Müllenheim

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Wappen derer von Müllenheim (Linie Rechberg)

Müllenheim (auch Mullenheim oder Mùlnheim) ist der Name eines alten Straßburger Patriziergeschlechts. Die Herren, Freiherren und Ritter von Müllenheim gehörten zum elsässischen Uradel.

Geschichte[Bearbeiten]

Foto vom Straßburger Quai Müllenheim mit Straßenschild

Erstmal urkundlich erwähnt wird die Familie mit Berthold von Mülnheim im Jahre 1108. Die ununterbrochene Stammreihe beginnt 1225 mit Johann von Mülenheim, bischöflicher Weinmesser zu Straßburg. Walther von Müllenheim, Ritter ab 1290, war Schaffner des Bischofs von Straßburg. Mitglieder der Familie gelangten ins Patriziat der freien Reichsstadt und gehörten dort zu den so genannten regimentsfähigen Geschlechtern.

Die Müllenheim und die Zorn waren die bedeutendsten Straßburger Geschlechter, deren Rivalität um die Vormacht in der alten Reichsstadt in regelrechten Straßenschlachten ausgetragen wurde. So erhielt das Rathaus z.B. extra zwei Eingänge, einen für die Müllenheim und einen für die Zorn. Der Stadtrat Hermann von Müllenheim brachte später zusammen mit anderen durch, dass die beiden Ufer der nördlichen Straßburger Ill-Insel, von der St. Paul-Kirche ausgehend, jeweils Quai Müllenheim und Quai Zorn benannt werden. Höhepunkt der Auseinandersetzung war das sogenannte Geschell der Zorn und Müllenheim[1] am 20. Mai 1332,[2] in deren Folge die Stadtadelsvorherrschaft gestürzt wurde, denn die eigentlichen Sieger dieses Kampfes waren die Zünfte.

Das Geschlecht bildete schon um 1300 drei Hauptlinien: Die Johannes-Linie, die allerdings mit Philip Andreas von Müllenheim-Rosenburg 1684 bereits wieder erlosch, die Heinrichs-Linie und die Burkhard-Linie, die schon im 15. Jahrhundert ausstarb. Aus diesen Linien wurden etwa 40 verschiedene Angehörige zwischen 1300 und 1760 zu Straßburger Stettmeistern (adelige Mitglieder des dortigen Magistrats) gewählt.

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Kapitulationsurkunde von Illkirch

Auch die Geschichte des fusionierten Ortes Illkirch-Graffenstaden ist eng mit den Müllenheim verbunden. Denn als Rudolf von Habsburg den Thron des Heiligen Römischen Reichs bestiegen hatte, übertrug 1284 seinem Vertrauten Bernhard von Müllenheim die Furt von „Gravenstaden vor der Hate“ mit dem Recht, eine Maut zu erheben. Da es keine Brücke in Grafenstaden gab, konnte man nur über diese Furt den Fluss überqueren, was die Straßburger bis dahin kostenlos getan hatten; diese Furt fiel 1391 an die Stadt Straßburg zurück. Später bemühte sich Maria Esther von Müllenheim's Ehemann, der Straßburger Stettmeister Hans Georg von Zedlitz, im Jahre 1681 um Hilfe aus dem Reich zur Abwendung der drohenden Eroberung der Reichsstadt durch die Soldaten des Königs Ludwig XIV. von Frankreich unter Joseph de Montclar. Da diese ausblieb, musste er schließlich, um größeres Leid zu vermeiden, am 30. September 1681 die Kapitulationsurkunde von Illkirch mit unterschreiben.

Einige der in und um Straßburg reich begüterten Müllenheim haben auch, nachweisbar seit dem ersten Viertel des 14. Jahrhunderts, die Ritterwürde erworben und später zur Reichsritterschaft des Unterelsass und der Ortenau gehört. Ein Zweig der Heinrichs-Linie ist in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts im Königreich Polen bzw. Ostpreußen ansässig geworden. Gebhard von Müllenheim auf Puschkeiten wurde 1635 zum königlich polnischen Kammerherrn und Starost (Landrat) ernannt. Die Linie Müllenheim-Rechberg erhielt 1886, 1900, 1902 und 1904 die preußische Genehmigung zur Führung des Freiherrentitels. Das elsässische Haus Grünstein bekam bereits 1773 eine französische Bestätigung des Freiherrenstandes.

Wappen[Bearbeiten]

Wappen derer von Müllenheim in St. Walbourg
Wappenvariante derer von Müllenheim nach Johann Siebmacher
Exlibris für St. Michael, Verein deutscher Edelleute, u. a. mit dem Wappen der von Müllenheim

Das Wappen zeigt innerhalb eines goldenen Schildrandes in Rot eine silberne Rose mit goldener Butze. Die Familie hatte in ihren ganzen Zweigen im Laufe der Geschichte bei gleichem Schildbild mindestens 25 verschiedene Varianten der Helmzier,[3] die sich auch teilweise substantiell unterschieden -jeweils mit rot-silbernen Decken:

  • auf gekröntem Helm eine runde, wachsende rote Scheibe, darauf eine golden besamte, silberne Rose, oben mit einem Pfauenwedel besteckt (Linie Rechberg)
  • auf gekröntem Helm eine golden besamte, silberne Rose
  • eine golden besamte, silberne Rose, jedes Blatt mit einer roten Pfauenfeder besteckt
  • eine golden besamte, silberne Rose, jedes Blatt mit einer grünen Pfauenfeder besteckt
  • auf gekröntem Helm auf einem roten Kissen mit goldenen Quasten eine golden besamte, silberne Rose liegend
  • auf gekröntem Helm eine golden besamte, silberne Rose, jedes Blatt mit einer kleinen roten vierblättrigen Rose besteckt
  • auf einem golden gestulpten niedrigen roten Hut eine golden besamte, silberne Rose
  • innerhalb eines dicht mit Pfauenfedern ringsum besteckten runden roten Schirmbrettes eine golden besamte, silberne Rose
  • ein gekrönter, golden gekleideter Männerrumpf ohne Bart
  • ein gekrönter, rot gekleideter Männerrumpf ohne Bart, eine golden besamte, silberne Rose auf der Brust
  • ein gekrönter, rot gekleideter Männerrumpf ohne Bart, eine golden besamte, silberne Rose auf der Brust, die Krone mit drei silbernen Straußenfedern besteckt
  • ein rot gekleideter Jünglingsrumpf, eine golden besamte, silberne Rose auf der Brust, auf dem Kopf ein schwarzer Kremphut
  • ein barhäuptiger, rot gekleideter Männerrumpf mit Bart und goldenem Haar, eine golden besamte, silberne Rose auf der Brust, um den Kopf ein silberner Streifen
  • ein barhäuptiger Jünglingsrumpf mit Kopfreifen, an beiden Seiten auf dem roten Kleide eine silberne Rose überragend
  • Frauenrumpf mit goldenem Zopf, Eselsohren rot-silbern, auf der roten Brust eine golden besamte, silberne Rose
  • gekrönter Frauenrumpf mit schwarzem Zopf, auf der roten Brust eine golden besamte, silberne Rose
  • ebenso, ohne Zopf, statt der Arme silberne Flügel, auf dem Kopf ein silberner Turban (Linie Hildebrand)
  • wie vorige, aber rote Flügel (Linie Rosenberg)
  • ein wachsender, rot gekleideter Jüngling, den rechten Arm erhoben, den linken in der Höhe der Brust angezogen, beide Zeigefinger streckend, in rotem Gewande, die silberne Rose auf der linken Brust, mit niederem, silbern gestulpten roten Hut
  • ein rot gewandeter schwarzer Mohrenrumpf mit zwei silbern bordierten roten Eselsohren, silberne Rose auf der roten Brust
  • ein golden gestulpter hoher Hut, an der Spitze eine silberne Kugel
  • ein silbern gestulpter, roter, oben mit dreifachem Pfauenwedel besteckter niederer Hut, aus dem Stulp ragt halb die silberne Rose
  • gekrönter Helm mit einem aus fünf Federn bestehenden Pfauenwedel
  • zwei gelehnte silberne Köcher, je mit drei grünen Pfauenfedern gefüllt
  • zwei silberne Büffelhörner mit rotem Kamm[4]

Bekannte Namensträger[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Müllenheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das [sic!] „Geschelle“ ist erwähnt in Johann Andreas Schmellers Bayerischem Wörterbuch: „Das Geschelle, Uneinigkeit, Parteywuth bei Königshofen“ und es bedeutet offenbar eine Uneinigkeit bzw. einen Streit zwischen zwei Parteien. Dass das Geschell der Zorn und Müllenheim ein feststehender Begriff ist, zeigt eine Ausgabe der Chronik des Jakob Twinger von Königshofen von 1698 (Die älteste Teutsche sowol allgemeine als insonderheit Elsassische und Straßburgische Chronicke/ Von Jacob von Koenigshoven/ Priestern in Straßburg, S. 782 f.), worin erwähnt wird: „Wegen des in Anno 1332 in der Brandgassen zwischen den beiden Adel. Geschlechten Mülnheim und Zorn vorgangenen Geschölls.“ (Ein paar Zeilen darüber steht „Von Innerlichen Geschell Adelicher Geschlechter zu Straßburg“. Offenbar wurde damals noch „Geschell“ und „Geschöll“ ohne Unterschied gebraucht, eben synonym (sogar auf derselben Buchseite)). Somit ist auch klar, dass Schmeller sich mit seinem Verweis „Parteywuth bei Königshofen“ (Königshofen als Autor, nicht als ein örtlicher Bezug!) direkt auf den Namen des in Jacob von Königshofens Chronik erwähnten Ereignisses bezieht.
  2. Ludwig Spach: Bertold von Buchegg. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 529–531.
  3. Johann Siebmachers Wappenbuch von 1701, Band 3, Tafel 146 und Tafel 147
  4. Helmzier. In: Bernhard Peter: Einführung in die Heraldik.