Lutz Niethammer

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Lutz Niethammer (* 1939 in Stuttgart) ist ein deutscher Historiker und Hochschullehrer. Er ist Experte für deutsche Nachkriegsgeschichte und Oral History.

[Bearbeiten] Leben

Niethammer studierte Geschichte, evangelische Theologie und Sozialwissenschaften in Heidelberg, Bonn, Köln und München u.a. bei Hans Mommsen. Er wurde 1971 promoviert. Niethammer ist verheiratet mit der Bochumer Historikerin und Hochschullehrerin Regina Schulte.

Nach Lehrstühlen in Essen, an der FernUniversität in Hagen sowie einer Tätigkeit als Gründungsdirektor des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen folgte er 1993 einem Ruf auf den Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an die Universität Jena. Gastaufenthalte führten Niethammer an das St Antony’s College in Oxford (1972/73), an das Maison des sciences de l'homme in Paris (1978/79), an die Akademie der Wissenschaften der DDR in Berlin (Ost) (1986/87), an das Wissenschaftskolleg zu Berlin (1987/88), an die Universität Basel (1988/89), an das Europäisches Hochschulinstitut in Florenz (1988/89) sowie an die Universität Wien (2008/09). Lutz Niethammer wurde 2005 emeritiert. Niethammers Nachfolger auf dem Jenaer Lehrstuhl wurde Norbert Frei. In der Frage der Zwangsarbeiterentschädigung war Niethammer der historische Berater der Bundesregierung. Zu seinen Schülern gehören Ulrich Herbert und Dirk van Laak.

Lutz Niethammer ist seit 2003 Foreign Honory Member der American Academy of Arts and Sciences. Er ist Träger des Bochumer Historikerpreises. Er ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Instituts für Diaspora- und Genozidstudien an der Ruhr-Universität Bochum (seit 1998), des Kuratoriums der Gedenkstätte Buchenwald (seit 1993), des wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Ettersberg zur vergleichenden Erforschung europäischer Diktaturen und ihrer Überwindung in Weimar (seit 2002) und des wissenschaftlichen Beirats der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (seit 2004). Niethammer ist ferner Vertrauensdozent der Hans-Böckler-Stiftung (seit 1978).

Niethammer gilt als ein Wegbereiter der Oral History in Deutschland. Als deutschsprachiges Pionierwerk der gilt der erste Band seiner Studie Lebensgeschichte und Sozialkultur im Ruhrgebiet 1930–1960: Band 1, Faschismuserfahrungen im Ruhrgebiet. Er war von 1980 bis 1994 deutscher Vertreter der Oral History Association, von 1990 bis 1992 auch deren Vorsitzender. Er gehört zum Herausgebergremium der Zeitschrift BIOS.

[Bearbeiten] Werke

  • Lebenserfahrung und kollektives Gedächtnis. Die Praxis des „Oral History“. Frankfurt am Main, 1980. ISBN 3-8108-0142-9
  • Lebensgeschichte und Sozialkultur im Ruhrgebiet 1930-1960: Band 1, Faschismuserfahrungen im Ruhrgebiet. Berlin, Dietz Verlag, 1986. ISBN 3-8012-0085-X
  • Posthistoire. Ist die Geschichte zu Ende? Reinbek bei Hamburg 1989. ISBN 3-499-55504-2
  • Die volkseigene Erfahrung. Eine Archäologie des Lebens in der Industrieprovinz der DDR. Berlin: Rowohlt, 1991. ISBN 3-87134-009-X
  • Kollektive Identität. Heimliche Quellen einer unheimlichen Konjunktur. Reinbek bei Hamburg, 2000. ISBN 3-499-55594-8 [Rezension: Edgar Wolfrum in Die Welt, 18. November 2000]
  • Ego-Histoire? Und andere Erinnerungs-Versuche. Wien u.a. 2002. [Rezensionen: Frank Ebbinghaus in SZ, 19. Mai 2003; H-Soz-u-Kult
  • Der gesäuberte Antifaschismus. Die SED und die roten Kapos von Buchenwald. Berlin 1994, mehrfach verlegt, u.a. 2005 im Akademie-Verlag

[Bearbeiten] Weblinks

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