Luigi Snozzi

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Luigi Snozzi
Luigi Snozzi, 2009

Luigi Snozzi (* 29. Juli 1932 in Mendrisio) ist ein Schweizer Architekt und emeritierter Professor für Architektur aus dem Tessin.

Leben[Bearbeiten]

Nach seinem Studium und Diplom an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich (1952–1957) und Praktika bei den Tessiner Architekten Peppo Brivio (Locarno) und Rino Tami (Lugano) begann Snozzi seine Arbeit als Architekt 1958 mit der Eröffnung eines eigenen Büros in Locarno. Moderne Architektur war im Tessin zu dieser Zeit noch weitgehend exotisch. Er hatte zusammen mit seinen ebenso berühmten Kollegen Livio Vacchini und Aurelio Galfetti an der ETH Zürich studiert, ihre Gemeinsamkeit war der offensichtliche Bezug zu den Architekten der Moderne. Snozzi arbeitete von 1962 bis 1971 mit Livio Vacchini zusammen. 1973 bis 1975 war Snozzi Gastdozent für architektonisches Entwerfen an der ETH Zürich. Von 1975 bis 1988 unterhielt Snozzi zunächst ein Zweitbüro in Zürich mit seinem Büropartner Bruno Jenni. Erst 1985, zehn Jahre nach seiner Gastdozentur in Zürich wurde Snozzi schließlich ordentlicher Professor an der EPFL (École Polytechnique Fédérale) in Lausanne, wo er bis 1997 lehrte. 1986 bis 1988 war Luigi Snozzi Vorsitzender des Gestaltungsbeirats der Stadt Salzburg. 1988 eröffnete Snozzi dann ein Zweitbüro in Lausanne.

Mit der Ausstellung "Tendenzen – Neue Architektur im Tessin" (1975 in Zürich) wurde Snozzis zentrale Position in der Tessiner Architekturschule erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Von dieser Zeit an nimmt sein Einfluss auf die jüngere Architektengeneration in der Schweiz zu – und kann bis heute kaum überschätzt werden. Für Snozzis Arbeiten ist die Architektur der Moderne ein stetiger Bezugspunkt, die der "bekennende Sozialist" jedoch nie unkritisch adaptiert. Snozzi vollzieht keinen dezidierten Bruch mit der Vergangenheit, er versteht vielmehr die Geschichte als Impuls des Neuen. Sein Credo lautet: "Architektur muss man nicht erfinden, man muss sie nur wiederfinden."

Jenseits aller Klischees und gegen grosse Widerstände konnte Snozzi, der auch politisch engagiert ist, seine Vorstellung der Neuinterpretation des kleinräumig-urbanen Lebens in dem beeindruckenden Beispiel der Revitalisierung des Örtchens Monte Carasso (ab 1977) verwirklichen, welches er aus einer zersplitterten und ihrer Strukturen beraubten Siedlung mit verschiedenen Eingriffen wieder in einen Ort der Identifikation verwandelte, wobei seine Architektur niemals aufdringlich modisch, sondern immer zurückhaltend und sich dem Zweck unterwerfend, jedoch immer voller Poesie ist.

Snozzis häufig in Sichtbeton ausgeführten Bauten sind keine autonomen Objekte, sondern suchen immer die Beziehung zur Stadt. Erst durch die genaue "Lektüre des Ortes" entwickelt Snozzi seine Architektur. Auch in seinen Aphorismen stellt er beharrlich den wichtigen Dialog zwischen Einzelgebäude und Stadt heraus. "Ich liebe die Stadt", bekennt Snozzi und fügt hinzu: "Jeder bauliche Eingriff bedingt eine Zerstörung: Zerstöre mit Verstand!"

Wichtige Bauten (Auszug)[Bearbeiten]

Casa Kalman in Brione sopra Minusio, 1975-1976
Appartementhaus Bianchini in Brissago, 1985-1987
  • Casa Stratmann in San Nazzaro (TI), 1959
  • Verwaltungsgebäude Fabrizia in Bellinzona (mit Livio Vacchini), 1962–1965
  • Haus Snider in Verscio, 1964–1966
  • Condominio Collina, 2 Mehrfamilienhäuser, Locarno, Via Orselina 9 und 11, 1970–1974
  • Casa Kalman, Einfamilienhaus, Brione sopra Minusio, Via Panoramica 66, 1975–1976
  • Monte Carasso (Randgemeinde Bellinzonas), Stadtplanung und mehrere Wohnhäuser, ab 1977
  • Casa Bianchetti, Einfamilienhaus, Locarno (Monti della Trinita), Via G. Zoppi, 1977
  • Geschäftsgebäude Constantini in Minusio (mit Walter von Euw), 1977–1979
  • Haus Barbarossa in Minusio, 1985
  • Renovierung des Klosterkomplexes Madonna del Sasso, Orselina, 1977–1987
  • Appartementhaus Bianchini in Brissago (TI) (mit Bruno Barosso, Gian Franco Chiappini, Michele Arnaboldi, Maurizio Vicedomini), 1985–1987
  • Haus Diener in Ronco sopra Ascona, 1988–1990
  • Pfarreizentrum Lenzburg, 1983 / 1993–1994
  • Haus Cassina in Bellinzona, 1992–1995
  • Häuser Giannini und Salzborn in Cureglia, 1992–1995
  • Wohnzeile "STOA" in Maastricht, 1993–2002

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

1983 wurde Luigi Snozzi Ehrenmitglied des Bundes Deutscher Architekten BDA.

1994 wurde er Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und Ehrenmitglied des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins SIA.

2013 wurde Snozzi Ehrendoktor an der Fakultät für Architektur der Technischen Universität München.

Literatur[Bearbeiten]

  • Broszeit, Jens: Wohnen am Steilhang: die Entwurfsmethodik Luigi Snozzis untersucht anhand der Einfamilienhäuser von 1972–1990, Hannover, 2006. Dissertation an der Leibniz Universität Hannover.
  • Congiu, Marcello: Quarantuno domande a Luigi Snozzi; Neapel: Clean Edizioni 2008
  • Croset, Pierre-Alain (Hrsg.): Luigi Snozzi, progetti e architetture 1957-1984; Mailand: Electa 1984
  • Croset, Pierre- Alain (Hrsg.): Pour une école de tendance, mèlange offerts à Luigi Snozzi; Lausanne: Presse polytechniques et universitaires romande 1999
  • Disch, Peter: Luigi Snozzi – L’opera completa; Lugano: ADV Publishinh House 2003
  • Es lebe der Widerstand! Vortrag in: "Bau der Gesellschaft. Architekturvorträge der ETH Zürich, Heft 7". gta Verlag, Zürich 2009 ISBN 978-3-85676-241-4
  • Lichtenstein, Claude (Hrsg.): Luigi Snozzi; Basel-Boston-Berlin: Birkhäuser Verlag 1997
  • Luigi Snozzi und das Politische in der Architektur; DU Nr. 11; Zürich: Tages Anzeiger AG 1989
  • Masiero, Roberto (Hrsg.): Architettura in Ticino; Mailand: Sikra 1999
  • Snozzi, Luigi: Auf den Spuren des Ortes; Zürich: Museum für Gestaltung 1996
  • Snozzi, Luigi ed. al.: Bau der Gesellschaft; Zürich: ETH 1996
  • Snozzi, Luigi ed. al.: Städte bauen – Urbanistische Projekte, Ideen und Arbeiten, 1972-1997; Sulgen: Niggli 1997
  • Snozzi, Luigi: wie wohnen – heute?; Stuttgart: architektur – galerie am weißenhof 2002
  • Snozzi, Luigi: Leçons du Thoronet – Luigi Snozzi – le mur oublié; Ausstellungskatalog 2009
  • Un lugar cuatro arquitectos – Botta, Galfetti, Snozzi, Vacchini en ticino; Caracas: museo de belas artes 1995

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Luigi Snozzi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien