Mülltonne

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Mülltonnen für Bioabfälle, Restmüll, Verpackungen und Papier 2009 in Heidelberg, Deutschland
Diverse Mülltonnen in Österreich

Eine Abfalltonne, Mülltonne oder Müllgroßbehälter (MGB) (auch Abfalleimer, Ascheeimer, Ascheneimer, Kehrichteimer, Abfallkübel, Müllkübel, Mülleimer, Müllcontainer) ist ein Behältnis zum Zwischenlagern des Abfalls. Sie bestehen aus einem robusten Kunststoffmaterial (meist Niederdruck-Polyethen), das resistent gegen Klimaeinwirkungen wie Frost oder Sonnenschein ist. Dies ist notwendig, da die Behälter oft im Freien stehen. Gelegentlich werden Metalltonnen verwendet, zum Beispiel bei der Entsorgung heißer Asche oder bei öl- und säurehaltigen Abfällen an Tankstellen.

Geschichte[Bearbeiten]

Eine weitere umgangssprachliche Bezeichnung für eine Mülltonne, die jedoch veraltet ist, ist Aschenkübel, Ascheimer, Aschentonne usw. Der Ursprung dieser Bezeichnung liegt darin, dass viele Haushalte bis weit in das 20. Jahrhundert hinein mit Kohleöfen geheizt wurden und man die Asche damals über die Mülltonne entsorgte. Obwohl die Behältnisse damals aus Metall waren, trugen sie wie die heutigen Mülltonnen oftmals die Aufschrift „Keine heiße Asche einfüllen“, da durch heiße, noch glimmende Asche der übrige in der Tonne vorhandene Abfall in Brand geraten konnte, was vor allem in Gebäuden, in denen die Tonnen in Kellern oder anderen Abstellräumen aufbewahrt wurden, eine große Gefahr darstellte.

Ringmülltone aus Stahlblech 1991 in Gräfenhainichen, Deutschland

Vor allem in der Vergangenheit gab es die klassischen Mülltonnen ohne Räder, die als Ringmülltonnen (110 - 120 Liter) oder Systemmülleimer (30 - 50 Liter) bezeichnet werden. Diese Behälter werden seit den 2000er Jahren kaum noch verwendet. Sie wurden per Drehbewegung oder mit einer speziellen Karre fortbewegt. Man konnte sie aber auch an seitlichen Griffen tragen, was bei einer gefüllten Mülltonne jedoch sehr viel Kraft erforderte. Ende der 1960er Jahre tauchten in Westdeutschland (Iserlohn) erstmals die Müllgroßbehälter aus Kunststoff (MGB) auf. Auch die Ringmülltonnen wurden seit den 1960er Jahren aus Kunststoff gefertigt. Beispielsweise waren bis etwa 1998 in Köln fast ausschließlich Ringmülltonnen im Einsatz, die mittlerweile größtenteils durch Müllgroßbehälter ersetzt wurden. In Ostdeutschland gab es bis in die 1980er Jahre ausschließlich Ringmülltonnen aus Stahlblech, die in den Stadtordnungen großer Städte als Müllgefäße bezeichnet wurden, in den Gemeindeordnungen und Statuten ländlicher Gemeinden war meist von Aschekübeln die Rede. Erst in den 1980er Jahren wurden Müllgroßbehälter aus Stahlblech eingeführt. Nach der politischen Wende in der DDR und der Einführung der Deutschen Mark kauften die meisten Ost- und Mitteldeutschen Entsorgungsbetriebe Müllgroßbehälter aus Kunststoff bei den ausschließlich westdeutschen Herstellern ein. So bekamen auch Mittel- und Ostdeutschland die Müllgroßbehälter aus Kunststoff.

Entleerung[Bearbeiten]

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Müllmarken um 1990
Eine Mülltonne mit Schwerkraftschloss

Zwei Räder erleichtern der Müllabfuhr das Bewegen des Müllgroßbehälters.

Die Müllgroßbehälter besitzen Kammleisten (MGB 60 - 1100 l), seitliche Achsstummel und Deckelzapfen (MGB 1100 l), um von der hydraulisch angetriebenen Schüttung des Müllfahrzeugs zur Entleerung erfasst werden zu können. Es gibt verschiedene Arten von Kammleisten.

  • DIN (normale Mülltonnen, mit „treppenförmigen“ Kammleisten)
  • AFNOR (einstufige Kammleiste)

Die Mülltonnen werden zu einem festen Termin entleert. Es gibt Mülltonnen mit unterschiedlichen Volumina. Der monatliche Beitrag, der in Deutschland für die Müllentsorgung gezahlt werden muss, wird unterschiedlich ermittelt. Meist richtet sich die Gebühr nach dem Volumen der Mülltonne, seltener wird der Müll gewogen. In der Schweiz erfolgt die Berechnung nach der sogenannten Sackgebühr.

Die Müllabfuhr sammelt den Abfall aus den Mülltonnen ein. Damit von ihr diejenigen Tonnen erkannt werden, für die Entleerungsgebühren entrichtet werden, gibt es verschiedene Systeme:

  • Ausgabe von Müllmarken, die an den Tonnen befestigt oder auf diese geklebt werden
  • Individualisierung der Mülltonnen mittels RFID-Chip und automatische Datenerfassung am Müllfahrzeug

Letzteres System wurde vor einigen Jahren zusammen mit einem speziellen Entsorgungsprogramm in Emden eingeführt. Wer daran teilnehmen wollte (fast 150.000 Einwohner), konnte für 15,00 € bei der Stadt eine Mülltonne mit Schwerkraftschloss und zwei passende Schlüssel erwerben. Verschließbar sind diese Tonnen deshalb, damit kein Fremder seinen Müll dort entsorgen kann. Auf diese Weise bezahlt der Eigentümer einer solchen Tonne nur für den Abfall, den er selbst entsorgt hat. Bei dem Emder Entsorgungssystem wird die Abfallgebühr nach dem anfallenden Gewicht berechnet. Die Müllfahrzeuge in Emden verfügen über ein spezielles Wiegesystem: Hierbei wird das Gewicht per Scanner eingelesen und die Daten an die Stadtverwaltung weitergeleitet. Diese erstellt dann am Jahresende für den angefallenen Müll eine detaillierte Abrechnung, die der Eigentümer am Anfang des Folgejahres erhält. Das Abfallwiegesystem des Bau- und Entsorgungsbetriebs Emden

Andere Mülltonnen[Bearbeiten]

Ein Müllcontainer

Mülltonnen sind in Deutschland meist schwarz (bzw. grau), sie sind jedoch auch in anderen Farbgebungen präsent. In Deutschland gibt es auch braune, grüne, gelbe und blaue Tonnen, wobei die Zuordnung von Mülltonnenfarbe zu gewünschtem Inhalt regional unterschiedlich geregelt ist. Meist wird die braune Tonne für Bio-Müll verwendet, welcher kompostiert wird und so zu Humus verrottet. Zunehmend wird der Biomüll auch einer Bio(müll)-Vergärungs-Anlage zugeführt, wo der Biomüll zur Energiegewinnung in Energie (Strom und/oder Fernwärme) umgewandelt wird. Die gelben Tonnen werden für recyclingfähige Materialien verwendet. Diese werden meist durch das DSD (siehe auch: Grüner Punkt) getrennt und recycelt. Die schwarzen (bzw. grauen) Tonnen werden meist für den Restmüll und blaue Tonnen für Papiermüll verwendet. Die grüne Tonne wird in Berlin und in Teilen Württembergs für Glasrecycling verwendet, in denselben Teilen Württembergs und in Gebieten von (Nord-)Bayern ist sie außerdem für Papiermüll gedacht, wobei es hier keine Blauen Mülltonnen gibt. In einigen Teilen Deutschlands werden zur Verschönerung des Stadtbildes die Mülltonnen mit einem mit Motiven bedruckten „Mäntelchen“ versehen, die in der Fachsprache „Tonnenstrumpf“ genannt werden.

In der Schweiz wird Kompost in den meisten Gemeinden separat abgeholt. Andere wiederverwertbare Abfälle (Papier, Glas, Weißblech, etc.) werden entweder separat abgeholt oder müssen an einer Abfallentsorgungsstelle abgegeben werden.

In Österreich sind die folgenden Mülltonnenfarben gängig: Schwarz oder grau für Restmüll, rot für Altpapier und Karton, gelb für Kunststoffabfälle (v. a. PET Flaschen), grün für Buntglas (Grünes, braunes und blaues Glas werden im Gegensatz zu Deutschland gemeinsam gesammelt), weiß für ungefärbtes Glas, blau für Metallblechdosen (Weißblech und Aluminium), braun oder dunkelgrün [1] für Biomüll. Häufig sind die Tonnen selbst grau, braun oder grün und nur die Deckel in der die Müllsammelfraktion markierende Farbe. Für Biomüll wurden Deckel mit Entlüftung (zum Abdunsten) und die Tonnen-Innenreinigung durch Waschen und Bürsten entwickelt, um lästigen Geruch und Insektenbefall zu minimieren.

Seit kurzem werden sogenannte Multifunktionsbehälter verwendet, die darauf optimiert sind, automatisch von Seitenladerfahrzeugen geleert zu werden.

Bauarten und Normung[Bearbeiten]

Müllgroßbehälter nach EN 840
Volumen in Liter Höhe in mm Breite in mm Tiefe in mm
40 850 445 504
80 850 445 504
120 935 490 603
240 1080 580 741
360 1100 640 930
1100 1470 1360 1080

Müllgroßbehälter mit rechteckiger Grundfläche (MGB-System) sind in EN 840 (Fahrbare Abfallsammelbehälter) genormt. Dort wird zunächst zwischen Behältern mit zwei (EN 840-1) und mit vier Rädern (EN 840-2/-3) unterschieden. Zweirädrige Mülltonnen mit einem Fassungsvermögen 40 l, 60 l, 80 l, 120 l, 140 l, 180 l, 240 l oder 340 l/360 l sind weit verbreitet. Es gibt aber auch sogenannte Vario-Tonnen, die aus einem Grundgefäß (120 l/140 l) bestehen und je nach Bedarf mit einem speziellen Einsatz auf 35 l, 40 l, 50 l, 60 l, 80 l verkleinert werden können. Vierrädrige Müllgroßbehälter (regional Müllcontainer genannt) haben üblicherweise ein Volumen von 400 l, 500 l, 660 l, 770 l, 1000 l oder 1100 l und entweder einen klappbaren Flachdeckel (EN 840-2) oder einen Schiebedeckel (Runddeckel) (EN 840-3). Runddeckelbehälter sind eigentlich nur in 770 l und 1100 l erhältlich und müssen seit einigen Jahren mit einer Kindersicherung versehen werden, die das unbeabsichtigte Zuschieben verhindern soll. Bei den Kindersicherungen wird unterschieden zwischen einer Druckknopflösung und einer Federsicherung. Seit 2003 gibt es auch die Möglichkeit eines kleinen Einsatzdeckels („Deckel-im-Deckel“), welcher die Kindersicherung ersetzt.

Selten geworden sind zylinderförmige Mülltonnen der ursprünglichen deutschen Bauart SMT (Systemmülltonne), die auch als Ringtonne bezeichnet werden. Sie sind in DIN 6629 (Mülltonnen für staubarme Leerung) genormt und haben ein Fassungsvermögen von 70 oder 110 Litern.

In einigen Städten Deutschlands werden 2012 noch Mülltonnen der Bauart SME (Systemmülleimer) eingesetzt. Sie gibt es in Größen von 25, 35 und 50 Litern.

Alle genormten Müllbehälter besitzen eine Schüttungsaufnahme, um die Behälter mittels Lifter, der am Müllwagen angebaut ist, zu entleeren. Dabei gibt es viele verschiedene Typen und Ausführungen.

Mülltonnen in aller Welt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mülltonnen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Mülltonne – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.help.gv.at/Content.Node/292/Seite.2920010.html