Mörbisch am See

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mörbisch am See
Wappen von Mörbisch am See
Mörbisch am See (Österreich)
Mörbisch am See
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Eisenstadt-Umgebung
Kfz-Kennzeichen: EU
Fläche: 28,01 km²
Koordinaten: 47° 45′ N, 16° 40′ O47.75333333333316.6675122Koordinaten: 47° 45′ 12″ N, 16° 40′ 3″ O
Höhe: 122 m ü. A.
Einwohner: 2.280 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 81 Einw. pro km²
Postleitzahl: 7072
Vorwahl: 0 26 85
Gemeindekennziffer: 1 03 07
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 22
7072 Mörbisch am See
Website: www.moerbisch.com
Politik
Bürgermeister: Jürgen Marx (SPÖ)
Gemeinderat: (2012)
(21 Mitglieder)
11
7
2
1
11 
Von 21 Sitzen entfallen auf:
Lage der Gemeinde Mörbisch am See im Bezirk Eisenstadt-Umgebung
Breitenbrunn am Neusiedler See Donnerskirchen Großhöflein Hornstein Klingenbach Leithaprodersdorf Loretto Mörbisch am See Müllendorf Neufeld an der Leitha Oggau am Neusiedler See Oslip Purbach am Neusiedler See Sankt Margarethen im Burgenland Schützen am Gebirge Siegendorf Steinbrunn Stotzing Trausdorf an der Wulka Wimpassing an der Leitha Wulkaprodersdorf Zagersdorf Zillingtal Eisenstadt Rust BurgenlandLage der Gemeinde Mörbisch am See im Bezirk Eisenstadt-Umgebung (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Blick auf Mörbisch am See von Westen
Blick auf Mörbisch am See von Westen
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)
Eingang der Seefestspiele Mörbisch am See

Mörbisch am See (ungarisch: Fertőmeggyes, kroatisch: Merbiš) ist eine österreichische Gemeinde mit 2280 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) am Neusiedler See im nördlichen Burgenland.

Geografie[Bearbeiten]

Mörbisch am See liegt im nördlichen Burgenland am südwestlichen Ufer des Neusiedler Sees direkt an der Staatsgrenze zu Ungarn und ca. 70 km südöstlich von Wien.

Der Ort hat einen sehr breiten Schilfgürtel, so dass man den See nur über einen im Jahr 1950 aufgeschütteten Damm erreichen kann. Am Ende des Dammes befinden sich die Seebühne, das moderne Seebad Mörbisch am See, der Jachthafen, zwei Schifffahrtsunternehmen, die den Fährbetrieb nach Illmitz bedienen, Tennis- und Beachvolleyballplätze, eine Segel- und Surfschule sowie ein Bootsverleih.

Nachbargemeinden von Mörbisch am See sind:

Durch die Lage am Neusiedler See herrscht mildes, pannonisches Klima vor.

Geschichte[Bearbeiten]

Herkunft des Ortsnamens[Bearbeiten]

Der Name ist zum ersten Mal 1254 als possessio Megyes erwähnt (wörtlich: "der kirschenreiche Ort", zu ungarisch meggy "Kirsche"). Die ersten, ungarischsprachigen Bewohner benannten die Siedlung also entweder nach einem dort befindlichen, auffälligen Kirschbaum oder nach den zahlreich dort wachsenden Kirschbäumen.

Diese ungarische Form Meggyes wurde später leicht abgewandelt ins Deutsche als Mörbisch übernommen; die kroatische Form Merbiš ist aus der deutschen entlehnt.

Allgemeine Geschichte[Bearbeiten]

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.

Im Westen des Ortes, auf der Flur „Salzäcker“ liegt die Fundstelle eines latènezeitlichen Gräberfeldes. Bei landwirtschaftlichen Arbeiten wurden 1935 die ersten Funde gemacht und in das Landesmuseum Burgenland in Eisenstadt gebracht. Daraufhin erfolgte Grabungen brachten fünf Gräber zutage, 1936 wurden weitere vier entdeckt. Bei einigen Gräbern waren Steinpackungen vorhanden, beim Grab 4 eine Steinstele. An Grabbeigaben fand man Bronzefibeln verschiedener Form, darunter auch Vogelkopffibeln, Halsreifen mit Ösen-Haken-Verschluss, Eisenschwerter und -messer, alles aus der Frühlatènezeit. Ein Hohlbuckelring weist auf eine Weiterbelegung bis in die Mittellatène hin.[1]

Später unter den Römern lag das heutige Mörbisch am See dann in der Provinz Pannonia.

Mörbisch am See war bereits 5000 v. Chr. besiedelt. Auch die Römer hatten Siedlungen hier. Unmittelbar südlich der Staats- und Gemeindegrenze bei Mörbisch am See ist ein Mithrasrelief aus der römischen Zeit Pannoniens zu sehen.

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1921 zu Ungarn, konkret zum Komitat Sopron (Ödenburg). Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain 1919 und Trianon 1920 Österreich zugesprochen. Der Ort gehörte seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes), in der NS-Zeit zu Niederösterreich. Dennoch waren Wirtschaft und Kultur bis 1945 nach Ödenburg ausgerichtet.

1945–1989 lag zwischen Mörbisch am See und Ödenburg der Eiserne Vorhang, seither ist die Grenze wieder offen. Ende 2007 wurden die Grenzkontrollen eingestellt (Schengenabkommen).

Informationen über den Ort[Bearbeiten]

Bevölkerung[Bearbeiten]

In den Jahren 1680 und 1713 wütete in Mörbisch die Pest und raffte zwei Drittel der Bevölkerung dahin. Im Jahr 1849 starb aufgrund einer Cholera-Epidemie die Hälfte der Einwohner. Mörbisch zählte bis Anfang des 19. Jahrhunderts nur mehr knapp 200 Einwohner. Die starke Zunahme der Bevölkerung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gibt einen Hinweis auf die günstige Auswirkung der erlangten wirtschaftlichen Unabhängigkeit der ungarischen Bauern.
Die folgende Grafik zeigt die Bevölkerungsentwicklung von 1869 bis 2011:


Politik[Bearbeiten]

  • Bürgermeister ist Jürgen Marx von der SPÖ, Vizebürgermeister Karl Cvitkovich von der ÖVP. Amtsleiter ist Franz Schindler.
  • Die Mandatsverteilung (21 Sitze) in der Gemeindevertretung ist: SPÖ 11, ÖVP 7, FPÖ 2 und LBL 1 Mandate.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Pfarrkirchen in Mörbisch
Evangelische Pfarrkirche
Katholische Pfarrkirche
„Kulturgut“ Hofgassen
Typische Hofgasse mit Scheune(n) am Ende
Heimathaus in einem Hofgassengebäude

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Weithin bekannt sind die Seefestspiele Mörbisch. Auf einer im Neusiedlersee aufgebauten Bühne werden jährlich im Juli und August Operetten österreichischer Komponisten gespielt.

Die Veranstaltungsserie 'Musik im Park', bei der Konzertaufzeichnungen auf einer Großbildleinwand vorgeführt werden, findet jährlich im Sommer statt, ebenso regelmäßige Gästekonzerte und Auftritte der Volkstanzgruppe.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Mörbisch am See ist mit seiner Lage im Anbaugebiet Neusiedlersee-Hügelland ein traditioneller Weinbauort. 500 Hektar Rebfläche werden von 100 Winzern bewirtschaftet; ausgeschenkt wird u. a. in den 15 Heurigenschenken des Ortes.[2]

Mörbisch am See zählt mit rund 113.000 Übernachtungen jährlich (2005)[3] zu den größten Tourismusgemeinden des Burgenlandes. Mit dem Aufschwung des Tourismus im Burgenland hat auch Mörbisch am See profitiert; durch die Seefestspiele Mörbisch wurde dieser Effekt noch verstärkt.

Sport[Bearbeiten]

  • Mörbischer Seebad: Neben der Seebühne liegt das 1996 ausgebaute und erweiterte 'Mörbischer Seebad' mit Liegewiesen und einer eigenen Bade- und Ruheinsel, sowie Erlebnisbad-Infrastruktur.[4]
  • Radwege:Wie das gesamte Burgenland ist Mörbisch am See mit einem Netz von 'Radwegen' ausgestattet. So verbindet der Radweg B31 die Gemeinde mit dem „Burgenland-Jubiläumsradweg“[5] und der Neusiedler-See-Radweg führt ebenfalls durch Mörbisch am See. Für Nordic-Walking-Sportler wurden in Kooperation mit den Nachbargemeinden Rust und Oggau 15 Touren entwickelt.

Verkehr[Bearbeiten]

Mörbisch am See ist auf der Straße oder per Schiff erreichbar. Das Straßennetz endet an der Grenze zu Fertőrákos (Kroisbach); der Fahrweg dorthin, in Österreich großzügig ausgebaut, damit man per Autobus den Eisernen Vorhang besichtigen konnte, ist auf ungarischer Seite nur für Radfahrer und Fußgänger geöffnet.

Von anderen Seeanrainergemeinden, vor allem von Illmitz im Seewinkel aus, gibt es fahrplanmäßige Bootsfahrten (Radfähre) nach Mörbisch.

1918 bestand der (unverwirklicht gebliebene) Plan, von der Station der Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn in Sopron (Ödenburg) eine über Mörbisch nach Rust führende normalspurige Eisenbahn zu errichten.[6]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mörbisch am See – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Susanne Sievers, Otto Helmut Urban, Peter C. Ramsl: Lexikon zur Keltischen Archäologie. A–K, L-Z. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2012, ISBN 978-3-7001-6765-5, S. 1299; mit Foto (1936) der Steinstele von Grab 4.
  2. Weinpanorama: Mörbisch am See
  3. Wien-konkret: Neusiedlersee
  4. Gemeinde Mörbisch am See
  5. Burgenlandinfo (Flash erforderlich)
  6. Eisenbahn-Baunachrichten. (…) Bahnbau in Sopron (Oedenburg). In: Der Bauinteressent, Jahrgang 1918, Nr. 28/1918 (XXXV. Jahrgang), S. 221. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wbz.