Lufthansa-Flug 005

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Lufthansa-Flug 005
Unfall-Zusammenfassung
Unfallart Strömungsabriss bei Durchstart
Ort Bremen
Datum 28. Januar 1966
Todesopfer 46
Verletzte 0
Luftfahrzeug
Luftfahrzeugtyp Convair CV 440
Betreiber Lufthansa (LH)
Kennzeichen D-ACAT
Passagiere 42
Besatzung 4
Liste von Katastrophen der Luftfahrt

Flug 005 war ein Linienflug der Lufthansa von Frankfurt/Main nach Hamburg mit einer geplanten Zwischenlandung in Bremen. Nach einem Durchstartmanöver stürzte das Flugzeug am Abend des 28. Januar 1966 kurz hinter der Startbahn des Flughafens Bremen ab. Alle Insassen - 42 Passagiere und vier Besatzungsmitglieder - kamen ums Leben.

Fluggerät[Bearbeiten]

Die 1958 gebaute Convair CV 440 Metropolitan wurde mit der Kennung D-ADAD ab dem 18. Juli 1958 von der Deutsche Flugdienst GmbH (am 1. November 1961 in Condor Flugdienst umbenannt) betrieben. Die Lufthansa übernahm das Flugzeug am 7. November 1961 mit der neuen Kennung D-ACAT. Beim Unfall hatte die Convair 13.872 Flugstunden Betriebszeit (lt. Kreuzer - Absturz: Gesamtbetriebsstunden 12.218). Die Maschine war nicht mit einem Flugschreiber ausgerüstet.

Hergang[Bearbeiten]

Die baugleiche Lufthansa-Maschine D-ACAD auf dem Flughafen Kopenhagen (März 1968)

Mit einer geringen Verspätung von acht Minuten startete die Maschine um 17:41 Uhr von der Startbahn 25R des Flughafens Frankfurt am Main. Die Startmasse betrug 22.148 kg und entsprach damit fast dem für diesen Typ festgelegten höchstzulässigen Abfluggewicht von 22.544 kg. Mit dem Tankvorrat von 3200 Litern Flugbenzin wäre rein rechnerisch eine Flugdauer von 5 Stunden und 13 Minuten möglich gewesen. Dieser hohe Vorrat war nötig, weil die Crew wegen der schlechten Wetterlage im Norden der Bundesrepublik als Ausweichziel den Flughafen Stuttgart gewählt hatte.

Nach einem Reiseflug von ca. 30 Minuten auf Flugfläche 140 (14.000 Fuß (ft), entspricht 4270 Metern) begann um 18:40 Uhr der Landeanflug aus östlicher Richtung auf die Landebahn 27 des Bremer Flughafens. Die Temperatur lag bei +4 Grad Celsius, die Wolkenhöhe unter 100 Metern. Wegen des starken Regens betrug die Horizontalsicht nur ca. 700 Meter. Die Windgeschwindigkeit lag bei neun Knoten aus Richtung 140 Grad. Die daraus resultierende Rückenwindkomponente, die bei der Landung auf die Maschine wirkte, betrug sechs Knoten. Für ihre Convair 440 erlaubte die Lufthansa bei Mindestwetterbedingungen im Anflug auf Bahn 27 des Flughafens Bremen maximal fünf Knoten Rückenwind.

Flugkapitän Heinz Saalfeld (* 1919)[1] setzte zur Landung an, leitete aber in etwa 10 Metern Höhe über Grund ein Durchstartmanöver ein. Wenige Augenblicke später stürzte um 18:51 Uhr nach einer Linksdrehung die noch 21,5 Tonnen schwere Maschine 400 Meter hinter dem Ende der Landebahn auf ein Feld. Dabei entzündete sich das restliche Flugbenzin von ca. 2500 Litern und verursachte einen Flächenbrand, der von der Flughafenfeuerwehr nach 40 Minuten gelöscht werden konnte.

Das Unglück war seinerzeit der vierte Totalverlust eines Lufthansa-Flugzeuges seit der Neugründung des Unternehmens im Jahre 1954: Nach dem Absturz einer Linienmaschine vom Typ Lockheed Super Constellation am 11. Januar 1959 beim Landeanflug auf den Flughafen Rio de Janeiro/Galeão verlor die Fluglinie 1961 und 1964 zwei Boeing 720-030B bei Trainingsflügen über der Bundesrepublik Deutschland (siehe auch: Lufthansa-Zwischenfälle).

Ursachen[Bearbeiten]

Nach dem Unglück wurde eine Untersuchungskommission gebildet. Als diese etwa ein Jahr später ihren Abschlussbericht vorlegte, kam sie zu dem Ergebnis, dass der Absturz eine Verkettung von technischen und menschlichen Fehlern war.

Dem Bericht zufolge zeigte ein Instrument im Cockpit falsche Daten an, sodass die Maschine vom vorgeschriebenen Pfad des Instrumentenlandesystems abwich und oberhalb des Gleitpfades flog. Als das Flugzeug die niedrige Wolkendecke durchbrach und der Kapitän das Flugzeug nach Sicht auf die Landebahn setzen wollte, schätzte er bei Dunkelheit und schlechter Sicht vermutlich die Flughöhe falsch ein, was dazu führte, dass die Maschine zu weit hereinkam, also das Aufsetzen zu spät erfolgte. Da die restliche zur Verfügung stehende Landebahn für einen Bremsvorgang nicht mehr ausreichend gewesen wäre, entschied er sich durchzustarten. Hierbei manövrierte er die Convair wohl in einen überzogenen Flugzustand, was dazu führte, dass die Strömung abriss, die Maschine mit der linken Tragfläche voran am Boden aufschlug. Bis auf die Hecksektion und die rechte Tragfläche wurde das Flugzeug völlig zerstört. Einem Artikel des Spiegels zufolge war die Maschine bei der Landung erheblich vereist, die Sicht für den Piloten fast unmöglich. Laut Unfallbericht konnte nicht ausgeschlossen werden, dass der Pilot in der kritischen Landephase eine Herz-Kreislaufstörung hatte und die Maschine nicht mehr sicher führen konnte. Wegen der geringen Höhe konnte der Copilot die Maschine dann nicht mehr abfangen. Der Bericht endete mit dem Satz: „Andere Ursachen können bei dem Unfall mitgewirkt haben."

Eine forensisch-toxikologische Untersuchung der sterblichen Überreste des Piloten war nicht möglich; die Untersuchung der Leiche des Copiloten ergab eine Blutalkoholkonzentration von 0,24 Promille.

Opfer[Bearbeiten]

Der Gedenkstein des Olympischen Komitees und des Schwimmverbandes von Italien an der Norderländer Straße hinter dem Flughafengelände, Februar 2012 (Vorderseite mit ital. Inschrift)

An Bord der für 53 Passagiere ausgelegten Maschine saßen unter anderem sieben Schwimmer der italienischen Olympiamannschaft, ihr Trainer und ein italienischer Reporter. Zum Gedenken an diese Opfer wurde vom Olympischen Komitee und dem Schwimmverband von Italien an der Norderländer Straße unweit der Absturzstelle eine Stele mit den Namen ihrer ums Leben gekommenen Landsleute errichtet (Standort der Steintafel: 53° 3′ 1″ N, 8° 45′ 36″ O53.0503972222228.7600944444444Koordinaten: 53° 3′ 1″ N, 8° 45′ 36″ O).

Auch die Schauspielerin Ada Tschechowa, Tochter von Olga Tschechowa und Mutter von Vera Tschechowa, befand sich unter den Opfern.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Imke Molkewehrum: Akribische Suche im Trümmerfeld. In: Kurier am Sonntag, Nr. 6 vom 12. Februar 2012, S. 30