Lutherhaus und Pfarrhaus (Kötzschenbroda)

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Pfarrhaus in Kötzschenbroda, vom Anger aus

Das Lutherhaus am Anger von Altkötzschenbroda im sächsischen Radebeul-West ist das Kirchgemeindehaus der evangelisch-lutherischen Friedenskirche. Im rechten Winkel angebaut steht das Pfarrhaus der Friedenskirche. Der dadurch gebildete Pfarrhof wird zum Anger und zur Kirche von einer Bruchsteinmauer mit Tor und Pforte abgeschlossen. Beide Gebäude sind heute als Kulturdenkmal[1] eingestuft.

Beschreibung[Bearbeiten]

Pfarrhaus (re.) und Lutherhaus (hi.) in Kötzschenbroda, vom Pfarrhof aus
Gedenktafel

Das ältere Pfarrhaus steht direkt mit seiner Schmalseite am Anger. Das zweigeschossige, einfach gegliederte Haus entstand 1824, im Jahr der Emeritierung des langjährigen Pfarrers Johann Samuel Gottlob Flemming, über den erhaltenen Kellergewölben des Vorgängerbaus. Es wurde 1890 in Richtung Elbe erweitert und in den 1920er Jahren umgebaut.

Im Vorgängerbau des Pfarrhauses wurde 1645 unter dem Gastgeber Pfarrer Augustin Prescher der Waffenstillstand von Kötzschenbroda zwischen dem sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. und dem schwedischen General Lennart Torstensson geschlossenen, der für Sachsen den Dreißigjährigen Krieg beendete. Der Holztisch, an dem der Legende zum Schwedentisch nach der Waffenstillstand unterschrieben worden sein soll, steht heute in der benachbarten Friedenskirche.

Das repräsentative Lutherhaus entstand 1928/1929 durch die Gebrüder Kießling. Es wird durch einen Eingangsvorbau aus Sandstein betreten, über dessen Tür sich auf dem Schlussstein ein Porträt von Martin Luther, das Lutherrelief, des Radebeuler Bildhauers Burkhart Ebe nebst den Jahreszahlen 1529 und 1929 befindet. Seitlich am Gebäude befindet sich ein polygonaler Treppenhausvorbau. Ebenso wie das Pfarrhaus hat das Lutherhaus ein schiefergedecktes Walmdach, ergänzt durch einen Dachreiter.

Im Inneren befindet sich im ersten Stock als Gemeindesaal der Luthersaal, der beheizt im Winter auch für Gottesdienste benutzt wird. Dieser hat, durch die Baufirma Johannes Eisold ausgeführt, eine diagonal ausgebildete, sichtbare Holzlamellen-Innendecke nach dem System des Zollingerdachs. Diese bildet eine weite spitzbogige Tonne. Das Dach mit seinen Lamellen wirkt besonders durch seine Farbfassung in Blau-, Rot- und Goldtönen. Der Saal wird durch eine spitzbogige Apsis abgeschlossen, in der sich ein ebenfalls spitzbogiges Apsisfenster befindet. Die bunte Verglasung zeigt eine Darstellung des Auferstandenen, der Entwurf dazu stammt von dem Dresdner Sezessionisten Hans Jüchser aus dem Jahr 1952.

Zum 350sten Jahrestag des Waffenstillstands von Kötzschenbroda im Jahr 1995 wurde vom verein für denkmalpflege und neues bauen radebeul eine Gedenktafel gestiftet, um an das Ereignis zu erinnern. Vor dem Pfarrhaus auf dem Anger in den Boden eingelassen, ist sie heute Bestandteil des neugestalteten Friedenskirchvorplatzes.

Geschichte des Pfarrguts[Bearbeiten]

Pfarrhaus zu Kötzschenbroda, Lithografie von 1845 zur Zweihundert­jahr­feier des Waffenstillstands mit den Schweden

Das Pfarrhaus, dessen Geschichte eng mit den Ereignissen um die Kötzschenbrodaer Kirche verbunden ist, war nicht nur Wohnhaus des jeweiligen Pfarrers, sondern auch Gutshaus ausgedehnter Ländereien. So bestand das Pfarrgut selbst aus einer Hufe Ackerland, hinzu kamen vier Wiesen, zwei Weinberge sowie das sogenannte Pfarrholz, ein Stück Wald im Kötzschenbrodaer Tännicht.

Der Gutshof des Pfarrguts wurde mehrfach durch Kriegseinwirkungen oder Brände zerstört, so 1429 durch die Hussiten, 1598 und 1637 durch die Schweden. Im Neubau nach 1637 wurde der Waffenstillstandsvertrag mit den Schweden unterzeichnet.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Pfarrgut aufgelöst, und die Weinberge wurden 1846 verkauft. 1853 wurden die Wirtschaftsgebäude abgetragen, wodurch der heutige Pfarrhof entstand.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lutherhaus und Pfarrhaus (Kötzschenbroda) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Große Kreisstadt Radebeul (Hrsg.): Verzeichnis der Kulturdenkmale der Stadt Radebeul. Radebeul, 24. Mai 2012, S. 1 (Letzte von der Stadt Radebeul veröffentlichte Denkmalliste. Die seit 2012 beim Landkreis Meißen angesiedelte Untere Denkmalschutzbehörde hat noch keine Denkmalliste für Radebeul veröffentlicht.).

51.10395833333313.633472222222Koordinaten: 51° 6′ 14″ N, 13° 38′ 0″ O