Luigi Padovese

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Luigi Padovese bei einem Vortrag über das Leben des Apostels Paulus im Domforum Köln (2009)

Luigi Padovese OFMCap (* 31. März 1947 in Mailand, Italien; † 3. Juni 2010 in İskenderun, Türkei)[1] war ein römisch-katholischer Bischof und Apostolischer Vikar von Anatolien in der Türkei. Bis zu seiner Ermordung war er Vorsitzender der türkischen Bischofskonferenz.

Leben[Bearbeiten]

Ausbildung[Bearbeiten]

Luigi Padovese trat 1965 der Ordensgemeinschaft der Kapuziner bei, legte dort 1968 Profess ab und empfing am 16. Juni 1973 die Priesterweihe. Er studierte Theologie an der Päpstlichen Universität Antonianum und Patristik und Religionsgeschichte an der Päpstlichen Universität Gregoriana. 1976 wechselte er an die Julius-Maximilians-Universität Würzburg. 1978 wurde er an der Gregoriana in Rom promoviert.

Wissenschaftliches Wirken[Bearbeiten]

Ab 1977 lehrte er Patristik und Geschichte der Theologie am Theologischen Studium der Kapuziner in Mailand. 1979 wechselte er an das Päpstliche Institut für die Auslandsmissionen. 1995 wurde er zum ordentlichen Professor für Patrologie am Antonianum ernannt, später unterrichtete er auch als Gastprofessor Geschichte der Spiritualität (Patristik und Spätantike) an der Gregoriana.

Neben verschiedenen Aufgaben im Kapuzinerorden war er seit 1990 Präsident des Franziskanischen Instituts für Spiritualität.

Apostolischer Vikar von Anatolien[Bearbeiten]

Papst Johannes Paul II. ernannte ihn 2004 zum Titularbischof von Monteverde und bestellte ihn zum Apostolischen Vikar von Anatolien. Die Bischofsweihe spendete ihm am 7. November 2004 der damalige Apostolische Nuntius in der Türkei, Edmond Y. Farhat; Mitkonsekratoren waren Francesco Gioia, Erzbischof von Camerino-San Severino Marche, sowie sein Amtsvorgänger und neuer Erzbischof von Izmir, Ruggero Franceschini.

Von 2008 bis zu seinem Tode war er Vorsitzender der türkischen Bischofskonferenz (CCEE).

Padoveses Ermordung[Bearbeiten]

Padovese wurde am 3. Juni 2010 vor seinem Wohnhaus im Mittelmeerhafen von İskenderun erstochen[2][3] und danach geköpft.[4] Als mutmaßlicher Mörder wurde sein Fahrer Murat Altun verhaftet, der als psychisch labil beschrieben wird.[5] Nach Aussagen der türkischen Behörden, des apostolischen Vikars Louis Pelâtre und von Papst Benedikt XVI. gibt es keine Hinweise auf einen politischen oder religiösen Hintergrund[6][7].

Padoveses Amtsvorgänger, Ruggero Franceschini, Erzbischof von Smyrna, der Murat Altun eingestellt zu haben behauptet, will in der Durchführung des Mordes und im Unterschied zur offiziell türkischen und vatikanischen Version die Handschrift eines Islamisten erkennen: "So tötet jemand, der zeigen will, daß er ein wirklich radikaler Moslem ist“[8].

Unter großer Anteilnahme wurde Luigi Padoveses Leichnam nach einem Requiem im Mailänder Dom am 14. Juni 2010 in der Grablege seiner Familie in Mailand beigesetzt.[9]

Ehrungen[Bearbeiten]

Luigi Padovese erhielt 2007 die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Stegaurach (Landkreis Bamberg).[10]

Schriften[Bearbeiten]

  • Lo scandalo della croce: La polemica anticristiana nei primi secoli (Collana Contributi teologici), Dehoniane 1988, ISBN 88-396-0263-1
  • Piccoli dialoghi fra santi di marmo, primera edizione: Piemme 1999, ISBN 88-384-3079-9; seconda edizione: Edizioni Messaggero 2005, ISBN 88-250-1158-X
  • Introduzione alla teologia patristica (Introduzione alle discipline teologiche), Piemme 1992, ISBN 88-384-1784-9
  • Paolo di Tarso. Archeologia - Storia - Ricezione, Effatà Editrice 2009, ISBN 978-88-7402-556-5

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Chef der türkischen Bischofskonferenz erstochen, Welt Online, 3. Juni 2010, abgerufen am 3. Juni 2010.
  2. Vorsitzender der türkischen Bischofskonferenz erstochen Spiegel Online vom 3. Juni 2010
  3. Vgl. Geständnis nach Tötung von Bischof in der Türkei, Schweizer Fernsehen (SF), 4. Juni 2010, abgerufen am 7. Juni 2010.
  4. ZENIT: Bischof Padovese wurde fast vollständig geköpft vom 9. Juni 2010
  5. Suzan Fraser: Roman Catholic bishop stabbed to death in Turkey , chron vom 3. Juni 2010
  6. Neue Zürcher Zeitung: „Benedikt auf Paulus' Spuren“, 5. Juni 2010
  7. Welt online: Der erschütternde Tod des Bischofs Luigi Padovese
  8. Vgl. "Katholisches - Magazin für Kirche und Kultur", 14. Juni 2010[1]
  9. „Freund des Friedens“. Ermordeter Bischof von Anatolien Padovese in Mailand beigesetzt, domradio, abgerufen am 14. Juni 2010.
  10. www.stegaurach.de: [2]
Vorgänger Amt Nachfolger
Ruggero Franceschini Apostolischer Vikar von Anatolien
2004–2010
Ruggero Franceschini (Administrator)