Lyon

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Dieser Artikel befasst sich mit der französischen Stadt Lyon; zu weiteren gleichnamigen Bedeutungen siehe Lyon (Begriffsklärung).
Lyon
Wappen von Lyon
Lyon (Frankreich)
Lyon
Wahlspruch
Avant, avant, Lion le melhor.
Region Rhône-Alpes (Präfektur)
Département Rhône
Arrondissement Lyon
Kanton Chef-lieu von 14 Kantonen
Gemeindeverband Grand Lyon.
Koordinaten 45° 46′ N, 4° 50′ O45.7588888888894.8413888888889170Koordinaten: 45° 46′ N, 4° 50′ O
Höhe 162–312 m
Fläche
– Aire urbaine
47,87 km²
6.019 km²
Einwohner
– Aire urbaine
491.268 (1. Jan. 2011)
2.188.759
Bevölkerungsdichte 10.263 Einw./km²
Postleitzahl 69001–69009
INSEE-Code
Website www.lyon.fr

Lyon: Altstadt und Halbinsel vom Fourvière-Hügel aus gesehen, mit dem Geschäftsviertel La Part-Dieu im Hintergrund.
.

Lyon?/i [ljɔ̃] (deutsch veraltet: Leyden, lateinisch Lugdunum) ist die Hauptstadt der Region Rhône-Alpes und des Départements Rhône im Südosten Frankreichs.

Mit 491.268 Einwohnern in der Kernstadt (Stand 1. Januar 2011) ist sie nach Paris und Marseille die drittgrößte Kernstadt des Landes. Die gesamte Metropolregion Lyon, mit 2.188.759 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011), ist aber nach Paris und vor Marseille die zweitgrößte Frankreichs. Um diese Position streiten sich allerdings die Städte Lyon und Marseille seit vielen Jahren.

Die Altstadt und ein Teil der Halbinsel Lyons wurden 1998 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Lyon ist Bischofssitz des Erzbistums Lyon der römisch-katholischen Kirche in Frankreich. Bischofssitz ist die Kathedrale von Lyon in der Altstadt. Markanter ist jedoch die Basilika Notre-Dame de Fourvière, die die ganze Stadt überragt. 1871 wurde sie auf der Spitze des gleichnamigen Hügels errichtet.

Die Lyoner Gastronomie genießt einen exquisiten Ruf. Die Vielfalt der traditionellen Küche findet in der seltenen Kombination aus Alpen-Nähe und schiffbarem Zugang zum Mittelmeer ihren Ursprung. Nördlich der Stadt liegt das Weinbaugebiet Beaujolais, südlich der Stadt schließen sich die Côtes du Rhône an. Historisch ist die Stadt eng mit den canuts, den Seidenwebern, verknüpft, deren Handwerk während der Industriellen Revolution die treibende Wirtschaftskraft war. Darüber hinaus ist Lyon als Stadt des Lichtes bekannt, dem zu Ehren jährlich am 8. Dezember die „Fête des Lumières“[1] gefeiert wird.

Lyon ist Sitz der internationalen Polizeibehörde Interpol und der Internationalen Agentur für Krebsforschung (International Agency for Research on Cancer, kurz: IARC).

Geografie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt am Zusammenfluss der Rhone und der Saône zwischen Jura im Nordosten, Alpen im Osten und Zentralmassiv im Südwesten. Das Siedlungsgebiet der eigentlichen Stadt geht nahtlos in das Gebiet angrenzender Städte und Gemeinden über, sodass sich hier eine dichte Metropolregion herausgebildet hat. Der größte „Vorort“ Lyons ist die Industriestadt Villeurbanne im Osten mit 145.034 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011).

Nachbargemeinden von Lyon sind Collonges-au-Mont-d’Or und Caluire-et-Cuire im Norden, Villeurbanne und Bron im Osten, Vénissieux im Südosten, Saint-Fons und Pierre-Bénite im Süden, Oullins, La Mulatière und Sainte-Foy-lès-Lyon im Südwesten, Francheville, Tassin-la-Demi-Lune und Écully im Westen sowie Champagne-au-Mont-d’Or, Saint-Didier-au-Mont-d’Or und Saint-Cyr-au-Mont-d’Or im Nordwesten.

Lyon liegt etwa 470 km südlich von Paris, 320 km nördlich von Marseille, 160 km westlich von Genf und 280 km von Turin entfernt.

Klima[Bearbeiten]

Lyon
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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57
 
7
2
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: [2]
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Lyon
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 6,4 8,4 13 16,4 20,8 24,6 27,7 27,2 22,5 17,4 10,8 7,1 Ø 16,9
Min. Temperatur (°C) 0,6 1,1 3,8 6,5 10,5 14,1 16,6 16 12,5 9,3 4,35 1,6 Ø 8,1
Temperatur (°C) 2,8 4,3 7,8 10,8 14,9 18,5 21 20,4 17,2 12,4 6,9 3,4 Ø 11,7
Niederschlag (mm) 51,9 47,1 56,4 64,8 81,3 78,4 63,4 83,1 86,4 84,4 80,3 56,6 Σ 834,1
T
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7,1
1,6
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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80,3
56,6
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: [2]

Geschichte[Bearbeiten]

Antike und Mittelalter[Bearbeiten]

Das Römische Theater
Die Altstadt von Lyon

Lyon wurde 43 v. Chr. von den Römern unter dem keltischen Namen Lugdunum (Festung des Lug) als Verwaltungszentrum Galliens gegründet. Vorher bestand an gleichem Ort bereits eine keltische Siedlung. Diese Rolle hatte die Stadt über drei Jahrhunderte inne, bevor ihre Bedeutung im Zuge des Untergangs des Römischen Reiches zurückging. Der Name der Stadt wandelte sich im Laufe der Jahrhunderte sprachlich und hat folglich nichts mit dem Löwen (frz. lion) zu tun.

Die viertürmige Basilika Notre-Dame de Fourvière

Im Jahr 177 wurde hier die Märtyrerin Blandina verbrannt, die später zur Stadtpatronin von Lyon erwählt wurde. Im 2. Jahrhundert lebte auch Irenäus von Lyon, der nicht nur 177–202 Bischof war, sondern einer der bedeutendsten Kirchenväter und einer der ersten systematischen Theologen des Christentums. Der spätere römische Kaiser Caracalla wurde am 4. April 188 im heutigen Lyon geboren, dem Verwaltungssitz der Provinz Gallia Lugdunensis, deren Statthalter sein Vater damals war. Er erhielt den Namen Septimius Bassianus. In der Spätantike bestand hier eine Hochschule, an der unter anderem auch Sidonius Apollinaris studierte. Lyon wurde im 2. Jahrhundert Bistum, im 3. Jahrhundert Erzbistum. 461 fiel die Stadt an die Burgunden und blieb bis zur fränkischen Eroberung 534 Königsresidenz. Die Stadt wurde 725 von den Arabern verwüstet, die aus Spanien kommend ins Frankenreich einfielen.

Erst im 11. Jahrhundert erlangte Lyon wieder größere überregionale Bedeutung, als die katholische Kirche der Stadt den Hauptsitz über Gallien (Primat des Gaules) zusprach, den sie noch heute besitzt. Der Erzbischof von Lyon, heute Philippe Barbarin, wird traditionell zum Kardinal erhoben und ist nach wie vor der Primas der katholischen Kirche in Frankreich. Im 13. Jahrhundert fanden zwei bedeutende Kirchenversammlungen statt, das erste (1245) und das zweite Konzil von Lyon (1274). Einer der Teilnehmer, der Kirchenlehrer Bonaventura, ist in der Église Saint-Bonaventure begraben.

Die Stadt fiel 1032, wie auch das gesamte Königreich Arelat, an das Heilige Römische Reich. In der Renaissance erlebte Lyon aufgrund des Seidenhandels einen erneuten Entwicklungsschub. 1310 wurde die Stadt von französischen Truppen besetzt; die Pest wütete 1348 in Lyon.

Neuzeit[Bearbeiten]

1529 kam es zu einem Aufstand der Armen in Lyon. Als Konsequenz gründeten die Bürger der Stadt eine Armenstiftung. 1536 begann in Lyon die Seidenweberei, die eine lukrative Einnahmequelle der Stadt wurde und industriell in den kommenden Jahrzehnten wuchs. Die Stadt war um 1550 Zentrum der Lyoneser Dichterschule. Während der Französischen Revolution war Lyon das Hauptwiderstandszentrum gegen den Nationalkonvent im südlichen Frankreich. Die Stadt war nicht nur ein Refugium für die Girondisten, die sich von den übrigen Jakobinern abgespalten hatten, sondern auch für Royalisten. Nachdem hier die jakobinische Stadtverwaltung verjagt worden war, entschloss sich der Nationalkonvent zu einem militärischen Vorgehen gegen die abtrünnige Stadt. Am 9. Oktober 1793 wurde Lyon nach 66 Tagen Belagerung von den Truppen des Nationalkonvents erobert. Unter Vorsitz der Konventsmitglieder Collot d'Herbois und Fouché folgte in den folgenden sechs Monaten ein blutiges Strafgericht, dem insgesamt 1962 Stadtbewohner zum Opfer fielen. Schließlich ordnete der Nationalkonvent sogar an, dass die Häuser aller „Gegner der Revolution“ abzureißen seien.[3] Lyon sollte zu einer „Ville sans Nom“ („Stadt ohne Name“) werden. Betroffen waren von dieser Maßnahme vor allem die Gebäude an der großen und zentralen Place Bellecour; sie wurde unter Napoleon Bonaparte wieder aufgebaut.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Lyon zu einer bedeutenden Industriestadt, blieb aber auch weiterhin ein Zentrum der Seidenindustrie. In den Jahren 1831 und 1834 erlebte die Stadt zwei große Revolten der Seidenweber (französisch: Canuts), die vom französischen Militär niedergeschlagen wurden und jeweils hunderte Todesopfer forderten.

Zur Zeit der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg war Lyon ein Mittelpunkt der Résistance. Am 3. September 1944 wurde Lyon durch die 1ste Division der Forces françaises libres und die Forces françaises de l’intérieur befreit.

Unter dem langjährigen Bürgermeister Louis Pradel (1957–76) kam es zu durchgreifenden Modernisierungen der städtischen Infrastruktur, aber auch zu Verlusten an historischer Substanz. Pradels Plan, durch das Stadtviertel Vieux Lyon, eines der größten erhaltenen Renaissanceviertel Europas, eine Schnellstraße zu bauen, führte zu Bürgerprotesten und zur Einführung des Gedankens des Ensembleschutzes ins französische Denkmalschutzrecht durch Kulturminister André Malraux.[4]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Das Zentrum von Lyon bei Nacht.
Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2011
Kernstadt 535.746 527.800 456.716 413.095 415.487 445.452 472.305 491.268
Metropolregion 1.334.388 1.496.782 1.634.168 1.707.370 1.829.531 1.947.627 2.085.107 2.188.759

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Der Bahnhof Lyon Saint-Exupéry TGV
Metrolinien in Lyon
Université Jean Moulin Lyon 3

Wirtschaft[Bearbeiten]

Lyon ist eines der ältesten Zentren der französischen Fayence-Herstellung. Seit 1512 wird hier Fayence gefertigt, anfangs wohl von italienischen Einwanderern. Die Erzeugnisse des späten 16. Jahrhunderts erinnern an zeitgenössische Majoliken aus Urbino.

Das bekannteste Unternehmen aus Lyon ist wohl die Großbank Crédit Lyonnais, deren Hauptsitz sich in einem markanten Hochhaus namens Tour Part-Dieu im Osten der Stadt befindet. Das Gebäude wird wegen seiner Form Crayon (Bleistift) genannt.

Daneben ist Lyon ein wichtiger Standort des Pharma-Unternehmens Sanofi-Aventis, dessen Vorläufer Rhône-Poulenc seinen Hauptsitz in Lyon hatte. In der Stadt befindet sich die europäische Hauptgeschäftsstelle von Bayer CropScience.

Außerdem haben in Lyon der paneuropäische Fernsehsender Euronews und das Montanunternehmen Gindre Duchavany sowie der Softwarehersteller Cegid ihren Hauptsitz.

Ferner existieren Raffinerien und weitere Industrie.

Verkehr[Bearbeiten]

Bahn[Bearbeiten]

Lyon ist Frankreichs zweitgrößter Eisenbahnknotenpunkt mit den Bahnhöfen Perrache und Part-Dieu sowie dem Rangierbahnhof Sibelin. 1981 war Lyon die erste Stadt, die mit Paris durch den TGV verbunden wurde. Seitdem ist die 466 Kilometer entfernte Stadt von Paris aus in zwei Stunden erreichbar. Die wichtige LGV Méditerranée-Linie von Paris nach Marseille führt über den ebenfalls architektonisch bedeutsamen Bahnhof Lyon-Saint-Exupéry TGV. Lyon verfügt über eine Verladestelle[5] für Autoreisezüge.

Straße[Bearbeiten]

Die vielbefahrene Nord-Süd-Verbindung Autoroute du Soleil unterquert Lyon an der Westseite der Altstadt in einem Tunnel.

Flughafen[Bearbeiten]

Der internationale Flughafen Lyons liegt in Colombier-Saugnieu, etwa 25 km östlich der Stadt. Er ist nach Antoine de Saint-Exupéry benannt.

Personennahverkehr[Bearbeiten]

Die Métro von Lyon umfasst vier Linien, von denen eine fahrerlos (Linie D) und eine mit Zahnradbetrieb (Linie C) unterwegs ist. Daneben gibt es noch zwei Drahtseilbahnlinien (funiculaire) auf dem Fourvière-Hügel. Wegen des Seils haben sie den Spitznamen ficelle (Bindfaden). Als Erweiterung des bestehenden Bus- und Oberleitungsbus-Netzes wurden ab 2000 sechs Straßenbahnlinien in Betrieb genommen. Seit einiger Zeit gibt es als Ergänzung zum klassischen ÖPNV ein System von Leihfahrrädern (Velo’v). Die Stationen sind über die ganze Stadt verteilt und in der ersten halben Stunde sind die Fahrräder kostenlos. Das Velo’v Lyons ist als Vorbild für das 2007 in Paris eingeführte System Vélib zu sehen.

Bildung und Forschung[Bearbeiten]

Es gibt zahlreiche Elitehochschulen, sogenannte Grandes écoles:

Zum Verbund der Universität Lyon gehören die naturwissenschaftlich ausgerichtete Université Claude Bernard Lyon 1, die geisteswissenschaftlich ausgerichtete Université Lumière Lyon 2 und die Université Jean Moulin Lyon 3 mit Schwerpunkt Rechtswissenschaften. Ferner gibt es die private Université Catholique de Lyon.

Außerdem bestehen folgende Hochschulen:

  • die IDRAC École de Commerce (IDRAC Lyon)
  • die École de commerce européenne de Lyon (ECE Lyon)
  • die École Centrale de Lyon
  • die private École catholique d’arts et métiers (ECAM Lyon)
  • die tierärztliche École nationale vétérinaire de Lyon (ENVL)
  • die École Nationale des Travaux Publics de l’État (ENTPE)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Rathaus und Opernhaus vom Hügel Fourvière aus gesehen
Die illuminierte Kathedrale Saint-Jean beim Lichterfest 2008

Von den vielen bedeutenden Kirchengebäuden aus verschiedenen Epochen zählen die Kathedrale und Notre-Dame de Fourvière zu den Wahrzeichen der Stadt.

Neben zahlreichen Theatern und Kinos bietet Lyon auch ein Opernhaus (Opéra national de Lyon), das überregionale Bedeutung hat und dessen Architektur als Meisterwerk des Architekten Jean Nouvel gilt. Lyon ist auch bekannt für sein Marionettentheater, das sich um die stadtgeschichtlich geprägte Figur des französischen Kaspers (Guignol) rankt.

In Lyon gibt es an die 30 Museen, zum Beispiel das Musée des Confluences und das Musée des Beaux-Arts, die Stadtbibliothek mit 15 Abteilungen, ein Nationalorchester (Orchestre national de Lyon), ein Nationalkonservatorium sowie zahlreiche bedeutende Chöre. Lyon ist zudem für seine Gastronomie berühmt.

Ein Lyoner Straßenname dürfte weltweit wohl einmalig sein: die Straße des ersten Films. Die Straße liegt im 8. Arrondissement und befindet sich an der Stelle, an der die Brüder Lumière 1895 den vermutlich ersten Film der Welt gedreht haben. Heute kann man in dieser Straße ein Museum zur Geschichte des Films im ehemaligen Wohnhaus der Familie Lumière besichtigen. In unmittelbarer Nähe wurde für das Institut Lumière (Lichtinstitut) ein modernes Kino erbaut, an der Stelle der ehemaligen Chemiefabrik der Gebrüder.

Eine weitere kulturelle Besonderheit ist das Maison de la Danse (Tanzhaus). Dieses bietet ein vollständig auf Tanz in all seinen Formen ausgerichtetes Programm an, von klassischem Ballett über modernen Tango bis zu experimentellem Tanztheater. Alle zwei Jahre organisiert das Maison de la Danse eine jeweils unter einem anderen Thema stehende Biennale, die die gesamte Stadt im September zwei Wochen lang in eine gigantische Tanzbühne verwandelt.

Am linken Saône-Ufer, nördlich des Stadtzentrums, befinden sich die Subsistances. Es handelt sich hierbei um einen in einem alten Konvent untergebrachten Kulturkomplex, der sich den aktuellen Ausdrucksformen artistischer Kreation widmet, wie Tanz, Theater, neue Zirkusformen, Video und Computerperformances.

Der Zoo von Lyon befindet sich im Parc de la Tête d’or (Park des goldenen Kopfes), wo es auch einen See und einen botanischen Garten gibt. Auf dem Fourvière-Hügel im Westen der Stadt befindet sich ein Theater aus der Römerzeit, das auch heute noch für Aufführungen, vor allem in den Sommermonaten, genutzt wird sowie ein Odeon. Auf dem Croix-Rousse-Hügel dagegen stößt man auf die Reste des römischen Amphitheaters. Ein bemerkenswertes Bauwerk in Lyon ist der für die Öffentlichkeit nicht zugängliche Tour métallique de Fourvière (Metallturm von Fourvière).

Die inzwischen weltweit tätige Lyoner Künstlergruppe CitéCréation wertete insbesondere den Stadtteil Les États-Unies (8. Arrondissement) mit großflächigen Fresken, Trompe-l’œils und weiteren Wandmalereien auf. Die Murals in Lyon bestehen inzwischen aus über 100 Kunstwerken auf Mauern und Gebäuden mit Motiven aus der Geschichte und dem Leben der Stadt. Die Wandbilder Fresque des Lyonnais aus den Jahren 1994/95 stellen auf einer Fläche von 800 Quadratmetern 24 historische und sechs zeitgenössische Personen aus Lyon dar. Dazu zählen Irenäus von Lyon, Antoine de Saint-Exupéry und Tony Garnier sowie unter den Zeitgenossen Abbé Pierre, Paul Bocuse und Bertrand Tavernier.[6] Auf den Spuren der Wandbilder werden Stadtrundgänge organisiert.[7]

Die Biennale d’art contemporain de Lyon findet im Wechsel mit der Biennale de la danse de Lyon statt. Auf Initiative des Lyoner Lichtplaners Roland Jéol wurde in Lyon 1989 der weltweit erste Lichtmasterplan in Kraft gesetzt. Jéol lässt seitdem Hunderte Bauwerke und andere Objekte in Lyon illuminieren. Nach dem Vorbild Lyons gibt es inzwischen mehr als 200 Städte in Frankreich mit plans lumières. Jéol wurde auch beauftragt, andere europäische Städte, beispielsweise Zürich und Gent systematisch zu illuminieren.[8]

2006 wurde zudem das Lyoner Denkmal zum Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich eröffnet.

Lyoner Küche[Bearbeiten]

Der Küchenchef Paul Bocuse

Die Lyoner Küche ist eine einfache, aber feine Küche und beruht auf den berühmten regionalen Produkten (Appellation d’Origine Contrôlée, abgekürzt: AOC) wie Geflügel aus Bourg-en-Bresse (Bressehuhn), Forellen aus den klaren Flüssen der Alpen, aus den vielen Seen Hecht, Saibling, Felchen, Aal und Flusskrebse, die berühmten Karpfen aus der Dombes, Früchte aus den Monts Lyonnais und dem Rhônetal, Gemüse aus dem Flachland des Departement Ain, die Artischocken aus Vaulx-en-Velin, Käse aus der Dauphiné und dem Ardèche, Wein aus dem Beaujolais, aus den Region Côtes du Rhône, Bugey und dem Burgund.

Aus der Region Rhône-Alpes kommen auch viele weltbekannte Käse, darunter der Tomme de Savoie (ein milder Weichkäse) und der Beaufort (der Gruyère aus Savoyen), die Bergkäse Chevrotin des Alpes, Reblochon und Dauphinois, der Vacherin de Chambéry (ein cremiger Käse, der mit einem Löffel gegessen wird), die Blauschimmelkäse Bleu de Bresse und Bleu de Gex und der Ziegenkäse Chevretons du Beaujolais. In der Region gibt es nicht weniger als 17 Mineralquellen, das bekannteste Mineralwasser ist sicher Evian. Der Chartreuse, ein Kräuterlikör, den Kartäusermönche der Großen Kartause bei Grenoble herstellen, stammt aus der Region.

Große Küchenchefs, wie Paul Bocuse, Pierre Orsi, Alain Chapel, Georges Blanc, Jean-Paul Lacombe, Guy Lassausaie oder Christian Têtedoie und auch der Gründer der Restaurantkritik, Jean Anthelme Brillat-Savarin, haben zum guten Ruf der Lyoner Gastronomie beigetragen. Sie stehen in der gastronomischen Tradition der Mères Lyonnaises (Mütter von Lyon). Diese standen zuerst im Dienst großer Familien der Bourgeoisie und machten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts selbstständig. Zu ihren Kunden gehörten Handwerkergesellen, die durch Frankreich reisten. Paul Bocuse hat seine Karriere am Küchenherd der Mère Brazier begonnen, Georges Blanc ist ein direkte Nachfahre der Mère Blanc - andere berühmten Mères Lyonnaises sind: La Mère Vittet, la Mère Guy, la Mère Fillioux (Lehrmeisterin von Mère Brazier), la Mère Poupon, la Mère Brigousse, la Mère Léa und la Grande Marcelle.

Berühmte Gerichte, die in den typischen Bouchons, kleinen Restaurants mit traditioneller Küche, serviert werden, sind: Saladier lyonnais (ein Salat aus Schafsfüßen, Heringsfilets, Geflügelleber und hartgekochten Eiern), das Gratin dauphinois, die Pommes Dauphines, die Lyoner Quiche, gebratene Froschschenkel, Poularde demi-deuil (Hähnchen mit Trüffeln unter der Haut), Poularde mit Flusskrebsen und Morcheln, Coq au vin (Hahn in Wein geschmort), Tripes à la lyonnaise (Rindermagen und ausgelöste Rinderfüße in Tomaten-Weißweinsauce), Quenelles (Fischklößchen, meist aus Hecht) an Sauce Nantua, Andouillette à la lyonnaise (Wurst aus Schweineinnereien und Kalbfleisch), Rosette de Lyon (eine luftgetrocknete, salamiartige Wurst), Rochen, Kaninchen mit Kastanien, Cardons à la moelle (Lauch mit Knochenmark), Cervelas Lyonnais (Brioche gefüllt mit einer Mischung aus Wurst, Trüffel und Pistazienkernen), Croquette de Valence (Crêpe gefüllt mit Schinken, Wildgeflügel und Pilzen), Walnuss-Torte, karamelisierte Äpfel und Bugnes de Lyon (Mini-Beignets mit Zitronenaroma). Die weltweit bekannteste Fleischwurst aus Lyon ist die Lyoner, dort wird sie einfach Cervelas genannt.

Sport[Bearbeiten]

In Lyon ist der Fußballverein Olympique Lyon zu Hause, dessen Männerteam von 2002 bis 2008 als erste Mannschaft sieben nationale Meisterschaften in Folge gewann. 2008 gelang zudem das erste Mal in der Vereinsgeschichte der Gewinn des Doubles (Meisterschaft und Coupe de France) durch einen 1:0-Sieg n.V. gegen Paris St. Germain. Das Heimstadion ist das Stade Gerland, das offiziell Stade Municipal de Gerland heißt und im 7. Arrondissement an der Avenue Jean Jaurès liegt. Allerdings plant der Verein einen Neubau, der Stade des Lumières heißen soll, im benachbarten Décines-Charpieu.

Auch Olympiques Frauenfußballerinnen haben ab 2007 bisher sechs französische Meistertitel in Folge gewonnen und sind darüber hinaus mit zwei europäischen Pokalsiegen (2011 und 2012) international sogar erfolgreicher als die Männer des Vereins. Hervorgegangen ist diese Abteilung aus den Frauenteams des FC Lyon, der in den 1990er Jahren selbst vier Mal die Landesmeisterschaft gewonnen hat.

Der Verein Lyon Olympique Universitaire spielt Rugby Union in der zweiten Profiliga Pro D2.

Politik und Verwaltung[Bearbeiten]

Communauté urbaine de Lyon

Lyon ist Sitz der Communauté urbaine de Lyon, dem mit 1.452.952 Einwohnern (Stand 2007) zweitgrößten Ballungsraum Frankreichs. Dieser Kommunalverband umfasst 58 Gemeinden.

Stadtviertel[Bearbeiten]

Lyon ist seit der Eingemeindung umliegender Gemeinden im Jahr 1852 in neun städtische Arrondissements unterteilt. Die Organisation der Stadtverwaltung ist der von Paris und Marseille vergleichbar. Die Nummer des Arrondissements entspricht der letzten Stelle des Code Postal.

Kantone[Bearbeiten]

Lyon ist der Hauptort von 14 Kantonen, die teilweise mit den städtischen Arrondissements zusammenfallen, teilweise diese weiter unterteilen. (Stand der Einwohnerzahlen: 1. Januar 2011)

  • Der Kanton Lyon-I besteht aus dem 2. Arrondissement (30.575 Einwohner).
  • Der Kanton Lyon-II besteht aus dem 1. Arrondissement (28.932 Einwohner).
  • Der Kanton Lyon-III besteht aus dem 4. Arrondissement (35.654 Einwohner).
  • Der Kanton Lyon-IV besteht aus dem 9. Arrondissement (48.431 Einwohner).
  • Der Kanton Lyon-V besteht aus dem 5. Arrondissement (46.698 Einwohner).
  • Der Kanton Lyon-VI besteht aus einem Teil des 6. Arrondissements (23.655 Einwohner).
  • Der Kanton Lyon-VII besteht aus einem Teil des 6. Arrondissements (25.139 Einwohner).
  • Der Kanton Lyon-VIII besteht aus einem Teil des 3. Arrondissements (35.745 Einwohner).
  • Der Kanton Lyon-IX besteht aus einem Teil des 7. Arrondissements (38.605 Einwohner).
  • Der Kanton Lyon-X besteht aus einem Teil des 7. Arrondissements (35.108 Einwohner).
  • Der Kanton Lyon-XI besteht aus einem Teil des 3. Arrondissements (34.504 Einwohner).
  • Der Kanton Lyon-XII besteht aus einem Teil des 8. Arrondissements (38.208 Einwohner).
  • Der Kanton Lyon-XIII besteht aus einem Teil des 3. Arrondissements (27.413 Einwohner).
  • Der Kanton Lyon-XIV besteht aus einem Teil des 8. Arrondissements (42.601 Einwohner).

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Lyon unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften.

  • Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Birmingham, Großbritannien, seit 1951
  • JapanJapan Yokohama, Japan, seit 1959
  • DeutschlandDeutschland Frankfurt am Main, Deutschland, seit 1960
  • ItalienItalien Mailand, Italien, seit 1966
  • WeissrusslandWeißrussland Minsk, Weißrussland, seit 1966
  • Vereinigte StaatenVereinigte Staaten St. Louis, USA, seit 1975
  • IsraelIsrael Beerscheba, Israel, seit 1980
  • DeutschlandDeutschland Leipzig, Deutschland, seit 1981 sogenannter „Pacte d’amitié“ – Städtefreundschaft
  • China VolksrepublikChina Guangzhou, Volksrepublik China, seit 1988
  • KanadaKanada Montreal, Kanada, seit 1989
  • PolenPolen Łódź, Polen, seit 1992
  • RumänienRumänien Craiova, Rumänien, seit 1992
  • ArmenienArmenien Jerewan, Armenien, seit 1992
  • LibanonLibanon Beirut, Libanon, seit 1998

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Hauptartikel: Liste von Söhnen und Töchtern der Stadt Lyon

Berühmte Lyoner sind unter anderem der römische Kaiser Claudius, der Physiker André-Marie Ampère, der Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry, der Koch von Weltruhm Paul Bocuse, die Wegbereiter des modernen Kinos, die Gebrüder Lumière sowie der Chirurg und Nobelpreisträger Alexis Carrel.

Literatur[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

  • Märkte - Im Bauch von Lyon: La Croix-Rousse. Dokumentarfilm, Deutschland, 2012, 43 Min., Buch und Regie: Constanze von Hartmann, Ignacio Lantero, Alessandro Scalerandi, Stefano Tealdi, Produktion: Stefilm, Golden Girls Filmproduktion, Laokoon, Media 3.14 S.L., ZDF, Reihe: Märkte, deutsche Erstsendung: 21. Februar 2013 bei arte, Inhaltsangabe von arte.
  • Der Uhrmacher von St. Paul. (OT: L’Horloger de Saint-Paul.) Spielfilm, Frankreich, 1974, 105 Min., Buch: Georges Simenon, Pierre Bost, Jean Aurenche, Bertrand Tavernier, Regie: Bertrand Tavernier, mit Jean Rochefort und Philippe Noiret in den Hauptrollen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. fr:Fête des lumières (Lyon)
  2. Météo-France; Luftfeuchtigkeit, Sonnenscheindauer: wetterkontor.de
  3. Ernst Schulin: Die Französische Revolution. 4., überarbeitete Auflage. C. H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-51262-3, S. 219 und 226f.
  4. Vgl. Régis Neyret: Du monument isolé au "tout patrimoine" in Géocarrefour, Bd. 79/3 2004, 231ff - als Webdokument verfügbar
  5. Terminalbeschreibungen SNCF Autoreisezug (Pdf-Datei; 3,78 MB)
  6. Fresque des Lyonnais auf Wikipedia in französischer Sprache
  7. Petra Sparrer: Lyon spiegelt seine Seele an der Hauswand. Rund 180 bemalte Hauswände machen Frankreichs drittgrößte Stadt zu einer Open-Air-Galerie. Die Lyoner Gruppe Cité de la Création und ihre Idee. In: die tageszeitung, 10. November 2010.
  8. Ville de Lyon: Le nouveau Plan Lumière