Luise Zietz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Luise Zietz
SPD-Parteivorstand 1909. Hintere Reihe: Luise Zietz, Friedrich Ebert, Hermann Müller, Robert Wengels. Vordere Reihe: Alwin Gerisch, Paul Singer, August Bebel, Wilhelm Pfannkuch, Hermann Molkenbuhr

Luise Catharina Amalie Zietz, geb. Körner, (geboren 25. März 1865 in Bargteheide; gestorben 27. Januar 1922 in Berlin) war eine deutsche Politikerin (SPD, USPD).

Leben und Beruf[Bearbeiten]

Von klein auf musste Zietz in der Heimweberei des Vaters mitarbeiten. Nach dem Besuch der Volksschule arbeitete Zietz zunächst als Dienstmädchen und Tabakarbeiterin. Sie ließ sich im „Hamburger-Fröbel-Verein“ von Johanna Goldschmidt zur Kindergärtnerin ausbilden. 1890 heiratete sie den Hafenarbeiter Carl Zietz[1][2] in Hamburg und seit 1892 war in der deutschen Sozialdemokratie tätig. 1911 war sie erstmals in den Berliner Adressbüchern erfasst.[3]

Veranstaltungen zur Forderung nach dem Frauenwahlrecht

Partei[Bearbeiten]

Beim Hamburger Hafenarbeiterstreik von 1896 trat sie erstmals als Rednerin in der Öffentlichkeit auf. Während des Streiks organisierte sie den Widerstand der Frauen. Zietz war von 1898 bis 1904 Vorsitzende der Zahlstelle des „Verbandes der Fabrik- Land- und gewerblichen Hilfsarbeiter“ in Hamburg-St. Georg und vertrat diesen Ortsverband auf den Gewerkschaftskongressen 1902 und 1910.[4] Nach Verabschiedung des Reichsvereinsgesetzes 1908 konnte sie offiziell Mitglied der SPD werden.[5] Sie galt als populäre und erfolgreiche Agitatorin der Partei, vor allem in der Frauenagitation. Wegen dieser Fähigkeiten wurde sie „weiblicher Bebel“ genannt. Auf dem Nürnberger Parteitag wurde sie und Clara Zetkin als erste Frauen in Deutschland in einen Parteivorstand gewählt.[6][7] 1911 organisierte sie das erste Mal den 1910 in Kopenhagen[8] beschlossenen Internationalen Frauentag in Deutschland. Sie schrieb regelmäßig für die sozialdemokratische Frauenzeitschrift Die Gleichheit und Die Neue Zeit.

1917 gehörte Luise Zietz zu den Gründungsmitgliedern der USPD, deren Zentralkomitee sie bis zu ihrem Tod angehörte. Sie wurde auf dem Sozialistenfriedhof Berlin-Friedrichsfelde begraben.[9]

Abgeordnete[Bearbeiten]

Luise Zietz gehörte 1919/20 der Weimarer Nationalversammlung an und war anschließend bis zu ihrem Tode Reichstagsabgeordnete. Gestorben ist sie in Berlin an einem Schlaganfall, nachdem sie tags zuvor im Plenarsaal des Reichstags bereits ohnmächtig wurde. Die Abgeordnete Clara Mende von der DVP schrieb in einem Nachruf, die als streitbar und unweiblich geltende Zietz habe ein weiches Herz gehabt. Bei einer Tasse Kaffee habe sie die Lebensgeschichte von Zietz erfahren und nicht mehr verurteilen können, was andere ihr vorwarfen.[10]

Würdigung[Bearbeiten]

Nach Zietz wurde 1951 die Luise-Zietz-Straße in Berlin-Biesdorf[11] benannt; außerdem gibt es eine Luise-Zietz-Straße in Zwickau-Oberplanitz. In ihrer Geburtsstadt Bargteheide gibt es außerdem einen Louise-Zietz-Weg.

Werke[Bearbeiten]

  • Das Kinderschutzgesetz und dessen Handhabung. In: Die neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. 22.1903-1904, 1. Band (1904), Heft 22, S. 705–708. Digitalisat
  • Die Wirksamkeit des Kinderschutzgesetzes. In: Die neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. 24.1905-1906, 1. Band (1906), Heft 18, S. 587–594. Digitalisat
  • Zieglerelend. In:Die neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. 24.1905-1906, 2. Band.(1906), Heft 44, S. 596–604. Digitalisat
  • Landarbeiter und Sozialdemokratie. Nach dem Referat auf der Frauenkonferenz in Mannheim 1906. Buchhandlung Vorwärts, Berlin 1907.
  • Zur Frage des Mutter- und Säuglingsschutzes. Verlag der Leipziger Buchdruckerei AG, Leipzig 1911. Digitalisat (Rezension [12])
  • [Rezension zu] :Otto Rühle, Das proletarische Kind. Eine Monographie. München 1911, Verlag von Albert Langen. 262 Seiten. Preis 3 Mark. In: Die neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. 30.1911-1912, 2. Band (1912), Heft 44, S. 677–678. Digitalisat
  • Die Frauen und der politische Kampf. Hrsg. vom Parteivorstand der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Buchhandlung Vorwärts (Paul Singer), Berlin 1911. (2. verb. Aufl. 1912) (Rezension [13])
  • Die sozialdemokratische Frauenbewegung Deutschlands. Die neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. 30.1911-1912, 2. Band (1912), Heft 50, S. 916–919. Digitalisat
  • Bist Du eine der Unsrigen? Ein Mahnwort an die Frauen und Mädchen des arbeitenden Volkes. Buchhandlung Vorwärts (Paul Singer), Berlin 1912.
  • Kinderarbeit, Kinderschutz und die Kinderschutzkommissionen. Hrsg. vom Parteivorstand der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Buchhandlung Vorwärts (Paul Singer), Berlin 1912 (=Sozialdemokratische Frauenbibliothek 3)
  • Die proletarische Frauenbewegung der verflossenen Jahres. Die neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. 31.1912-1913, 2. Band (1913), Heft 50, S. 880–886. Digitalisat
  • Komm zu uns! Ein Weckruf an die junge Arbeiterin. Hrsg. von der Zentralstelle für die arbeitende Jugend Deutschlands. Vorwärts, Berlin 1913.
  • Warum sind wir arm? Eine Frage an alle Arbeiterinnen. Vorwärts, Berlin 1914.
  • Gewinnung und Schulung der Frau für die politische Betätigung. Vorwärts, Berlin 1914. (=Sozialdemokratische Frauenbibliothek 8)
  • Die sozialdemokratischen Frauen und der Krieg. Stuttgart 1915. (=Ergänzungshefte zur Die neue Zeit. Heft 21) (Reprint Auvermann, Glashütten im Taunus 1976) (Rezension[14])
  • Zur Frage der Frauenerwerbsarbeit während des Krieges und nachher. Hrsg. vom Parteivorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Vorwärts, Berlin 1916. (=Sozialdemokratische Frauenbibliothek 9)
  • Zu den Ketzereien in der Frage der industriellen Nachtarbeit. In: Die neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. 35.1916-1917, 2. Band (1917), Heft 25, S. 594–598. Digitalisat
  • Genossinnen! (Flugblatt April 1917) Digitalisat MDZ Reader
  • Clara Zetkins 60. Geburtstag. In: Die Vorkämpferin verficht die Interessen der arbeitenden Frauen. Hrsg. von Frauenkommission der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz. 12(1917), Heft 4, S. 3–4. Digitalisat ETH Bibliothek
  • Gewaltherrschaft und Spitzelpolitik der „sozialistischen“ Regierung. Reden von Luise Zietz, Wilhelm Bock u.a. Leipzig 1919.
  • Willst du arm und unfrei bleiben? Ein Aufruf an die Frauen des werktätigen Volkes. Hrsg. vom Zentralkomitee der U.S.P.D., Verlags-Genossenschaft „Freiheit“, Berlin 1919. Digitalisat
  • Das Maifest 1919. In: Die Vorkämpferin verficht die Interessen der arbeitenden Frauen. Hrsg. von Frauenkommission der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz. 14 (1919), Heft 5, S. 2–3. Digitalisat ETH Bibliothek
  • Die Frauen und die Reichstagswahlen. Parteileitung der USPD, Magdeburg 1920. Digitalisat
  • Die Unabhängige Sozialdemokratie und die Beamten. Zentralkomitee der USPD, o. O. 1921.
  • Karl Marchionini: Ein Plan zur Sozialisierung der Landwirtschaft. Mit einem Vorwort von Luise Zietz. Leipziger Buchdruckerei A. G. , Leipzig 1920.
  • Walter Eschbach: Proletarisches Kinderelend. Mit einem Geleitwort von Luise Zietz. Buchhandlung Freiheit GmbH, Berlin 1923.

Literatur[Bearbeiten]

  • Luise Zietz. In: Franz Osterroth: Biographisches Lexikon des Sozialismus. Band I. Verstorbende Persönlichkeiten. J. H. W. Dietz Nachf., Hannover 1960, S. 342.
  • Marta Globig: Zietz, Luise, geb. Körner. In: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Biographisches Lexikon. Dietz Verlag, Berlin 1970, S. 501-502.
  • Dieter Fricke: Die deutsche Arbeiterbewegung 1869-1914. Ein Handbuch über ihre Organisation und Tätigkeit im Klassenkampf. Dietz Verlag, Berlin 1976, S. 278, 284, 291, 318 f., 329 f., 350.
  • Heinz Habedank u.d.: Geschichte der revolutionären Berliner Arbeiterbewegung. Von den Anfängen bis 1917. Band 1. Dietz Verlag, Berlin 1987 ISBN 3-320-00825-0, S. 482, 491, 512, 556, 622.
  • Heinz Habedank u.d.: Geschichte der revolutionären Berliner Arbeiterbewegung. Von 1917 bis 1945. Band 2. Dietz Verlag, Berlin 1987 ISBN 3-320-00826-9, S. 78, 100.
  • Marinna Spillner: Zietz, Luise (geb. Körner). In: Manfred Asendorf, Rolf von Bockel (Hrsg.): Demokratische Weg. Deutsche Lebensläufe aus fünf Jahrhunderten. J. B. Metzler, Stuttgart, Weimar 1997. ISBN 3-476-01244-1, S. 709-711.
  • Gisela Notz: Alle, die ihr schafft und euch mühet im Dienste anderer, seid einig! Luise Zietz, geb. Körner (1865–1922). In: JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, 2. 2003, S. [135]–149, ISSN 1610-093X.
  • Gisela Notz: Luise Zietz (1865–1922): die Kräfte sammeln. In: 100 Jahre Frauenwahlrecht in Europa. [Frauenmuseum Bonn], Bonn 2006, S. 40.
  • Hans-Kai Möller: Zietz geb. Körner, Luise. In: Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt, Ortwin Pelc (Hrsg.): Schleswig-Holstein Lexikon. Wachholtz Verlag, Neumünster 2006, ISBN 3-529-02441-4, S. 633.
  •  Martin Schumacher (Hrsg.): M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933–1945. Eine biographische Dokumentation. 3., erheblich erweiterte und überarbeitete Auflage. Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5183-1.
  • Lothar Pollähne: Wer war's? - Man nennt sie den weiblichen Bebel. In: Vorwärts 12/2011 - 01/2012, S. 41.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der „weibliche Bebel“.
  2. In den Hamburger Adressbücher ist er 1890 als „Zietz, C. Arbtr. gr. Bäckergang 28 H[aus] 2“, 1896 als „Zietz, C. C. Arbtr. Danielstr. 11 H 3“ und 1902 als „Zietz, Carl Arbtr. Schwabenstr. 56“ eingetragen.
  3. „Zietz, Louise, Schriftstellerin, SW 29, Nostizstr. 50“. (Berliner Adressbuch 1911, S. 3362)
  4. Marta Globig.
  5. Franz Osterroth, S. 342.
  6. Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Chronik. Teil 1. Von den Anfängen bis 1917. Dietz Verlag, Berlin 1965, S. 242.
  7. 1908 bis 1912 als Beisitzerin und 1912 bis 1916 Sekretärin im Parteivorstand verantwortlich für Agitation unter Frauen. Außerdem war sie seit Dezember 1908 Mitglied der unter Anleitung von Friedrich Ebert bestehenden Zentralstelle für die arbeitende Jugend Deutschlands. (Marta Globig, S. 501; Dieter Fricke, S. 349 ff.)
  8. Internationaler Sozialisten-Kongreß zu Kopenhagen. 28. August bis 3. September 1910. Berlin 1910.
  9. Joachim Hoffmann: Berlin-Friedrichsfelde. Ein deutscher Nationalfriedhof. Kulturhistorischer Reiseführer. Das Neue Berlin 2001. ISBN 3-360-00959-2, S. 39, 52, 58, 69, 95, 169, 240.
  10. Thomas Mergel: Parlamentarische Kultur in der Weimarer Republik. Politische Kommunikation, symbolische Politik und Öffentlichkeit im Reichstag (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien 135). Droste, Düsseldorf 2002, S. 130.
  11. Luise-Zietz-Straße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  12. Therese Schlesinger: Luise Zietz, Zur Frage des Mutter- und Säuglingsschutzes. Leipzig 1911, Leipziger Buchdruckerei Aktiengesellschaft. 32 Seiten. Preis 25 Pfennig. In: In:Die neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. 29.1910-1911, 2. Band (1911), Heft 28, S. 60. Digitalisat
  13. Therese Schlesinger: Sozialdemokratische Frauenbibliothek, herausgegeben vom Parteivorstand der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Berlin, Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G.m.b.H. Luise Zietz, Die Frauen und der politische Kampf. 40 S. Preis 30 Pf. Klara Weyl, Die Frauen und die Gemeindepolitik. 32 S. 30 Pfennig. Luise Zietz, Kinderarbeit, Kinderschutz und Kinderschutzkommission. 63 Seiten. Preis 50 Pfennig. M. Richter, Die Frau in der Industrie und Landwirtschaft Württembergs. 38 Seiten. Preis 40 Pfennig. Mathilde Wurm, Die Frauen und der preußische Landtag. 32 S. 30 Pfennig. Adolf Braun, Die Arbeiterinnen und die Gewerkschaften. 36 S. 40 Pfennig. In: Die neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. 32.1913-1914, 1. Band (1914), Heft 13, S. 487–490. Digitalisat
  14. Therese Schlesinger: Luise Zietz, Gewinnung und Schulung der Frau für die politische Betätigung. Sozialdemokratische Frauenbibliothek. VIII. Berlin 1914, Buchhandlung Vorwärts. 29 Seiten. Preis 30 Pfennig. In: Die neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. 32.1913-1914, 2. Band (1914), Heft 2=28, S. 94. Digitalisat