Müllerzelle

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Müllerzellen sind die Gliazellen in der Netzhaut (Retina) des Auges. Sie sind nach den Neuronen die zweithäufigste Komponente der Netzhaut und können von diesen strukturell und funktionell klar abgegrenzt werden. Sie erfüllen physiologische Aufgaben und leiten Licht zwischen (optisch) streuenden Neuronen hindurch. Von einigen Autoren werden sie für spezialisierte fibrilläre Astrozyten gehalten. Sie wurden von dem Würzburger Anatomen Heinrich Müller (1820–1864) erstmals erkannt und beschrieben.

Eine Besonderheit der Müllerzellen ist, dass sie wie die embryonale Radiärglia von der inneren (ventrikulären – in diesem Fall der Glaskörper) bis zur äußeren (mesenchymalen) Grenzschicht reichen. Die Zellleiber (Perikarya) befinden sich in der inneren Körnerschicht der Retina. Die Müllerzelle übernimmt physiologische Aufgaben im Zusammenspiel mit den neuronalen Zellen, beispielsweise die Aufnahme des bei Depolarisation freiwerdenden Kaliums. Verlust der Zytoarchitektur der Müllerzellen kann zur Netzhautablösung (Amotio retinae) beitragen.

Optische Bedeutung: Forschungsergebnisse ab 2007 an der Universität Leipzig zeigen, dass Müllerzellen eine lichtleitende Funktion aufweisen. Sie durchspannen die Retina von der einen zur anderen Seite. Dabei sammeln sie das Licht an der vorderen Netzhautoberfläche und leiten es an die Lichtsinneszellen an der hinteren Netzhautoberfläche weiter, ähnlich wie Glasfaserkabel.[1][2] Ohne die Müllerzellen würde mehr Licht an den Neuronen der Netzhaut gestreut werden, so dass die Sehschärfe reduziert wäre.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kristian Franze: Lichtleiter in der Netzhaut. In: Spektrum der Wissenschaft. Oktober 2007, S. 16 ff.
  2. - Pressemitteilung 2007/ 082 der Universität Leipzig: Geheimnis des Sehens gelüftet., vom 2. Mai 2007.