Brigata aeromobile “Friuli”

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Luftbewegliche Brigade Friuli)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen der Brigade Friuli
Kampfhubschrauber A129 Mangusta
Wappen 66. Infanterieregiment
Wappen 5. Heeresfliegerregiment
Wappen 7. Heeresfliegerregiment
Wappen der Division Friuli

Die Luftbewegliche Brigade Friuli ist ein Verband des italienischen Heeres, der aus Heeresfliegerkräften, Bodentruppen und einem luftbeweglichen Infanteriebataillon besteht. Der Stab der Brigade befindet sich in Bologna, die unterstellten Verbände sind in der Emilia-Romagna und im Friaul stationiert.

Auftrag[Bearbeiten]

Die Luftbewegliche Brigade „Friuli“ untersteht truppendienstlich dem regionalen Führungskommando COMFOD 1 in Vittorio Veneto. Sie hält luftbewegliche Kampf- und Unterstützungskräfte für Stabilisierungsmissionen, Evakuierungsoperationen und befristete Kampfeinsätze hoher Intensität im Rahmen der EU, der NATO, der UNO oder zur Landesverteidigung bereit. Bei Bedarf übernimmt die Brigade auch Unterstützungs- und Sicherungsaufgaben im Auftrag ziviler Stellen.

Gliederung[Bearbeiten]

Im Zug einer Neuordnung des Heeres wird die Brigade Ende 2013 einen Großteil der aufzulösenden Kavalleriebrigade Pozzuolo del Friuli übernehmen. Das hier genannte Kavallerieregiment Savoia Cavalleria geht im Gegenzug an die Fallschirmjägerbrigade Folgore.

Ausrüstung[Bearbeiten]

Die beiden Heeresfliegerregimenter verfügen über Kampfhubschrauber vom Typ Agusta A129C und Transporthubschrauber u.a. vom Typ A-109 und AB-412. Die Transporthubschrauber sollen in den nächsten Jahren von neuen NH90 abgelöst werden. Bei Bedarf können auch schwere Transporthubschrauber vom Typ CH-47C+ Chinook vom 1. Heeresfliegerregiment in Viterbo angefordert werden. Das luftbewegliche Regiment (Bataillonsstärke) ist mit dem Mehrzweckfahrzeug VTLM Lince ausgerüstet, das Kavallerieregiment (Panzeraufklärungsbataillon) mit dem Radpanzer Centauro.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Brigade entstand 1884 zusammen mit ihren beiden Infanterieregimentern 87 und 88 in Mailand. Die Brigade Friuli kämpfte im Ersten Weltkrieg unter anderem bei Monfalcone, bei Asiago und bei Flitsch, wo ein Giftgasangriff am 24. Oktober 1917 schwere Verluste forderte. Nach dem Krieg wurde die Brigadeebene in der bisherigen Form abgeschafft und die Infanterieregimenter den Divisionen direkt unterstellt. 1939 führte Italien die schwachen, aus nur zwei Infanterieregimentern bestehenden „binären Divisionen“ ein, darunter auch die 20. Infanteriedivision Friuli mit den beiden oben genannten Infanterieregimentern und dem 35. Feldartillerieregiment. 1941 kam als Ergänzung noch das 387. Infanterieregiment hinzu. Die Division nahm unter anderem an den Operationen in Jugoslawien teil, danach an der Besetzung Korsikas. Im September 1943 und im Frühjahr 1945 beteiligte sich die Division zusammen mit anderen italienischen Verbänden am Befreiungskrieg gegen die Wehrmacht, zunächst auf Korsika, dann auf dem Festland (u.a. Senio-Brückenkopf, Einnahme Bolognas). Nach 1945 war die Friuli (mit Stab in Florenz) eine der Keimzellen des neuen Heeres. 1960 wurde sie zu einer motorisierten Infanteriebrigade verkleinert, die nach der Heeresreform von 1975 aus drei Infanteriebataillonen (78. Lupi di Toscana, 87. Senio, 225. Arezzo), aus einem Panzerbataillon (19. Tumiati), einem Feldartilleriebataillon (35. Riolo) und einem Logistikbataillon (Friuli) bestand. In den 1980er Jahren bildete die Brigade zusammen mit der Fallschirmjägerbrigade Folgore und anderen kleineren Verbänden (San-Marco-Regiment) die „Schnelle Eingreiftruppe“ (Forza d’Intervento Rapido, HQ Florenz, 1997 aufgelöst) der italienischen Streitkräfte. Ende der 1980er Jahre war die Brigade in gewisser Weise „luftbeweglich“. Häufig brachten Lufttransportkräfte der italienischen Luftwaffe Einheiten der Brigade zu Manövern und Übungen nach Süditalien. Im Rahmen der Auflösungswelle von 1991 fusionierte die Friuli mit der mechanisierten Infanteriebrigade Trieste in Bologna. Die Trieste hatte sich als motorisierte Infanteriedivision von 1941 bis 1943 in Nordafrika besonders ausgezeichnet. Einem „Traditionserlass“ des Verteidigungsministeriums zufolge durften Verbände, die sich während des Krieges von 1940 bis 1943 besonders ausgezeichnet hatten, auch nach 1945 weiterbestehen, sofern sie Großverbänden unterstellt wurden, die am Befreiungskrieg von 1943 bis 1945 teilgenommen hatten. Aus diesem Grund „übernahm“ die Friuli 1991 die Trieste-Brigade und verlegte ihr Hauptquartier nach Bologna. Mit dem 66. Regiment leben die Traditionen der Trieste im Rahmen der Friuli weiter.

2001 ordnete der Generalstab des Heeres an, die Friuli von einer mechanisierten in eine luftbewegliche Brigade umzuwandeln. Hintergrund der Entscheidung war nicht so sehr die Erkenntnis über die Bedeutung der neuartigen luftbeweglichen Kräfte, sondern eher die politisch motivierte Absicht, ein Gegengewicht zur Fallschirmjägerbrigade Folgore zu bilden. Wegen rechtsradikaler Vorkommnisse hatten einige politische Kreise in den 1990er Jahren die Auflösung der Fallschirmjägerbrigade verlangt.

Ohne genauere Vorgaben des Generalstabs in Rom restrukturierte das Brigadekommando in Bologna die Brigade im Wesentlichen in eigener Regie mit Pragmatismus und außergewöhnlicher Realitätsbezogenheit und entwickelte eine ganz eigene Einsatzdoktrin für den neuen Verband. Diese Doktrin und die damit verbundenen Einsatzmodalitäten unterscheiden sich derart von gewöhnlichen Luftlande- und Fallschirmjägerverbänden, dass man auf eine (besonders von der Folgore-Brigade geforderte) Fusion von Fallschirmjägern und luftbeweglichen Kräften in Italien im Gegensatz zu den britischen Streitkräften verzichtet hat (16 Air Assault Brigade durch Fusion von 24 Airmobile Brigade und 5 Airborne Brigade).

Die Brigade Friuli hat in den vergangenen Jahren an etlichen Einsätzen und Übungen im In- und Ausland teilgenommen. 1992 und 1993 wurden Teile der Brigade auf Sizilien zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit eingesetzt. Danach entsandte man bis Anfang 1994 zwei mechanisierte Infanterieverbände der Brigade zu einem Auslandseinsatz (UNITAF) nach Somalia. 1997 folgte ein Militäreinsatz in Albanien („Operation Alba“), 1998 die Beteiligung an der SFOR-Mission in Bosnien und Herzegowina („Operation Joint Forge“) und von Oktober 1999 bis April 2000 ein weiterer Einsatz in Albanien zur Unterstützung der KFOR (Communication Zone West). Nach der Umstrukturierung der Brigade und etlichen Übungen (unter anderem in Polen und Tunesien) wurde die luftbewegliche Brigade ab 2004 mehrmals im Irak, in Afghanistan und im Libanon eingesetzt.

Im Rahmen einer Neuordnung des italienischen Heeres wurde im Juli 2013 in Florenz ein neues Divisionskommando Friuli aufgestellt, das mit der Luftbeweglichen Brigade Friuli Namen, Geschichte und Traditionen teilt und zugleich in der Nachfolge der früheren Infanteriedivision Friuli steht. Anfang 2014 soll die Brigade Friuli Namen und Traditionen der aufzulösenden Kavalleriebrigade Pozzuolo del Friuli übernehmen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]