Männergesundheit

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Unter Männergesundheit wird die körperliche, psychische und soziale Gesundheit von Jungen und Männern aller Lebensalter verstanden. Männergesundheit betrifft alle öffentlichen und privaten Bereiche wie Familie, Erziehung, Alltag, Kindergarten und Schule, Jugendarbeit, Politik oder das Arbeitsleben.

Definition[Bearbeiten]

Männergesundheit definiert sich und grenzt sich ab 1.) über spezifische körperliche Organe (Penis, Hoden, Prostata usw.) [1], 2.) über spezifische soziale und kulturelle Bedingungen des Aufwachsens und Lebensvollzugs von Jungen und Männern (Jungesein, Mannsein) sowie (teilweise daraus resultierend)[2], 3.) über den genderbezogen spezifischen Umgang mit Gesundheit (Bilder von Männlichkeit und Weiblichkeit).[3] [4]

Themen[Bearbeiten]

Männergesundheit beschränkt sich im Gegensatz zu den medizinischen Teilgebieten Andrologie und Urologie nicht auf rein medizinische Fragen, sondern greift auch politische und soziale Fragen auf. Zudem befasst sie sich - etwa mit der Perspektive auf Themen der Jungengesundheit [5] - auch mit der Genese und mit Bedingungen von Gesundheit und Gesundheitsrisiken der Männer. Im Mittelpunkt stehen geschlechtsspezifische Risikobilder, Gesundheitsressourcen, Krankheiten und Zugänge der Gesundheitsförderung. Die Männergesundheitsforschung ist dabei einerseits an aktuellen Fragestellungen interessiert: z.B. die gegenüber Frauen sieben Jahre geringere Lebenserwartung von Männern, Chancen und Risiken von PSA-Tests oder Hormonsubstitutionstherapien. Sie stellt andererseits aber auch historische Bezüge dazu her, wie Männer in der Geschichte mit Gesundheit und Krankheit umgegangen sind bzw. konfrontiert waren (Sozial- und Medizingeschichte).

Spezifische Themen der Männergesundheit sind von Krankheitsbildern abgeleitet (insbesondere im Urogenitalbereich), oder aber durch männliche Lebens- und Verhaltensweisen begünstigt (v.a. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs- und Lebererkrankungen, Verkehrs- und Arbeitsunfälle, Suizid).

Geschichte[Bearbeiten]

Anfang 2005 wurde an der Leeds Metropolitan University der weltweit erste Lehrstuhl für Männergesundheit eingerichtet, auf den Alan White berufen wurde.[6] An der Universität hat White ein Centre for Men's Health eingerichtet, an dem neben White vier wissenschaftliche Mitarbeiter arbeiten.[7] Auf den ersten Lehrstuhl für Männergesundheit im deutschsprachigen Raum wurde im Herbst 2005 der Urologe Frank Sommer am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf berufen.[8]

In Deutschland wurde 2005 das "Netzwerk für Männergesundheit" initiiert und 2006 die Stiftung Männergesundheit gegründet. 2010 erschien als Pilotbericht der erste deutsche Männergesundheitsbericht[9], drei Jahre später folgte der Männergesundheitsbericht 2013[10] mit dem Schwerpunkt psychische Gesundheit von Jungen und Männern. 2012 wurde in Stuttgart das "Kompetenzzentrum Jungen- und Männergesundheit Baden-Württemberg"[11] gegründet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Altgeld (Herausgeber): Männergesundheit. Neue Herausforderungen für Gesundheitsförderung und Prävention. Juventa-Verlag, Weinheim und München 2004. ISBN 3-7799-1659-2.
  • Gunter Neubauer und Reinhard Winter: Jungen und Männer in Balance. Männliche Zugänge zu Entspannung und Stressbewältigung. In: Petra Kolip (Herausgeberin): „Geschlechtergerechte Gesundheitsförderung und Prävention. Theoretische Grundlagen und Modelle guter Praxis“. Juventa-Verlag, Weinheim und München , S. 181-192. ISBN 3-7799-1683-5.
  • Matthias Stiehler (Herausgeber): Männerleben und Gesundheit. Eine interdisziplinäre, multiprofessionelle Einführung. Juventa-Verlag, Weinheim und München 2007. ISBN 3-7799-1149-3.
  • Wolfgang Harth/Elmar Brähler/Hans-Christian Schuppe (Herausgeber): Praxishandbuch Männergesundheit. Interdisziplinärer Beratungs- und Behandlungsleitfaden. Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin 2012.
  • Doris Bardehle und Matthias Stiehler (Herausgeber): Erster Deutscher Männergesundheitsbericht. Ein Pilotbericht. Zuckschwerdt Verlag, München 2010.
  • Lothar Weißbach und Matthias Stiehler (Herausgeber): Männergesundheitbericht 2013. Im Fokus: Psychische Gesundheit. Verlag Hans Huber, Bern 2013.
  • Bernhard Stier und Reinhard Winter (Herausgeber): Jungen und Gesundheit. Ein interdisziplinäres Handbuch für Medizin, Psychologie und Pädagogik. Kohlhammer, Stuttgart 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stier/Weissenrieder: Jugendmedizin
  2. Altgeld: Männergesundheit
  3. Stiehler/Klotz:Männerleben und Gesundheit
  4. Kolip/Altgeld: Geschlechtergerechte Gesundheitsförderung und Prävention
  5. Stier/Winter: Jungen und Gesundheit
  6. Being male in the 21st century Antrittsvorlesung von Prof. Alan White an der Leeds Metropolitan University am 28. April 2005.
  7. Homepage des Centre for Men's Health, Leeds Metropolitan University. (Abgerufen am 16. Januar 2008.)
  8. Neu im Uke - Prof.Dr. Frank Sommer In: „uke news“, Hamburg Oktober 2005, S. 31. ZDB-ID 2173261-9
  9. Bardehle/Stiehler: Männergesundheitsbericht
  10. Weißbach/Stiehler: Männergesundheitbericht 2013
  11. http://www.männergesundheit-bw.de/informationen.htm