Lydia Moss Bradley

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Lydia Moss Bradley

Lydia Moss Bradley (* 31. Juli 1816 in Vevay, Indiana; † 16. Januar 1908 in Peoria, Illinois) war eine amerikanische Philanthropin. Sie war die erste amerikanische Frau im Aufsichtsrat einer Bank und außerdem die erste, die einen Ehevertrag schloss. Gründerin des Bradley Polytechnic Institute.

Leben[Bearbeiten]

Lydias Eltern, Zeally Moss und Jennett Glasscock Moss, stammten aus Virginia. Ihr Vater besaß eine Plantage in Kentucky, die er jedoch aufgab, weil er mit Sklavenarbeit kein Geld verdienen wollte. Er ging nach Indiana, wo er sich eine Farm aufbaute. Hier wurden Lydia und ihr Bruder William S. Moss geboren. Sie zeigte bereits Geschäftssinn, als sie ihr Reitpferd, das sie selbst aufgezogen hatte, verkaufte und für den Erlös eine Anzahlung auf ein Waldstück machte. Das schien eine seltsame Entscheidung in einer Zeit, als das Pferd in dünn besiedelten Gebieten das einzige Fortbewegungsmittel war.

Am 11. Mai 1837 heiratete sie mit 26 Jahren den fünf Jahre älteren Tobias S. Bradley in Vevay, der ein Boot bis nach St. Louis fuhr. Als das Geschäft blühte, erweiterte er dieses durch ein Holzlager und eine Sägemühle. 1833 war Lydias Vater verstorben und hatte ihr die Farm hinterlassen.

1847 verkauften sie ihren Besitz in Vevay und zogen mit Lydias Mutter nach Peoria, Illinois. Hier war Lydias Bruder William bereits ein erfolgreicher Geschaftsmann, dem das Dampfschiff „Avalanche“ gehörte, auf dem Tobias als Kapitän einstieg. Später wurde er auch Partner in Williams Brennerei und sie betrieben gemeinsam die Firma Moss, Bradley & Co. Bradley war ein außergewöhnlich guter Geschäftsmann: Er betrieb eine Fähre, kaufte Land und Anteile an der First National Bank und wurde schließlich deren Präsident.

Wie alle Frauen jener Zeit war Lydia Hausfrau und Mutter. Sie hatte Hühner und damit ihre eigenen Eier, machte Butter und salzte Fleisch als Vorrat ein. Obst wurde verarbeitet, Garn gesponnen, Kleidung und Teppiche selbst hergestellt. Sie sagte später einmal, dass die Lebensmittel, mit denen sie gekocht habe, einen kleinen Berg ergeben würden.

Schicksalsschläge[Bearbeiten]

Lydia brachte sechs Kinder zur Welt, von denen nur die Tochter Laura das Jugendalter erreichte.

  • Rebecca 20. Februar 1839-2. September 1845
  • Clarissa 26. Oktober 1843 starb 1847
  • Tobias 28. April 1847 starb 1847
  • Laura 24. April 1849 starb 1864 – sie wurde 14 Jahre alt.
  • Mary starb 25. April 1852 – vor ihrem 1. Geburtstag
  • William starb 25. August 1855 im Alter von 2 Jahren

Mit dem Tod von Laura waren alle ihre Ziele und Hoffnungen gestorben. Lydia und ihr Mann Tobias machten sich in den Folgejahren Gedanken, was sie mit ihrem Vermögen für andere Kinder tun könnten. Ihre erste Idee war ein Waisenhaus. Sie fuhren nach Montreal zur Besichtigung, kamen jedoch zu der Überzeugung, dass eine solche Einrichtung nicht ihren Vorstellungen entsprach, weil die Kinder in Abhängigkeit aufwuchsen.

Leistungen[Bearbeiten]

Tägliche Besprechung mit Mr Hammond

Im Mai 1867 starb ihr Ehemann plötzlich und unerwartet bei einem Unfall mit einer Kutsche im Alter von 56 Jahren, ohne ein Testament mit Anweisungen für Lydia zu hinterlassen. Ohne die geringste Ahnung von den Geschäften ihres Mannes war sie plötzlich mit 51 Jahren Erbin eines Vermögens von ca. einer halben Million. Sie stellte als Geschäftsführer und Vermögensverwalter den Rechtsanwalt W. W. Hammond ein, mit dem sie sich bis zu ihrem Tod täglich zu einer Besprechung traf. Sie wurde eine der Direktoren des Aufsichtsrats der First National Bank of Peoria, eine Stellung, die sie über 25 Jahre innehatte.

Zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes heirate Lydia noch einmal. Die Gründe sind nicht bekannt. Sie war jedoch klug genug, mit ihrem Ehemann, Edward Clark, einen Ehevertrag dahingehend abzuschließen, dass im Falle einer Trennung jeder den Anteil behielt, den er in die Ehe gebracht hatte. Bereits nach vier Jahren wurden sie 1873 geschieden.

Als Eigentümerin von 680 acres (ca. 270 ha) Sumpfland, das sie entwässern ließ. Sie teilte es in Parzellen, zog Zäune und verpachtete es als Ackerland mit kleinen Farmhäusern. Als die Ernte jedoch spärlich ausfiel, schickte sie Bodenproben zur Analyse nach Champaign. Die Erde war gut, jedoch fehlte ihr Pottasche (Kali). Durch entsprechende Bodenverbesserung wurden ihre Bauernhöfe erfolgreich. Auch die Nachbarhöfe folgten ihrem Beispiel und der Wert des Landes stieg dramatisch an. Sie hatte das Land für $10,- pro acre gekauft und auf einmal war es $140,- wert. [1] Eine ihrer großen Stärken und der Schlüssel ihres Erfolges war, dass sie den Rat von Experten suchte. Sie war sich ihres geringen Wissens aufgrund fehlender Schulausbildung bewusst und informierte sich auf allen Gebieten, die für sie von Interesse waren, um dann ihre Entscheidung zu treffen.

Sie löste die Hypotheken von $30.000 der Kirche auf der Hauptstraße ab, die dann “Bradley Memorial Church” im Gedenken an ihren Ehemann hieß. Sie schenkte dem St. Francis Hospital das Land für ein Krankenhaus. Sie richtete die erste öffentliche Bücherei in Peoria ein. Sie baute ein 1884 Altersheim für Frauen. Sie schenkte 1891 der Stadt den 100 acres großen “Bradley Park“ zum Gedenken an ihre Tochter Laura und schlug dem Gemeinderat die Einrichtung einer Parkverwaltung vor. Doch während all dieser Zeit verfolgte sie die Idee einer Schule, in der junge Leute aus Peoria und Umgebung im Alter von 14 bis 20 Jahre einen Beruf erlernen könnten, um unabhängig zu werden und ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen zu können. Das galt für Jungen und Mädchen gleichermaßen. 1877 besuchte sie das Rose Polytechnic Institute, um einen ersten Eindruck von solch einer Schule zu erhalten. Sie sandte jedoch W. W. Hammond auch an die Washington School for Boys nach St. Louis, das Throop Polytechnic Institute in Pasadena, das Armour Institute und das Lewis Institute in Chicago, so dass sie immer neue Ideen für ihre geplante Schule erhielt, die sie in ihrem Testament genau beschreiben wollte.[2]

Parsons Bradley Horological School[Bearbeiten]

Bradley Horological School links mit Turm und Bradley Polytechnic Institute 1907

Am 30. März 1892 schloss Lydia Bradley einen Vertrag mit den Eigentümern der Uhrenfabrik “Peoria Watch Company” und James R. Parsons, Besitzer des Parsons Horological Institute in La Porte, Indiana und Eigentümer der Werkzeuge, Maschinen und Ausrüstung dieses Institutes, der besagte, dass sie für $30.000 die Mehrheit der Anteile kaufe – zahlbar in bar – welche die notwendige Versorgung der Fabrik und der Schule zur Weiterführung sicherstellen. Die Vereinbarung besagte weiterhin, dass James R. Parsons die Schule als Rektor an einem neuen Platz weiterführen solle und dass Lydia ihm das benötigte Geld für den Kauf des Schulgebäudes in LaPorte bereitstellen würde. Schließlich siedelte sie das Institut um nach Peoria auf das Gelände, wo später auch das Polytechnic stehen sollte. So konnten die Schüler in der Uhrenfabrik arbeiten und im Institut lernen. Später kam neben der Uhren- noch eine Fahrradfabrik hinzu, so dass ein neuer Handelszweig in Peoria entstand. 1892 wurde jedoch die Fahrradfabrik durch einen Brand vernichtet, während das Institute weiter bestand, bis es 1897 eine eigene Abteilung mit 70 Studenten (The Horological Department - später umbenannt in Westlake) im Bradley Polytechnic Institute wurde.[3]

Bradley Polytechnic Institute[Bearbeiten]

Lydia Moss Bradley posiert vor ihrer Haustür für ein Gemälde von William Hardin

Schließlich bat sie im Oktober 1896 Dr. William Rainey Harper von der University of Chicago um einen Besuch und legte diesem ihre Pläne vor. Nachdem er diese studiert und eine Aufstellung über die zu erwartenden Kosten erstellt hatte, konnte er Mrs. Bradley überzeugen, die Schule noch zu ihren Lebzeiten zu bauen und sagte ihr weitere Beratung zu.

Bradley Polytechnic Institute wurde am 13. November 1896 gegründet. Mrs. Bradley stellte 17.5 acres (71,000 m2) Land, $170,000 für Gebäude, Ausstattung und Bücherei bereit, sowie $30,000 pro Jahr für die laufenden Kosten.

Die Einweihung erfolgte Ende 1897. Präsident war Oliver J. Bailey. William R. Harper und Albion Small von der Universität Chicago gehörten dem Board of Trustees an. Das Bradley Polytechnic Institute gehörte damit zu den “affiliates” der University of Chicago. Die Absolventen des zweijährigen College-Kurses waren die künftigen Studenten in Chicago. [4]

Diese Schule wurde die Freude in ihrem Alter. Sie mischte sich niemals in die Leitung ein. Zufrieden mit dem Fortschritt überschrieb die dem Polytech ihren restlichen Grundbesitz zum Nutzen zu ihrer Lebenszeit. Am Gründertag 1906 verkündete sie eine zusätzliche Schenkung zum Bau der Hewitt Turnhalle.[5]

Mrs. Bradley starb an Altersschwäche am 16. Januar 1908 in ihrem Haus in Peoria. Sie wurde 91 Jahre.

1998 wurde Lydia Moss Bradley posthumo in die “National Women's Hall of Fame” (Ruhmeshalle für Frauen) aufgenommen.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bradley Polytechnic Institute. The first decade, 1897-1907. Herausgeber: Charles Truman Wyckoff. Herausgeber: Bradley University, Peoria 1908
  • Porte County Historical Society Hrsg. La Porte, Indiana and Its Environs. Verlag: Arcadia Pub. (Sc) 2002. ISBN 978-0738519692
  • Louis A. R. Yates: A Proud Heritage: Bradley's History 1897-1972. Bradley University; First edition 1974.
  • Allen A. Upton: Forgotten Angel: The Story of Lydia Moss Bradley. published in 1988.
  • Nina Collins: An Industrious and Useful Life: The history of home economics at Bradley University. (1994)
  • William A. Clarey: Building Bradley Business A history of the Foster College of Business Administration. (1995)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bradley Polytechnic Institute. The first decade, 1897-1907 Wyckoff, Seite 38-39
  2. Bradley Polytechnic Institute. The first decade, 1897-1907 Seite 124
  3. Bradley University and Its Watchmaking Past im “Preoria Magazine”
  4. Bradley Polytechnic Institute. The first decade, 1897-1907. Herausgeber: Charles Truman Wyckoff. Bradley University, Peoria 1908
  5. Geschichte der Bradley University
  6. National Women's Hall of Fame