Mönckebergstraße

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Blick vom Hauptbahnhof, links Saturn und Klöpperhaus, rechts Karstadt.
Mai 1977: Mönckebergstraße mit Straßenbahnen

Die Mönckebergstraße, verkürzt auch genannt, ist eine der Haupteinkaufsstraßen Hamburgs und bildet zusammen mit der Spitalerstraße, die spitz auf die Mönckebergstraße zuläuft, den Hauptzugang in die Hamburger Innenstadt. Die Innerortsstraße wurde am 26. Oktober 1909 dem Verkehr übergeben und ist nach dem Bürgermeister Johann Georg Mönckeberg (1839–1908) benannt, der ab 1897 Vorsitzender der Sanierungskommission war.

Laut einer Untersuchung von Jones Lang LaSalle im Jahr 2013 steht die Mönckebergstraße mit 9.855 Passanten pro Stunde in der Reihenfolge der nach der meistfrequentierten Einkaufsstraßen Deutschlands an siebter Stelle.[1]

Sanierung und Citybildung[Bearbeiten]

Mönckebergstraße vom Kirchturm St. Petri

Nach der Choleraepidemie von 1892 entschloss sich der Hamburger Senat unter Bürgermeister Mönckeberg, das Gängeviertel in der östlichen Altstadt abzureißen und großzügig neu zu gestalten. Der Verlauf entspricht der bereits 1901 vorgeschlagenen Trasse der U-Bahn zwischen Rathausmarkt und Hauptbahnhof Süd, deren Tunnel von 1906 bis 1912 in offener Bauweise errichtet wurde. Die Straße wurde 30 m breit angelegt und war bis 1978 auch eine stark genutzte Straßenbahntrasse. Ihr Verlauf ist leicht „S“-förmig, die Gesamtlänge beträgt 800 m.

Die Mönckebergstraße heute - Kommunaltrasse ohne motorisierten Individualverkehr

Heute ist die Mönckebergstraße weitgehend für den motorisierten Individualverkehr gesperrt, die Fahrbahn wird als Bus- und Taxi-Trasse genutzt. Für den starken Fußgängerverkehr wurden in den 1980er Jahren die Gehwege stark verbreitert, die Fahrbahn ist nur noch zweistreifig.


Im Rahmen der Citybildung als Folge der wachsenden Bedeutung des Handels nach dem Zollanschluss Hamburgs bestand ein wachsender Bedarf an Büroräumen in modernen Kontorhäusern. Im bisherigen Gängeviertel dominierten kleinere Betriebe und vor allem Wohnungen der Arbeiter. Neben dem Bedarf für eine zeitgemäße Verkehrsanbindung des Zentrums befriedigten vor allem die neu errichteten Geschäftshäuser, nahezu alle ohne Wohnungen konzipiert, den Bedarf des frühen 20. Jahrhunderts an Büroräumen.

Es war auch ein Hauptziel aller Beteiligten, Hamburgs Stadtbild seiner Größe und Wirtschaftskraft entsprechend zu verschönern. Mit der Berufung des Stadtbaudirektors Fritz Schumacher im Jahre 1909 nahm die Stadt auch Einfluss auf die äußere Gestaltung und wollte erklärtermaßen den gestalterischen Wildwuchs eindämmen. Die entsprechenden Bauauflagen wurden in die Kaufverträge der neu parzellierten Grundstücke aufgenommen. Die großmaßstäblichen Kauf- und Kontorhäuser sollten durch ihre vielgestaltigen Fassaden mit einer reichen Ausstattung von Bauplastik Abwechslung im Bild der Straße bieten. Die reich gestalteten Fassaden führten die Künste wieder zusammen und bildeten Gesamtkunstwerke. Dabei wurde die Gestaltung der einzelnen Häuser aufeinander abgestimmt. Das Hamburger Baupflegegesetz wurde im Zusammenhang mit den Planungsmaßnahmen verabschiedet, eine Kunstkommission wurde eingesetzt, um die gesamtheitliche Wirkung sicherzustellen.

Zum Sanierungsgebiet gehörte auch die Bebauung der Nordseite der Steinstraße. Hier entstand 1921–1924 die Hauptverwaltung des Karstadt-Konzerns (Architekt: Philipp Schaefer) im neoklassizistischen Stil mit einer Sandsteinfassade mit Säulen, der Bau beherbergt heute ein Finanzamt.

Nach 1920 wurde die Sanierung nach Süden um das Kontorhausviertel fortgesetzt.

Die Bauten[Bearbeiten]

Klöpperhaus

Als exemplarische Beispiele gelten drei Klinkerbauten Fritz Högers.

Klöpperhaus[Bearbeiten]

Das Klöpperhaus (1913) (Mönckebergstraße 3, heute: Kaufhof), benannt nach dem Bauherrn Adolf Klöpper, Inhaber des Wollhandelshauses Wilhelm Klöpper, an das die Plastiken der Schafe des Bildhauers August Gaul erinnern und für dessen Firma bereits das Alte Klöpperhaus am Rödingsmarkt entstanden war. Den Wettbewerb 1911 hatte Höger noch mit einem stark barockisierenden Entwurf gewonnen, der unter dem Einfluss von Schumacher in der Folge stark entschlackt wurde, so dass schließlich eine stark schematisierende Pfeilerfassade realisiert wurde. Kaufhof erwarb das Haus 1965 in der Absicht, nach Abriss auf dem Grundstück einen Neubau zu errichten. Diese Absicht stieß auf heftigen Widerstand in der Öffentlichkeit. Die Fassade bleib nach Auskernung in wesentlichen Teilen erhalten, die ursprüngliche Innenausstattung, insbesondere die Eingangshalle und die Direktionsräume des Bauherrn, sind 1967/1968 verloren gegangen. [2] [3]

Rappolthaus[Bearbeiten]

Das Rappolthaus (1912) (Mönckebergstraße 11 zwischen Jacobikirche und Mönckebergstraße).

Grellhaus[Bearbeiten]

Das Grellhaus (ehem. Predigerhaus) an der Ecke Bergstraße gegenüber der Petrikirche wurde 1911 ebenfalls von Höger erbaut.

Es dominieren aber Fassaden mit Werksteinverkleidung.

Levantehaus[Bearbeiten]

Das Levantehaus (Mönckebergstraße 7, Architekten: Franz Bach und Carl Bensel) ist an der Mönckebergstraße mit Muschelkalk verkleidet, an der Bugenhagenstraße besteht die nüchtern gehaltene Fassade aus Klinkern.

Ehemalige Bücherhalle mit Mönckebergbrunnen, dahinter die Seeburg (links) und der Barkhof (rechts).

Auf Vorschlag Schumachers hin wurde die Einmündung der Spitalerstraße nicht in voller Höhe bebaut. Es entstand 1914 als städtebaulicher Akzent ein kleiner Platz und ein Schmuckbau mit dorischen Säulen, in dem die öffentliche Bücherhalle untergebracht war. Vorgelagert ist eine kleine Denkmalanlage mit Brunnen zur Erinnerung an Mönckeberg. Nach seinem Umbau sind ein Starbucks und ein KulturPunkt der Kulturbehörde eingezogen.[4].

Der kleine Platz Barkhof war zunächst auch Namensgeber für die von Raabe & Wöhlecke entworfene U-Bahn-Haltestelle, die heute Mönckebergstraße heißt. Markant sind die schmalen Fassaden des Barkhofs (Mönckebergstraße 12, 1909/1910, Architekt: Franz Bach), die ursprünglichen hohen Dächer gingen bei einer Neugestaltung der Dachzone 1961 verloren.

Das Haus Seeburg (Spitalerstraße 16, Architekt: Franz Bach), zur Lilienstraße gelegen. Hier öffnet sich auch der Blick auf den ehemaligen Gertrudenkirchhof, der heute ein kleiner Park ist.

Das ehemalige HEW-Kundenzentrum (heute: Vattenfall) mit einer kleinen Einkaufspassage zum Gerhart-Hauptmann-Platz entstand 1967-1969 nach Entwürfen des Büros Garten & Kahl.

Eine weitere Unterbrechung im Straßenverlauf ist der Gerhart-Hauptmann-Platz (vormals Alter Pferdemarkt; der südliche Teil heißt jetzt Ida-Ehre-Platz). Hier wird der Blickkontakt zum Thalia-Theater und zur Binnenalster ermöglicht.

Im Jahre 1912 eröffnete die Rudolph Karstadt AG hier eines ihrer größten Warenhäuser. Der ursprüngliche Entwurf stammt von Bensel, der Wiederaufbau erfolgte nach dem Krieg in stark vereinfachter Form.

Hulbehaus

Ein architektonischer Solitär entstand neben der Petrikirche mit dem Hulbehaus (Mönckebergstraße 21), das die Formensprache der niederländischen Renaissance spielerisch übernahm; sein Architekt war Henry Grell.

Das Haus Domhof (Mönckebergstraße 18) gegenüber der Petrikirche wurde 1911 von Franz Albert Bach entworfen und in der Folge mehrfach verändert.

Das ehemalige Seidenhaus Brandt (Mönckebergstraße 27) wurde von Henry Grell entworfen

Um den geschlossenen Eindruck des Rathausmarktes zu erhalten, wurde mit dem Versmannhaus (Mönckebergstraße 29, 31; Architekten Rambatz & Jollasse, 1912) die Querstraße Knochenhauertwiete überbaut.

Gegenwart[Bearbeiten]

1991–1994 wurde eine Umgestaltung des öffentlichen Raumes vorgenommen. Der Gestaltungsrahmen der Architekten Patschan, Winking, Trix und Hausmann sollte der durch die entstehenden Einkaufspassagen der Neustadt sinkenden Attraktivität der Mönckebergstraße Einhalt gebieten. Der Wildwuchs der Leuchtreklamen wurde eingedämmt, die Schaufenster wieder den ursprünglichen Fassaden angepasst; der Straßenverlauf wurde eingeengt und der Privatverkehr aus der Straße verbannt.[5]

Heute kennzeichnen die Kaufhäuser und zahlreiche Filialen von verschiedenen Einzelhandelsketten das Straßenbild.

  • Die Galeria Kaufhof im Klöpperhaus
  • Karstadt Mönckebergstraße (1953 stark vereinfacht von Ernst Kreytenberg neu aufgebaut)
  • Karstadt-Sporthaus
  • und das technische Kaufhaus Saturn (Architekten Fischer und von Bassewitz, 1967–1969; auf diesem Grundstück lag das im Krieg zerstörte Hamburger Naturgeschichtliche Museum),

Es wurden jeweils sehr große Baukomplexe auf den Grundstücken errichtet, so dass es lediglich 31 Hausnummern gibt. Zwei kleinere Einkaufspassagen, die Landesbankgalerie und die Galerie im Levantehaus wurden in die Bauten integriert und bieten Verkaufsfläche für weitere Einzelhandelsgeschäfte.

Mit dem Park Hyatt Hamburg befindet sich ein 5-Sterne-Hotel direkt an der Mönckebergstraße im Levantehaus.

Passage Kino[Bearbeiten]

Foyer des Passage-Kinos

Das Passage-Kino ist das älteste Kino Hamburgs und eines der ältesten durchgehend betriebenen Lichtspieltheater in Deutschland. Das Passage-Lichtspiele wurde 1912 im Hof des Kontorhauses Die Hanse an der Mönckebergstraße 17 errichtet und 1913 mit dem Monumentalfilm Richard Wagner eingeweiht. Es war mit 1000 Plätzen das erste Hamburger Großkino und führendes Uraufführungstheater. 1925 wurde es grundlegend renoviert und 1929 für den Tonfilm ausgestattet. 1945 wurde es von den Briten beschlagnahmt und 1951 nochmals renoviert. 1964 entstand durch Abtrennung des Oberrangs ein zweiter Saal und 1980 ein weiterer kleiner Vorführraum in einem Nebenraum. Seit 1988 von der Cinemaxx-Gruppe betrieben, sind im Foyer mit seiner Bar, Marmortreppe und Brunnen, als auch im großen Saal, noch Ausstattungsmerkmale aus der Anfangszeit bis zu den 1950er Jahren erhalten. Als Besonderheit verfügt es zudem über eine herausfahrbare und ausklappbare Leinwand für Breitwandfilme. Das Kino ist, nach mehreren Schließungen, eines der wenigen erhaltenen Kinos der Innenstadt mit durchschnittlich 150.000 Besuchern im Jahr. Aufgrund einer deutlichen Mieterhöhung wurde das Kino aus wirtschaftlichen Gründen nach der letzten Vorstellung am 11. November 2009 geschlossen.[6]

Am 25. Mai 2010 wurde das Passage Kino wiedereröffnet, Betreiber ist Heinz Lochmann, der in Baden-Württemberg fünf weitere Kinos besitzt. Der Umbau des Kinos erfolgte für 1,7 Millionen Euro. [7]

U-Bahnhof[Bearbeiten]

U-Bahnhof Mönckebergstraße vom südlichen Bahnsteig

Der U-Bahnhof Mönckebergstraße mit seinen beiden Seitenbahnsteigen wurde 1912 mit Eröffnung der Ringlinie in Betrieb genommen. Damaliger Name war Barkhof.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gestaltungsrahmen Mönckebergstraße – Spitalerstraße. Herausgegeben von der Baubehörde – Landesplanungsamt – der Freien und Hansestadt Hamburg, 1987.
  • Jan Lubitz: Die Mönckebergstraße. Hamburgs Weg zur Großstadt. Junius Verlag, Hamburg 2009, ISBN 978-3-88506-453-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mönckebergstraße – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.joneslanglasalle.de/Germany/DE-DE/Pages/NewsItem.aspx?ItemID=28700
  2. Ralf Lange, Architektur in Hamburg Der große Architekturführer. Hamburg 2008. ISBN 978-3-88506-586-9 - A 59.2
  3. http://www.zeit.de/1993/39/riegel-vor
  4. http://www.gewerbeimmobilien24.de/gi24-news/einzelhandelsmieten-in-hamburger-top-lagen-egalisieren-niveau-in-duesseldorf-und-stuttgart-243587/
  5. Ralf Lange, Architektur in Hamburg Der große Architekturführer. Hamburg 2008. ISBN 978-3-88506-586-9 - A 59.1
  6. Hamburger Morgenpost vom 12. November 2009 "Letzte Vorstellung im ältesten Kino der Stadt"
  7. [1] Artikel in der Welt, abgerufen am 26. Mai 2010

53.5505555555569.9980555555556Koordinaten: 53° 33′ 2″ N, 9° 59′ 53″ O