Luftschutzbunker

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Luftschutzbunker ist eine bauliche Anlage zum Schutz vor Luftangriffen. Abzugrenzen ist der Luftschutzbunker vom Luftschutzkeller oder Luftschutzraum, der dem gleichen Zweck dient, aber baulich in ein Gebäude integriert ist, das nicht primär dem Luftschutz dient.

Geschichte[Bearbeiten]

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Entwicklung[Bearbeiten]

Eine Nachbildung eines Luftschutzbunkers des Zweiten Weltkrieges im Feuerwehrmuseum München

In Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs wurden in Deutschland seit den 1930er Jahren Luftschutzbunker errichtet. Ab 1940 erfolgte das dann unter der Leitung Hermann Görings als Oberbefehlshaber der Luftwaffe, in größerer Zahl in allen großen deutschen Städten, die als Luftschutzorte erster Ordnung eingestuft waren. Die Bunker sollten dem Schutz der Zivilbevölkerung dienen. 1941/42 waren die meisten Bunker fertig gestellt und retteten bei Luftangriffen vielen Menschen das Leben.

Da die Bunkeranlagen für den Luftschutz mit meterdicken Betonwänden errichtet wurden, um den Bomben stand zu halten, war es in vielen Fällen zu aufwändig, sie nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zu beseitigen. Sie sind deshalb in allen Großstädten des ehemaligen Großdeutschen Reiches in erheblicher Zahl erhalten. Sie wurden zum Teil während des Kalten Krieges weiter als Luftschutzbunker vorgehalten, teils zivilen Nutzungen zugeführt, stehen aber auch zum Teil leer, weil eine Konversion aufgrund der baulichen Gegebenheiten nur schwer möglich ist. Sie stehen heute zum Teil unter Denkmalschutz.

Bauformen[Bearbeiten]

Es wird zwischen unterirdischen Anlagen (Tiefbunker) und oberirdischen Anlagen (Hochbunker) unterschieden. Die Grundrisse können unterschiedlich gestaltet sein. Hochbunker erhielten zur Tarnung häufig ein konstruktiv nicht notwendiges Dach, um sie aus der Luft wie Wohnhäuser erscheinen zu lassen.

Luftschutzbunker sind hauptsächlich aus Stahlbeton hergestellt. Dazu wurde im Zweiten Weltkrieg in der Anfangszeit die Gitterraumbewehrung, vor allem die Spiralbewehrung von DYWIDAG und die Braunschweiger Bewehrung benutzt. Wand- und Deckenstärken betragen bis zu 3,50 m. Die Eingänge sind zusätzlich durch Betonschilde, sogenannte Splitterschutzmauern, geschützt.

Luftschutzbunker des Zweiten Weltkriegs waren im Gegensatz zu den Anlagen nach 1960 meist kleinräumig unterteilt und besaßen Toilettenanlagen mit Wasserspülung (heute werden Trockenklosetts vorgehalten). In Nebenräumen sind meist Küchen, Vorratsräume, ärztliche Behandlungszimmer, Sarglager und ähnliches vorhanden. Um einem möglichen Angriff mit Giftgas vorzubeugen, verfügten die Luftschutzbunker über eine Gasschleuse mit zwei Türen, von denen im Falle eines Gasalarms immer nur eine geöffnet werden durfte. In brandgefährdeten Bereichen wurde die angesaugte Frischluft durch einen Sandfilter geführt (der Filterbetrieb erfolgte über elektrische Lüfter oder Handkurbellüfter), um die Temperatur heißer Rauchgase abzusenken. Das Eindringen von Gas in den Schutzraum wurde durch einen leichten Überdruck im Schutzraum verhindert.

Kennzeichnung[Bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg wurden im Gebiet des Großdeutschen Reiches im öffentlichen Raum Hinweise auf Luftschutzräume für Zivilisten angebracht. An den Außenwänden entsprechender Gebäude wurden in weißer fluoreszierender Farbe (wegen Verdunklung oder Stromausfall) der Hinweis LSR (Luftschutzraum) angebracht, oft verbunden mit einem ebenfalls weißen Pfeil. Dieser Pfeil wies auf den Eingang hin. Notausstiege wurden mit Pfeilen oder auch mit den Buchstaben N.A.[1], Hinweise zu nahe gelegen Hydranten mit einem „H“ markiert. Lüftungsschächte und Bunker-Notausgänge wurden des Öfteren durch Stahlgitter abgedeckt. Soweit noch vorhanden, sind sie an der Beschriftung Mannesmann-Luftschutz leicht erkennbar.

Entsprechende Kennzeichnungen gibt es auch in anderen Ländern, z.B. in Großbritannien, Spanien, Frankreich, USA oder Italien.

Kalter Krieg[Bearbeiten]

Ab Mitte der 1960er Jahre bis 1978 wurden in der Bundesrepublik Deutschland Bunkeranlagen und Stollensysteme aus dem Zweiten Weltkrieg technisch relativ aufwändig für den zivilen Bevölkerungsschutz als Schutzräume wieder hergestellt sowie neue Anlagen errichtet. Klimatisierung und Kühlbrunnenanlagen wurden eingebaut, um eine höhere Belegungsdichte zu ermöglichen. Seit 1978 wurde diese Technik zunehmend durch das Nutzbarmachungsprogramm ersetzt: Es wurde nur eine einfache Be- und Entlüftung mit kompletter Filtertechnik, keine Klimatisierung mehr eingebaut. Ab Mitte der 90er Jahre wurden wegen der weltweiten Entspannung keine Anlagen mehr errichtet. Bestehende Zivilschutzanlagen werden teils erhalten, teils wurden sie aufgegeben.

Einzelne Bunker[Bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Oberkommando der Wehrmacht (Hrsg.): Vorschrift L.Dv. 793 – Baulicher Luftschutz. Planung und Durchführung der baulichen Maßnahmen bei öffentlichen Luftschutzräumen. 1939.
  • Henning Angerer: Flakbunker. Betonierte Geschichte. Ergebnisse Verlag, Hamburg 2000, ISBN 3-87916-057-0, S. 135.
  • Ulrich Alexis Christiansen: Hamburgs dunkle Welten. Der geheimnisvolle Untergrund der Hansestadt. Ch. Links, Berlin 2008, ISBN 978-3-86153-473-0, div. Seiten.
  • Jürgen Engel: Bunker als Xenosoma. Konflikte in der Adaptation von Luftschutzbunkern. In: Christian Hoffstadt, Franz Peschke, Andreas Schulz-Buchta, Michael Nagenborg (Hrsg.): Der Fremdkörper. Projekt Verlag, Bochum/Freiburg 2008, ISBN 978-3-89733-189-1, S. 571–586 (Aspekte der Medizinphilosophie 6).
  • Michael Foedrowitz: Bunkerwelten. Luftschutzanlagen in Norddeutschland. Ch. Links, Berlin 1998, ISBN 3-86153-155-0, S. 221.
  • Andreas O'Brien, Holger Raddatz: Die verbunkerte Stadt. Luftschutzanlagen in Osnabrück und Umkreis. Books on Demand, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-7545-8.
  • Helga Schmal, Tobias Selke: Bunker – Luftschutz und Luftschutzbau in Hamburg. Christians, Hamburg 2001, ISBN 3-7672-1385-0, S. 141 (Kulturbehörde, Denkmalschutzamt. Themen-Reihe 7).
  • Markus Titsch: Bunker in Wilhelmshaven. Brune Mettcker, Wilhelmshaven 2005, ISBN 3-930510-29-4, S. 223.
  • Rolf Zielfleisch: Stuttgarter Bunkerwelten. typoform, Stuttgart 2006, ISBN 3-939502-08-1, S. 144.
  • Haubrock, O'Brien: Der Luftschutzstollen am Kalkhügel - Ein ehemaligen Luftschutzbunker in Osnabrück. ISBN 978-3-8448-1154-4
  • Inge Marßolek; Marc Buggeln (Hrsg.): Bunker. Kriegsort, Zuflucht, Erinnerungsraum. Campus Verlag: Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-593-38603-4.
  • Melanie Mertens: Unbequeme Kolosse. Hochbunker in Mannheim. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 40. Jg. 2011, Heft 1, S. 9–15 (PDF)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bunker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Luftschutzbunker – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geheimnisvolle Zeichen – Luftschutz in Fürth im Zweiten Weltkrieg auf renate-trautwein.de
  2. Informationen zum Tiefbunker unter dem Alexanderplatz auf berliner-unterwelten.de