Lux (Hotel)

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55.76316337.608732Koordinaten: 55° 45′ 47″ N, 37° 36′ 31″ O

Das ehemalige Hotel Lux(e) in Moskau.

Hotel Lux war ein Hotel in Moskau, in dem in den frühen Jahren der Sowjetunion führende kommunistische Emigranten einquartiert wurden.

Geschichte[Bearbeiten]

Erbaut wurde das Hotel 1911 als Hotel Franzija (Hotel Frankreich) vom Sohn des Bäckers Iwan Filippow in der Twerskaja 36 als vierstöckiger Bau. Das Hotel beherbergte auch das Filippowsche Café.

Nach dem Sieg der Oktoberrevolution wurde das Hotel in „Люкс(ъ)“ umbenannt, was dem gängigen französischen Hotelnamen „(de) luxe“, nicht aber dem lateinischen Wort „lux“ entspricht, übersetzt müsste der Hotelname im Deutschen also Luxe oder Luxus lauten. Ab 1921 war dort das Gästehaus der Kommunistischen Internationale untergebracht. 1933 erweiterte man das Haus um zwei Etagen. Zu dieser Zeit hatte das Hotel 300 Zimmer und konnte an die 600 Personen beherbergen. Die Adresse lautete inzwischen uliza Gorkowo (Gorkistraße) 10.

Die dort in den 1930er-Jahren lebenden, überwiegend deutschen Exilanten waren für Moskauer Verhältnisse sehr gut versorgt, obwohl Bewohner von Rattenplagen berichteten. Viele Bewohner des Hotel Lux wurden zur Zeit des Großen Terrors zwischen 1936 und 1938 durch das NKWD festgenommen, verhört und gefoltert. Nach der Verurteilung auf der Basis z.T. willkürlicher Anklagen wurden die Personen in Straflager (vgl. Gulag) deportiert oder hingerichtet. Im Oktober 1941 wurde das Lux, als deutsche Truppen nur noch wenige Kilometer vor Moskau standen, nach Ufa evakuiert. Im Februar 1942 kehrten die Bewohner jedoch bereits zurück.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges beherbergte das Hotel für kurze Zeit die Gruppe Ulbricht, die am 30. April 1945 von hier aus nach Deutschland flog.

Die letzten „Politischen“ verließen 1954 das Hotel. Anschließend wurde es als „Hotel Zentralnaja“ wieder ein normales Hotel.

Seit Jahren wird das Gebäude saniert.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weitere Bewohner: Johannes R. Becher, Bolesław Bierut, Willi Bredel, Georgi Dimitrow, Fritz Erpenbeck, Klement Gottwald, Antonio Gramsci, Aino und Otto Kuusinen, Elisabeth Markstein, Imre Nagy, Wilhelm Pieck, Theodor Plivier, Ernst Reuter, Rudolf Slánský, Richard Sorge, Ernst Thälmann, Josip Broz Tito, Palmiro Togliatti, Erich Weinert, Markus Wolf, Clara Zetkin

Literatur[Bearbeiten]

  • Doris Danzer (2012): Zwischen Vertrauen und Verrat: Deutschsprachige kommunistische Intellektuelle und ihre sozialen Beziehungen (1918-1960). V&R Unipress, ISBN 978-3899719390.
  • Bert Hoppe: Zimmerservice für die Revolution. Ein Besuch im Moskauer Hotel Lux, das bald zugrunde saniert wird. In: Süddeutsche Zeitung. 26. Oktober 2007.
  • Waltraut Schälike: Ich wollte keine Deutsche sein. Berlin-Wedding - Hotel Lux. Dietz Verlag, 2006.
  • Arkadi Vaksberg: Hôtel Lux. Les Partis frères au service de l'Internationale communiste. (Übersetzt vom Russischen?) Fayard, 1993, ISBN 2-213-03151-7.
  • Ruth von Mayenburg: Hotel Lux. Mit Dimitroff, Ernst Fischer, Ho Tschi Minh, Pieck, Rakosi, Slansky, Dr. Sorge, Tito, Togliatti, Tschou En-lai, Ulbricht und Wehner im Moskauer Quartier der Kommunistischen Internationale. Bertelsmann Verlag, München 1978
  • Ruth von Mayenburg: Hotel Lux. Das Absteigequartier der Weltrevolution. 1979, ISBN 3-492-11355-9.

Film[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]