Luigi Cherubini

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Luigi Cherubini (Lithografie erstellt von Marie-Alexandre Alophe, 1850)
Cherubinis Grab auf dem Père Lachaise

Luigi Carlo Zenobio Salvatore Maria Cherubini (* 14. September 1760 in Florenz; † 15. März 1842 in Paris) war ein italienischer Komponist.

Obwohl seine Musik heutzutage nicht geläufig ist, wurde Cherubini von seinen Zeitgenossen sehr bewundert. Beethoven betrachtete ihn als einen der größten dramatischen Komponisten seiner Zeit.

Leben[Bearbeiten]

Seine Musikerziehung begann im Alter von sechs Jahren durch seinen Vater, der selbst Musiker war. Im Alter von 13 Jahren hatte Luigi Cherubini bereits mehrere geistliche Werke komponiert. Er studierte an der Universität Bologna und von 1778 bis 1782 an der Universität Mailand bei Giuseppe Sarti. 1788 zog er nach Paris um.

In den Jahren in Paris arbeitete er zeitweise erfolgreich als Opernkomponist. Sein erster größerer Erfolg war die Oper Lodoïska (1791), für deren realistischen Heroismus er bewundert wurde. Es folgte die auf revolutionären Prinzipien fußende Schreckensoper Médée (1797), Cherubinis bekanntestes Werk, und Les deux journées ou Le porteur d'eau (1800, Der Wasserträger). Seine Werke wurden im kleinen Theatre de la Foire Saint-Germain aufgeführt, da ihm das (größere) Opernhaus verschlossen blieb. Sein Idealismus, seine künstlerische Unabhängigkeit, vor allem aber die Strenge und der vornehme Charakter seiner Musik verhinderten, dass er bei seinen Zeitgenossen populär wurde. Nach der Ernennung zum Inspektor am Pariser Konservatorium im Jahr 1795 wurde seine finanzielle Situation erträglich.

1805 erhielt Cherubini eine Einladung aus Wien, eine Oper zu schreiben und selbst aufzuführen. Faniska wurde im folgenden Jahr auf die Bühne gebracht und enthusiastisch gefeiert, vor allem von Haydn und Beethoven. 1810 schlug Nikolaus II. Fürst Esterházy in Paris Cherubini vor, sein persönlicher Kapellmeister und damit Nachfolger des im Vorjahr verstorbenen Haydn zu werden. Nach der Abreise des Fürsten komponierte Cherubini die monumentale Messe solenelle per il Principe Esterházy d-Moll, die er am 7. Oktober 1811 vollendete. Vermutlich aufgrund finanzieller Probleme zog der Fürst sein Angebot jedoch später zurück.

Wegen mangelnden Erfolges am Theater enttäuscht wandte sich Cherubini zunehmenden Maßes der Kirchenmusik zu. Er schrieb sieben Messen, zwei Requien und viele kürzere Werke. In der restaurierten französischen Monarchie wurde er 1816 zum Professor für Komposition und Surintendant de la musique du Roi ernannt. 1815 bestellte die London Philharmonic Society bei ihm eine Sinfonie, eine Ouverture und eine Komposition für Chor und Orchester, sowie die dazugehörenden Aufführungen in London, was seinem internationalen Ruhm zugutekam.

Luigi Cherubini

Eine Sonderstellung in Cherubinis Schaffen nimmt die Kammermusik ein, der er sich ohne erkennbaren äußeren Anlass zuwandte. 1814, in der Phase der Neuorientierung des Meisters weg von der Opernbühne, entstand sein erstes Streichquartett, das vor allem durch sein fandangoartiges Scherzo bekannt geworden ist und von Robert Schumann in dessen Neuer Zeitschrift für Musik wohlwollend besprochen wurde; 1829 ein zweites, in den Jahren 1834–37 schrieb er schließlich in kurzer Folge die restlichen vier Streichquartette und ein Streichquintett, dem nach Cherubinis Plan noch fünf weitere hätten folgen sollen. Alle diese Werke zeichnen sich durch ein Höchstmaß an Originalität und satztechnischer Finesse aus und bilden ein interessantes Gegengewicht zum Standard des Quartettrepertoires der Wiener Klassik.

1822 wurde Cherubini Direktor des Konservatoriums, was er bis an sein Lebensende blieb. 1835 vollendete er sein Lehrbuch Cours de contrepoint et de fugue (Theorie des Kontrapunktes und der Fuge). Er starb 1842 in Paris im Alter von 81 Jahren.

Rezeption[Bearbeiten]

Cherubinis Requiem c-Moll (1816), das an den Jahrestag der Hinrichtung Ludwigs XVI. erinnert, war ein großer Erfolg. Das Werk wurde von Beethoven, Schumann und Brahms sehr bewundert.

Mit der Ankunft der brillanten und überschäumenden Opern Rossinis mit ihrer vokalen „Pyrotechnik“ in Paris kam die streng klassische Oper Cherubinis, wie auch die Glucks und Spontinis, aus der Mode. Dennoch wird Médée gelegentlich aufgeführt, sofern eine die Rolle meisternde Sängerin zur Verfügung steht. Die wohl berühmteste Wiederaufnahme im 20. Jahrhundert war 1953 in Florenz mit Maria Callas in der Titelrolle und Vittorio Gui am Pult. Eine weitere Cherubini-Oper, Les Abencérages, wurde 1957 auf Italienisch beim Maggio Musicale in Florenz unter dem Dirigat Carlo Maria Giulinis aufgeführt.

Cherubinis lang verschollene, unvollendete komische Oper Koukourgi, deren Premiere wegen der revolutionären Wirren 1792/93 in Paris nicht stattfand, deren Musik Cherubini aber für seine Oper Ali Baba benutzte, wurde in den 1990er Jahren in Krakau gefunden und erlebte am 16. September 2010 am Stadttheater Klagenfurt ihre Uraufführung in dieser ursprünglichen Gestalt.[1]

In den letzten Jahrzehnten nahm sich vor allem Riccardo Muti der Musik Cherubinis an.

Werke[Bearbeiten]

  • 11 Messen
  • Credo für zwei gemischte Chöre und Basso Continuo (1806)
  • 2 Requien
  • 38 Motetten
  • 15 italienische Opern, darunter:
  • 15 französische Opern, darunter:
    • 1788 Paris, Démophoon – Text nach Pietro Metastasio v. Jean François Marmontel
    • 1791 Paris, Lodoïska – Text: Claude François Filette-Louraux
    • 1794 Paris, Eliza, ou le voyage aux glaciers du Mont Saint-Bernard
    • 1797 Paris, Médée – Text: François-Benoît Hoffman
    • 1798 Paris, L'hôtellerie portugaise – Text: Étienne Aignan
    • 1800 Paris, Les deux journées (Der Wasserträger) – Text: Jean Nicolas Bouilly
    • 1803 Paris, Anacréon ou l'amour fugitif (Anakreon oder die flüchtige Liebe) – Text: C. R. Mendouze
    • 1806 Wien, deutsche Oper, Faniska – Text nach René Charles Guilbert de Pixérécourt von Joseph Sonnleithner
    • 1813 Paris, Les Abencérages (Das Feldlager in Granada) – Text: Victor Joseph Étienne de Jouy
    • 1833 Paris, Ali-Baba ou Les quarante voleurs – Text: Eugène Scribe und Anne Honoré Joseph Duveyrier, genannt Mélesville
    • 2010 Klagenfurt, Koukourgi – Text: Honoré-Nicolas-Marie Duveyrier
  • 1 Sinfonie D-Dur
  • 6 Streichquartette
  • 1 Streichquintett
  • 6 Klaviersonaten
  • 2 Sonaten für Waldhorn (oder Engl. Horn) und Streicher F-Dur (1802)
  • 9 Werke für Bläserbesetzungen

Literatur[Bearbeiten]

  • Oliver Heidenmann: Luigi Cherubini. Les abencérages, ou les l'entendard de Grenade. Untersuchungen zur Operngeschichte des französischen Empire. Waxmann, Münster 1994, ISBN 3-89325-238-X.
  • Richard Hohenemser: Luigi Cherubini. Sein Leben und seine Werke. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1913 (Unveränderter Neudruck. Sändig, Vaduz 1999).
  • Hans-Josef Irmen (Hrsg.): Luigi Cherubini. Leben und Werk in Zeugnissen seiner Zeitgenossen. Bosse, Regensburg 1972, ISBN 3-7649-2071-8.
  • Oliver Schwarz-Roosmann: Luigi Cherubini und seine Kirchenmusik. Dohr, Köln 2006, ISBN 3-936655-42-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cherubinis Oper Kougouri: Daten zum Werk und Podast mit Ausschnitten der Aufführung in Klagenfurt (2:50 Min.), abgerufen am 1. Juli 2014