Münchehofe

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Münchehofe (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Münchehofe
Münchehofe
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Münchehofe hervorgehoben
52.14694444444413.83611111111145Koordinaten: 52° 9′ N, 13° 50′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Dahme-Spreewald
Amt: Schenkenländchen
Höhe: 45 m ü. NHN
Fläche: 61,87 km²
Einwohner: 486 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 8 Einwohner je km²
Postleitzahl: 15748
Vorwahl: 033760
Kfz-Kennzeichen: LDS
Gemeindeschlüssel: 12 0 61 344
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der Amtsverwaltung: Markt 9
15755 Teupitz
Webpräsenz: www.muenchehofe.info
Bürgermeister: Ralf Irmscher
Lage der Gemeinde Münchehofe im Landkreis Dahme-Spreewald
Alt Zauche-Wußwerk Bersteland Bestensee Byhleguhre-Byhlen Drahnsdorf Eichwalde Golßen Groß Köris Halbe Heideblick Heidesee Jamlitz Kasel-Golzig Königs Wusterhausen Krausnick-Groß Wasserburg Lieberose Lübben Luckau Märkisch Buchholz Märkische Heide Mittenwalde Münchehofe Neu Zauche Rietzneuendorf-Staakow Schlepzig Schönefeld Schönwald Schulzendorf Schwerin Schwielochsee Spreewaldheide Steinreich Straupitz Teupitz Unterspreewald Wildau Zeuthen BrandenburgKarte
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Münchehofe (niedersorbisch Kemjel[2]) ist eine Gemeinde am östlichen Rand des Landkreises Dahme-Spreewald in Brandenburg.

Zusammen mit den Gemeinden Groß Köris, Halbe und Schwerin sowie den Städten Märkisch Buchholz und Teupitz bildet Münchehofe das Amt Schenkenländchen.

Geografie[Bearbeiten]

Die Hermsdorfer Schleuse an der Dahme bei Münchehofe

Die Gemeinde liegt an der Grenze zum Landkreis Oder-Spree, etwa 25 Kilometer nördlich der Kreisstadt Lübben (Spreewald) und etwa 20 Kilometer südöstlich von Königs Wusterhausen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Münchehofe besteht aus den Orten Münchehofe, Birkholz und Hermsdorf sowie den Siedlungsflecken Klein Wasserburg und Hermsdorfer Mühle. Davon leben etwa 310 Einwohner im Hauptort Münchehofe, etwa 120 in Birkholz und etwa 100 in Hermsdorf.

Rittergut Birkholz um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Geschichte[Bearbeiten]

Frühzeit[Bearbeiten]

Das Gebiet um den heutigen Ort Münchehofe war zur Zeit der Germanen von einigen Sueben bevölkert, wie einige wenige Funde aus einem ehemaligen Jagdlager dieses Stammes anzeigen. Erste Siedlungsspuren fand man – wie in der gesamten Region – von Wenden und Sorben, d. h. von slawischen Volksstämmen, die Ackerbau und Viehzucht betrieben. Sie lebten über mehrere Jahrhunderte in einer friedlichen Koexistenz mit den verbliebenen Germanen. Durch Gebietserweiterungen kam es jedoch ab dem 9. bis in das 12. Jahrhundert zu vermehrten kriegerischen Auseinandersetzungen. Deutsche Feudalherren eroberten das Gebiet und siedelten Handwerker und Kaufleute aus ihren Heimatregionen westlich der Elbe an. Vermutet wird, dass es so zur Gründung des Dorfs Münchehofe kam.[3]

14. bis 17. Jahrhundert[Bearbeiten]

Eine erste urkundliche Erwähnung des Ortes findet sich in den Meißner Bistumsmatrikeln von 1346. Zisterzienser aus dem Kloster Dobrilugk im heutigen Doberlug-Kirchhain nutzen das Gebiet als Gutshof und betrieben dort Landwirtschaft und Fischzucht. Sie waren es vermutlich auch, die den Grundstock für den Bau der Kirche legten. In dieser Zeit wurde in dem Ort erstmals eine Familie von Langen erwähnt: 1328 kaufte Günther von Langen einige Ländereien in der Gegend. In einer weiteren Urkunde aus dem Jahr 1462 wird die Siedlung „Monchhoffe“ genannt und spielt damit auf den klösterlichen Ursprung an. Aus dem Jahr 1464 ist bekannt, dass die Familie die Rechte an Münchehofe erwarb. Sie gingen 1507 an die Gebrüder Nickel und Georg von Langen über. 1518 ist im Erbregister von Storkow erstmals ein „Möller zu Mönchofe“ erwähnt. Man kann daher davon ausgehen, dass bereits zu dieser Zeit Getreide in der Gemeinde gemahlen wurde. Weitere Erwähnungen finden sich im Jahr 1600, 1692 und 1965. Daneben betrieben die Bewohner Ackerbau, Schafzucht und gewannen Brennholz. In geringem Umfang wurden auch Reben kultiviert. 1575 werden 11 Bauern und 15 Kossäten erwähnt. Im Jahr 1518 ist ein weiterer Bewohner der Familie von Langen, Georg von Langen überliefert; 1599 ein Nickel von Langen. Von ihm ist heute noch ein Epitaph an der Kirche erhalten. Durch einen aufwendigen Lebensstil konnte die Familie das Gut jedoch nicht halten und musste es 1692 an Ulrich Gottfried von Woltersdorf abtreten. Er verkaufte Münchehofe 1698 an Georg Rudolf Freiherr von Schwinitz, den Domherrn zu Magdeburg, der es wiederum an einen Herrn von Walther und Croneck veräußerte.

Direkte Einwirkungen aus dem Dreißigjährigen Krieg sind aus Münchehofe nicht bekannt, doch hatte die Gemeinde mit den Auswirkungen der Pest in den Jahren 1626, 1631, 1637 und 1643 zu kämpfen.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entsteht das zweigeschossige Herrenhaus, das heute noch erhalten ist. Als Eigentümer ist Caspar E von Plathen im Jahr 1716 überliefert. Der Kammergerichtsrat erweitert den Ziegelbau 1723 um zwei Seitenflügel, die als Wirtschaftsgebäude genutzt werden. Weitere Umbauten werden im 19. Jahrhundert vorgenommen, so eine spätgothische Kapelle mit einem zweijochigen Sterngewölbe.

18. bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im Jahr 1701 gelangt Münchehofe in den Besitz von Heinrich Wilhelm von Goertz, einem Oberst eines schwedischen Dragonerregiments. Er überschreibt es an Friedrich Kühlwein zur Leibgedinge, um dessen Tochter Johanna Auguste nach der Eheschließung abzusichern. Nach und nach erwarb er weitere Ländereien wie etwa das benachbarte Hermsdorf sowie von der Familie Langen die Ortschaft Birkholz. Mit der Erweiterung der Gemeinde ging auch der Ausbau der Kirche im Jahr 1707 einher. In dieser Zeit entstand auch die erste Dorfschule, die sich im Haus des Küfers Robert Becker befunden haben soll. Von Goertz fehlten für den Kauf zwar die erforderlichen finanziellen Mittel, doch hoffte er, diese in den anstehenden Feldzügen zu erbeuten. Er bat daher den preußischen Hof um einen Kredit für den Kauf der Ländereien. Überliefert ist, dass von Goertz mit großer Härte gegen die Bevölkerung vorging. Er wurde daher vom Schwedenkönig Karl XII. verhaftet und starb durch Gewalteinwirkung bei der anschließenden Vernehmung durch den König.[3] Der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. übernahm auf Grund der offenen Schuldverschreibung Münchehofe. So langte die Gemeinde in den Besitz des preußischen Staates. Bei Ausgrabungen in der Kirche wurden 1988 unter anderem auch einige Gebeine gefunden, die man dem Oberst von Goertz zurechnet. Ein Gedenkstein erinnert heute auf dem Friedhof an ihn. In den darauf folgenden Jahrzehnten arbeiteten in dem Gut bis 1945 Pächter, die eine Abgabe an den preußischen Staat zahlten.

1745 ist eine Ziegelscheune nachgewiesen. In den Jahren 1745 und 1755 ist eine Windmühle auf dem Mühlenberg erwähnt. In dieser Zeit stürzt der Kirchturm ein und muss abgetragen werden. Zum Ende des 17. Jahrhunderts führte man neben dem Anbau von landwirtschaftlichen Gütern auch die Destillation ein.

Im Zuge der Schlesischen Kriege kam die Gemeinde unter sächsische Herrschaft. Sowohl der Erste Schlesische Krieg wie auch der Siebenjährige Krieg belasteten den Ort schwer: Es kam zu Belagerungen und Plünderungen durch österreichische und russische Truppen, die erst mit dem Frieden von Hubertusburg im Jahr 1763 beendet wurden. Weitere Opfer musste die Gemeinde mit den Befreiungskriegen erbringen, bei dem elf Soldaten aus dem Kirchspiel starben. Im Deutsch-Französischen Krieg verstarben weitere drei Soldaten der Gemeinde.

20. Jahrhundert bis zur Gegenwart[Bearbeiten]

1911 entstand ein Neubau des Schulgebäudes, welches 1913 eingeweiht wurde. Der Erste Weltkrieg brachte zunächst nur wenig Beeinträchtigungen in der Gemeinde. Mit der Ausweitung der Kampfhandlungen war aber auch Münchehofe zunehmend betroffen; insgesamt fielen 21 Soldaten der Gemeinde. Ein 1998 aufgestelltes Denkmal erinnert an die Opfer dieses Krieges. 1926 erhielt die Kirche eine neue Glocke. 1927 entstand ein Neubau des Feuerwehrhauses an der Schweriner Straße. Zwei Jahre später gründete sich die Freiwillige Feuerwehr unter der Leitung des Kreisbrandmeisters Weber.[3] Das Ehrenmal dokumentiert die Namen von 30 Gefallenen im Zweiten Weltkrieg.

Siehe auch Kessel von Halbe

Nach dem Ende des Krieges siedeln Flüchtlinge in dem Gebiet, was zu einer Erweiterung des Dorfes führt. Auf Anordnung des sowjetischen Kommandanten produziert man bis 1953 erneut Kartoffelschnaps. Pro Quartal sollen bis zu 500 hl hergestellt werden. 1948 wurde der Schulbetrieb wieder aufgenommen, zwei Jahre später der Kindergarten im nunmehr nicht mehr genutzten Herrenhaus eingerichtet. Zwischen Münchehofe und Bukow errichtete der Staatliche Forstbetrieb Strausberg das Betriebskinderferienlager "Anne Frank" in der "Alten Mühle".[4] Im Jahr 1968 wurde die Kirche grundlegend renoviert, dabei baute man beispielsweise auch einen elektrischen Antrieb für den Blasebalg ein. Ein Jahr später verschwinden die Dorfschulen. 1974 gründet sich die Sportgemeinschaft Münchehofe; fünf Jahre später der Dorfclub Münchehofe. Eine Dorfbibliothek entsteht im Jahr 1981. Sie existiert bis ins Jahr 1990, als sie von einer Fahrbibliothek des Landkreises ersetzt wird. Ein Verein der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter findet sich im Jahr 1984. Ein Jahr später wird mit dem Bau eines Jugendclubs begonnen, der 1986 eingeweiht wurde. Vom 23. bis 25. August 1996 begeht die Gemeinde die 650-Jahr-Feier. Anlässlich der 660-Jahr-Feier entstand eine umfangreiche Chronik der Gemeinde.[3]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung in den heutigen Grenzen
Münchehofe:
Bevölkerungsentwicklung in den heutigen Grenzen
[5]
Jahr Einwohner
1875 1 090
1890 1 004
1910 891
1925 878
1933 838
1939 772
1946 1 224
1950 1 164
1964 790
1971 746
Jahr Einwohner
1981 655
1985 622
1989 592
1990 582
1991 573
1992 571
1993 579
1994 589
1995 569
1996 568
Jahr Einwohner
1997 585
1998 598
1999 587
2000 576
2001 560
2002 570
2003 563
2004 557
2005 535
2006 528
Jahr Einwohner
2007 528
2008 514
2009 498
2010 492
2011 482
2012 486

Die Quellen der Daten finden sich detailliert in den Wikimedia Commons[6].

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Gemeindevertretung der Gemeinde Münchehofe besteht aus acht Gemeindevertretern nebst Bürgermeister.

  • Forstbetriebsgemeinschaft Münchehofe-Hermsdorf: 4 Sitze
  • Wählergemeinschaft Freiwillige Feuerwehr Birkholz: 2 Sitze
  • Interessengemeinschaft Dezentrale Abwasserentsorgung e.V. (IDAV): 1 Sitz
  • Wählergemeinschaft Freiwillige Feuerwehr Hermsdorf: 1 Sitz

(Stand: Kommunalwahl am 28. September 2008)[7]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 19. Februar 1999 genehmigt.

Blasonierung: „In Grün ein spitzgiebeliger, oben mit einem Kreuz besteckter silberner Glockenturm, darin über einer Dreipassrosette eine rundbogige Öffnung mit einer goldene Glocke am schwarzen Glockenstuhl; oben rechts beseitet von einem goldenen Birkenblatt und links von einem goldenen Mühlrad.“[8]

Bauwerke[Bearbeiten]

Münchehofer Dorfkirche

In der Liste der Baudenkmale in Münchehofe und in der Liste der Bodendenkmale in Münchehofe stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Denkmale.

  • Das exakte Baujahr der Kirche ist nicht überliefert. Vermutet wird, dass Zisterzienser einen kleinen Vorgängerbau aus Feldsteinen erbauten. Dieser wurde im Jahr 1707 auf Initiative des neuen Besitzers der Gemeinde, Oberst Heinrich Wilhelm von Görtz, durch einen angebauten Chor sowie einen Turm erweitert. 1850 renovierte König Friedrich Wilhelm IV. das Bauwerk und übernahm das Patronat. Aus seiner Hand stammen die Entwürfe für den Dachreiter mit dem darin sichtbaren Geläut, das heute im Wappen zu sehen ist. An der Ostwand der Kirche befinden sich einige Epitaphen der Adelsfamilien von Langen und von Stutternheim.
  • Das Herrenhaus ist ein denkmalgeschützter zweigeschossiger Backsteinbau, der vermutlich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtet wurde. Dabei integrierte man vermutlich eine ehemalige Kapelle mit einem Sterngewölbe.
  • Am Abzweig der Neuendorfer Straße von der Hauptstraße steht ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, das mit einer zusätzlichen Tafel für die Opfer des Zweiten Weltkrieges ergänzt wurde.
  • Das Dehmel-Denkmal erinnert an einen bedeutenden Sohn der Gemeinde, Richard Dehmel.
  • Nördlich der Gemeinde befindet sich ein Findling, der als Blutstein bezeichnet wird. Angeblich sollen zur Zeit der Germanen dort Menschenopfer gebracht wurden. Vermutlich stammt die deutlich sichtbare Rinne von dem gescheiterten Versuch einiger Bauern, den Stein zu durchtrennen, um daraus Baumaterial zu gewinnen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2012 (XLS-Datei; 83 KB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. ISBN 3-515-08664-1 Die Ortsnamen des Kreises Beeskow-Storkow; Seiten 226 bis 228 → Münchehofe / Michow
  3. a b c d Kurzchronik der Gemeinde Münchehofe, Webseite der Gemeinde Münchehofe, (PDF; 7,6 MB), abgerufen am 3. Oktober 2013.
  4. Facebook-Eintrag
  5. Gebietsstand Januar 2013
  6. Population Projection Brandenburg at Wikimedia Commons
  7. http://daten.verwaltungsportal.de/dateien/bekanntmachungen/vorl.sitzzut.gv20mfcnchehofe202008.pdf
  8. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg