Luftlandeoperation

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Absetzen von US Army Rangers aus Globemaster III (2009)
Die 1st Allied Airborne Army (Vereinigte Staaten) im September 1944 über Holland bei der Operation Market, die seinerzeit größte Luftlandeoperation des Zweiten Weltkriegs
Holzpfähle, sogenannte Rommelspargeln, zur Verhinderung von Luftlandungen mit Lastenseglern in Frankreich (1944)
Absprung von US Army Rangers über Grenada (1983)

Eine Luftlandeoperation oder Luftlandung ist meist die Verlegung von Heerestruppen, aber auch von Spezialeinheiten sowie Ausrüstung von der Luft auf den Boden (feindliches Gebiet) per Fallschirm (Luft-Boden-Operation) durch Luftlandetruppen, dabei findet bis zum Absprung/Abwurf eine Luftverlastung von Soldaten und Gerät statt. Sie ist also nicht mit einer Landung von Luftfahrzeugen zu verwechseln. Neben dem Hauptzweck, der Verbringung von Soldaten, können auch Waffen, Munition und Fahrzeuge, wie zum Beispiel Luftlandepanzer, abgeworfen werden.

Allgemein[Bearbeiten]

Luftlandetruppen können unterschiedlichste Aufgaben erfüllen. Das kann von den Handlungen einer Streifzugsabteilung bis zum Besetzen von Schlüsselgeländen oder der Zerstörung / Vernichtung wichtiger Objekte reichen.

Luftlandungen werden von dafür speziell ausgebildeten Soldaten, die dem Heer (Landstreitkräfte) oder der Luftwaffe (Luftstreitkräfte) angehören durchgeführt.

Der amerikanische Brigadegeneral William Mitchell (1879 – 1936) trug sich schon im I. WK (1914 – 1918) mit dem Gedanken, mit 2.000 Flugzeugen eine Fallschirmspringerdivision hinter der Front der 5. deutschen Armee abzusetzen und die Festung Metz einzunehmen. Er wurde damals ob der Undurchführbarkeit (auch aus technischer Sicht) verlacht und schied nach einer 1925 gegen ihn geführten Gerichtsverhandlung verbittert aus dem United States Army Air Service aus.

Der italienische Generalstab als auch der Generalstab der US-Streitkräfte untersuchte in den 1920er Jahren den Einsatz von Soldaten, die mit Fallschirm oder Flugzeug angelandet werden sollten. Dies wurde halbherzig durchgeführt und hatte keine Konsequenzen auf die Taktik der Armeen.

Anders sah das in der damaligen Sowjetunion aus, die bereits Anfang der 1930er Jahre zweckmäßiges Gerät für Luftlandungen entwickelte. Die TB-3 war das einzige Flugzeug der damaligen Zeit, das in der Lage war, über 30 Fallschirmspringer in einem Anflug abzusetzen. Dabei mussten alle Springer ihren Schirm manuell öffnen. Unter Leitung von Tuchatschewski entstand in der 11. Schützendivision die erste motorisierte Luftlandeeinheit. 1932 wurde diese Einheit zu einer Brigade aufgestockt und es entstanden weitere Luftlandeeinheiten. Bei Kiewer Manövern im Jahre 1935 wurden 1.200 Fallschirmspringer und weitere 2.500 Soldaten mit leichterer Technik (Geschütze und leichte Panzer) durch Anlandung durch Flugzeuge zum Kampfgebiet verlegt.

Die Wehrmacht begann im Herbst 1935 mit dem Aufbau von Fallschirmtruppen.

Die USA, Großbritannien und Frankreich forcierten die Entwicklung von Luftlandetruppen nicht. Frankreich stellte 1937 zwei Luftinfanteriekompanien auf und schaffte diese 1940 wieder ab.

Zeitgleich mit dem Beginn des Westfeldzuges (10. Mai 1940 bei Morgengrauen) landete ein Kommando mit mehreren Lastenseglern auf dem begrünten Dach des Fort Eben-Emael (südlich von Maastricht, an der Maas) und schaltete die schwer gepanzerten Kuppeln der Geschütze mit aufgelegten Hohlladungen aus. Die Belgier verstanden – auch im Nachhinein – nicht, wie den Deutschen diese Sprengungen gelungen waren; dies trug zum Nimbus von Begriffen wie Blitzkrieg und Wunderwaffe bei.

In der Roten Armee gab es 1941 fünf Luftlandekorps mit je drei Brigaden. Größere Luftlandeunternehmen gab es von sowjetischer Seite im Zweiten Weltkrieg nur zwei, 1942 bei Wjasma und im September 1943 bei der Überwindung des Dnepr. Im August 1945 wurde eine Luftlandung (LL) als Eröffnungsschlag gegen die Kwangtung-Armee in Nordchina durchgeführt.

Nach 1945 führten die Franzosen, die Israelis, die Amerikaner und die Russen mittlere und größere Luftlandungen durch. Bekannt wurden unter anderem:

  • Die Amerikaner führten 1950/51 große Luftlandeunternehmen in Nordkorea durch.
  • Britische und französische Soldaten sprangen 1956 während der Sueskrise über Ägypten ab,
  • Eine der letzten Luftlandeoperationen war am 28. Januar 2013 durch französische und malische Fallschirmjäger die Einnahme der Stadt Timbuktu im Rahmen der Opération Serval. Der Absprung wurde unter anderem von einer Harfang-Drohne gefilmt und als Video von der französischen Armee veröffentlicht.

Durchführung[Bearbeiten]

Luftlandeoperationen werden von Fallschirmjägern durchgeführt und von Luftlandepionier-, Luftlandeaufklärungs-, Luftlandefernmelde- und Luftlandeunterstützungseinheiten unterstützt. Seit dem Einsatz von Hubschraubern ist jede infanteristisch ausgebildete Einheit in der Lage, Luftlandungen durchzuführen. Dazu benötigt diese Einheit nur wenig Vorbereitungszeit, während der die handelnden Soldaten auf das Verhalten zum Besteigen und Verlassen des Hubschraubers sowie auf Handlungen während des Fluges und bei Gefahrensituationen vorbereitet werden. Nach der Anlandung werden die entsprechenden infanteristischen Handlungen durchgeführt.

Sofern keine heereseigenen Flugzeuge verfügbar sind, wird die Luftlandung auch von den Luftstreitkräften und der Luftabwehr (Feuerschutz) des Heeres unterstützt. Die Fallschirmjäger werden von Transportflugzeugen (im Zweiten Weltkrieg auch Lastensegler) bzw. auch von Helikoptern über oder nahe dem Zielgebietes abgesetzt. Mit den Operationen werden Bodentruppen in das Zielgebiet verbracht, die am Gefecht teilnehmen. Im Zweiten Weltkrieg versuchte man auf deutscher Seite, die Luftlandungen der Alliierten mit Lastenseglern durch sogenannten Rommelspargel zu verhindern.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Luftlandeschlacht um Kreta (Operation Merkur) war ein operatives Luftlandeunternehmen, bei der Luftlandetruppen selbständig großräumige Geländeabschnitte einnehmen sollten. Am Invasionstag, dem 20. Mai 1941, brachten 593 Transportflugzeuge die deutschen Luftlandeeinheiten nach Kreta. Die abgesprungenen deutschen Fallschirmjäger waren aber ein leichtes Ziel für die Luft- und Fliegerabwehr; viele wurden bereits im Flug getötet oder verwundet. Die gelandeten Einheiten konnten zunächst keine Flugplätze für Nachschub und Verstärkungen (insbesondere Artillerie und Fahrzeuge) erobern. Außerdem gab es keine Funkverbindung zum deutschen Hauptquartier in Athen, da viele Funkgeräte bei den Landungen zerstört wurden. Bei Sonnenuntergang des ersten Kampftages waren von den 10.000 abgesprungenen deutschen Fallschirmjägern nur noch 6000 Mann kampffähig.[1] Erst mit verstärktem Einsatz der Luftwaffe und erfolgreichen Landungen auf umkämpften Flugplätzen stabilisierte sich die Situation für die Angreifer. Die Alliierten, darunter Neuseeländer und Australier, verteidigten Kreta eine Woche lang, bis sie sich mit etwa 17.000 Mann absetzten. Aufgrund der hohen Verluste untersagte Hitler weitere Einsatz dieser Elitetruppe für Luftlandungen im größeren Umfang.

Die geplante Luftlandeoperation zur Einnahme von Malta Unternehmen Herkules wurde auf Grund der vermeintlichen allgemeinen Entwicklung zu diesem Zeitpunkt auf dem Kriegsschauplatz Afrika nicht durchgeführt.

Im Rahmen des D-Day mit der Operation Neptune wurden mehrere operative Luftlandeunternehmen der 82. US-Luftlandedivision, der 101. US-Luftlandedivision und der britischen Gleiter- und Fallschirmeinheiten durchgeführt.

Die alliierte Operation Varsity am 24. März 1945 war mit 1840 eingesetzten Flugzeugen zweier Luftwaffen-Divisionen die größte Luftlandeoperation der Kriegsgeschichte (Ziel: bei Wesel einen Brückenkopf über den Rhein zu bilden). 4.978 britische und 9.387 amerikanische Soldaten sprangen ab. Die britischen Verluste des ersten Tages betrugen 1.078 Tote und Verletzte.

Sonstiges[Bearbeiten]

Der Paradummy ist eine Puppe, die den Gegner über die Stärke einer Luftlandeeinheit hinwegtäuschen soll.

Literatur[Bearbeiten]

  • FM 90-26 Airborne Operations. (Dezember 1990) VS-offen
  • Airborne Operations: A German Appraisal. U. S. Department of the Army: Center of Military History, ISBN 1-78039-298-2.
  • Arnold D. Harvey, Franz Uhle-Wettler: Kreta und Arnheim: Die größten Luftlandeoperationen des Zweiten Weltkriegs. Stocker Verlag, ISBN 3-7020-1051-3.
  • Karl Knoblauch: Dem Ende entgegen: Mit dem Fallschirm-Panzerfüsilierbataillon 2 "Hermann Göring" in Ostpreußen 1944/45. Flechsig Verlag, 2007, ISBN 978-3-88189-720-4.
  • Charles Whiting: Bounce the Rhine - The Greatest Airborne Operation In History. GUILD Publishing, 1985

Siehe auch[Bearbeiten]

 Commons: Airborne assaults – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. G. Forty: Battle of Crete ISBN 0-7110-2758-7, Seite 9