Mísia

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Dieser Artikel behandelt die portugiesische Sängerin; zur japanischen Sängerin siehe Misia (Sängerin).
Mísia

Mísia, eigentlich Susana Maria Alfonso de Aguiar, (* 18. Juni 1955 in Porto) ist eine portugiesische Fado-Interpretin (fadista). Sie erweiterte das Spektrum des traditionellen Fado mit neuer Instrumentierung, anderen Vertonungen und zeitgenössischen Texten.

Biographie[Bearbeiten]

Mísia ist die Tochter einer aus Barcelona stammenden Tänzerin und eines portugiesischen Ingenieurs. Im Alter von vier Jahren trennten sich ihre Eltern und sie wuchs bei ihrer Großmutter, einer ehemaligen Cabaret-Tänzerin, auf. Zwischen den Tourneen ihrer Mutter brachte diese ihr Musik aus aller Welt mit. Im Alter von 20 Jahren zog sie nach Barcelona und trat dort auf Bühnen auf. Nach der Lektüre einer Biographie über die Pariser Künstlermuse Misia Sert gab sie sich den Künstlernamen Mísia mit portugiesischem Akzent.[1] Anfang der 1990er-Jahre ging sie wieder zurück nach Portugal.

Mísia ist seit Anfang der 1990er Jahre kreativer Kopf und Stimme der Erneuerung des Fados (von lat. fatum = Schicksal) und Wegbereiterin zu dessen Wiederbelebung. Sie hat dem Genre nicht nur in Portugal zu neuem Glanz und Gehör verholfen, sondern kündet auf weltweiten Tourneen von der Bedeutung dieser portugiesischen Kunstform. Seither wird die charismatische Sängerin verschiedentlich als Nachfolgerin der 1999 verstorbenen Fado-Legende Amália Rodrigues „Königin des Fados“ genannt. Nach dem Ende der portugiesischen Militärdiktatur 1974 hatte der Fado einen sehr schlechten Ruf, da er vor allem mit dieser Ära in Verbindung gebracht wurde. Zugleich jedoch wurden ihre Interpretationen von konservativer Seite aus zunächst kritisiert.

Mísia geht einen eigenen, sehr persönlichen Weg und bereichert die Fado-Tradition mit neuen literarischen Referenzen – mal werden alte Texte bekannter Autoren neu vertont, mal schreiben zeitgenössische Autoren Texte eigens für sie, wie etwa der Literaturnobelpreisträger José Saramago, Lídia Jorge oder Vasco Graça Mouraneue.

Ihr Gesang wird nicht mehr ausschließlich von der portugiesischen Gitarre (Guitarra Portuguesa) getragen und wird auch von anderen Instrumenten begleitet. So benutzt sie neben den klassischen Fado-Instrumenten Gitarre (Viola do Fado), portugiesische Gitarre und akustischer Bass (Viola Baixo) für den Fado eher ungewöhnliche Instrumente wie Violine, Akkordeon und Piano.

Auf vielen Tourneen unter anderem nach Asien, Nord- und Südamerika sowie durch Europa wurde auch außerhalb Portugals ein internationales Publikum auf Mísia und ihren Fado aufmerksam. Dabei brachte sie das Genre oft als erste Künstlerin überhaupt in vielen berühmten Konzertsälen und auf bedeutenden Festivals zur Aufführung, zum Beispiel in der Berliner Philharmonie, der Musikhalle Hamburg, dem Wiener Konzerthaus, dem Théâtre des Champs-Élysées Paris und dem Amphitheater Herodium Atticus der Akropolis Athen, sowie auf dem Montreux Jazz Festival, der Midem Cannes und dem WOMAD-Festival in Adelaide. Auch in China (Hongkong) und Japan ist Mísia seit Mitte der 1990er Jahre regelmäßig zu hören.

Nach einer Rückorientierung zur traditionellen Instrumentierung in ihrer Einspielung Ritual (2001), die (unter anderem wegen der mitwirkenden Musiker) als eine Hommage an Amália Rodrigues bewertet wurde, überschritt sie mit Canto (2003) wieder die Grenzen des Genres durch eine Bearbeitung von Werken des portugiesischen Komponisten und Gitarristen Carlos Paredes für kleines Streichensemble, klassischer Fadobesetzung und Singstimme. In ihrem 2005 erschienenen Album Drama Box, auf der neben Fados Tangos und Boleros zu hören sind, zeigt sie Parallelen der Genres auf und bezieht sich damit zugleich auch auf ihre katalanischen Wurzeln mütterlicherseits.

Künstlerische Zusammenarbeit[Bearbeiten]

Auf Tonträger, Video und Bühne arbeitet Mísia häufig mit anderen Künstlern zusammen, zum Beispiel mit den Schauspielerinnen Fanny Ardant (Drama Box), Isabelle Huppert (Bühne) und Maria de Medeiros (Bühne, Drama Box), dem Filmregisseur Patrice Leconte (Duas Luas, Video Clip), dem Choreographen Bill T. Jones (Bühne), den Sängerinnen Maria Bethania (Bühne) und Ute Lemper (Drama Box), der Pianistin Maria João Pires (Paixoes Diagonais), der Malerin Bela Silva (Drama Box) und der Fotografin Sophie Calle (Drama Box, Bühne). Zudem wurde ihre Musik verschiedentlich als Filmmusik verwendet. 2003 strahlte arte erstmals Carmen Castillos Dokumentarfilm Mísias Fado aus.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Für ihr künstlerisches Werk erhielt Mísia verschiedene internationale Auszeichnungen, unter anderem 2004 die große Vermeil Medaille (Grande Médaille de Vermeil) des Bürgermeisters der Stadt Paris (Bertrand Delanoë), eine Auszeichnung zum Ritter im Orden der Künste und der Literatur (Chevalier des Arts et Lettres) der französischen Regierung (2004) und den Preis der deutschen Schallplattenkritik (Vierteljahresliste) für Canto (2003). Als Künstlerin ist Mísia nicht nur „inoffizielle Botschafterin“ der Kultur ihres Landes, sondern folgt verschiedentlich auch offiziellen Einladungen, zuletzt im Juli 2005 der des portugiesischen Staatspräsidenten Jorge Sampaio zu einem Konzert in Chile anlässlich seines Staatsbesuches in dem südamerikanischen Land.

Diskographie[Bearbeiten]

  • 1991: Mísia
  • 1993: Fado
  • 1995: Tanto menos, tanto mais
  • 1998: Garras dos Sentidos
  • 1999: Paixões Diagonais
  • 2001: Ritual
  • 2003: Canto sur des musiques de Carlos Paredes
  • 2005: Drama Box
  • 2009: Ruas
  • 2011: Senhora da Noite

Filme[Bearbeiten]

  • Mísia in Paris: Lisboarium. Konzert und Interview, Frankreich, 2008, 63 Min., Regie: Carmen Castillo, Produktion: Bel Air Media, arte, Inhaltsangabe von arte
    Der Konzertabend „Lisboarium“ im Théâtre des Bouffes du Nord am 17. Februar 2007 wird zwischen den Stücken mit einem Interview in ihrer Wohnung und Aufnahmen in Paris ergänzt.
  • Mísias Fado. Musikdokumentation, Frankreich 2003, 43 Min., Regie: Carmen Castillo, Produktion: Arte France, deutsche Erstsendung: 12. Juni 2005, Inhaltsangabe von arte und ZDF

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Johanna Keller: „Drawing Tears In Any Language“, New York Times, 7. Juli 2002