Mülligen AG

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AG ist das Kürzel für den Kanton Aargau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Mülligenf zu vermeiden.
Mülligen
Wappen von Mülligen
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Brugg
BFS-Nr.: 4107i1f3f4
Postleitzahl: 5243
Koordinaten: 660449 / 25670347.458338.240279363Koordinaten: 47° 27′ 30″ N, 8° 14′ 25″ O; CH1903: 660449 / 256703
Höhe: 363 m ü. M.
Fläche: 3.16 km²
Einwohner: 1020 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 323 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 13,8 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.muelligen.ch
Südlicher Ortseingang von Mülligen

Südlicher Ortseingang von Mülligen

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Mülligen (schweizerdeutsch: ˈmʏlɪgə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Brugg des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt rund drei Kilometer südöstlich des Bezirkshauptorts.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt im nordöstlichen Teil des flachen und fruchtbaren Birrfelds auf einer Schotterterrasse, südlich der Reuss. Unmittelbar vor dem Flussufer fällt die Ebene steil ab, da sich der Fluss hier im Laufe der Jahrtausende durch eine rund 40 Meter tiefe Schlucht gegraben hat. Die Reuss bildet im Norden und Osten die Gemeindegrenze. Die Gemeindegrenze wird im Norden und Osten durch die Reuss gebildet. Im Südwesten erhebt sich der Eiteberg (500 m ü. M.), an dessen Südseite liegt der Weiler Trotte (392 m ü. M.). Eine Kiesgrube prägt das Gebiet südlich des Dorfes.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 316 Hektaren, davon sind 101 Hektaren bewaldet und 89 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt ist der Gipfel des Eitebergs auf 500 Metern, der tiefste liegt auf 335 Metern an der Reuss.

Nachbargemeinden sind Birmenstorf im Norden und Osten, Birrhard im Süden, Lupfig und Hausen im Westen sowie Windisch im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung von Mulinon erfolgte im Jahr 1273. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen (ze) mulinon und bedeutet «bei den Mühlen».[3] Das Dorf gehörte im Mittelalter zum Eigenamt, dem ältesten Besitz der Grafen von Habsburg, deren Stammsitz nur wenige Kilometer entfernt ist. Die Herren von Mülinen, ein Ministerialengeschlecht, besassen eine kleine Burg, deren Überreste im 19. Jahrhundert durch einen Steinbruchbetrieb restlos beseitigt wurden. 1308 gingen die Grund- und Gerichtsherrschaft an das im selben Jahr gegründete Kloster Königsfelden in Windisch über.

Nach der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen im Jahr 1415 übernahm die Stadt Bern die Herrschaft, das Eigenamt war nun Teil der Untertanengebiete im Berner Aargau. 1528 führten die Berner die Reformation ein und lösten das Kloster Königsfelden auf. Sie wandelten das Eigenamt in die Landvogtei Königsfelden um und übten danach sämtliche Rechte aus. 1688 starb ein Drittel der Bevölkerung an der Pest. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Mülligen gehört seither zum Kanton Aargau.

1885 fielen dreizehn Häuser einem Brand zum Opfer. Bis etwa 1960 stagnierte die Bevölkerungszahl, die Landwirtschaft wurde nach 1900 immer mehr durch Kleingewerbe und Dienstleistungsbetriebe verdrängt. Nach der Eröffnung der Autobahn A3 war Mülligen für Pendler leichter erreichbar und die Zahl der Einwohner hat sich in den letzten vierzig Jahren mehr als verdoppelt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wahrscheinlich stammt der Name des Dorfes von der Mühle ab, die im 11. Jahrhundert am Ufer der Reuss erbaut wurde. Diese war bis 1914 in Betrieb und steht heute unter Denkmalschutz. Bis zum 19. Jahrhundert war hier auch die einzige Gaststätte des Dorfes untergebracht. Der «Hof» ist ein kleines herrschaftliches Gut, das im zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts im Auftrag des Brugger Schultheissen Hans Heinrich Fröhlich erbaut wurde. Von 1769 bis 1771 lebte hier der Reformpädagoge Johann Heinrich Pestalozzi, bevor er sich dann auf dem Neuhof im nahen Birr niederliess.[5]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Gelb über grünem Dreiberg schwarzes Mühlrad.» Vom Dreiberg abgesehen entspricht das Wappen der Gemeinde jenem des Ministerialengeschlechts der Herren von Mülinen und ist seit 1872 in Gebrauch.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1803 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 320 397 374 357 377 377 433 482 674 780 956

Am 31. Dezember 2013 lebten 1020 Menschen in Mülligen, der Ausländeranteil betrug 13,8 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 52,7 % reformiert und 34,7 % römisch-katholisch; 1,3 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 94,9 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 1,3 % Französisch, 1,0 % Italienisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Brugg zuständig. Mülligen gehört zum Friedensrichterkreis Windisch.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Mülligen gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 130 Arbeitsplätze, davon 24 % in der Landwirtschaft, 27 % in der Industrie und 49 % im Dienstleistungsbereich.[10] Die wichtigsten Arbeitgeber sind ein Kieswerk der Holcim sowie Swissgenetics, eine Besamungsstation für Rinder[11]. Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in Brugg, Baden oder den grösseren Nachbargemeinden im Birrfeld. Zudem pendeln viele Mülliger Einwohner nach Zürich.

Verkehr[Bearbeiten]

Durch das Dorf führt die Kantonsstrasse von Brugg nach Mellingen. Zwischen diesen Orten verkehrt auch eine Postautolinie. Eine Brücke führt über die Reuss nach Birmenstorf. Auf dem Gemeindegebiet liegt das Autobahndreieck Birrfeld, wo die A3 auf die A1 trifft. Der nächste Autobahnanschluss befindet sich knapp zwei Kilometer nordwestlich zwischen Lupfig und Hausen.

Bildung[Bearbeiten]

In Mülligen gibt es einen Kindergarten und eine Primarschule. Sämtliche Oberschulstufen der obligatorischen Volksschule (Realschule, Sekundarschule, Bezirksschule) können in Windisch besucht werden. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Aarau, Baden und Wettingen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 286–287.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1070, Swisstopo
  5.  Michael Stettler, Emil Maurer, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmaeler des Kantons Aargau. Band II: Die Bezirke Lenzburg und Brugg, Birkhäuser Verlag, Basel 1953.
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 221.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  11. Swissgenetics – Besamungsstation für Rinder