Lwówek Śląski

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Lwówek Śląski
Wappen von Lwówek Śląski
Lwówek Śląski (Polen)
Lwówek Śląski
Lwówek Śląski
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Landkreis: Lwówek Śląski
Fläche: 16,61 km²
Geographische Lage: 51° 7′ N, 15° 35′ O51.11666666666715.583333333333Koordinaten: 51° 7′ 0″ N, 15° 35′ 0″ O
Höhe: 202 m n.p.m
Einwohner: 9305
(30. Jun. 2013)[1]
Postleitzahl: 59-600
Telefonvorwahl: (+48) 75
Kfz-Kennzeichen: DLW
Wirtschaft und Verkehr
Straße: OlszynaLegnica
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 240,37 km²
Einwohner: 17.887
(30. Jun. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 74 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0212033
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Ludwik Kaziów
Adresse: al. Wojska Polskiego
25
A
59-600 Lwówek Śląski
Webpräsenz: www.lwowekslaski.pl
Lwówek Śląski, Panorama
Rathaus in Lwówek Śląski (Löwenberg in Schlesien)
Die älteste private Bierbrauerei in Polen
Bürgerhalle im Rathaus in Lwówek Śląski (Löwenberg in Schlesien)

Lwówek Śląski [ˈlvuvɛk ˈɕlõsci] (deutsch: Löwenberg in Schlesien) ist eine Stadt in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Sie liegt am Fluss Bober (Bóbr) etwa 30 km nordnordwestlich von Jelenia Góra. Lwówek Śląski hat etwa 9500 Einwohner und gehört der Euroregion Neiße an.

Geschichte[Bearbeiten]

Löwenberg wurde von den Breslauer Herzögen gegründet und erhielt bereits im Jahr 1209 von Herzog Heinrich I. wichtige Privilegien, wie das Braurecht, Mahlrecht, Fischfangrecht und Jagdrecht im Umkreis einer Meile. Vier Jahre später erfolgte die Erhebung zur deutschrechtlichen Stadt. Bei der Teilung des Herzogtums Breslau gelangte Löwenberg 1248 an das Herzogtum Liegnitz, das für Heinrichs Sohn Boleslaw II. errichtet wurde. Für dieses Jahr ist eine herzogliche Burg in Löwenberg nachgewiesen. Von 1281 bis 1286 war Löwenberg Sitz des gleichnamigen Herzogtums Löwenberg, dessen regierender Herzog Bernhard I. war. Nach dessen Tod 1286 vereinte sein Bruder Bolko I. Löwenberg wiederum mit Jauer, behielt jedoch die Titulatur Herzog von Löwenberg bei.

Nach dem Tode des Herzogs Bolko fiel das Herzogtum Schweidnitz-Jauer 1368 als erledigtes Lehen an die Krone Böhmen, wobei der Herzoginwitwe Agnes von Habsburg testamentarisch eine lebenslange Nutznießung eingeräumt wurde. Die Lage der Stadt an der Via Regia machte sie zu einer der wohlhabenden Städte Böhmens. Während des Dreißigjährigen Krieges waren vor allem die Jahre zwischen 1633 und 1643 eine Zeit wiederholter Verwüstungen durch schwedische und kaiserliche Truppen. Am Ende des Krieges war die Stadt weitgehend zerstört und die Bevölkerung auf wenige Hundert dezimiert.

Nach dem Wiederaufbau begann wieder ein langsamer Aufschwung. Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Löwenberg mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. Im Mai 1813 zogen französische Truppen in Löwenberg ein, und Napoleon selbst hielt sich hier vom 21. bis zum 23. August auf, um die Verteidigung gegen die Truppen General Blüchers zu organisieren. Nur wenige Tage später vertrieb die preußische Armee die Franzosen, wobei mehr als 3000 französische Soldaten im Hochwasser führenden Fluss Bober ertranken.

Löwenberg kam 1814 zur neugegründeten Provinz Schlesien, und gehörte ab 1871 mit Preußen zum Deutschen Reich. Nach dem Ersten Weltkrieg war Löwenberg Teil der Provinz Niederschlesien. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam Löwenberg zusammen mit dem größten Teil Schlesiens an Polen, die (deutschsprachige) Bevölkerung wurde vertrieben und durch Neusiedler aus Zentralpolen sowie Vertriebene aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten ersetzt.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges waren über 40 % der alten Stadt zerstört. Viel schwerwiegender für das Stadtbild war allerdings die Nachkriegszeit. In den 1960er und 1970er Jahren wurden 80 % der Altstadt eingeebnet und durch moderne Zeilenbauten entlang der alten Straßen ersetzt (Sozialistische Stadt). So auch am Marktplatz, wo nur das Rathaus und der innere Ringblock erhalten blieben. Zahlreiche Gebäude der Gotik, Renaissance und Barock gingen verloren. Vom großflächigen Abriss verschont blieben lediglich einige Häuser an den Rändern der Altstadt und die öffentlichen Bauten, die nunmehr als Solitäre im aufgelockerten Stadtbild standen. Die evangelische Kirche wurde 1972 bis auf ihren Turm abgerissen. Lwówek Śląski ist Sitz des Powiat Lwówecki.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Renaissance-Rathaus aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts mit Erweiterungsbau nach einem Entwurf Hans Poelzigs von 1903–1905.
  • Stadtmauer mit Laubaner Turm und Bunzlauer Turm
  • Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt von der Wende des 15./16. Jahrhunderts
  • Pfarrkirche und Kloster der Franziskaner aus dem 13. Jahrhundert
  • erhaltene Bürgerhäuser (Brotbänke und Schuhkrambuden) des inneren Ringblocks
  • Renaissance-Schloss in Plagwitz (eingemeindet)
  • Palais des Fürsten von Hohenzollern-Hechingen, später Landratsamt, heute Stadt- und Gemeindeamt. 1850–1852 nach Entwürfen von Friedrich August Stüler im Stil der Neo-Renaissance erbaut.

Stadtwappen[Bearbeiten]

Der Wappenschild ist gespalten; vorne in Silber ein golden gekrönter, roter Löwe; hinten in Gold ein rot, silbern und schwarz geschachter Adler (Schweidnitzer Piasten). Zu diesem Schild gehört ein offener, rechts roter, mit sieben goldenen Seeblättern bestreuter und links silberner, mit sieben roten Seeblättern bestreuter Flug.

Gemeinde[Bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Lwówek Śląski hat neben der Stadtgemeinde folgende Ortsteile (deutsche Namen amtlich bis 1945)[3] mit einem Schulzenamt:

  • Bielanka (Lauterseiffen)
  • Brunów (Braunau)
  • Chmielno (Ludwigsdorf)
  • Dębowy Gaj (Siebeneichen)
  • Dłużec (Lang Neundorf)
  • Dworek (Höfel)
  • Gaszów (Gehnsdorf)
  • Górczyca (Hohndorf)
  • Gradówek (Cunzendorf)
  • Kotliska (Kesselsdorf)
  • Mojesz (Nieder Mois)
  • Nagórze (Neundorf-Liebenthal)
  • Niwnice (Neuland)
  • Pieszków (Petersdorf)
  • Płóczki Dolne (Nieder Görisseiffen)
  • Płóczki Górne (Ober Görisseiffen)
  • Radłówka (Hartelangenvorwerk)
  • Radomiłowice (Radmannsdorf)
  • Rakowice Małe (Wenig Rackwitz)
  • Rakowice Wielkie (Groß Rackwitz)
  • Skała (Hohlstein)
  • Skorzynice (Hartliebsdorf)
  • Sobota (Zobten a. Bober)
  • Ustronie (Seitendorf)
  • Włodzice Małe (Klein Walditz)
  • Włodzice Wielkie (Groß Walditz)
  • Zbylutów (Deutmannsdorf)
  • Żerkowice (Sirgwitz)

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Eberhard Zwirner (1899–1984), Mediziner, entwickelte seit 1927 die Photometrie; gründete 1932 das Deutsche Spracharchiv in Berlin
  • Nikolaus von Reusner (1545–1602), deutscher Rechtswissenschaftler
  • Michael Wirth der Ältere (1547–1612) – Zu den ersten privaten Stiftern des im Jahre 1543 von Herzog Moritz an der Universität Leipzig gegründeten Konvikts gehörte der „Doctor beyder rechte und Professor publicus“ sowie zeitweilige Rektor der Universität.
  • Michael Wirth (1571–1618), Jurist und Rektor der Universität Leipzig
  • Esaias Reusner (1636–1679), deutscher Lautenist und Komponist

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Scholz, Die Schwalben der Kindheit. Dingsda-Verlag, Querfurt 1995, ISBN 3-928498-38-X. In dem Roman werden Flucht und Vertreibung dargestellt, vor allem jene Zeitspanne bis zum Dezember 1946, als Deutsche und Polen hier gemeinsam lebten.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lwówek Śląski – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 1. Dezember 2013.
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 1. Dezember 2013.
  3. Das Genealogische Orts-Verzeichnis