Luttmersen

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52.5736111111119.564166666666737Koordinaten: 52° 34′ 25″ N, 9° 33′ 51″ O

Luttmersen
Höhe: 37 m ü. NN
Fläche: 4,58 km²dep1
Einwohner: 127 (27. Mrz. 2013)
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 31535
Vorwahl: 05072
Ortsansicht von Luttmersen
Wilhelmstein-Kaserne

Luttmersen ist ein nordöstlich der Stadt Neustadt am Rübenberge gelegener Stadtteil in der Region Hannover in Niedersachsen. Das Dorf liegt südöstlich einer Leinebiegung und wird von der Landesstraße L 193 durchquert.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste urkundliche Erwähnung findet Luttmersen bereits im Jahre 804 n. Chr. als 'villehatio Letmergensis in pago Lohinga' (Dorf Luttmersen im Bezirk Loingau).[1] Gefundene Keramikscherben und Verhüttungsvorrichtungen mit Eisenschlacke aus der vorrömischen Eisenzeit (450-100 v. Chr.) belegen eine frühe Besiedlung des Bereiches von Luttmersen.

Jahrhundertelang wurde Luttmersen durch die bis zur Mitte der 1950er Jahre ansässige Familie von Stolzenberg geprägt. Erstmals im Jahre 1202 lässt sich deren Ahnenreihe nachweisen: ein Berend Stolteborg war der Lehensnehmer des im Besitz der Grafen von Hallermund (Springe) befindlichen gutsherrlichen Anwesens. Das Lehnsregistern des Jahres 1330 weist die Herzöge Otto und Wilhelm zu Braunschweig-Lüneburg als Eigentümer aus. 1494 wurde Johan Stoltenborch als Freiherr(Baron) in den Adelsstand erhoben. Dieser errichtete um das Jahr 1500 an der Leine eine Wasserburg, die jedoch bereits 1610 zugunsten des Baus des Gutshofes wieder abgerissen wurde. 1898 wurden bei Ausgrabungen an der Leine die Pfeiler der Wasserburg-Zugbrücke entdeckt. Da die Burgwälle Mitte des letzten Jahrhunderts planiert und die Gräben zugeworfen wurden, ist heute weder von den Pfeilern noch den sonstigen Burgresten etwas zu sehen.

In nahezu allen Generationen schlugen die männlichen Nachkommen dieser Familie die Offizierslaufbahn ein.

Die Arbeiten auf ihrem Rittergut sowie den ebenfalls dieser Familie gehörenden drei Jürse-Wassermühlen (in Helstorf, Abbensen und Negenborn) ließen sie überwiegend von Leibeigenen verrichten. Am 24. Juli 1752 wurde der Kauf von 12 aus den umliegenden Dörfern (Mandelsloh, Helstorf, Welze und Lutter) stammenden Leibeigenen durch den Capitaine-Lieutenant von Stolzenberg in den 'Hannoverischen Anzeigen' bekannt gegeben. Veräußert wurden diese auch als 'Hörige' bezeichneten Gutsarbeiter vom Hauptmann Otto Christian von Ilten zu Mandelsloh.

Der archäologisch interessierte Baron Rudolf von Stoltzenberg (*1830, +1904) entdeckte 1878 frühgeschichtliche Funde und stieß im Jahre 1885 auf eine Grabstätte aus der Zeit der Christianisierung (um 750 n.Chr.)

Im Jahre 1956 erlosch mit dem Tod des letzten Stammherrn Rudolf von Stolzenberg die Ahnenreihe der Adelsfamilie in dieser Region. 1969 wurde das 1713 errichtete Herrenhaus derer von Stolzenberg abgerissen.

Während des Dreißigjähriger Kriegs erreichte am 4. September 1626 General Tillys Befehlshaber, Herzog Georg von Braunschweig und Lüneburg, mit seinem kaiserlich-katholischen Regiment die Region Neustadt. Er bezog sein Quartier in Luttmersen. Herzog Georgs Cavallerie-Regiment umfasste 1000 Pferde und 19 Compagnien Infanterie mit rund 1900 Fußsoldaten sowie dem Tross. Sechs Tage hielt sich diese über 7000 Mann starke Einheit in Luttmersen auf. Dieses führte zu Morden, Vergewaltigungen, Plünderungen, Flucht und einer folgenden extremen Hungersnot. Die Region wurde, wie es in einem Bericht heißt, regelrecht "leer gefressen". Am 10. September 1626 vereinigte sich der Tross aus Luttmersen mit der 1000 Mann starken Belagerungsarmee vor Neustadt, die die Stadt nach 15 Tagen eroberte. [2]

Nahe dem Ort ist der Standort der in den Jahren 1963–1965 gebauten Wilhelmstein-Kaserne mit dem Panzerbataillon 33[3]. Mit der Gebietsreform verlor die Gemeinde Luttmersen am 1. März 1974 ihre politische Selbstständigkeit und wurde ein Stadtteil von Neustadt am Rübenberge.[4]

Politik[Bearbeiten]

Ortsbürgermeisterin ist Ute Bertram-Kühn (SPD). Ortsvertrauensmann für Luttmersen ist Erich Kahle, Stand September 2014. Die Ortsteile Esperke/Warmeloh, Helstorf, Luttmersen und Vesbeck haben einen gemeinsamen Ortsrat.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Ehlich: Bauern, Bürger, brennende Dörfer, Nr. 4 der Calenberger Blätter, Wunstorf: Oppermann Verlag, S. 129
  2. 'TYPEN-TUGEND-TRADITIONEN' von Jürgen Gödecke
  3. Portal Deutsches Heer
  4.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 198.

Weblinks[Bearbeiten]