Möhringen an der Donau

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47.95938.765659Koordinaten: 47° 57′ 33″ N, 8° 45′ 54″ O

Möhringen
Ehemaliges Gemeindewappen von Möhringen
Höhe: 659 m
Fläche: 30,29 km²
Einwohner: 3978 (31. Dez. 2011)
Eingemeindung: 1973
Postleitzahl: 78532
Vorwahl: 07461, 07462
Karte

Möhringen innerhalb der Stadt Tuttlingen

Möhringen

Möhringen

Möhringen ist ein staatlich anerkannter Luftkurort an der Oberen Donau in Baden-Württemberg und seit 1973 ein Stadtteil von Tuttlingen.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Möhringen liegt auf 651 m ü. NN zwischen Bodensee, der Schwäbischen Alb und der Baar im Tal der jungen Donau und ist vor allem von großen Wäldern umgeben. Die Gemarkung Möhringens ist mit 3029 Hektar beinahe so groß wie die der Kernstadt Tuttlingen oder z. B. die der Großstadt Offenbach, wovon aber fast drei Viertel bewaldet sind.[1]

Gliederung[Bearbeiten]

Möhringens Kern bildet der mittelalterliche Stadtkern. Der Stadtteil Burg bildet ein separates Siedlungsgebiet auf über 700 Metern Höhe.

Die Möhringer Vorstadt mit ungefähr 1500 Einwohnern, ein mit der Kernstadt Tuttlingen aber nicht mit Möhringen zusammen gebautes Gebiet, befindet sich auch auf der Gemarkung. Dort ist ein Teil des Tuttlinger Bahnhofs, der Haltepunkt „Tuttlingen-Gänsäcker“ und das größte Industriegebiet der Gesamtstadt Tuttlingen.

Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals erwähnt wurde Möhringen im Jahre 882, seit 1308 besitzt es das Stadt- und Marktrecht, aber erst 1470 erhielt es das lang ersehnte Wappen von Kaiser Friedrich III. Es zeigt laut Wappenbrief, der im Original noch vorhanden ist, einen Mohren. Weshalb dieses Bildnis gewählt wurde, ist unklar. Die Möhringer machten im 19. Jahrhundert daraus kurzerhand eine weibliche Figur, die Mohrin, die im Volksmund in Anlehnung an den Ortsnamen als „Möhrin“ bezeichnet wird. In Erz gegossen ziert sie in Lebensgröße den Hechtbrunnen in der Ortsmitte, barbusig, nur mit einem Lendenschurz aus Federn bekleidet und ausgestattet mit Pfeil, Bogen und Köcher. Auf dem Kopf trägt sie ein goldenes Diadem.

Die Stadtfarben schwarz-weiß-blau sind insofern für Kommunen nicht alltäglich, weil die Dreifarbigkeit (Trikolore) in der Heraldik meist Staaten vorbehalten ist.

1806 kam Möhringen, das nahezu 400 Jahre dem Fürstenhaus Fürstenberg angehörte, zum Großherzogtum Baden. Das heutige Rathaus war einst Sitz der Obervögte und wurde mehrfach als Schloss bezeichnet. Es ist zusammen mit der Kirche das älteste Gebäude im Ort und wurde um 1280 erbaut. 1846 ging es an die Familie Leiber, deren letzter Spross, Hermann Leiber, das Haus seiner Heimatstadt per Testament mit der Auflage vermachte, dort das Rathaus einzurichten.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahl Möhringens ist ansteigend und beträgt derzeit 3978 Personen (Stand: 31. Dez. 2011).[1]

Jahr Einwohnerzahlen[1]
1939 1660
1950 1857
1970 3199
1987 3805
2000 3835
2004 3920
2009 3991
2011 3978

Politik[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Möhringens Stadtkern

Möhringen pflegt seit dem Jahre 1956 Partnerschaften mit den Städten Battaglia-Terme in Italien, Bischofszell in der Schweiz und Waidhofen an der Ybbs in Österreich. Im Hinblick auf die Bemühungen, den Europäischen Gedanken zu verbreiten, wurde Möhringen im Jahre 1964 die Europafahne verliehen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Im Stadtteil Möhringen gehört das Rathaus zu den ältesten Gebäuden. Es wurde um 1300 erbaut und diente in früheren Jahren als Schloss dem Sitz des Obervogtes der zum Fürstentum Fürstenberg gehörenden Stadt Möhringen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es mehrfach umgebaut, so war einst beispielsweise die Möhringer Zehntscheuer in Richtung der heutigen Kreuzgasse unmittelbar an das Schloss angebaut. Im 19. Jahrhundert ging es in Privatbesitz über und der letzte Spross der Eigentümerfamilie Leiber vermachte es seiner Heimatstadt. Die letzte große Sanierung fand 1937 statt.

Donauversickerung[Bearbeiten]

Die Hauptattraktion in Möhringen ist die Donau mit ihren Versickerungsstellen. Im Sommer und Herbst versickert die Donau an den meisten Tagen vollständig und somit ist dann der Krähenbach der erste Wasserlieferant nach der Donauversickerung. Das Wasser fließt unterirdisch durch den kalkreichen Weißjura und kommt in der Aachquelle bei Aach (Hegau) wieder ans Tageslicht. In einem geologischen Zeitraum wird die heutige Donau in Möhringen völlig verschwinden und über die Aach zum Rhein fließen. Der erwähnte Krähenbach wird dann der Ursprung der Donau werden.

Der Möhringer Stausee[Bearbeiten]

Stausee Möhringen

Der Stausee wurde 1923/24 gebaut und sollte als Wasserlieferant für ein eigenes Wasserkraftwerk (heutige evangelische Kirche) dienen. Wie damals üblich, versuchte sich eine große Zahl von Gemeinden mit Energie selbst zu versorgen und nahm solche Projekte in Angriff. Allerdings war das Gefälle vom Stausee zum geplanten Kraftwerk zu gering und somit musste das fertige Projekt aufgegeben werden.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Einen Ruf hat sich der Tuttlinger Stadtteil durch die „Bühne im Anger“ erworben. Im Rahmen des gesamtstädtischen Kulturprogramms der Tuttlinger Hallen treten dort renommierte Künstler auf. Besonders zu erwähnen ist der Kleinkunstwettbewerb „Tuttlinger Krähe“, der jährlich im März in der Möhringer Angerhalle stattfindet.

Zu den „Events“ im Jahreslauf gehört das in den geraden Jahren jeweils am ersten Juli-Wochenende stattfindende „Städtlefest“, eine Gemeinschaftsveranstaltung der Möhringer Vereine.

Jedes Jahr aber findet die Möhringer Fasnet statt, das badische Städtle ist eine Hochburg der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Sie beginnt am Schmotzige Dunschtig morgens um 5:00 Uhr mit dem Wecken durch die Hemdglonker, ehe Schule und Kindergarten von den Narren befreit werden. Mittags um 14:01 Uhr tagt im Rathaus das historische Schemengericht, das schon 1549 in der Zimmerschen Chronik erwähnt ist.Dem folgt der Empfang für geladene Gäste durch den Ortsvorsteher, ehe um 19:00 Uhr der Narrenbaum gesetzt wird. Die „alten Schachteln“ ziehen danach durch die Lokale.

Eine Besonderheit sind die Scherbelgruppen, die am Fasnetsonntag und -montag in ihrem teils prächtigen Narrenhäs durch die Lokale ziehend das Geschehen singend glossieren. Es gibt in Möhringen über 20 solcher Gruppen. Den Höhepunkt der Möhringer Fasnet bildet das Hanselerennen am Fasnet-Dienstag. Weit über 100 Narren im traditionellen Weissnarren-Häs springen unter lautem klingeln ihrer „Schellen“ durch die Straßen von Möhringen und verteilen Orangen, Weckle und Bonbons an die Kinder, die hierfür die vorher einstudierten Hansele-Sprüchle aufsagen.

Eine originelle Veranstaltung läuft jährlich in den Monaten April bis Dezember, wenn die Möhringer Nachtwächter ihre Runden drehen. Dabei sind sie nicht alleine, sondern allerhand Gesinde und Gesindel ist bei der zweistündigen Tour durchs Städtle anzutreffen. Dazu gehören Kräuertweiber, sieche Bettlerinnen, Trunkenbolde, Waschweiber und gar Hübschlerinnen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Nach dem Ende einer 400-jährigen Brautradition in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts, als Möhringen die beiden letzten Brauereien (die Kronen-Bräu ging an die Hirsch-Bräu im Nachbarort Wurmlingen und die Link-Bräu beendete die Produktion) verlor, ist es heute ein moderner Wohn- und Dienstleistungsort, hat aber auch im Südosten ein großes Gewerbegebiet mit Einkaufszentrum. Mit diesem modernen Gewerbegebiet, dem Gänsäcker, trägt Möhringen einen guten Teil der wirtschaftlichen Entwicklung der Gesamstadt Tuttlingen. So bedeutende Firmen wie Rieker (Schuhe), Binder (Kältetechnik) oder Synthes (Chirurgie) haben sich dort niedergelassen.

Eine private Vereinigung bietet für den Fremdenverkehr Unterkünfte an. Neben der Gastronomie gibt es Ferienwohnungen von privaten Vermietern. Zu erwähnen ist auch das Naturfreundehaus, das preiswerte Unterkünfte für größere Gruppen, beispielsweise auch für Schullandheime, bietet. Das Bruno-Hettich-Camp der Katholischen Kirchengemeinde ist ein großer Zeltplatz für Jugendgruppen.

Verkehr[Bearbeiten]

Möhringen liegt an der Donautalbahn von Ulm nach Donaueschingen und verfügt seit der Umsetzung des Ringzug-Konzepts 2003/2004 über insgesamt drei aktive Bahn-Haltepunkte, die Möhringen werktags im Stunden-Takt umsteigefrei mit Immendingen, Leipferdingen, Tuttlingen, Spaichingen und Rottweil verbinden. Teile des Bahnhofs Tuttlingen liegen auch auf Möhringer Gemarkung, der somit halb auf württembergischer und halb auf badischer Seite lag. Möhringen ist an den Stadtbus Tuttlingen angeschlossen.

Möhringen hat am Ringzug drei Haltepunkte: Möhringen-Bahnhof sowie die neu geschaffenen Haltepunkte Möhringen-Rathaus und Tuttlingen-Gänsäcker. Letztere Bezeichnung ist jedoch nicht korrekt, weil der Haltepunkt auf Möhringer Gemarkung liegt, weshalb es zu einem Eklat kam. Die richtigstellende Umbenennung wurde jedoch aufgrund der entstehenden Kosten von geschätzten 15.000 Euro von Seiten der Bahn zurückgewiesen.

Möhringen liegt direkt an der Bundesstraße 311 unweit der A 81 StuttgartSingen, Ausfahrt Geisingen (Süden) bzw. Tuningen (Norden).

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger von Möhringen[Bearbeiten]

Söhne und Töchter[Bearbeiten]

  • Anton Braun, * 22. Oktober 1686 in Möhringen, † 1728 (?); Mechaniker, Optiker, Hofmathematiker in Wien. Erfinder einer der ersten Rechenmaschinen (kaiserlicher Hofopiticus und mechanicae mathematicus). Nachbauten seiner Rechenmaschine, mit der man erstmals alle vier Grundrechenarten maschinell ausführen konnte, finden sich im Deutschen Museum in München und im Heimatmuseum im Rathaus Möhringen.
  • Gallus Haas, auch Has, im 15. Jahrhundert in Möhringen geboren (das genaue Datum ist unbekannt), † 1546 in St. Blasien. Als Abt im Kloster St. Blasien (1532–1540) sorgte er nach dessen weit gehender Zerstörung im Bauernkrieg für den Wiederaufbau.
  • Hermann Leiber, * 20. Mai 1843 in Möhringen; † am 2. April 1924 ebenda, Wohltäter Möhringens, der seiner Heimatstadt das ehemalige Schloss vermachte und zudem 111 Hektar Wald.

Persönlichkeiten die vor Ort wirkten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Zahlen und Fakten; abgerufen am 12. Juni 2011

Weblinks[Bearbeiten]