Möhnesee (Gemeinde)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Möhnesee
Möhnesee (Gemeinde)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Möhnesee hervorgehoben
51.5005555555568.1069444444444241Koordinaten: 51° 30′ N, 8° 6′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Arnsberg
Kreis: Soest
Höhe: 241 m ü. NHN
Fläche: 123,51 km²
Einwohner: 10.855 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 88 Einwohner je km²
Postleitzahl: 59519
Vorwahlen: 02924,
02925 (Brüllingsen, Ellingsen, Völlinghausen),
02928 (Hewingsen)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: SO, LP
Gemeindeschlüssel: 05 9 74 032
Gemeindegliederung: 15 Gemeindeteile bzw. 14 Gemeindebezirke
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 19
59519 Möhnesee
Webpräsenz: www.moehnesee.de
Bürgermeister: Hans Dicke (parteilos)
Lage der Gemeinde Möhnesee im Kreis Soest
Hamm Hochsauerlandkreis Kreis Gütersloh Kreis Paderborn Kreis Unna Kreis Warendorf Märkischer Kreis Anröchte Bad Sassendorf Ense Erwitte Geseke Lippetal Lippstadt Möhnesee (Gemeinde) Rüthen Soest Warstein Welver Werl Wickede (Ruhr)Karte
Über dieses Bild
Rathaus der Gemeinde in Körbecke

Möhnesee ist eine Gemeinde in Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Sie entstand 1969 im Zuge der kommunalen Neuordnung in Nordrhein-Westfalen durch die Auflösung des Amtes Körbecke. Benannt ist die Gemeinde nach dem zwischen 1908 und 1912 erbauten Möhnestausee. Dieser ist ein wichtiges Ziel für den Tourismus, der bis heute einen der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Gemeinde bildet. Geographisch liegt die Gemeinde am Übergang von der Norddeutschen Tiefebene zum Mittelgebirge des Sauerlandes.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde Möhnesee liegt im Süden des Kreises Soest. Die nördliche Nachbargemeinde ist die Stadt Soest. Das Gemeindegebiet hat Anteile an der Westfälischen Bucht, dem Haarstrang und den nordwestlichen Arnsberger Wald. Die größte Ortschaft ist das zentral am Möhnesee gelegene Körbecke. Weitere Ortschaften im Möhnetal sind Völlinghausen, Stockum, Delecke, Günne und Brüningsen. Während nördlich der Möhne noch zahlreiche Dorfschaften zu finden sind, findet sich südlich der Möhne nur das an der Heve gelegene Neuhaus.[2]

Größtes Gewässer ist der zentral gelegene Möhnesee, der in Ost-West-Richtung von der Möhne durch flossen wird. In den Möhnesee mündet ferner die in Ost-West-Richtung durch den Arnsberger Wald fließende Heve als zweites größeres Fließgewässer. Sowohl Möhne als auch Heve nehmen auf ihrem Weg zahlreiche kürzere Wasserläufe des Arnsberger Waldes auf. Der Haarstrang stellt die Wasserscheide zwischen Lippe und Ruhr, so dass die wenigen nördlich des Haarstranges entspringenden Gewässer der Lippe zufließen.[2]

Im Bilmer Grund, an der nordwestlichen Ecke des Gemeindegebietes, befindet sich der mit 148 m ü. NN tiefste Punkt im Gemeindegebiet. Zum Haarstrang hin steigt das Gelände auf 264 m ü. NN im Westen bis 301 m ü. NN im Osten an, um anschließend zum Möhnetal hin auf 178 m ü. NN bis 218 m ü. NN abzufallen. Die höchsten Erhebungen sind mit 413 m ü. NN der Phankopf und mit 407 m ü. NN die Freienohler Höhe im zum Arnsberger Wald gehörenden südlichen Gemeindegebiet.[2][3]

Ausdehnung des Gemeindegebiets[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst eine Fläche von 123 Quadratkilometer. Davon entfallen 46 % auf Waldflächen, 36 % auf Landwirtschaftsflächen, 9 % auf Wasserfläche, 4 % auf Gebäude- und Freifläche, 4 % auf Verkehrsflächen sowie 1 % auf Erholungsflächen. Die Möhnetalsperre mit rund 135 Mio. m³ Stauinhalt nimmt 9,0 % des Gemeindegebietes ein.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinden sind die Stadt Soest im Norden, Bad Sassendorf im Nordosten, die Stadt Warstein im Südosten, die Stadt Arnsberg im Süden und Ense im Westen.

Die größten benachbarten Gemeinden sind Soest und Arnsberg. Die Entfernung nach Soest als Mittelzentrum beträgt etwa 10 km. Die nächstgelegenen Oberzentren sind Paderborn (etwa 55 km), Hagen und Dortmund mit jeweils 60 km.[4]

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Nach § 3 Abs. 1 der Hauptsatzung[5] gliedert sich die Gemeinde Möhnesee in die nachfolgenden 14 „Gemeindebezirke“:

Ortsteil Einwohner Fläche
Berlingsen 256 6,35 km²
Brüllingsen 166 1
Büecke 112 1
Delecke/Westrich 606 / 86 1
Echtrop 405 1 6,73 km²
Ellingsen 114 1
Günne 887 1 14,59 km²
Hewingsen 220 4,57 km²
Körbecke 3.758 1 15,02 km²
Stockum/Neuhaus 620 1
Theiningsen 115 1
Völlinghausen 1.269 1
Wamel 713 1 5,05 km²
Wippringsen 536 1
Gesamt 11.486 123,38 km²

Für jeden dieser Gemeindebezirke wählt der Rat der Gemeinde Möhnesee einen Ortsvorsteher. Deren Abschaffung war 2008 erneut Gegenstand politischer Diskussionen in der Gemeinde. Angestoßen wurde dies von der FDP.

1Stand: 30. Juni 1998[6]

Geschichte[Bearbeiten]

Sperrmauer der Möhnetalsperre
Sperrmauer der Möhnetalsperre

Die Gemeinde Möhnesee ist am 1. Juli 1969 aus dem Amt Körbecke entstanden.[7] Viele der zur Gemeinde gehörenden Orte weisen eine lange Geschichte auf. Früh besiedelt war der nördliche Teil der heutigen Gemeinde in der Soester Börde. Aber auch der Haarstrang kann auf eine lange Siedlungsgeschichte zurückblicken. Dagegen war und ist der südliche Teil mit dem Arnsberger Wald nur dünn besiedelt. Das Tal der Möhne gehörte im Mittelalter zur Grafschaft Arnsberg. Bei Körbecke vergaben die Grafen ein festes Haus zu Lehen. In Körbecke bestand ein gräfliches Gogericht.[8] Mit der Grafschaft kam das Gebiet 1368 zu Kurköln. Es war bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts Teil des Herzogtums Westfalen. Das Kirchspiel Körbecke bestand aus fünfzehn Dörfern. Zeitweise war es zwischen Soest und Kurköln umstritten. Das Gericht Körbecke bildete gleichzeitig eine Verwaltungseinheit außerhalb der sonst üblichen Amtsverfassung des Herzogtums.[9] Kirchlich gab es enge Beziehungen zur Stadt Soest. So hatte das St.-Patrokli-Stift das Recht, den Pfarrer in Körbecke einzusetzen.[10]

In Berlingsen hatte die Abtei Fulda Besitzungen. Der Ort Delecke wurde erstmals 1191 erwähnt. Die Drüggelter Kapelle wird auf das Jahr 1150 datiert. Der Ort Buecke gehörte seit 1210 zum Kloster Oelinghausen. Auch in Echtrop hatte das Kloster Besitz. Dieser Ort ist allerdings deutlich älter und soll um 800 entstanden sein. Körbecke wurde 987 erstmals schriftlich erwähnt. Die Körbecker Pfarrkirche wurde im 18. Jahrhundert errichtet. Sie geht aber auf ältere Vorläufer zurück. Der Turm stammt aus der Zeit um 1150.

Entscheidend für die Entwicklung im heutigen Gemeindegebiet war der Bau der Möhnetalsperre zwischen 1908 und 1912. Im Zentrum der Gemeinde, Körbecke, wurde bis zur Zerstörung durch Bomber im Zweiten Weltkrieg 1945 die größte Steinbrücke Europas über den See zum Körbecker Südrand gebaut. Sie wurde in den 1960er Jahren durch eine Fußgängerbrücke ersetzt.

Die Sperrmauer der Möhnetalsperre liegt im Ortsteil Günne. Nach langer Bauzeit wurde sie am 12. Juli 1913 eingeweiht. Im Mai 1943 wurde sie von Rollbomben zerstört. Dies löste die Möhnekatastrophe aus. Schon im Oktober desselben Jahres konnte die Sperrmauer ihren Betrieb wieder aufnehmen.

Die Besiedlung fand größtenteils um den See statt. Vor dem Bau der Möhnetalsperre war die Besiedlung zumeist im Flusstal; mit dem Bau der Sperrmauer mussten viele Anwohner umgesiedelt werden.

Ungefähr alle zehn Jahre wird die Talsperre zu Wartungsarbeiten gänzlich geleert. Dann kann man an einigen Stellen noch die Grundmauern der Besiedlung bis ins 19. Jahrhundert sehen, zum Beispiel am Stockumer Damm.

Vor allem seit der kommunalen Neugliederung 1969 kam es in der Gemeinde zu zahlreichen Infrastrukturmaßnahmen, die insbesondere die Förderung des Tourismus zum Ziel hatten.

Religionen[Bearbeiten]

Kirche St. Elisabeth in Wamel

Die Bevölkerung der Gemeinde Möhnesee ist im Wesentlichen christlich geprägt. Den größten Anteil stellen mit 55 % die römisch-katholischen Gläubigen. Die Kirchengemeinden haben sich zur Pfarrei Jesus Christus Möhnesee zusammengeschlossen und gehören zum Dekanat Hellweg im Erzbistum Paderborn. Bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Protestanten eine verschwindende Minderheit; sie sind aber inzwischen auf 26 % angewachsen. Sie gehören zum Kirchenkreis Soest der Evangelischen Kirche von Westfalen. 19 % der Bevölkerung gehören keiner oder einer anderen Religionsgemeinschaft an.[11]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Die Gemeinde Möhnesee ist am 1. Juli 1969 aufgrund des Gesetzes zur Neugliederung des Landkreises Soest und von Teilen des Landkreises Beckum vom 24. Juni 1969 aus den nachstehenden Gemeinden des früheren Amtes Körbecke gebildet worden:[12]

  • Berlingsen
  • Brüllingsen
  • Büecke
  • Delecke (Möhnesee)
  • Echtrop
  • Ellingsen
  • Günne (Möhnesee)
  • Hewingsen
  • Körbecke (Möhnesee)
  • Stockum (Möhnesee)
  • Theiningsen
  • Völlinghausen (Möhnesee)
  • Wamel (Möhnesee)
  • Westrich
  • Wippringsen

Körbecke als größter Ort wurde Sitz der Gemeindeverwaltung Möhnesee.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen der Gemeinde Möhnesee nach dem jeweiligen Gebietsstand. Im Jahr 1995 wurden erstmals mehr als 10.000 Einwohner verzeichnet. Die Zahlen sind amtliche Fortschreibungen des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik.[13] Die Zahlen von 1975 bis 1985 sind geschätzte Werte, die Zahlen ab 1987 Fortschreibungen auf Basis der Ergebnisse der Volkszählung von 1987. Stichtag ist jeweils der 31. Dezember.

Jahr Einwohner
1975 8.637
1976 8.657
1977 8.817
1978 8.907
1979 9.064
1980 9.182
1981 9.207
1982 9.243
1983 8.884
1984 9.200
Jahr Einwohner
1985 9.106
1986 9.129
1987 8.718
1988 8.722
1989 8.888
1990 9.104
1991 9.355
1992 9.519
1993 9.897
1994 9.903
Jahr Einwohner
1995 10.114
1996 10.271
1997 10.530
1998 10.796
1999 10.916
2000 11.093
2001 11.164
2002 11.300
2003 11.428
2004 11.385
Jahr Einwohner
2005 11.428
2006 11.451
2007 11.418
2008 11.422
2009 11.486
2010 11.393

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Zusammensetzung des Gemeinderates nach der Kommunalwahl vom 30. August 2009:[14]

Stimmenanteile
Jahr CDU SPD Grüne FDP BG AMB
2009 41,6 19,6 6,1 7,1 22,6 3,2
Sitzverteilung
Jahr CDU SPD Grüne FDP BG AMB
2009 12 6 2 2 7 1

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bei der Wahl am 30. August 2009 wurde der parteilose Hans Dicke mit 48,4 Prozent der gültigen Stimmen zum Bürgermeister gewählt.[15]

Sein Vorgänger, der ebenfalls parteilose Gerd Brune, gewann am 10. Oktober 2004 mit 51,2 Prozent der gültigen Stimmen die Stichwahl, nachdem er am 26. September 34,9 Prozent der gültigen Stimmen bekam.[16] Brune war ab 1999 im Amt, da er bei der Stichwahl am 26. September 1999 52,9 % der Stimmen gewinnen konnte.[17] Zuvor war Heinz-Josef Luhmann Bürgermeister.

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Wappen der Gemeinde

Der Gemeinde Möhnesee ist mit Urkunde des Regierungspräsidenten in Arnsberg vom 26. Oktober 1970 das Recht zur Führung des nachfolgend beschriebenen Wappens verliehen worden:

Von Silber (Weiß) zu Blau im Wellenschnitt geteilt; oben ein durchgehendes schwarzes Kreuz, unten ein silberner (weißer) Adler. (§ 2 Abs. 1 der Hauptsatzung[5])

Das Wappen wurde vom Amt Körbecke übernommen, das dieses seit 1959 führte. Der Adler symbolisiert die Zugehörigkeit zur früheren Grafschaft Arnsberg, das Kreuz die zu Kurköln beziehungsweise dem Herzogtum Westfalen.[18]

Mit derselben Urkunde ist der Gemeinde das Recht zur Führung der nachstehend beschriebenen Flagge verliehen worden:

Die Flagge ist als Banner von Blau zu Weiß in zwei gleichen Bahnen längsgestreift und zeigt das Gemeindewappen im Schild in der Mitte der oberen Hälfte. Die Hißflagge ist von Blau zu Weiß in zwei gleichen Bahnen längsgestreift und zeigt in der Mitte das Gemeindewappen im Schild. (§ 2 Abs. 2 der Hauptsatzung[5])

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Möhnesee ist seit 1988 mit der französischen Gemeinde Wintzenheim verschwistert.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die denkmalgeschützte Drüggelter Kapelle
„Altes Backhaus“ in Delecke

Theater[Bearbeiten]

Eine feste Theaterbühne ist in der Gemeinde Möhnesee nicht ansässig. Im Ortsteil Hewingsen gibt es jedoch einen Theaterverein mit Namen „Dai Hiewinger Theaterluie“. Er wurde im Jahr 1993 gegründet. Die Proben finden in der Schützenhalle der Schützenbruderschaft St. Hubertus Hewingsen statt.[19]

Museen[Bearbeiten]

Die Besucher des Landschafts-Informationszentrum (LIZ) in Günne können sich im Gebäude und auf dem angegliederten Außengelände über die Landschaft rund um die Möhnetalsperre sowie den Naturpark Arnsberger Wald informieren. So genannte Erlebnisräume laden zum Erforschen und Entdecken ein. In einer restaurierten Maschinenmühle nahe dem Ausgleichsweiher der Talsperre hat der Förderverein Landschafts-Informations-Zentrum Wasser und Wald Möhnesee e. V. mit finanzieller Hilfe der NRW-Stiftung eine Ausstellung aufgebaut, die dem Besucher die Natur der Möhneseeregion anschaulich verdeutlich.

Musik[Bearbeiten]

Über die Grenzen der Gemeinde hinaus bekannt sind die „Drüggelter Kunststückchen“. Teilweise in der Kapelle, teilweise in der Scheune des Hofes Schulte zu Drüggelte finden Konzerte von klassischer Musik, über Jazz bis zur Weltmusik neben Ausstellungen bildender Künstler statt. Das Festival wirbt mit dem Titel „Westfalens kleines Festival“. Daneben finden in der Kapelle auch regelmäßig Kammerkonzerte statt.[20][21]

Bauwerke[Bearbeiten]

In der Gemeinde Möhnesee sind 28 Gebäude und sonstige denkmalgeschützte Objekte in der Denkmalliste eingetragen. Außerdem gibt es vier Bodendenkmäler.[22]

Möhnetalsperre[Bearbeiten]

Zentrales Bauwerk des Möhnesees ist die von 1908 bis 1913 errichtete Staumauer. Die Talsperre besitzt ein Fassungsvermögen von rund 134,5 Millionen m³ Wasser und dient zur Aufhöhung des Niedrigwassers.

Kirchen und Kapellen[Bearbeiten]

Bei der Sankt-Pankratius-Pfarrkirche in Körbecke handelt es sich um eine fast 300 Jahre alte Kirche, deren kunstvolle Inneneinrichtung vom Belecker Heinrich Stütting geschnitzt wurde. Mutmaßlich im 12. Jahrhundert ist die Drüggelter Kapelle entstanden. Sie stellt eine architektonische Besonderheit dar, da sie als Zentralbau aus dem üblichen Langhausschema des Kirchen- und Kapellenbaus in ihrer Umgebung herausfällt. Verschiedene Theorien, die in über 100 Schriften behandelt werden, versuchen den Kapellenbau zu deuten.

Türme und Brücken[Bearbeiten]

Der denkmalgeschützte Bismarckturm aus Sandstein ist seit dem Jahr 1987 als 18 m hoher Aussichtsturm zugänglich. Dabei handelt es sich um den letzten in Deutschland eingeweihten Bismarckturm.

Die Wameler Kanzelbrücke ist eine architektonische Sehenswürdigkeit; sie wurde im Oktober 1913 fertiggestellt. Nach dem Willen des volkstümlichen Landrats von Bockum-Dolffs erhielt sie den Baustil einer der ältesten Steinbrücken, die in Passau über die Donau führt.

Etwa 1000 m südlich der Körbecker Fußgängerbrücke, die über den Möhnesee führt, steht auf einer südlich vom Stausee gelegenen Anhöhe der im Herbst 2014 errichtete und 42,5 m hohe Möhneseeturm. Von dessen Aussichsplattform fällt der Blick auf den Stausee und seine Umgebung sowie in das Gemeindegebiet von Möhnesee.

Jagdschloss Sankt Meinolf[Bearbeiten]

Das Jagdschloss Sankt Meinolf im Hevetal zwischen Neuhaus und Delecke wurde 1891 unter dem Namen Wilhelmsruh vom Hamburger Bankier von Donner erbaut. Später war es im Besitz von Wilhelm von Opel. Ab 1911 wurde es durch An- und Umbauten repräsentativ erweitert. Später war es in Kirchenbesitz. Jetziger Besitzer ist ein Geschäftsmann aus den Niederlanden. Zum 1. April 2007 wurde in den historischen Räumen ein Restaurant mit Hotelbetrieb eröffnet. Das Torhaus liegt auf dem Rennweg südlich von Delecke. Es wurde 1911 errichtet und diente als Pförtnerhaus des ehemaligen Wildparks von Opels. Die Zufahrt in den Wildpark führte dabei direkt durch das Gebäude. Das Torhaus wird heute als Restaurant genutzt.[23]

Parks[Bearbeiten]

Ein Park in der Gemeinde Möhnesee befindet sich an der Seepromenade am Körbecker Möhneufer. Dort befindet sich eine Hängebrücke, ein großer Kinderspielplatz, ein Minigolfplatz und ein Bootsverleih.

Natur- und Landschaftsschutz[Bearbeiten]

Das Stadtgebiet ist außerhalb des Siedlungsgebietes teilweise als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, sofern kein noch höherer Schutzstatus wie beispielsweise Naturschutzgebiet (NSG) besteht. Gleichzeitig ist das Gebiet südlich und westlich des Möhnesees mit Einschluss einiger Partien des Nordufers Teil des Naturparks Arnsberger Wald. Die Möhnetalsperre ist wegen der großen Bedeutung als Rast- bzw. Überwinterungsplatz mit 4000 bis 6000 Wasservögeln als Europäisches Vogelschutzgebiet im Schutzgebietssystem Natura 2000 der EU ausgewiesen.[24] Mehrere Gebiete sind als Europäische Schutzgebiete (FFH-Gebiete) ausgewiesen. Die FFH-Gebiete umfassen meist mehrere Naturschutzgebiete und Flächen anderer Schutzkategorien.

Im Gemeindegebiet befinden sich auch gesetzlich geschützte Biotope und Naturdenkmale. Insbesondere sind einige alte Einzelbäume, bemerkenswerte Baumgruppen und Felsen als Naturdenkmale ausgewiesen. Darunter befindet sich der „Hoher Stoß“, Erhebung im Arnsberger Wald am Fußweg von Körbecke nach Neuhaus; großer Ameisenhügel.

An Wasservogelarten kommen insbesondere an der Talsperre als Brutvögel Haubentaucher, Höckerschwan, Stockente, Reiherente, Teichhuhn, Graureiher, Blesshuhn, Eisvogel, Gebirgsstelze und Wasseramsel vor. Neben anderen Vogelarten kommen im Stadtgebiet u.a. die Großvogelarten Schwarzstorch, Rotmilan und Kolkrabe vor.

Im ehemaligen 600 ha großen Wildgehege des Bankiers von Donner um St. Meinolf wurden 1893 erstmals Sikawild aus Asien ausgesetzt. Weitere Tiere ließ dort Wilhelm von Opel aussetzen. Nach Beschädigungen am Zaun des Geheges 1936 entwichen die Tiere in die umliegenden Wälder. Spätestens nach der Öffnung der Gatter verbreitete sich diese in Deutschland nicht heimische Wildart im ganzen Arnsberger Wald. In den 1970er Jahren erreichte der Bestand etwa tausend Tiere. Als Folge von Schäden wurde der Bestand durch Jagd in der Folge verringert.[25]

Sport[Bearbeiten]

Von den während des Kalten Krieges in Echtrop stationierten kanadischen Soldaten wurde vor mehr als fünfzig Jahren eine erste Eissportfläche unter freiem Himmel angelegt. Ein erstes Eishockeyspiel fand dort 1954 statt. Später wurde dort eine Eissporthalle gebaut. Nachdem die Kanadier in den 1970er Jahren abgezogen waren, übernahm der Kreis Soest die Anlage.[26]

Möhnesee liegt an dem Westfalenwanderweg und der Sauerland-Waldroute. Durch Möhnesee führt die Kaiser-Route, ein 480 Kilometer langer Radfernweg.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Im Jahr 2010 fand zum zwölften Mal der Bauernmarkt statt. Damit verbunden ist immer einer verkaufsoffener Feiertag in den Körbecker Geschäften, Vorführungen von Handwerkskünsten.[27]

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Der Zander aus dem Möhnesee gilt in der Region als kulinarische Spezialität. So wird er bei festlichen Anlässen beispielsweise in Kombination mit einem Wein auf Berglinsen gereicht.[28] Restaurants bieten ihn als Saisongericht auf der Speisekarte an.[29]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Firma Atelco (Filiale Bremen)

Die Gemeinde Möhnesee ist landwirtschaftlich geprägt; viele Ortsteile liegen in der Soester Börde, einer der fruchtbarsten Ackerbaulandschaften Deutschlands.

Am Möhnesee selbst herrscht die Tourismusbranche vor. In den nördlichen Ortsteilen Möhnesees gibt es vor allem Bauernhöfe, aber auch die Gewerbeparks Echtrop und Wippringsen.

Daneben gibt es einige Gewerbegebiete mit teilweise bedeutenden Unternehmen. Die Firma Atelco – Hersteller und Vertriebskette von Computern – hat ihren Firmensitz im Gewerbepark Echtrop.

Im Jahr 2002 gab es in der Gemeinde 2453 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Davon waren 575 im verarbeitenden Gewerbe, 537 im Handel, 400 im Dienstleistungssektor (ohne öffentlicher Dienst) und 239 im Gastgewerbe tätig.[30]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde Möhnesee liegt nahe der Autobahn A 44, die Bundesstraße 229 führt zur Anschlussstelle Soest. Zudem kreuzt sich die Bundesstraßen 229 mit der B 516 (Haarweg). Die verkehrstechnische Anbindung ist vor allem auch für die Tourismusbranche wichtig, einem der Hauptwirtschaftsfaktoren der Gemeinde.

Gleichwohl führt eben das durch den Tourismus erhöhte Verkehrsaufkommen zu einer negativen Bilanz: Die Gemeinde Möhnesee führt – so die Kreispolizeibehörde Soest – die Statistik der meisten Verkehrsunfälle pro Einwohner aller Gemeinden im Kreis Soest an, liegt auf Platz drei von 83 im gesamten Regierungsbezirk Arnsberg (67 Unfälle pro 10.000 Einwohner im Jahr 2007 – bei einem Landesdurchschnitt von 37 Unfällen pro 10.000 Einwohnern).

Nach der Geschwindigkeitsbegrenzung der Körbecker Schützenstraße auf 30 Kilometer pro Stunde entstand im Frühsommer 2008 eine Diskussion über die generelle Verkehrsberuhigung der Ortskerne in der Gemeinde.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Alte Schule Delecke

Die Gemeinde Möhnesee hatte bis zum Jahre 2004 zwei Standorte der Bundeswehr (FlaRakGrp 21) an der Haarhöhe bei Echtrop, die in den 1970er Jahren von den früheren Besatzungsmächten Großbritannien und Kanada übernommen wurden. Zur Zeit (August 2005) stehen diese Liegenschaften leer, eine weitere Nutzung ist ungewiss.

Am Körbecker Südrand gibt es eine große Jugendherberge mit mehr als 200 Betten. Seit Mai 2008 nutzt die Jugendherberge das „Joseph-Joos-Haus“ als Seminarhaus.

Medien[Bearbeiten]

In der Gemeinde Möhnesee erscheint unter anderem der Soester Anzeiger, der auch lokale Meldungen ins Internet stellt.[31] Lokales kann man auch über das Nachrichtenportal der WAZ-Mediengruppe DerWesten abrufen.[32] Das WDR-Fernsehen berichtet über Möhnesee aus dem Studio Siegen.

Bildung[Bearbeiten]

In der Gemeinde Möhnesee gibt es drei Grundschulen. Die Pankratius-Schule im Ortsteil Körbecke, die Heidbergschule im Ortsteil Völlinghausen und die St.-Antonis-Schule im Ortsteil Günne. In Körbecke befindet sich die Verbundschule Möhnesee.

Die Volkshochschule Soest hat eine Zweigstelle in Möhnesee.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Im Jahr 1998 erhielten der frühere Bürgermeister Alois Schoppe aus Möhnesee und Charles Siegel aus Wintzenheim die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Möhnesee.[33]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die in Möhnesee gewirkt haben oder wirken[Bearbeiten]

  • Florens von Bockum-Dolffs (19. Februar 1802 Soest; † 8. Februar 1899 Völlinghausen), preußischer Beamter und liberaler Parlamentarier.
  • Jānis Jaunsudrabiņš (* 25. August 1877 in Nereta, Südlettland; † 28. August 1962 Körbecke), Maler und ein bedeutender lettischer Dichter.
  • Hermann Kätelhön (* 22. September 1884 in Hofgeismar; † 24. November 1940 München), Graphiker
  • Robert Ittermann (* 1. April 1886 in Iserlohn; † 15. Juli 1970 Völlinghausen), Bildhauer.
  • Max Schulze-Sölde (* 25. Januar 1887 in Dortmund; † 1. Juli 1967 Theiningsen), Künstler und als sogenannter „Johannes der Jugend“ ein Inflationsheiliger.
  • Fritz Viegener (* 1888 Soest; † 1976), Bildhauer.
  • Walter Herricht (* 1889; † 1953 Wamel), Künstler und Professor in Düsseldorf.
  • Lotte Herricht (* 1890; † 1966 Wamel), Künstlerin.
  • Eberhard Viegener (* 1890; † 1967), Maler und Graphiker.
  • Albert Renger-Patzsch (* 22. Juni 1897 Würzburg; † 27. September 1966 Wamel), Fotograf der sogenannten Neuen Sachlichkeit.
  • Hermann Prüssmann (* 1899 Mülheim/Ruhr; † 1980 Wamel), Maler und Graphiker.
  • Wilhelm Winkelmann (* 1904 Bochum; † 1989), Bildhauer.
  • Hermann Schardt (* 1912 Essen; † 1984 Essen), Künstler, Professor und Direktor der Folkwangschule in Essen.
  • Karl-Richard Jauns (* 22. Oktober 1922 Braunschweig; † 22. Juli 1990 Soest), Maler und Graphiker.
  • Henner Kätelhön (eig. Heinrich Paul Kätelhön) (* 22. September 1925 Essen; † 20. Juni 2009 Soest), Lithograph.
  • Siegmar Steinfeld (* 1940; † 2000), Maler und Graphiker.
  • Horst Rellecke (* 1951 Duisburg), Architekt und Künstler.

Literatur[Bearbeiten]

  • Albert Renger-Patzsch: Der Wald. Großbildband mit Fotografien aus dem Arnsberger Wald, 1950er Jahre.
  • Karl Drees: Heiligenhäuschen und Wegkreuze in der Gemeinde Möhnesee. Schriftenreihe des Heimatvereins Möhnesee, 1978.
  • Jānis Jaunsudrabiņš: Erzählungen vom Möhnesee. Schriftenreihe des Heimatvereins Möhnesee, 1983.
  • Höfe in der Gemeinde Möhnesee – Vergangenheit und Gegenwart. ISBN 978-3-9807740-2-4.
  • Hartmut Platte: Höfe in der Gemeinde Möhnesee – Vergangenheit und Gegenwart. Börde-Verlag, 2001, ISBN 3-9807740-2-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Möhnesee (Gemeinde) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 3. September 2014. (Hilfe dazu)
  2. a b c Topografische Karte 1:25.000
  3. Peter Kracht: Sauerland, Siegerland und Wittgensteiner Land. Münster, ISBN 3-402-05497-3, S. 166
  4. Entwurf Flächennutzungsplan Gemeinde Möhnesee (PDF; 2,3 MB)
  5. a b c Hauptsatzung der Gemeinde Möhnesee
  6. Webseite von Hewingsen
  7.  Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 91.
  8. Michael Gosmann: Die Grafen von Arnsberg und ihre Grafschaft. In: Harm Klueting (Hrsg.): Das Herzogtum Westfalen, Bd. 1: Das kölnische Herzogtum Westfalen von den Anfängen der kölner Herrschaft im südlichen Westfalen bis zur Säkularisation 1803. Münster 2009, S. 192
  9. Johann Suibert Seibertz: Die Statuar- und Gewohnheitsrechte des Herzogtums Westfalen. Arnsberg 1839, S. 283
  10. Harm Klueting: Das kurkölnische Herzogtum Westfalen als geistliches Territorium im 16. und 18. Jahrhundert. In: Ders. (Hrsg.): Das Herzogtum Westfalen, Bd. 1: Das Herzogtum Westfalen: Das kurkölnische Westfalen von den Anfängen kölnischer Herrschaft im südlichen Westfalen bis zu Säkularisation 1803. Münster 2009, S. 483
  11. Peter Kracht: Sauerland, Siegerland und Wittgensteiner Land. Münster, ISBN 3-402-05497-3, S. 166
  12. Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Soest und von Teilen des Landkreises Beckum abgerufen am 19. Oktober 2010
  13. Information und Technik Nordrhein-Westfalen, Geschäftsbereich Statistik: Landesdatenbank Nordrhein-Westfalen
  14. KDVZ, Kommunalwahl 2009 abgerufen am 20. Oktober 2010
  15. NRW-Innenministerium: Ergebnisse der Bürgermeisterwahlen in der Gemeinde Möhnesee
  16. NRW-Innenministerium: Ergebnisse der Bürgermeisterwahlen in der Gemeinde Möhnesee 2009
  17. NRW-Innenministerium: Ergebnisse der Bürgermeisterwahlen in der Gemeinde Möhnesee 1999
  18. Peter Kracht: Sauerland, Siegerland und Wittgensteiner Land. Münster, ISBN 3-402-05497-3, S. 166
  19. Spielmannszug Hewingsen abgerufen am 20. Oktober 2010
  20. Webseite der Drüggelter Kunststückchen
  21. Peter Kracht: Sauerland, Siegerland und Wittgensteiner Land. Münster, ISBN 3-402-05497-3, S. 169
  22. Entwurf Flächennutzungsplan Gemeinde Möhnesee, S. 77 (PDF; 2,3 MB) abgerufen am 8. Januar 2011
  23. Jagdschloss St. Meinolf
  24. Wilfried Stichmann, Ursula Stichmann-Marny: Der Möhnesee. Ein Wasservogel-Paradies im Wandel der Zeit. Heimatverein Möhnesee, 2008
  25. Sikawild auf naturlexikon.de
  26. Eissport in der Gemeinde Möhnesee
  27. Bauernmarkt Möhnesee
  28. Der Westen: Gut essen und neue Weine entdecken, 23. Januar 2008
  29. Saison-Speisekarte eines Restaurants, abgerufen am 13. Oktober 2010
  30. Peter Kracht: Sauerland, Siegerland und Wittgensteiner Land. Münster, ISBN 3-402-05497-3, S. 169
  31. Soester Anzeiger, Lokales
  32. DER WESTEN: Möhnesee
  33. Heimatverein Möhnesee abgerufen am 3. November 2010