Lunzenau

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Lunzenau
Lunzenau
Deutschlandkarte, Position der Stadt Lunzenau hervorgehoben
50.96305555555612.753055555556225Koordinaten: 50° 58′ N, 12° 45′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Mittelsachsen
Höhe: 225 m ü. NHN
Fläche: 28,26 km²
Einwohner: 4645 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 164 Einwohner je km²
Postleitzahl: 09328
Vorwahl: 037383
Kfz-Kennzeichen: FG, BED, DL, FLÖ, HC, MW, RL
Gemeindeschlüssel: 14 5 22 350
Stadtgliederung: Stadtgebiet und 6 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Karl-Marx-Straße 1
09328 Lunzenau
Webpräsenz: www.lunzenau.de
Bürgermeister: Ronny Hofmann (CDU)
Lage der Stadt Lunzenau im Landkreis Mittelsachsen
Altmittweida Augustusburg Bobritzsch-Hilbersdorf Leisnig Brand-Erbisdorf Burgstädt Claußnitz Döbeln Dorfchemnitz Eppendorf Erlau (Sachsen) Flöha Flöha Frankenberg/Sa. Oederan Frauenstein (Erzgebirge) Freiberg Geringswalde Großhartmannsdorf Großschirma Großweitzschen Hainichen Halsbrücke Hartha Hartmannsdorf (bei Chemnitz) Bobritzsch-Hilbersdorf Königsfeld (Sachsen) Königshain-Wiederau Kriebstein Leisnig Leubsdorf (Sachsen) Lichtenau (Sachsen) Lichtenberg/Erzgeb. Lunzenau Mittweida Mochau Mühlau (Sachsen) Mulda/Sa. Neuhausen/Erzgeb. Roßwein Niederwiesa Oberschöna Oederan Ostrau (Sachsen) Penig Rechenberg-Bienenmühle Reinsberg (Sachsen) Rochlitz Rossau (Sachsen) Roßwein Sayda Seelitz Striegistal Taura Waldheim Wechselburg Weißenborn/Erzgeb. Zettlitz Zschaitz-Ottewig SachsenKarte
Über dieses Bild

Lunzenau ist eine Kleinstadt im Landkreis Mittelsachsen im mittleren Sachsen.

Geografie[Bearbeiten]

Brücke über die Zwickauer Mulde, 2007

Die Stadt liegt im Mittelsächsischen Granulitgebirge, direkt an der Zwickauer Mulde und ist ca. 25 km von Mittweida, ca. 25 km von Chemnitz und ca. 65 km von Leipzig entfernt.

Ortsteile[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Kirche St. Jakobus am Markt, 2007
das Lunzenauer Rathaus, 2007
Bauernhöfe in Cossen
Dorfkirche Elsdorf

Der sorbische Name des Ortes lautet Luncznaw (dt. Mühlhausen), es handelt sich um die südlichste Sorbensiedlung des sorbischen Kleingaues Rochelinzi (Rochlitz). 1170 wurde von deutschen Kolonisten neben dem bereits bestehenden sorbischen Weiler ein Reihendorf angelegt. Fünf Jahre später wurde Lunzenau als Besitz des Ritters Guntheros de Rohsberg (Gunther von Rochsburg) erwähnt. Im Jahr 1209 fand Hohenkirchen als für Luzenau zuständige Pfarre Erwähnung. Lunzenau wurde im Jahr 1333 Stadtrecht verliehen. Sechs Jahre zuvor erfolgte die Ersterwähnung der Lunzenauer Muldenbrücke.

Einer alten Überlieferung nach hat Lunzenau seinen Namen aus folgender Begebenheit:

Einst soll ein Ritter entlang das Muldentales gereist sein und als er des Nachts eine Ruhestätte suchte, fiel sein Blick hinab in das bewaldete Tal und er sah wie sich der volle Mond im Wasser des Flußes spiegelte und sprach: „Das ist Luna's Aue.“

Daraus soll nach der Überlieferung im Laufe der Zeit Lunzenau geworden sein.

  • 1390: erste Kirche wurde erwähnt
  • 1495: die Lunzenauer Fischerinnung wird gegründet
  • 1500: erstes Pfarrgericht von Lunzenau
  • 1523: die Bauern die unter die Rochsburger Herrschaft fallen, legen gegen ihren Feudalherren Beschwerde beim Herzog von Sachsen ein
  • 1572: das erste Lunzenauer Rathaus brennt ab
  • 1574: die Schule wird erstmals urkundlich erwähnt
  • 1633: die Pest wütete und halbiert die Bevölkerungszahl
  • 1635: einem großen Stadtbrand fallen die Kirche, das Brauhaus und ca. die Hälfte aller Bürgerhäuser zum Opfer
  • 1677: die große Mühle brennt
  • 1744: Bruderschaft der Weber erstmals erwähnt
  • 1781: zweiter großer Stadtbrand – Kirche, Rathaus, das Diakonat mit der Schule, das Brau- und Malzhaus sowie ca. ⅔ der Häuser brennen nieder
  • 1788: Weihe der 40 m hohen Kirche St. Jakobus
  • 1790: Bauernaufstand gegen Rochsburger Herrschaft, Lunzenauer Bürger beteiligen sich daran, die Frondienste werden aufgekündigt
  • 1831: Pfingsten – Großbrand in der „Gräflichen Schönburgschen Schäferei“, 300 Schafe sind mit verbrannt
  • 1835: allgemeine Stadtordnung wird eingeführt
  • 1839: Maihochwasser nach einem Wolkenbruch, 80 cm über der Straße, das Bachhaus und die Schneidemühle werden mit weggerissen
  • 1842: April bis Juli – große Dürre nachdem es 3½ Monate nicht geregnet hat
  • 1849: Lunzenauer Kommunalgarde kämpft um die Errungenschaften der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848, der Hauptmann (Webergeselle Schlimper) wird zum Tode verurteilt und 1853 begnadigt
  • 1885: die neue Lunzenauer Papierfabrik wird eingeweiht
  • 1863: die steinerne Muldenbrücke wird gebaut
  • 1872: die Göhrener Brücke wird in Betrieb genommen, die Eisenbahnstrecke Leipzig–Chemnitz eingeweiht
  • 1858: verheerendes Hochwasser der Zwickauer Mulde
  • 1873: Großbrand im Rittergut Berthelsdorf; Scheune, Stallungen, Herrenhaus und 2 Bauerngüter brannten ab
  • 1873: schweres Hochwasser
  • 1898: elektrischer Strom auch in Lunzenau
  • 1907: Schneidemühle brennt ab
  • 1927: großes Unwetter zerstörte alle Brücken und Wege am Unterlauf des Brausetalbaches
  • 1929–1930: der Stadtpark am Hartberg wird angelegt und nach dem Heimat- und Muldentaldichter Max Vogler benannt
  • 1941: Eröffnung des Lunzenauer Stadtbades
  • 1945: Bombenabwurf über Elsdorf am 16. Januar, schwere Schäden an Gebäuden, keine Toten oder Verletzten. Am 15. April marschierten die US-Truppen ein, die Stadt wurde daraufhin von Bürgermeister Arnold übergeben, im Juni wechseln die Besatzungstruppen und die Sowjetarmee zieht ein
  • 1954: schweres Hochwasser mit Gefährdung für die Muldenbrücke in Lunzenau, deren Fahrbahn gerade erweitert wurde
  • 1966: Wolkenbruch – Hochwasser des Elsbaches führt zu schweren Gebäude- und Brückenschäden
  • 1970: Gewitterhochwasser mit Schäden im Bereich des Elsbaches
  • 1971: Auszeichnung der Stadt im Wettbewerb „Schöner unsere Städte und Gemeinden – Mach mit!“
  • 1974: die Schule wird erweitert, Neubau
  • 1995: 30. Juni – Windpark mit 6 je 50 m hohen Windkrafträdern entsteht
  • 1995: 1. bis 3. September – „Tag der Sachsen“ in der Region, Lunzenau ist mit Gastgeber
  • 1995: Schließung des Lunzenauer Stadtbades
  • 1999: Einweihung des Wohnpflegeheimes für Blinde, Sehbehinderte und Sehende in Rochsburg
  • 2000: Sanierungsarbeiten an der Stadtkirche „Sankt Jakobus“ beginnen
  • 2002: August – „Jahrhundertflut“, an der Zwickauer Mulde werden historische Höchststände gemessen, es gibt keine größeren Schäden in Lunzenau
  • 2010: Der Lunzenauer Marktbrunnen erhält am 18. Oktober eine Bronzefigur des Prinz Lieschen, erschaffen vom Bildhauer Konrad Hunger.
  • 2010: Kerns Mützenfabrik und das Texturseidenwerk werden abgerissen. An deren Stelle entstehen „Kerns Garten“ bzw. die „Lunzenauer Muldenterrasse“.
Dorfkirche in Oberhohenkirchen, 2007

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Berthelsdorf[2] 1. Januar 1994
Cossen[2] 1. Januar 1994
Elsdorf[2] 1. Januar 1994
Göritzhain[2] 1. Januar 1994
Großschlaisdorf (Schlaisdorf)[3][4] 1. Juli 1949
Himmelhartha[2] 1. April 1996
Hohenkirchen[3] 1. Januar 1967
Kleinschlaisdorf[5] vor 1875 Eingemeindung nach Großschlaisdorf
Niederelsdorf[3][4] 1. Januar 1952 Zusammenschluss mit Oberelsdorf zu Elsdorf
Oberelsdorf[3][4] 1. Januar 1952 Zusammenschluss mit Niederelsdorf zu Elsdorf
Rochsburg[2] 1. Januar 1994

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[6]
Wahlbeteiligung: 51,6 % (2004: 46,3 %)
 %
50
40
30
20
10
0
41,6 %
41,6 %
9,9 %
3,5 %
3,4 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
+1,0 %p
+4,7 %p
-2,5 %p
-6,6 %p
+3,4 %p

Stadtrat[Bearbeiten]

  • CDU: 8 Mitglieder (hinzu kommt der Bürgermeister als Vorsitzender des Stadtrates)
  • Freie Wählergemeinschaft Lunzenau (FWL): 7 Mitglieder
  • LINKE: 1 Mitglied

Wappen[Bearbeiten]

Auf dem Wappen sind ein Fisch und ein Fischerhaus zu sehen.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Schloss Rochsburg mit Museum
  • Kirche St. Jakobus
  • Zum Prellbock – Bahnmuseum und Gaststätte

Gedenkstätten[Bearbeiten]

  • Mahnmal von 1952 im Heinrich-Heine-Park zur Erinnerung an die Opfer des Faschismus
  • Denkmal für Max Vogler (1854–1889), Heimat- und Muldentaldichter

Parks[Bearbeiten]

Muldenterrasse
  • Heinrich-Heine-Park
  • Max-Vogler-Park
  • Lunzenauer Muldenterrasse
  • Kerns Garten

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Parkfest

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Bundesautobahn 72 ist über die Anschlussstelle Penig ca. 4 km entfernt, der Ortsteil Elsdorf liegt an der Bundesstraße 175.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Lunzenauer Papier- und Pappenfabrik wurde 1885 durch Wilhelm Vogel gegründet und 1965 in den VEB Patentpapierfabrik Penig eingegliedert. 1990 privatisierte die Treuhandanstalt den Lunzenauer Betriebsteil. In Lunzenau werden Rohfilzpappe und Sonderpappen hergestellt, die Produktion von Raufasertapeten jedoch eingestellt.[7]

Vogel gründete in Lunzenau zuerst eine Weberei für Möbelstoffe und ließ von 1873–1877 einen Privatpark gestalten, der 1952 Heinrich-Heine-Park benannt wurde.

Bildung[Bearbeiten]

Grundschule „An den Linden“, 2007
  • Evangelische Oberschule
  • Grundschule „An den Linden“

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

  • Fußballplatz
  • Reitanlage Pferdehof Meinig

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

seit März 2002: Werner Goldammer, Leiter des Lunzenauer Blasorchesters

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Zur Stadt[Bearbeiten]

  • Hermann Löscher, Johannes Strehle: Geschichte der Stadt Lunzenau. 1933
  • Lunzenau – Überblick über die geschichtliche Entwicklung. 1983
  • Richard Steche: Lunzenau. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 14. Heft: Amtshauptmannschaft Rochlitz. C. C. Meinhold, Dresden 1890, S. 20.

Sonstige[Bearbeiten]

  • Max Vogler: Der Herr Kommerzienrat Eine Anklage gegen den Lunzenauer Fabrikanten Vogel, 1883
  • Lothar Krügel: Dr. Max Vogler – Dichter, Schriftsteller und Wissenschaftler. herausgegeben zum 65. Todestag des Heimatdichters, 1954

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lunzenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2012 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b c d e f Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen
  3. a b c d Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  4. a b c Verzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere, 1952, Herausgeber: Ministerium des Innern des Landes Sachsen
  5. Gemeinde- und Ortsverzeichnis für das Königreich Sachsen, 1904, Herausgeber: Statistische Bureau des königlichen Ministeriums des Inneren
  6. http://www.statistik.sachsen.de/wpr_neu/pkg_w04_ver.prc_ver?p_bz_bzid=GR09&p_ebene=GE&p_ort=14522350
  7. Website der Papier- und Pappenfabrik