Lychen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Lychen
Lychen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Lychen hervorgehoben
53.20323513.31961760Koordinaten: 53° 12′ N, 13° 19′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Uckermark
Höhe: 60 m ü. NHN
Fläche: 110,51 km²
Einwohner: 3150 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 29 Einwohner je km²
Postleitzahl: 17279
Vorwahlen: 039888, 033087 (Schleusenhof Regow)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: UM, ANG, PZ, SDT, TP
Gemeindeschlüssel: 12 0 73 384
Stadtgliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Am Markt 1
17279 Lychen
Webpräsenz: www.lychen.de
Bürgermeister: Sven Klemckow (parteilos)
Lage der Stadt Lychen im Landkreis Uckermark
Angermünde Berkholz-Meyenburg Boitzenburger Land Brüssow Carmzow-Wallmow Casekow Flieth-Stegelitz Gartz (Oder) Gerswalde Göritz Gramzow Grünow Hohenselchow-Groß Pinnow Lychen Mark Landin Mescherin Milmersdorf Mittenwalde Nordwestuckermark Oberuckersee Passow Pinnow Prenzlau Randowtal Schenkenberg Schöneberg Schönfeld Schwedt/Oder Tantow Temmen-Ringenwalde Templin Uckerfelde Uckerland Zichow BrandenburgKarte
Über dieses Bild

Die uckermärkische Stadt Lychen [lyːçən] ist ein inmitten des Naturparkes Uckermärkische Seen gelegener staatlich anerkannter Erholungsort im Landkreis Uckermark im Norden Brandenburgs. Seit dem 11. Oktober 2008 führt die Stadt die Zusatzbezeichnung Flößerstadt[2], die seit 2010 auch auf offiziellen Briefköpfen geführt wurde[3], aber nicht Bestandteil des amtlichen Namens ist. Die amtliche Bestätigung durch das Innenministerium Brandenburgs erfolgte erst am 23. Mai 2013, was die Stadt dazu berechtigt, die Zusatzbezeichnung auch auf den Ortseingangssschildern zu führen.[4]

Geografie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt zwischen sieben uckermärkischen Seen: Wurlsee, Großer Lychensee, Nesselpfuhl, Stadtsee, Oberpfuhl, Zenssee, Platkowsee. Das Gemeindegebiet umfasst noch andere größere Seen wie den Großen Küstriner See. Über die Woblitz ist Lychen mit der Oberen Havel-Wasserstraße, über den Küstriner Bach mit der Feldberger Seenlandschaft verbunden. Im Norden grenzt das Gebiet Lychens an den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, im Westen an den Landkreis Oberhavel.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Laut Hauptsatzung[5] gliedert sich die Stadt Lychen (neben der Kernstadt) in drei Ortsteile und Gemeindeteile:[6]

Zur Kernstadt Lychen gehören die Gemeindeteile Küstrinchen, Seeberg, Tangersdorf und Türkshof.

Der Stadtsee in Lychen

Dazu kommen noch die Wohnplätze: Am Großen Lychensee, Ausbau Lüder, Beenzer Ausbau, Beenzhof, Birkental, Bohmshof, Brennickenwerder, Collinshof, Drei Seen, Dünshof, Fegefeuer, Georgenhöhe, Heckenhaus, Hinterfeld, Kolbatzer Mühle, Kuckuckswerder, Langes Werder, Lexoshof, Lindenhof, Marienhof, Mückenfang, Punskuhl, Reiherhals, Sängerslust, Schleusenhof Regow, Schlüßhof, Schreibermühle, Seeblick, Süßer Grund, Tonkünstlerheim, Vorderfeld, Wuppgarten und Zenshaus.[6]

Lychen auf dem Urmesstischblatt 2745 Blatt Lychen von 1825. K.O. = Kalkofen

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge[Bearbeiten]

Die urkundliche Ersterwähnung erfolgte im Jahr 1248 als in Liechen. Die Schreibweise Lychen gilt für 1299 als nachgewiesen. Erste Funde einer Besiedlung des Lychener Gebiets stammen aus der Mittleren Steinzeit. Im Zuge der Völkerwanderung (5.–6. Jahrhundert) siedelten sich Slawen an. Ihre Siedlungen legten sie auf Inseln und Halbinseln an und errichteten Fluchtburgen, wie z. B. den Burgwall (jetziges Hotel „Lindenhof“) auf einer Halbinsel im Wurlsee.

Markgraf Johann I. gründete 1248 die Stadt. Sie bekam eine sechs Meter hohe Stadtmauer und drei Tortürme, von denen das Fürstenberger und das Stargarder Tor nur noch in einigen Teilen erhalten sind. Im Jahr 1976 stürzte bei einem starken Sturm der Stargarder Torturm zusammen. Infolge kriegerischer Auseinandersetzungen fiel Lychen 1302 an Mecklenburg. 150 Jahre später eroberte der Markgraf Johann von Brandenburg die Stadt zurück und sie kam nach dem Frieden zu Wittstock wieder zu Brandenburg. Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) und zwei Großfeuer (1648, 1732) vernichteten mehrmals fast die gesamte Stadt. Während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) kam Lychen unter schwedische Besetzung.

Ab dem 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Mit Eröffnung der Bahnstrecke Britz–Fürstenberg im Jahre 1899 entwickelte sich Lychen zum Erholungsort. 1903 gründete Prof. Pannwitz Volksheilstätten des DRK in Hohenlychen.

Fläche des früheren jüdischen Friedhofs an der Oberpfuhlstraße

In der „Reichskristallnacht“ wurde der Friedhof der seit dem 15. Jahrhundert im Ort ansässigen Jüdischen Gemeinde in der Stargarder Straße hinter dem Stadttor geschändet und zerstört. Die Stadtgemeinde kaufte im Jahr 1942 Gelände und gestaltete es als kleine Grünanlage. An die Verwüstung des Friedhofs erinnert seit 1970 ein Gedenkstein, den die Jüdische Landesgemeinde Mecklenburg aufstellen ließ. Zusätzlich ließ die Stadtverwaltung eine Gedenktafel am unteren Zugang anbringen, der das Geschehen lebendig hält. Die große Eiche auf dem Hügel wird darin besonders erwähnt.[7]

Im Zuge der Ämterbildung 1992 im Land Brandenburg schlossen sich die Gemeinden Beenz, Retzow, Rutenberg und die Stadt Lychen am 10. Oktober 1992 zum Amt Lychen zusammen.[8] Das Amt hatte seinen Sitz in der Stadt Lychen. Seit 1996 ist Lychen Staatlich anerkannter Erholungsort. Am 31. Dezember 2001 wurden Beenz, Retzow und Rutenberg in die Stadt Lychen eingegliedert und das Amt Lychen aufgelöst.[9] Seitdem sind Beenz, Retzow und Rutenberg Ortsteile der Stadt Lychen.

Sanatorium Hohenlychen[Bearbeiten]

Kaiserin-Auguste-Viktoria-Sanatorium

1902 gründete der Volksheilstättenverein vom Roten Kreuz in Lychen/Hohenlychen die Heilanstalten Hohenlychen zur Bekämpfung von Tuberkulose, zunächst zur Behandlung erkrankter Kinder. Nach schrittweiser Erweiterung wurde 1912 die Abteilung XIV, das Kaiserin Auguste Viktoria-Sanatorium gebaut und 1913 ein Krankenhaus.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Heilanstalt unter Leitung von Karl Gebhardt zunächst zu einer orthopädischen Klinik und dann zu einem Krankenhaus der Waffen-SS umgestaltet. Hier arbeitete unter anderem der Lungenfacharzt Kurt Heißmeyer, der ab Juni 1944 im KZ Neuengamme Menschenversuche an sowjetischen Kriegsgefangenen vornahm und im November 1944 zwanzig jüdische Kinder im Alter zwischen 5 und 12 Jahren aus Auschwitz mit Tuberkulose infizierte.[10]

Wuppgarten[Bearbeiten]

Zu DDR-Zeiten errichtete und unterhielt der VEB Walzwerk Finow am Zenssee ein Betriebs-Ferienlager für die Kinder seiner Betriebsangehörigen.

Außerdem gab es im Ort ein Betriebs-Ferienlager, das der VEB Kraftfahrzeugwerk "Ernst Grube" von Werdau betrieben hat.

Tangersdorf[Bearbeiten]

Zu DDR-Zeiten errichtete und unterhielt der VEB Lacke und Farben Berlin in diesem Ortsteil ein Betriebs-Ferienlager für die Kinder seiner Betriebsangehörigen.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
(Quelle: Die Daten beziehen sich auf das heutige Gemeindegebiet. Die Quellen finden sich detailliert in den Wikimedia Commons.[11])
1875 1890 1910 1925 1933 1946 1950 1964 1971 1981 1989 1995 2000 2005 2010 2012
3.184 3.359 3.919 4.828 4.662 5.261 5.053 4.452 4.490 4.205 4.118 4.122 3.966 3.905 3.527 3.150


Politik[Bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 28. September 2008 führte zu folgender Verteilung der 16 Sitze:[13]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 2. Juni 1993 genehmigt.

Blasonierung: „In Rot über blau-silbernem Wellenschildfuß eine silberne Burg, mit zwei pyramidenförmigen bezinnten Türmen, belegt mit je einem schwarzen Fenster, und einer torlosen bezinnten und gequaderten Mauer dazwischen; darüber schwebend zwischen zwei sechsstrahligen silbernen Sternen ein silberner Schild mit goldbewehrtem rotem Adler.“[14]

Die Burg soll die Stadtmauer mit ihren Türmen symbolisieren. Die Wellen stellen die Seen um Lychen dar. Da Lychen zur Mark Brandenburg gehörte, wurde der Adler in das Wappen aufgenommen. Die Sterne im Wappen erinnern daran, dass im 14. Jahrhundert in Lychen Münzen geprägt wurden, auf denen der Markgraf von Brandenburg zwischen Sternen dargestellt war.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bemerkenswerte Bauwerke[Bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Lychen stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.

St. Johannes
  • Die evangelische Stadtkirche St. Johannes wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts als frühgotischer Feldsteinbau errichtet.
  • Das am Marktplatz gelegene Rathaus der Stadt wurde 1748 anstelle eines Vorgängerbaus im Barockstil errichtet und nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut.
  • Von der 1302-1304 aus Feldsteinen erbauten mittelalterlichen Stadtmauer sind große Teile erhalten. Dazu gehören auch Reste des Stargarder Tores, des Templiner Tores und des Fürstenberger Tores.
  • In der Schreibermühle war ein in den 1920er Jahren von Elsa Brändström gegründetes Heim für ehemalige Kriegsgefangene untergebracht.
  • Im Flößereimuseum wird eine der früher wirtschaftlichen Grundlagen Lychens gewürdigt.
  • Im Ortsteil Retzow ist die Ruine einer gotischen Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert erwähnenswert.

Darüber hinaus gibt es in der Stadt eine katholische Kirche, eine Neuapostolische Kirche, eine Freilichtbühne, den Malerwinkel und das Chors Stift.

Sportvereine[Bearbeiten]

  • Lychen United (Freizeitsport)
  • SV Germania Lychen (Fußball)
  • SV Berolina Lychen (Handball, Leichtathletik)
  • Seglerverein Lychen 1990 e. V.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Lychen wurde die Reißzwecke 1903 erfunden, zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es hier kleine Reißzweckenfabriken. Heute erinnert ein Denkmal an den Erfinder Johann Kirsten.

Gartenstraße

In den früheren Jahrhunderten gehörte die Flößerei zu den wichtigsten Erwerbszweigen. Dabei wurde nicht nur das Nutzholz zu Flößen zusammengefügt und vor allem zu größeren Bauvorhaben in oft wochenlanger Arbeit gebracht, sondern auf den Flößen bewegten die Menschen auch andere nicht verderbliche Waren. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts bildet der Tourismus (Wassertouristik, Wanderpfade, Fahrradwege, Draisinenfahrten, Kremsertouren) die wirtschaftliche Grundlage der Stadt.

Verkehr[Bearbeiten]

Lychen liegt zwischen den Bundesstraßen 96 und 109. Die nächsten Autobahnanschlussstellen sind Wandlitz an der A 11 und Birkenwerder an der A 10. Die Bahnstrecke Fürstenberg–Templin, mit Bahnhöfen in Lychen und Hohenlychen, wird nach ihrer Stilllegung seit 1996 touristisch als Strecke für Fahrrad-Draisinen genutzt. Die Anbindung an Fürstenberg (Havel), Templin und weitere umliegende Orte wird heute mit den Linienbussen der UVG sichergestellt.

Die Schleuse Regow befindet sich bei Kilometer 42,6 der Oberen Havel-Wasserstraße beim Schleusenhof Regow.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Gedenktafel für Johann Kirsten

In Lychen geboren[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Persönlichkeiten mit Verbindungen zur Stadt[Bearbeiten]

  • Klaus Voormann, Bassist, Grafiker, Fotograf und (enger) Freund von John Lennon und Paul McCartney, lebte als Kind zeitweilig in Lychen. In einem Interview betonte er, dass er als gebürtiger Berliner keine Beziehung zu dieser Stadt habe, da seine Kindheitserinnerungen in Lychen lägen.
  • Siegmund Cohrs (1845–1924), Kommerzienrat, Unterstützer der Victoria-Louise-Kinderheilstätte und Sponsor der Cohrs-Stiftung, stiftete 5000 Mark an die Stadt Lychen zur Errichtung einer Kinderhilfseinrichtung. 1914 bekam er die Ehrenbürgerschaft durch die Stadt Lychen, die 1939 posthum widerrufen wurde.

Literatur[Bearbeiten]

  • Liselott Enders: Historisches Ortslexikon der Mark Brandenburg, Teil VIII, Uckermark. Weimar 1986, ISBN 3-7400-0042-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lychen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2012 (XLS-Datei; 83 KB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Lychen ist nun Flößerstadt. In: Märkische Allgemeine, 13. Oktober 2008, S. 5
  3. Bekanntmachung im Protokoll der Stadtverordnetenversammlung 0001/10 vom 8. Februar 2010
  4. Mitteilung des Innenministeriums Brandenburg
  5. Hauptsatzung der Stadt Lychen vom 6. Juli 2009 PDF
  6. a b Stadt Lychen Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg
  7. Information von der Gedenktafel, Stand August 2013
  8. Bildung des Amtes Lychen. Bekanntmachung des Ministers des Innern vom 6. Oktober 1992. In: Amtsblatt für Brandenburg – Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 3. Jahrgang, Nummer 82, 26. Oktober 1992, S.1918.
  9. Eingliederung der Gemeinden Beenz, Retzow und Rutenberg in die Stadt Lychen. Bekanntmachung des Ministeriums des Innern vom 10. Dezember 2001. In: Amtsblatt für Brandenburg – Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 12. Jahrgang, 2001, Nummer 52, Potsdam, den 27. Dezember 2001, S. 902, PDF
  10. Hans Waltrich: Zur Geschichte der Heilanstalten vom Roten Kreuz in Hohenlychen
  11. Population Projection Brandenburg auf Wikimedia Commons
  12. statistik-berlin-brandenburg.de (PDF)
  13. ws.lychen.de
  14. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  15. Karl Rätsch Kulturserver des Landes Brandenburg; abgerufen am 13. Februar 2011
  16. lychen.de HP der Stadtverwaltung; abgerufen am 22. Oktober 2010
  17. der Chronist Handtke über Lychen
  18. Katrin Bischoff: Auf der schiefen Bahn. In: Berliner Zeitung, 7. Februar 2009
  19. uwe-jaehnichen beim kulturserver-brandenburg.de; abgerufen am 13. Februar 2011