Luttingerflüssigkeit

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Eine Tomonaga-Luttingerflüssigkeit, häufig auch einfach als Luttingerflüssigkeit bezeichnet, ist ein theoretisches Modell zur Beschreibung von wechselwirkenden Elektronen (oder anderen Fermionen) in einem eindimensionalen elektrischen Leiter (z. B. Quantendrähte wie Kohlenstoffnanoröhren). Ein solches Modell ist nötig, da das gewöhnlich benutzte Fermiflüssigkeitsmodell in einer Dimension versagt. Sie sind nach Shin’ichirō Tomonaga und Joaquin Mazdak Luttinger (1923–1997) benannt.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Zu den wesentlichen Eigenschaften einer Luttingerflüssigkeit zählen die Folgenden:

  • Die Antwort der Ladungs- oder Teilchendichte auf eine äußere Störung sind Dichtewellen (Plasmonen), deren Geschwindigkeit durch die Stärke der Wechselwirkung und die mittlere Dichte bestimmt wird. Für nichtwechselwirkende Systeme ist diese Ausbreitungsgeschwindigkeit gleich der Fermi-Geschwindigkeit, während sie bei abstoßender (anziehender) Wechselwirkung zwischen Fermionen größer (kleiner) als diese ist.
  • Ebenso gibt es Spindichte-Wellen, deren Geschwindigkeit in erster Näherung der Fermi-Geschwindigkeit entspricht. Diese pflanzen sich unabhängig von den Ladungsdichte-Wellen fort. Man spricht daher von Spin-Ladungs-Trennung.
  • Ladungs- und Spinwellen sind also separate elementare Anregungen der Luttingerflüssigkeit, im Gegensatz zu den Quasiteilchen der Fermi-Flüssigkeit, die sowohl Spin als auch Ladung besitzen. Die mathematische Beschreibung geschieht am einfachsten mittels dieser Wellen. Man löst die eindimensionale Wellengleichung, und ein Großteil der Arbeit besteht darin, zurück zu transformieren um die Eigenschaften der Teilchen zu erhalten. Eine weitere Schwierigkeit besteht in der Behandlung von Störstellen und anderen Fällen, in denen die Rückstreuung (engl. backscattering) eine wesentliche Rolle spielt.
  • Selbst am absoluten Nullpunkt ändert sich die Impulsverteilung der Teilchen nirgends abrupt, im Gegensatz zur Fermi-Flüssigkeit, wo deren Unstetigkeit die Fermi-Fläche definiert.
  • Die impulsabhängige Spektralfunktion weist keinen Quasiteilchen-Peak auf (also keinen Scheitel, dessen Breite oberhalb des Fermi-Niveaus viel kleiner wird als die Anregungsenergie). Stattdessen gibt es eine algebraische Singularität mit einem nicht-universellen Exponenten, der von der Stärke der Wechselwirkung abhängt.
  • In der Nähe von Störstellen treten die üblichen Friedel-Oszillationen der Ladungsdichte mit einem Wellenvektor von 2 k_F auf. Für große Abstände x von der Störstelle verschwinden diese \sim 1/|x|^g, wobei der Exponent g von der Wechselwirkung abhängt (g=1 für eine Fermi-Flüssigkeit).
  • Bei niedrigen Temperaturen ist die Streuung an diesen Friedel-Oszillationen so stark, dass die renormierte effektive Stärke der Störstelle unendlich wird und damit den Quantendraht abschnürt. Genauer gesagt: die Leitfähigkeit geht mit abnehmender Temperatur und angelegter Spannung gegen Null (und folgt dabei einem Potenzgesetz, dessen Exponent von der Wechselwirkung abhängt)
  • Ebenso ist bei kleinen Spannungen und Temperaturen die Tunnelrate in die Luttingerflüssigkeit unterdrückt.

Man nimmt an, dass das Luttinger-Modell das universelle Verhalten bei niedrigen Frequenzen/langen Wellenlängen eines jeden eindimensionalen Systems wechselwirkender Fermionen beschreibt (sofern dieses nicht einen Phasenübergang in einen anderen Zustand ausgeführt hat).

Anwendungen[Bearbeiten]

Zu den physikalischen Systemen von denen man glaubt, dass sie sich mit dem Luttinger-Modell beschreiben lassen, zählen:

Der Nachweis der charakteristischen Eigenschaften einer Luttingerflüssigkeit in diesen Systemen ist ein aktuelles Forschungsgebiet der experimentellen Festkörperphysik.

Weblinks[Bearbeiten]