Luftlandebataillon Dallwitz

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Das Luftlandebataillon zur besonderen Verfügung „Dallwitz“ (weißrussisch: Беларускі дэсантны батальён "Дальвіц") war eine aus weißrussischen Freiwilligen bestehende Einheit in der deutschen Wehrmacht. Sie wurde in der Endphase des Deutsch-Sowjetischen Krieges gegründet und war für den Partisanenkampf im Hinterland der Roten Armee konzipiert.

Entstehung und Einsatzkonzept[Bearbeiten]

Das Bataillon wurde im Juli 1944 im ehemaligen Lager des Reichsarbeitsdiensts in Dallwitz bei Insterburg in Ostpreußen aufgestellt. Es war der Abwehr (Abwehrkommando bzw. Frontaufklärungs-Kommando 203)[1] unterstellt und umfasste ehemalige Mitglieder der weißrussischen Landeswehr, die kurz nach der sowjetischen Rückeroberung Weißrusslands im Zuge der Operation Bagration aufgelöst worden war. Die Einheit stand unter dem Kommando der weißrussischen Nationalisten Boris Ragula (Барыс Рагуля), Hauptmann Wsewolod Rodska (Усевалад Родзька, zuständig für politische Angelegenheiten) und Major Iwan Helda (Іван Гелда, zuständig für militärische Angelegenheiten). Auf deutscher Seite wurde sie bis zum November 1944 von Major Gerullis[2] geleitet.[1] Bis zum Ende des Jahres 1944 umfasste das Bataillon ca. 200 Soldaten, die in eine für Nordweißrussland und eine für Südweißrussland zuständige Gruppe aufgeteilt wurden. Die weißrussischen Soldaten wurden durch deutsche Ausbilder im Kampf hinter den feindlichen Linien geschult. Die Ausbildung umfasste den Betrieb von Funkstationen, die Handhabung verschiedener Infanteriewaffen, den Umgang mit Sprengstoff und den Bau getarnter Stellungen und Unterstände. Die Soldaten des Bataillons sollten mit dem Fallschirm über dem sowjetisch besetzten Territorium Weißrusslands abspringen und dann einen Guerillakrieg gegen die Rote Armee beginnen.

Einsatzgeschichte[Bearbeiten]

In der zweiten Hälfte des Jahres 1944 wurden von der Abwehr verschiedene Kommandounternehmen in den ehemals von der Wehrmacht besetzten Gebieten gestartet (Unternehmen Zeppelin, Kampfgruppe Scherhorn). Auch Angehörige des Bataillons „Dallwitz“ wurden erstmals auf weißrussischem Gebiet abgesetzt. Einige der Insurgenten wurden durch NKWD-Einheiten sofort oder nach kurzer Zeit aufgespürt und getötet, ein Teil der Soldaten konnte sich dauerhaft in den weißrussischen Wäldern festsetzen und einen Guerillakrieg gegen die sowjetische Armee starten.

Anfang November 1944 wurde das Bataillon aus Dallwitz nach Bromberg im Generalgouvernement Polen verlegt. Im Januar 1945 erfolgte nach dem Beginn der sowjetischen Winteroffensive eine erneute Verlegung nach Neubrandenburg. Im März 1945 wurde das Bataillon in das Gebiet der Tschechoslowakei verlegt.[1]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges[Bearbeiten]

Ende April 1945 wurden die Weißrussen von tschechoslowakischen Partisanen entwaffnet und das Bataillon hörte auf zu bestehen. Die Soldaten teilten sich daraufhin in kleine Gruppen und versuchten, durch die von der Roten Armee besetzten Gebiete nach Weißrussland zu gelangen, um dort die antisowjetischen Partisanen zu verstärken. Die Hauptgruppe um Rodska und Helda gelangte im Juni 1945 bis nach Białystok, wo sie von NKWD-Einheiten aufgerieben wurde. Einige ehemalige Angehörige des Bataillons wurden zu Führungspersonen der bis in das Jahr 1956 bestehenden antisowjetischen Guerillabewegung in Weißrussland. (→Eugen Schychar, Евгений Жихарь) Die überwiegende Mehrheit der Angehörigen des Bataillons wurde bei Kämpfen mit sowjetischen Soldaten getötet. Nur wenige Mitglieder der Einheit konnten sich in den Westen absetzen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Сергей Геннадьевич Чуев: Спецслужбы Третьего рейха (Sergei Gennadewitsch Tschuew: Spezialeinheiten des Dritten Reiches). Olma Media Group, Sankt Petersburg / Moskau 2003, ISBN 5765428266 (lib.rus.ec)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Чуев: Спецслужбы Третьего рейха (keine Printausgabe verfügbar)
  2. [https://web.archive.org/web/20140826185930/http://www.cegesoma.be/docs/Invent/AA_1312_ListeAllemandsRecherches.pdf Sûreté de l’Etat Allemands recherchés.] S. 14, archiviert vom Original am 26. August 2014, abgerufen am 26. August 2014 (pdf, französisch, CEGES-SOMA-Dokument; Leitstelle II Ost, FAK203 und FAK205).