Lyons-la-Forêt

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Lyons-la-Forêt
Wappen von Lyons-la-Forêt
Lyons-la-Forêt (Frankreich)
Lyons-la-Forêt
Region Haute-Normandie
Département Eure
Arrondissement Les Andelys
Kanton Lyons-la-Forêt
Gemeindeverband Communauté de communes du canton de Lyons-la-Forêt.
Koordinaten 49° 24′ N, 1° 29′ O49.3994444444441.476111111111197Koordinaten: 49° 24′ N, 1° 29′ O
Höhe 67–178 m
Fläche 26,99 km²
Einwohner 747 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 28 Einw./km²
Postleitzahl 27480
INSEE-Code

Markthalle aus dem 17. Jahrhundert

Lyons-la-Forêt ist eine Gemeinde mit 747 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Norden Frankreichs im Département Eure in der Region Haute-Normandie. Sie ist als eines der schönsten Dörfer Frankreichs klassifiziert.[1]

Geografie[Bearbeiten]

Lyons-la-Forêt liegt in Nordfrankreich in der Landschaft Vexin im Staatswald Forêt domaniale de Lyons an dem Fluss Lieure, etwa 34 Kilometer östlich von Rouen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der keltische Münzschatz von Lyons-la-Forêt besteht aus Münzen der Haeduer, die um das Jahr 80 v. Chr. vergraben wurden. Die Gemeinde liegt auf dem ehemaligen Gebiet des keltischen Stammes der Veliocasses.[2]

Lyons-la-Forêt wurde zwischen 1015 und 1026 erstmals urkundlich als loco qui dicitur Leons urkundlich erwähnt, andere Bezeichnungen waren nemus de Leonibus (1032), saltus Leonis (1050), sylvam Leonum (‚Wald von Leon‘, zwischen 1051 und 1066), foresta de Lyons (1204). Marie-Thérèse Morlet vermutet, dass der Ortsname vom römischen Namen Leoncius (vergleiche Leontios) abgeleitet wurde. François de Beaurepair gibt eine andere Erklärung. Er vermutet einen Zusammenhang mit dem Fluss Lieure und schreibt die Entstehung des Ortsnamens einer wasserbezogenen keltischen Wurzel lic oder lig zu.[3]

Wilhelm der Eroberer ließ eine Burg in Lyons-la-Forêt erbauen. Seine Söhne vergrößerten den Ort und der Jüngste, Heinrich der I., starb in der Burg im Jahre 1135. Im 16. Jahrhundert wurden die Burg und die Stadtmauer zerstört. Überreste sind noch zum Teil erhalten.

Nachdem in Rouen 1557 und in Évreux 1559 eine offizielle reformierte Kirche eingerichtet worden war, folgte Lyons-la-Forêt diesem Beispiel. Die protestantische Kirche in Lyons-la-Forêt bestand bis zur Aufhebung des Edikts von Nantes mit dem Edikt von Fontainebleau im Jahr 1685.[4]

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Ortschaft verschont, kein Haus wurde beschädigt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Lyons-la-Forêt ist mit vier Blumen im Conseil national des villes et villages fleuris (Nationalrat der beblümten Städte und Dörfer) vertreten.[5] Die „Blumen“ werden im Zuge eines regionalen Wettbewerbs verliehen, wobei maximal drei Blumen erreicht werden können. Die regionale Jury entscheidet, welche Gemeinden sich um die vierte Blume bewerben dürfen, die von der nationalen Jury verliehen wird.

Der Staatswald von Lyons ist einer der schönsten Buchenwälder Frankreichs und beherbergt viele Bäume, die mehrere Jahrhunderte alt sind. Im Mittelalter war er einer der bevorzugten Jagdorte der Herzöge der Normandie. Im Westen wird der Wald von der Andelle begrenzt, auf der im 18. Jahrhundert Bauholz über die Seine bis nach Paris transportiert wurde. Leider wurde der Wald durch den Orkan Lothar im Dezember 1999 stark geschädigt.

Claude Chabrol drehte den Film Madame Bovary in Lyons-la-Forêt.[6]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Auf dem Gemeindegebiet gelten geschützte geographische Angaben (IGP) für Schweinefleisch (Porc de Normandie), Geflügel (Volailles de Normandie) und Cidre (Cidre de Normandie und Cidre normand).[7]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die im Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Maurice Ravel (1875–1937), französischer Komponist, der von 1917 bis 1920 hier lebte

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Lyons-la-Forêt auf Les plus Beaux Villages de France (französisch)
  2.  Dominique Cliquet: L’Eure. 27. In: Michel Provost, Academie des inscriptions et belles-lettres, Ministere de la culture (Hrsg.): Carte Archéologique de la Gaule. Fondation Maison des Sciences de l’Homme, Paris 1993, ISBN 2-87754-018-9, S. 44 (französisch).
  3.  Ernest Nègre: Toponymie générale de la France. 1, Librairie Droz, 1990, ISBN 2-6000-2883-8, S. 13 f, 661 (französisch, online). Nègre bezieht sich in dem Eintrag auf  François de Beaurepaire: Les noms des communes et anciennes paroisses de l’Eure. Paris 1981 (französisch). und  Marie-Thérèse Morlet: Les noms latins ou transmis par le latin. In: Les noms de personne sur le territoire de l’ancienne Gaule du VIe au XIIe siècle. 2, Paris 1972 (französisch). Toponomastik ist eine schwierige Wissenschaft, es gibt sehr häufig verschiedene Erklärungsversuche.
  4.  Bernard Bodinier (Hrsg.): L’Eure de la Préhistoire à nos jours. Jean-Michel Bordessoules, Saint-Jean-d’Angély 2001, ISBN 2-913471-28-5, S. 248 f. (französisch).
  5. Palmarès des villes et villages fleuris. Conseil National des Villes et Villages Fleuris, abgerufen am 14. August 2011 (französisch).
  6.  A. Blanchard, M. Delafenêtre, Lisa Pascual: Jardins en Normandie. Eure. Connaissance des Jardins, Caen 2001, ISBN 2912454077, S. 123. (Französisch)
  7. Le village de Lyons-la-Forêt. In: Annuaire-Mairie.fr. Abgerufen am 21. Juli 2012 (französisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lyons-la-Forêt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien