Lukas Vischer (Theologe)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Lukas Vischer (* 23. November 1926 in Basel; † 11. März 2008 in Genf) war ein Schweizer evangelisch-reformierter Theologe und engagierter Ökumeniker.

Leben[Bearbeiten]

Jugendjahre und Studium[Bearbeiten]

Lukas Vischer wuchs als jüngstes von vier Kindern auf und besuchte nach der Primarschulzeit das Humanistische Gymnasium in Basel. Die Matura musste er 1945 zuhause ablegen, da er krankheitshalber über ein Jahr lang ans Bett gefesselt war. Für ein Semester studierte er an der Universität Basel probeweise erst Geschichte und Recht, entschied sich danach aber für das Studium der Theologie. Prägend für seine Studienzeit und darüber hinaus wurde der Professor für Neues Testament und ältere Kirchengeschichte Oscar Cullmann. Daneben kam er direkt mit Vertretern der dialektischen Theologie in Berührung (Studium bei Karl Barth und Konfirmation durch Eduard Thurneysen). Wichtige Stationen waren die Auslandssemester in Strassburg und Göttingen. 1950 schloss er das Studium ab und wurde von der Basler Kirche ordiniert. Darauf absolvierte er ein halbjähriges Lehrvikariat in Feuerthalen bei Gottfried W. Locher, dem späteren Berner Ordinarius für systematische Theologie und Dogmengeschichte. Danach setzte er seine Studien mit dem Ziel der Promotion fort. Ergänzend verbrachte er ein Auslandssemester in Oxford.

Pfarramt in Herblingen[Bearbeiten]

1953 trat Lukas Vischer in der Gemeinde Herblingen am Stadtrand von Schaffhausen seine erste Pfarrstelle an. Im selben Jahr hat er Barbara Schmidt geheiratet, und ihre vier Kinder kämmen alle während der Herblinger Zeit zur Welt. Neben dem Pfarramt blieb er wissenschaftlich tätig und schrieb neben einer Arbeit über die Geschichte der Konfirmation seine Habilitationsschrift.

Im Dienst des Ökumenischen Rates der Kirchen[Bearbeiten]

1961 wurde die Stelle eines Forschungssekretärs in der Abteilung des Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) für Glaube und Kirchenverfassung neu geschaffen und Lukas Vischer angeboten. In dieser Funktion wurde er als Beobachter an die Sessionen des Zweiten Vatikanischen Konzils delegiert. Zusammen mit Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., beteiligte er 1964 an einer Vortragsveranstaltung in Zürich über das Konzil.[1] Ab 1966 war er dann Direktor der Abteilung für Glauben und Kirchenverfassung. Zusammen mit anderen vorwiegend reformierten Theologen initiierte er 1968 die Erklärung von Bern. Er war Mitherausgeber der Dokumente wachsender Übereinstimmung (Bände 1–3).

Lokales und universitäres Engagement[Bearbeiten]

Ab 1980 arbeitete Vischer für die neu geschaffene «Evangelische Arbeitsstelle Ökumene Schweiz» und war zugleich (bis 1992) Inhaber des ausserordentlichen Lehrstuhls für Ökumenische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Bern. Er war massgeblich beteiligt an Vorbereitung und Durchführung der Schweizerischen Evangelischen Synode (1981–1987). Auch international blieb er weiterhin aktiv: von 1982 bis 1989 war er Direktor der theologischen Abteilung des Reformierten Weltbundes. Seit Ende der 1970er Jahre setzte er sich intensiv mit der Umweltthematik auseinander und setzt die Ergebnisse in konkreten Projekten und Initiativen um. 1986 war er massgeblich beteiligt am Aufbau der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Kirche und Umwelt[2] und initiierte später die Gründung des Europäischen Christlichen Umweltnetzes. Lukas Vischer wurde von mehreren Universitäten mit einem Ehrendoktortitel geehrt. Sein Nachlass wird zur Zeit im Rahmen eines Projektes der Universität Bern wissenschaftlich aufgearbeitet.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Basilius der Grosse. Untersuchungen zu einem Kirchenvater des vierten Jahrhunderts. (Diss.), Basel 1953.
  • Die Auslegungsgeschichte von 1. Kor. 6,1-11. Rechtsverzicht und Schlichtung. (Habil.), Tübingen 1955.
  • Ökumenische Kirchengeschichte der Schweiz. Hrsg. mit Lukas Schenker und Rudolf Dellsperger. Freiburg/Basel 1994.
  • Verantwortliche Gesellschaft? Über Zukunftsfähigkeit, Solidarität und Menschenrechte. Neukirchen-Vluyn 2001.

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Karrer: Lukas Vischer (* 1926). Von der Aufgabe, der universalen Gemeinschaft der Kirche heute die angemessene Gestalt zu verleihen. In: Stephan Leimgruber / Max Schoch (Hrsg.): Gegen die Gottvergessenheit. Schweizer Theologen im 19. und 20. Jahrhundert. Basel 1990, S. 521–538.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lukas Vischer: Die Kirche und die Kirchen. Einige Überlegungen zur zweiten Session des Vatikanischen Konzils und Joseph Ratzinger: Die Kirche und die Kirchen. Das ökumenische Problem in der zweiten Session des gegenwärtigen Konzils. Vortragstexte in der Zeitschrift Reformation, XIII. Jahrgang, Heft 2, Zürich, 1964. Rezension: Hanno Helbling: «Die Kirche und die Kirchen» – Zwei Vorträge in Zürich. In: Neue Zürcher Zeitung, 23. Januar 1964.
  2. heute oeku Kirche und Umwelt

Weblinks[Bearbeiten]