Luftfahrzeugkennzeichen

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Beispiel: D-EBUT.
D – Deutschland,
E – Einmotoriges Flugzeug bis 2 t max. Startgewicht (in Deutschland),
BUT – individuelles Eintragungszeichen

Das Luftfahrzeugkennzeichen ist ein individueller alphanumerischer Code, der ein Luftfahrzeug eindeutig identifiziert. Er setzt sich zusammen aus dem Staatszugehörigkeitszeichen und dem nationalen Eintragungszeichen.

Wird ein Luftfahrzeug im Inland verkauft, bleibt das Kennzeichen in der Regel erhalten. Wird ein Luftfahrzeug aus dem Verkehr gezogen oder in einem anderen Staat unter einem neuen Kennzeichen weiter geflogen, kann das freigewordene Kennzeichen erneut (an ein anderes Luftfahrzeug) vergeben werden.

Allgemeines[Bearbeiten]

Völkerrechtliche Grundlage[Bearbeiten]

Artikel 20 des Abkommens über die internationale Zivilluftfahrt von 1944 lautet: „Führen von Kennzeichen: Jedes in der internationalen Luftfahrt verwendete Luftfahrzeug hat die ihm vorgeschriebene Staatszugehörigkeits- und Eintragungszeichen zu führen.“ (Wortlaut der in Deutschland gültigen Übersetzung [1]). Das Abkommen schreibt also vor, dass jedes Luftfahrzeug mit einem eindeutigen Kennzeichen beschriftet sein muss, das sich aus dem Staatszugehörigkeitszeichen des Staates, in dem das Luftfahrzeug registriert ist, und einem nationalen Eintragungszeichen zusammensetzt.

Die Ausführungsbestimmungen zum Artikel 20 sind im Annex 7 festgelegt. Gemäß Abschnitt 2.3 wählt jeder Staat sein Staatszugehörigkeitszeichen aus dem Buchstabenbereich, der ihm von der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) für die Rufzeichen seiner Funkstationen zugewiesen wurde. Die Wahl ist der ICAO mitzuteilen. Das Eintragungszeichen wird von jedem Staat nach einem eigenen System vergeben. Annex 7 des Abkommens schreibt auch vor, wo und wie das Kennzeichen am Flugzeug angebracht sein muss.

Die Mitgliedsstaaten der ICAO sind verpflichtet, diese Vorgaben in ihrer nationalen Gesetzgebung umzusetzen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Vorschriften der ICAO gehen zurück auf das überarbeitete Luftverkehrsabkommen von Paris von 1932, auf dem das Chicagoer Abkommen von 1944 aufbaut. Darin wurde festgelegt, dass die Stationskennung der Bordfunkstation eines Luftfahrzeugs mit dem Luftfahrzeugkennzeichen übereinstimmen soll.

Für die Stationskennung von Funkstationen waren den Ländern aber schon im Washingtoner Radiotelephonieabkommen von 1927 Buchstabenbereiche zugeteilt worden. Somit konnten die Länder ihre Luftfahrzeug-Staatszugehörigkeitszeichen nur noch aus diesem Bereich wählen. Daneben war im Washingtoner Abkommen auch festgelegt, dass die Stationskennung der Bordfunkstation eines Luftfahrzeugs immer aus fünf Buchstaben bestehen soll. Deshalb umfassen die Luftfahrzeugkennzeichen in vielen Ländern noch heute fünf Buchstaben. (Im Chicagoer Abkommen von 1944 wurde diese Bestimmung dann fallen gelassen.)

Zuordnung der Staatszugehörigkeitszeichen[Bearbeiten]

Europäische Staatszugehörigkeitszeichen

Im Washingtoner Radiotelefonieabkommen von 1927 wurde jedem Land ein Buchstabenbereich zugewiesen, aus dem es die Kennungen seiner Funkstationen nehmen musste. Die damaligen Großmächte USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland und Japan erhielten jeweils einen ganzen Buchstabenblock (die USA drei), alle anderen Länder einen Teilbereich eines Buchstabens.

Beispiele für Buchstabenbereiche für die Funkstationskennungen
Buchstabenbereich      Land
K, N, W USA
F Frankreich und Kolonien
I Italien und Kolonien
CAA … CEZ Chile
CFA … CKZ Kanada
HAA … HAZ Ungarn
HBA … HBZ Schweiz
HCA … HCZ Ecuador

Während bei einigen Ländern die Wahl des Bereichs offensichtlich ist (F für Frankreich, I für Italien, G für Großbritannien), ist bei anderen zumindest auf den ersten Blick kein Zusammenhang erkennbar; sie dürften wohl zufällig aus den übrigen Bereichen zugeordnet worden sein (OO für Belgien, PH für die Niederlande). Bei einigen Ländern lässt sich eine bewusste Wahl immerhin vermuten (Cx für Chile und Canada, Hx für Ungarn (Hungaria) und Schweiz (Helvetia)). Im Abkommen selbst wird die Zuordnung nicht begründet.

Ursprünglich waren in der Kennung nur Buchstaben und keine Zahlen erlaubt. Diese Regel wurde später geändert, als im Laufe der Entkolonialisierung viele neue Staaten entstanden und keine Buchstabenblöcke mehr verfügbar waren.

Deutschland[Bearbeiten]

Die hier angegebenen Kennzeichen beziehen sich auf den Zeitraum seit 1945, für die Zeit davor siehe Deutsche Flugzeugkennzeichen bis 1945

Zivil[Bearbeiten]

Zivile, nationale Kennzeichen von Luftfahrzeugen in Deutschland bestehen jeweils aus dem Buchstaben „D“ für Deutschland und vier Ziffern für Segelflugzeuge bzw. vier Buchstaben für alle anderen Luftfahrzeuge. Der auf das „D-“ folgende Buchstabe kategorisiert die Art beziehungsweise das Gewicht des Luftfahrzeugs:

Art Höchstabfluggewicht Beispiele registrierte
Luftfahrzeuge
Ende 2013[2]
D-A Flugzeuge über 20 t Airbus A320, Airbus A330, Airbus A380, Boeing 737, Boeing 747, Dash 8Q-400 00.794
D-B Flugzeuge 14 – 20 t Dash-8Q-100/200/300, DO-328JET 00.040
D-C Flugzeuge 5,7 – 14 t Saab 340, Cessna Citation CJ3 00.233
D-E einmotorige Flugzeuge bis 2 t Piper PA-28, Cessna 172 07.183
D-F einmotorige Flugzeuge 2 – 5,7 t PC-12, An-2 00.184
D-G mehrmotorige Flugzeuge bis 2 t Piper PA-34 Seneca, Diamond DA42 Twin Star 00.248
D-H Drehflügler
(z.B. Hubschrauber)
EC 135, EC 145 00.889
D-I mehrmotorige Flugzeuge 2 – 5,7 t Piaggio Avanti, Cessna Citation CJ1+, Piper PA-42 00.422
D-K Motorsegler Grob G 109, Scheibe Falke, Super Dimona 03.513
D-L Luftschiffe Zeppelin NT, Prallluftschiffe 00.003
D-M motorisierte Luftsportgeräte
(z. B. Ultraleichtflugzeuge)
bis 0,4725 t FK 9, Ikarus C42 04.371[3]
D-N nichtmotorisierte Luftsportgeräte
(z.B. Hängegleiter, Gleitflugzeuge, u. ä.)
D-O Gas- und Heißluftballone/-luftschiffe GEFA-Flug AS 105 GD 01.203
D-xxxx Segelflugzeuge, wobei
xxxx für eine vierstellige Zahl steht
LS4, K 8, ASK 21, Discus 07.826
Summe 26.909

Beispiel: D-MABC (im Flugfunk nach dem ICAO-Alphabet Delta Mike Alpha Bravo Charlie gesprochen) ist ein motorisiertes Ultraleichtflugzeug.

Die Kennzeichnung muss auf beiden Seiten des Flugzeugs am Heck angebracht sein, bei Flugzeugen bis 5,7 t zusätzlich auf der Unterseite der linken Tragfläche. Die Schrift muss kontrastreich und mindestens 30cm hoch sein. Das Hoheitszeichen (Bundesflagge) hat eine Mindesthöhe von 15 cm. Für andere Arten von Luftfahrzeugen gelten ähnliche Bestimmungen.

Die DDR besaß folgende Staatszugehörigkeitszeichen: 1950–1956 DDR, 1956–1981 DM und 1981–1990 DDR. In den Jahren 1981/82 kam es zu parallel geführten Staatszugehörigkeitszeichen im Flugwesen der damaligen DDR.

Militärisch[Bearbeiten]

Ein ehemaliges Militärflugzeug DO-27, das neben dem zivilen auch das alte militärische Kennzeichen trägt

Bei der Luftwaffe der Wehrmacht wurden Flugzeuge mit einer zweistelligen Geschwaderkennung, gefolgt von einer weiteren zweistelligen Nummer für die Stellung des Luftfahrzeuges innerhalb des Geschwaders gekennzeichnet.

Deutsche militärische Luftfahrzeuge der Bundeswehr werden seit 1968 mit Nummern gekennzeichnet, die einen Rückschluss auf Typ und Seriennummer zulassen (z. B. 35+01, mit einem Eisernen Kreuz zwischen den Zahlen)[4]. Vor Einführung dieses Systems bestand ein System, bei dem zwei Buchstaben mit drei Ziffern kombiniert wurden. Die Buchstaben standen für die Einheit, der das Luftfahrzeug zugeordnet war. Dabei stand der erste Buchstabe für die Teilstreitkraft und den Geschwadertyp (nur Luftwaffe). Der zweite Buchstabe identifizierte dann, in Verbindung mit dem ersten Buchstabe, die jeweilige Einheit bzw. Dienststelle welcher das Luftfahrzeug zugeordnet war. Aus den Ziffern konnte teilweise innerhalb der Geschwader/Einheiten die Zuordnung des Lfz zu einzelnen Staffeln erkannt werden.[5]

Militärflugzeuge, denen nach Ausmusterung ein ziviles Kennzeichen zugeordnet wurde, können auf Sonderantrag das ursprüngliche militärische Kennzeichen als Dekoration weiter führen, verwendet wird jedoch ausschließlich das zivile Kennzeichen.

Österreich[Bearbeiten]

Ein in Österreich registrierter Rettungshubschrauber mit dem Kennzeichen OE-XEP

Ihre Gestaltung ist in § 6 Zivilluftfahrzeug- und Luftfahrtgerät-Verordnung (ZLLV) und in Anlage B geregelt. Auf das Staatszugehörigkeitszeichen „OE“ und einen Bindestrich folgen drei Buchstaben, wobei der erste die Art des Luftfahrzeugs angibt. Mögliche Anfänge für ein Kennzeichen sind:

  • OE-A, OE-C einmotorig bis 2.000 kg Höchstabfluggewicht, 1 bis 3 Sitze
  • OE-B Luftfahrzeuge des Bundes (z. B. Bundesministerium für Inneres)
  • OE-D, OE-K einmotorig bis 2.000 kg Höchstabfluggewicht, mehr als 3 Sitze
  • OE-E einmotorig 2.000–5.700 kg Höchstabfluggewicht
  • OE-F mehrmotorig bis 5.700 kg Höchstabfluggewicht
  • OE-G 5.700 bis 14.000 kg Höchstabfluggewicht
  • OE-H 14.000 bis 20.000 kg Höchstabfluggewicht
  • OE-I, OE-L mehr als 20.000 kg Höchstabfluggewicht
  • OE-U Zwischenbewilligungen
  • OE-V Testregistrierungen
  • OE-W Wasser- und Amphibienfahrzeuge
  • OE-X Hubschrauber
  • OE-Y Unbemannte Luftfahrzeuge
  • OE-Z, OE-R, OE-S Luftfahrzeuge leichter als Luft
  • abweichend von obigem Schema sind noch die Freiballone „OE-“ AZC, AZM, AZW, CZH, CZS, DZD, DZK, DZS, DZU, DZW und DZY registriert.


Eine Ausnahme von den in Europa üblicherweise fünf Zeichen langen Luftfahrtzeugkennzeichen bilden in Österreich Segelflugzeuge, motorisierte Hänge- und Paragleiter, Ultraleichtflugzeuge und Motorsegler. Bei diesen werden die drei Buchstaben nach dem Bindestrich durch vier Ziffern ersetzt und sind demnach sechs Zeichen lang.
„Runde“ Tausender werden (Stand Jan.2013) nicht ausgegeben.

Schweiz[Bearbeiten]

Ein in der Schweiz registrierter Heißluftballon mit dem Kennzeichen HB-QNZ

In der Schweiz heißt das Staatszugehörigkeitszeichen offiziell Hoheitszeichen.[6] Es besteht aus den Buchstaben HB und dem Wappen der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Aufbau und Gestaltung des Kennzeichens ist in der Verordnung über die Kennzeichen der Luftfahrzeuge (VKZ) geregelt.[7] Bei zivilen Luftfahrzeugen besteht das Kennzeichen aus dem Hoheitszeichen HB gefolgt von einem Bindestrich und dem Eintragungszeichen.

Bei Flugzeugen, Helikoptern, Ballonen und Luftschiffen besteht das Eintragungszeichen aus drei Buchstaben. Der erste Buchstabe des Eintragungszeichens enthält Informationen über die Art des Luftfahrzeugs:

  • HB-A Zweimotorige Turboprops von 5.7 bis 15 Tonnen
  • HB-B Ballone (Heißluft und Gas)
  • HB-C Einmotorige Cessna unter 5.7 Tonnen (C150 bis C210)
  • HB-D Andere einmotorige unter 5.7 Tonnen
  • HB-E Auf Antrag für Beech und Robin
  • HB-F Flugzeuge aus Schweizer Produktion (Pilatus PC-6, PC-12)
  • HB-G Zweimotorige unter 5.7 Tonnen (BE45/50/55/58/60/65/76/90/10/20, AC60/69/85 und andere)
  • HB-H Einmotorige Flugzeuge aus Schweizer Produktion unter 5.7 Tonnen (DO27, FFA Bravo, Dätwyler MD, Pilatus PC-7 & PC-9 & PC-21)
  • HB-I Flugzeuge über 15 Tonnen (einschließlich DC-3)
  • HB-J Flugzeuge über 15 Tonnen, wenn HB-I aufgebraucht ist (einschließlich DC-3)
  • HB-K Einmotorige Flugzeuge unter 5.7 Tonnen (Beech, Robin, SOCATA, Slingsby, AC12/14, Beagle 121)
  • HB-L Zweimotorige Flugzeuge unter 5.7 Tonnen (PA23/24/30/31/34/42/44/60, P68, BN2, DHC6, C303/310/320/335/337/340/401/402/404/414, C421/425/441)
  • HB-M Kunstflugflugzeuge
  • HB-N Einmotorige Piper unter 5.7 Tonnen, wenn HB-P aufgebraucht ist
  • HB-O Auf Antrag für einmotorige Piper
  • HB-P Einmotorige Piper unter 5.7 Tonnen
  • HB-Q Ballone, wenn HB-B aufgebraucht ist
  • HB-R Oldtimer und spezielle
  • HB-S Einmotorige Zweiplätzer unter 5.7 Tonnen
  • HB-T Einmotorige Cessna unter 5.7 Tonnen, wenn HB-C aufgebraucht ist
  • HB-U Einmotorige unter 5.7 Tonnen aus deutscher, italienischer oder Ostblock-Produktion
  • HB-V Business-Jets unter 15 Tonnen
  • HB-W Ecolight
  • HB-X Helikopter
  • HB-Y Experimental
  • HB-Z Helikopter, wenn HB-X aufgebraucht ist

Segelflugzeuge und Motorsegler tragen als Eintragungszeichen eine fortlaufende Zahl. Motorsegler erhalten ein Eintragungszeichen aus dem Bereich von HB-2000 bis HB-2999, bei den reinen Segelflugzeugen wurde dieser Bereich entsprechend übersprungen. Ecolight-Motorsegler sind dem Bereich über HB-5500 zugeordnet. Anfang 2009 stand der Zähler bei HB-2453, HB-3430 und HB-5505.

Die Kennzeichen militärischer Luftfahrzeuge der Schweiz beginnen nicht mit HB.

Geschichte des Hoheitszeichens „HB“[Bearbeiten]

Historisches Bild eines Flugzeugs mit dem Kennzeichen CH133. (Aufnahme um 1925)

Vor 1932 bestand das Kennzeichen von Schweizer Luftfahrzeugen aus dem Hoheitszeichen CH (für Confoederatio Helvetica), gefolgt von einer Zahl. Mit dem Beitritt der Schweiz zum überarbeiteten Luftfahrtabkommen von Paris wurde der Schweiz das Hoheitszeichen HB zugewiesen.

Am 13. Oktober 1919 wurde in Paris von den Siegermächten der Pariser Friedenskonferenz ein internationales Luftfahrtabkommen verabschiedet. Es wies aus Sicht der anderen Staaten gravierende Mängel auf, weshalb viele Staaten, darunter auch die Schweiz, nicht beitraten. 1932 wurde das Abkommen an einer Konferenz überarbeitet, die vom 10. bis 15. Juni in Paris tagte. Teil nahmen neben den Vertragsstaaten von 1919 noch weitere 17 Staaten, darunter auch die Schweiz. Die überarbeitete Fassung wurde einstimmig gutgeheißen und anschließend auch von allen Teilnehmerstaaten ratifiziert, außer von Persien, welches den Vertrag kündigte. Das überarbeitete Abkommen trat am 17. Mai 1933 in Kraft. Der Beitritt zum überarbeiteten Pariser Luftfahrtabkommen wurde am 18. Juni 1934 von der Bundesversammlung ratifiziert (SR: 13. Juni, NR: 18. Juni). Das Abkommen trat für die Schweiz am 1. Oktober 1934 in Kraft,[8] 1944 abgelöst durch das Abkommen über die internationale Zivilluftfahrt, das – mit einigen Überarbeitungen – bis heute in Kraft ist.

In Anhang A des überarbeiteten Pariser Luftfahrtabkommens wird festgehalten, dass das Funkrufzeichen eines Flugzeugs identisch ist mit seinem Kennzeichen. Dieses wiederum sollte aus fünf Buchstaben bestehen, wobei der erste oder die ersten beiden Buchstaben das Hoheitszeichen bilden. Bereits im Internationalen Radiotelegraphievertrag von Washington vom 25. November 1927 war aber jedem Land für die Rufzeichen seiner Funkstationen ein Buchstabenblock zugeteilt worden, der ausdrücklich auch für die Bordfunkstationen von Flugzeugen galt. Die Schweiz konnte nach diesem Abkommen über den Block HBA–HBZ verfügen.[9] Folglich wurde im Anhang A des überarbeiteten Pariser Luftfahrtabkommens für die Schweiz das Hoheitszeichen HB festgelegt.

Der Grund, weshalb der Schweiz an der Washingtoner Konferenz von 1927 das Rufzeichen HB zugewiesen wurde, ist nicht überliefert. Die Vermutung liegt nahe, dass die Schweiz einen Buchstabenblock mit H wie Helvetia gewünscht hat, als zweitbeste Wahl, nachdem das in anderen Bereichen übliche CH nicht möglich war, da dieses im Buchstabenblock von Kanada lag. Weder wird im Vertrag die Zuordnung begründet, noch erklärt die Botschaft des Bundesrats die Entscheidung.[10]

Unwahre Legenden und Erklärungsversuche

Eine Blockierung von CH durch Chile hat es nicht gegeben, da im Washingtoner Radiotelegraphievertrag von 1927 der Buchstabenblock CF–CK Kanada zugeordnet wurde, welches als Hoheitszeichen CF wählte. Aus dem ihm zugeteilten Block CA–CE wählte Chile das Hoheitszeichen CC.[11]

Eine andere Erklärung lautet, dass HB für Helvetischer Bund stehe, jedoch gab es nie eine Vereinigung mit dieser Bezeichnung. Die Übersetzung von Confoederatio Helvetica mit Helvetischer Bund ist historisch nicht haltbar, da die lateinische Bezeichnung 1848 gleichzeitig mit dem deutschen Namen Schweizerische Eidgenossenschaft eingeführt wurde. Darüber hinaus ist es nicht plausibel, dass sich die viersprachige Schweiz als Hoheitszeichen eine deutsche Bezeichnung gibt.

Humoristische Erklärungsvarianten sind beispielsweise, dass der Vertreter der Schweiz Heiri Bünzli hieß, wobei der Name Bünzli in der Schweiz als Metapher für den kleinkarierten, verklemmten, langweiligen, humor- und eigenschaftslosen Spießbürger gilt. Nach einer Notwasserung eines Swissair-Flugzeugs im Juni 1954 wurde scherzhaft verbreitet, dass HB als Gedächtnisstütze für die Piloten diene und für „hesch Bänzin?“ (hast Du Benzin?) stehe.

Liechtenstein[Bearbeiten]

Liechtenstein ist kein selbständiges ICAO-Mitglied, sondern lässt sich durch die Schweiz vertreten. Entsprechend tragen Liechtensteiner Luftfahrzeuge ein HB-Kennzeichen. Von Schweizer Luftfahrzeugen unterscheiden sie sich dadurch, dass sie als Hoheitszeichen nicht das Schweizerkreuz sondern das kleine Staatswappen Liechtensteins, also das gold-rote Wappen des Liechtensteiner Fürstenhauses, tragen.[12]

USA[Bearbeiten]

Aufbau[Bearbeiten]

US-amerikanische Luftfahrzeugkennzeichen bestehen aus dem Staatszugehörigkeitszeichen N und einem Eintragungszeichen. Abweichend von der ICAO-Norm werden die beiden Teile des Kennzeichens nicht durch einen Bindestrich getrennt.

Das Eintragungszeichen besteht aus maximal 5 Zeichen, wobei die beiden letzten sowohl Ziffern als auch Buchstaben sein können, die übrigen Zeichen nur Ziffern sein dürfen. Die erste Ziffer darf keine Null sein, die Buchstaben dürfen weder I noch O sein. Damit weicht dieses Eintragungszeichen von der ICAO-Norm ab, wonach das Eintragungszeichen aus – je nach Länge des Staatszugehörigkeitszeichens – 3 oder 4 Buchstaben bestehen soll.

Es sind also folgende Kennzeichenmuster möglich:

  • N1
  • N1A
  • N1AB
  • N12
  • N12A
  • N12AB
  • N123
  • N123A
  • N123AB
  • N1234
  • N1234A
  • N12345

Kennzeichen vor 1949[Bearbeiten]

Die Spirit of St. Louis trug das Kennzeichen N-X-211, sie war also als Experimental zugelassen.

Bis Ende 1948 stand vor dem eigentlichen Eintragungszeichen noch ein zusätzlicher Buchstabe, der Informationen über das Luftfahrzeug enthielt. Seit 1949 enthält das Kennzeichen keinen solchen Buchstaben mehr. Historische Flugzeuge tragen ihn zwar teilweise noch, aber im offiziellen Register tritt er nicht mehr auf.

Dieser Buchstabe bedeutete folgendes:

  • C = commercial[13]
  • G = glider
  • L = limited
  • P = private
  • R = restricted
  • S = state
  • X = experimental

Zum Beispiel lautete das Kennzeichen der Spirit of St. Louis NX211.

Die Bedeutung von N[Bearbeiten]

Das Staatszugehörigkeitszeichen N geht zurück auf die Londoner Radiotelegraphiekonferenz von 1912, an der zum ersten Mal die Kennungen der Funkstationen weltweit koordiniert wurden. Dabei wurden den USA für die Kennungen ihrer Funkstationen drei Buchstabenbereiche zugewiesen: N, W und KDA–KZZ. Die Pariser Luftfahrtkonferenz von 1919, an der zum ersten Mal ein international einheitliches Schema für die Luftfahrzeugkennzeichen festgelegt wurde, übernahm dann diese Einteilung.

Der Grund, weshalb den USA in London ausgerechnet diese drei Buchstabenbereiche zugeteilt wurden, ist nicht überliefert. Ebenso wenig ist der Grund überliefert, weshalb die USA dann für ihre Luftfahrzeugkennzeichen das N und nicht das W oder K wählten. Die wahrscheinlichste Erklärung für das N lautet, dass die USA 1912 das Rufzeichenpräfix der Navy übernahm, die damals bei der Entwicklung der drahtlosen Kommunikation führend war und deren Rufzeichen seit 1909 mit N begannen.[14]

Bemerkenswert ist, dass die USA die Zuordnung der Konferenz von 1919 übernahmen, obwohl sie dem Abkommen nicht beitraten.

Liste der Staatszugehörigkeitszeichen[Bearbeiten]

Im Folgenden die Liste der Staatszugehörigkeitszeichen der zivilen Luftfahrzeuge in einer sortierbaren Tabelle (Stand September 2009).[15]

Staatszugehörigkeits-
zeichen
Land
YA Afghanistan
SU Ägypten
ZA Albanien 2
7T Algerien
D2 Angola
VP-A Anguilla (Vereinigtes Königreich)
V2 Antigua und Barbuda
3C Äquatorialguinea
LQ, LV Argentinien
EK Armenien
P4 Aruba (Niederlande)
4K Aserbaidschan
ET Äthiopien
VH Australien
C6 Bahamas
A9C Bahrain
S2 Bangladesch
8P Barbados
OO Belgien
V3 Belize
TY Benin
VP-B, VQ-B Bermuda (Vereinigtes Königreich)
A5 Bhutan
CP Bolivien
E7 Bosnien und Herzegowina
A2 Botswana
PP, PR, PT, PU Brasilien
VP-L Britische Jungferninseln (Vereinigtes Königreich)
V8 Brunei Darussalam
LZ Bulgarien
XT Burkina Faso
9U Burundi
VP-C Cayman-Inseln (Vereinigtes Königreich)
CC Chile
B China einschließlich der Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao, sowie Taiwan
E5 Cookinseln
TI Costa Rica
TU Côte d'Ivoire
OY Dänemark, einschließlich Färöer und Grönland
D Deutschland
J7 Dominica 4
HI Dominikanische Republik
J2 Dschibuti
HC Ecuador
YS El Salvador
E3 Eritrea
ES Estland
VP-F Falklandinseln (Vereinigtes Königreich)
DQ Fidschi
OH Finnland
F Frankreich, einschließlich (auch zum Teil ehemaliger) Überseeterritorien und Überseedepartemente
TR Gabun
C5 Gambia
4L Georgien
9G Ghana
VP-G Gibraltar (Vereinigtes Königreich)
J3 Grenada
SX Griechenland
TG Guatemala
3X Guinea
J5 Guinea-Bissau
8R Guyana
HH Haiti
HR Honduras
VT Indien
PK Indonesien
YI Irak
EP Iran
EI, EJ Irland
TF Island
M Isle of Man (vertreten durch das Vereinigte Königreich)
4X Israel
I Italien
6Y Jamaika
JA Japan
7O Jemen
JY Jordanien
XU Kambodscha
TJ Kamerun
C, CF Kanada
D4 Kap Verde
UP Kasachstan
A7 Katar
5Y Kenia
EX Kirgisistan
T3 Kiribati 2
D6 Komoren
HJ, HK Kolumbien
9Q Kongo, Demokratische Republik (Kinshasa)
TN Kongo, Republik (Brazzaville)
9A Kroatien
CU Kuba
9K Kuwait
RDPL Laos 1
7P Lesotho
YL Lettland
OD Libanon
A8 Liberia
5A Libyen
HB Liechtenstein 5
LY Litauen
LX Luxemburg
5R Madagaskar
7Q Malawi
9M Malaysia
8Q Malediven
TZ Mali
9H Malta
CN Marokko
V7 Marshall-Inseln
5T Mauretanien
3B Mauritius
Z3 Mazedonien
XA, XB, XC Mexiko
V6 Mikronesien
ER Moldawien
3A Monaco
JU Mongolei
4O Montenegro
VP-M Montserrat (Vereinigtes Königreich)
C9 Mosambik
XY, XZ Myanmar
V5 Namibia
C2 Nauru
9N Nepal
ZK, ZL, ZM Neuseeland
YN Nicaragua
PH Niederlande
PJ Niederländische Antillen (Niederlande)
5U Niger
5N Nigeria
P Nordkorea 1
LN Norwegen
A4O Oman
OE Österreich
AP Pakistan
T8 Palau
HP Panama
P2 Papua-Neuguinea
ZP Paraguay
OB Peru
RP Philippinen 1
SP Polen
CR, CS Portugal
9XR Ruanda
YR Rumänien
RA Russische Föderation 1
H4 Salomonen
9J Sambia
5W Samoa
T7 San Marino
S9 São Tomé und Príncipe
HZ Saudi-Arabien
SE Schweden
HB Schweiz
6V, 6W Senegal
YU Serbien
S7 Seychellen
9L Sierra Leone
Z Simbabwe 1
9V Singapur
OM Slowakei
S5 Slowenien
6O Somalia
EC Spanien
4R Sri Lanka
VQ-H St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha (Vereinigtes Königreich)
V4 St. Kitts und Nevis
J6 St. Lucia
J8 St. Vincent und die Grenadinen
ZS, ZT, ZU Südafrika
ST Sudan
HL Südkorea
PZ Suriname
3D Swasiland
YK Syrien
EY Tadschikistan
5H Tansania
HS Thailand
5V Togo
A3 Tonga
9Y Trinidad und Tobago
TT Tschad
OK Tschechische Republik
TS Tunesien
TC Türkei
EZ Turkmenistan
VQ-T Turks- und Caicosinseln (Vereinigtes Königreich)
T2 Tuvalu 3, 4
5X Uganda
UR Ukraine
HA Ungarn
CX Uruguay
N USA, einschließlich Außengebiete
UK Usbekistan
YJ Vanuatu
HV Vatikanstadt 3, 4
YV Venezuela
A6 Vereinigte Arabische Emirate
G Vereinigtes Königreich
XV Vietnam
EW Weißrussland
TL Zentralafrikanische Republik
2 Guernsey
5B Zypern

1 Das Staatszugehörigkeitszeichen ist nicht konform zu Absatz 2.3 des Annex 7.

2 Dieser Vertragsstaat hat sein Staatszugehörigkeitszeichen nicht bei der ICAO angemeldet.

3 Dieser Nicht-Vertragsstaat hat sein Staatszugehörigkeitszeichen nicht bei der ICAO angemeldet.

4 Kein ICAO-Vertragsstaat.

5 Liechtenstein lässt sich bei der ICAO durch die Schweiz vertreten. Entsprechend tragen Liechtensteiner Luftfahrzeuge ein Schweizer Kennzeichen.

Zeichen multinationaler Organisationen[Bearbeiten]

Die ICAO erlaubt, dass mehrere Staaten gemeinsam ein Luftfahrtunternehmen führen. Für solche internationale Betreiber ist der Kennzeichenbereich 4YA–4YZ reserviert.

Zeichen multinationaler Operatoren
Zeichen    Operator
4YB Arab Air Cargo (Jordanien und Irak)

Sonderfälle[Bearbeiten]

Flugzeug der russischen Fluggesellschaft Rossija mit bermudischer Registrierung (VP-B) und russischer Flagge

Sind der Halter (Operator) und der Eigentümer nicht im selben Staat ansässig, so wird das Flugzeug im Staat des Eigentümers registriert. Falls beide Staaten einverstanden sind, kann am Flugzeug anstelle der Flagge des Eigentümerstaates diejenige des Halterstaates aufgemalt werden.

Beispiele[Bearbeiten]

  • Flugzeuge russischer Luftfahrtunternehmen gehören oft ausländischen Leasingfirmen. Zur ausländischen Registrierung tragen sie dann oft die russische Flagge.

Obsolete Staatszugehörigkeitszeichen[Bearbeiten]

Obsolete Staatszugehörigkeitszeichen
Zeichen    Land Zeitraum
DDR DDR 1950–1956, 1981–1990
DM DDR 1956–1981
YM Freie Stadt Danzig bis 1939
VR-H Hongkong bis 1997 (seither B-)
СССР 1 Sowjetunion bis 1991 (teilweise bis mitte 1990er-Jahre)
CH Schweiz bis 1932 (seither HB-)

1 Kyrillische Buchstaben: "SSSR" (UdSSR)

Staatszugehörigkeitszeichen vor 1932[Bearbeiten]

Bereits im Pariser Luftfahrtabkommen von 1919 war ein System zur Kennzeichnung der Flugzeuge mit einem Staatszugehörigkeitszeichen gefolgt von einem nationalen Eintragungszeichen festgelegt worden. Dabei waren die Staatszugehörigkeitszeichen übernommen worden, die von der Londoner Radiotelegraphiekonferenz von 1913 für die Kennzeichnung von Funkstationen festgelegt worden waren. Diese Bestimmung war aber natürlich nur für die damaligen Vertragsstaaten wirksam.

Als 1932 das Luftfahrtabkommen überarbeitet wurde, wurde das Schema von 1919 für den Aufbau der Kennzeichen beibehalten. Die Staatszugehörigkeitszeichen wurden aber basierend auf dem Washingtoner Radiotelephonieabkommen von 1927 neu zugewiesen.

Staatszugehörigkeitszeichen gemäß dem
Pariser Luftfahrtabkommen von 1919
Staatszugehörigkeits-
zeichen
Land
O-B Belgien
C-B Bolivien
P-B Brasilien
G Britisches Empire
X-C China
E-E Ecuador
K-S Finnland
F Frankreich
S-G Griechenland
L-G Guatemala
H-H Haiti
A-H Hedschas
X-H Honduras
I Italien
J Japan
C Kolumbien
C-C Kuba
L-L Liberia
S-P Panama
O-P Peru
P-P Polen
C-P Portugal
C-R Rumänien
X-S Serbien-Kroatien-Slowenien
H-S Siam
L-B Tschechoslowakei
C-U Uruguay
N Vereinigte Staaten von Amerika

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Militärflugzeuge
- Geschwaderkennung
- Verbandsabzeichen der Luftwaffe

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Luftfahrzeuge nach Kennzeichen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.luftrecht-online.de Deutsche Übersetzung des Chicagoer Abkommens (PDF; 269 kB)
  2. Luftfahrtbundesamt
  3. Geschäftsbericht 2013, Luftsportgeräte-Büro (PDF-Datei; 634 kB)
  4. Permanente Flugzeugkennungen seit 1968. In: geschichte.luftwaffe.de. Abgerufen am 12. Januar 2014.
  5. Flugzeugkennungen bis 1968. In: geschichte.luftwaffe.de. Abgerufen am 12. Januar 2014.
  6. www.admin.ch (PDF-Datei; 206 kB) Schweizer Übersetzung des Chicagoer Abkommens
  7. www.admin.ch (PDF-Datei; 698 kB) Schweizer Verordnung über die Kennzeichen der Luftfahrzeuge
  8. AS 1934 S. 645 ff
  9. Später erhielt die Schweiz zusätzlich noch den Bereich HEA–HEZ. So lautet z. B. das Rufzeichen der Küstenfunkstelle Radio Bern HEB.
  10. Botschaft Nr. 2360 vom 17. Sept. 1928, publiziert im BBl 1928 II S. 537 ff
  11. Botschaft des Bundesrats Nr. 3107 vom 26. Mai 1934, publiziert im BBl 1934 II S. 45 ff.
  12. www.bazl.admin.ch TM 02.040-50 des Bundesamtes für Zivilluftfahrt
  13. Bedeutung der Zusatzbuchstaben auf aahs-online.org
  14. www.aahs-online.org American Aviation Historical Society
  15. www.icao.int Tabelle der Staatszugehörigkeitszeichen