster Luftangriff mit Ziel
BMW-Flugmotor­enwerk Allach
19. September 1942 Innenstadt 30 Tote 89 Bomber der britischen Royal Air Force (RAF) 168 Tonnen
21. Dezember 1942 Innenstadt unbekannte Anzahl Bomber der RAF Nachtangriff
9./10. März 1943 Innenstadt 217 Bomber der RAF 567 Tonnen BMW-Stammwerk Milbertshofen
6. September 1943 Innenstadt 365 Bomber der RAF 1.020 Tonnen
2. Oktober 1943 Innenstadt 273 Bomber der RAF 958 Tonnen
18. März 1944 Innenstadt unbekannte Anzahl Bomber der
8. US-Luftflotte
24./25. April 1944 136 Tote unbekannte Anzahl Bomber u.a. Volltreffer auf das Landtagsgebäude Prannerstraße 20, München [2]. 70 000 Obdachlose[3]:374
9. Juni 1944 Innenstadt unbekannte Anzahl Bomber der
15. US-Luftflotte
11. Juli 1944 Innenstadt 1.115 Bomber der
8. US-Luftflotte
Ziele waren u.a. die BMW-Flugmotorenfabrik und der Flughafen München-Riem
12. Juli 1944 1.124 Bomber der
8. US-Luftflotte
2.708 Tonnen
13. Juli 1944 Innenstadt 1.260 Bomber der
8. US-Luftflotte
Zerstörung der Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität München.[4]
16. Juli 1944 Innenstadt 1.078 Bomber der
8. US-Luftflotte
19. Juli 1944 Innenstadt 350 Bomber der
15. US-Luftflotte
Vom 11.-19. Juli 1944 insgesamt 1471 Tote und 200 000 Obdachlose[3]:376
31. Juli 1944 567 Bomber der
8. US-Luftflotte
17. Dezember 1944 Altstadt 562 Tote 180 Bomber der RAF
8. Januar 1945 Innenstadt 505 Tote 597 Bomber der RAF
26. April 1945 Innenstadt unbekannte Anzahl US-Bomber letzter Luftangriff

Schäden[Bearbeiten]

Auf das Stadtgebiet Münchens wurden rund 450 Luftminen, 61.000 Sprengbomben, 142.000 Flüssigkeitsbrandbomben und 3.316.000 Stabbrandbomben abgeworfen. Hierbei wurden rund 90 % der historischen Münchener Altstadt zerstört. Das gesamte Stadtgebiet wies einen Zerstörungsgrad von rund 50 % seines Gebäudebestandes auf. Durch die alliierten Luftangriffe wurden rund 300.000 Einwohner obdachlos, weil 81.500 Wohnungen ganz oder teilweise zerstört worden waren.

Noch heute werden bei Bauarbeiten Blindgänger gefunden. Aufsehen erregte die kontrollierte Sprengung einer Bombe, die beim Abriss der Schwabinger 7 im August 2012 gefunden worden war. Die Sprengung verursachte Schäden in Millionenhöhe.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Jörg Friedrich: Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940–1945. 2. Auflage. Propyläen, Berlin 2002, ISBN 3-549-07165-5.
  • Richard Bauer: Fliegeralarm - Luftangriffe auf München von 1940 bis 1945. Hugendubel Verlag, München, 1987.
  • Richard Bauer: Ruinen-Jahre. Bilder aus dem zerstörten München 1945–1949. Hugendubel Verlag, 1988.
  • Hans-Günter Richardi: Bomber über München. Der Luftkrieg 1939 bis 1945, dargestellt am Beispiel der „Hauptstadt der Bewegung“. W. Ludwig Verlag, München, 1992.
  • Irmtraud Permooser: Der Luftkrieg über München 1942-1945. Bomben auf die Hauptstadt der Bewegung. Aviatic Verlag, Oberhaching 1996, ISBN 3-925505-37-7

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jörg Friedrich: Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940–1945, S. 83
  2. [1]
  3. a b  A.C. Grayling: Die toten Städte: Waren die alliierten Bombenangriffe Kriegsverbrechen? C. Bertelsmann Verlag, 2007, ISBN 9783570008454.
  4. Luise Dirscherl (Hrsg.): Die Ludwig-Maximilians-Universität München in Geschichte und Gegenwart. Verlag Lutz Garnies, Haar 2010, S. 149.