München (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel: München
Originaltitel: Munich
Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 2005
Länge (PAL-DVD): ca. 157 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 16
Stab
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Tony Kushner
Eric Roth
Charles Randolph
Produktion: Kathleen Kennedy
Berry Mendel
Steven Spielberg
Colin Wilson
Musik: John Williams
Kamera: Janusz Kaminski
Schnitt: Michael Kahn
Besetzung

München ist ein US-amerikanischer Spielfilm des Regisseurs Steven Spielberg, dessen Deutschlandpremiere am 26. Januar 2006 in München stattfand. Binnen kurzer Zeit erreichte er eine Zuschauerzahl von 850.000.

München basiert auf der realen Geschichte der israelischen Reaktion auf die Geiselnahme von München (1972), bei der das Kommando des Schwarzen Septembers elf Mitglieder der israelischen Olympiamannschaft tötete. Vorwiegend wird die Tätigkeit einer Einheit des Mossad gezeigt, welche im Auftrag der israelischen Regierung die getöteten israelischen Sportler rächt, indem die direkt und indirekt für den Anschlag Verantwortlichen liquidiert werden. Der Film vermischt Fakten mit Erfundenem, lässt historische Personen mit fiktiven Charakteren interagieren. Spielberg selbst bezeichnet den Film als "fiktiv" und beruft sich auf seine "künstlerische Freiheit", Geschichten zu erzählen.

Die Premierministerin Golda Meir und der Geheimdienstchef Tzwi Zamir sind historische Personen, die Darstellung der Anschläge in Paris, Nikosia und Beirut entspricht im großen und ganzen dem tatsächlichen Ablauf. Die gezeigte Mossad-Einheit entspricht jedoch in keiner Weise der tatsächlichen, 1972 gebildeten und in ähnlicher Mission tätigen Mossad-Einheit "Caesarea". Auch die Chronologie und der Umfang der Aktionen sind fiktiv.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Handlung

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Der Vorspann besteht aus einer wahllosen Reihe von Städten, aus denen sich der Name „München“ heraushebt, die übrigen verblassen, "Munich" steht allein auf der Leinwand, während sich die Schrift rot färbt. Als erste Einstellung sieht man amerikanische Sportler, die vermeintlichen Kollegen, die sich jedoch kurze Zeit später als Terroristen entpuppen, spätnachts über den Zaun des Olympischen Dorfs helfen. Die Entführung und Ermordung israelischer Sportler durch Mitglieder der Organisation Schwarzer September während der Olympischen Spiele wird mit tatsächlichen Nachrichtenbildern überblendet. Immer wieder wird das Attentat in Rückblenden während des Films zu sehen sein, bis hin zur missglückten Befreiungsaktion auf dem Flughafen in Fürstenfeldbruck.

Der junge Mossad-Mann Avner Kaufman, der Sohn eines israelischen Helden, wird von Ministerpräsidentin Golda Meir persönlich ausgesucht, Chef des Teams zur Tötung der Palästinenser zu werden, weil sie ihn noch als einen ihrer früheren Leibwächter kennt. Eine Liste von Namen wird Avner überreicht. Von vornherein ist festgelegt, dass die Operationen in Europa durchgeführt werden, allerdings nicht jenseits des Eisernen Vorhangs, um keine politischen Komplikationen entstehen zu lassen und auch nicht in arabischen Staaten - das ist der israelischen Armee vorbehalten. Avner nimmt das Angebot an, obwohl seine junge Frau Daphna hochschwanger ist und er sie allein in Israel zurücklassen muss. Von seinem Vorgesetzten Ephraim erfährt er die Namen der in das Attentat Involvierten. Allein auf sich und auf sein Team gestellt, ohne direkte Verbindung nach Israel und lediglich durch Schweizer Bankkonten finanziell abgesichert, soll er die Tötungen durchführen. Dazu stehen ihm vier Männer zur Verfügung, die genauso wenig Erfahrung mit dieser Tätigkeit haben wie er: Steve, ein entschlossener jüdischer Patriot, der „seit 10 Minuten für den Mossad arbeitet“, der Spielzeug- und Bombenbauer Robert, der zurückhaltende Carl, der seinen Sohn einige Jahre zuvor im Kampf für Israel verloren hatte, und Hans, ein eher kühler Antiquitätenhändler und Dokumentenfälscher. Bei einem lockeren Arbeitsessen – Avner beweist hierbei zum ersten Mal seine Kochkünste aus seiner Zeit im Kibbuz – lernen sie sich kennen.

Über seine Frankfurter Jugendfreunde, die der Baader-Meinhof-Gruppe nahe stehen, die sich als Soldaten im Krieg empfinden, gelangen sie an ihre erste Zielperson Abdel Wael Zwaiter, den Übersetzer eines arabischen Märchenbuchs, den Avner und Robert noch zu erschießen zögern. Kurz danach vermischt sich jedoch am Boden die verschüttete Milch und weitere Einkäufe Zwaiters mit dessen Blut.

Das Attentat auf den PLO-Repräsentanten Hamshari, der durch eine in einem Telefon verborgene Bombe in die Luft gesprengt werden soll, birgt ebenfalls Schwierigkeiten, weil dessen Tochter Amina den ersten Versuch vereitelt, indem sie an Stelle ihres Vatern den Hörer des Telefones abhebt. In letzter Sekunde brechen Carl und Avner das Attentat ab, wiederholen es jedoch mit mäßigem Erfolg, weil das Opfer nicht sofort stirbt. Robert wird von den anderen beschuldigt, einen zu schwachen Sprengstoff verwendet zu haben, er wehrt jedoch Vorwürfe mit dem Argument ab, er wollte nicht das ganze Stockwerk sprengen. Avner lernt Louis kennen, einen undurchsichtigen französischen Informanten, der den Handel mit Informationen und Waffen zusammen mit seinem Vater als Familiengeschäft betreibt. Treffpunkt von Avner und Louis ist meistens das Schaufenster eines Küchengeschäfts.

Allmählich kommen immer heftigere Zweifel auf, ob die Getöteten bzw. die zu Tötenden tatsächlich in das Attentat verwickelt sind. Auch die Rolle verschiedener Geheimdienste wird unklarer. Louis' Vater, Papa, lädt Avner zum Familienessen ein, scheint aber ein mysteriöses Spiel im Dschungel der Nachrichtendienste bar jeglicher Moral zu treiben und keine Loyalitäten zu kennen.

Das Versagen mehrerer Sprengsätze wirft die Fragen auf, ob Sabotage im Spiel war und wer dafür verantwortlich ist. Robert, der Bombenbauer der Gruppe, gibt anlässlich der Vorwürfe seiner Kameraden zu, eigentlich Bombenentschärfer zu sein und noch nie zuvor Sprengsätze konstruiert zu haben. Beim Zünden einer im Bett einer Zielperson untergebrachten Bombe geschieht denn auch das umgekehrte Extrem des Attentats auf Hamshari: diesmal zerstört Roberts Bombe fast das gesamte Stockwerk des Hotels. Avner, der sich im Nachbarzimmer eingemietet hat, um die Anwesenheit der Zielperson zu überprüfen, kommt beinahe selbst ums Leben.

Avners Frau begibt sich mit dem Kind auf Avners Wunsch nach Brooklyn, wo er sie sicherer wähnt. Die Tötungen gehen weiter, doch allmählich beschleicht die Gruppe die Vermutung, sich selbst im Fadenkreuz zu befinden. Eines ihrer Attentate wird von vermeintlich betrunkenen Amerikanern vereitelt, die sich als CIA-Agenten herausstellen. In einer Hotelbar wird der einsam vor einem Drink sitzende Avner auf eine attraktive Frau namens Jeanette aufmerksam. Er spricht sie an, und sehr rasch äußert sie den Wunsch, mit ihm ins Bett zu gehen. Avner lehnt ab und trifft sich in der Bar mit Carl. Dann kehrt er in sein Zimmer zurück und telefoniert mit seiner Frau. Später geht er noch einmal in die Lobby, doch Jeanette ist verschwunden, offensichtlich mit Carl. In Carls Zimmer findet Avner ihn nackt und ermordet im Bett auf. Avner muss jetzt einsehen, dass tatsächlich er und seine Leute getötet werden sollen, auch wenn ihm nicht klar ist, wer der Auftraggeber ist.

Von Louis erfährt Avner die wahre Identität Jeanettes, die sich als niederländische Auftragsmörderin entpuppt. Gleichzeitig zeigt ihm Papa ein Foto, das beweist, dass er bereits selbst observiert wird. Sie beschließen, Carl zu rächen, jedoch ohne Robert, der, am Ende seiner Nerven, beurlaubt wird, und suchen Jeanette auf ihrem Hausboot auf. Sie tritt ihnen ahnungslos entgegen, nur in einen Morgenmantel gekleidet. Die drei töten sie. Beim gemeinsamen Abendessen mit Steve und Avner betrinkt sich Hans. Im Morgengrauen finden ihn die beiden andern erstochen auf einer Bank.

Bald darauf stirbt der von Selbstzweifeln geplagte Bombenbauer Robert bei einer unerklärlichen Explosion. Avner, der mittlerweile seine Nächte angsterfüllt im Schrank statt im Bett verbringt, zweifelt immer mehr daran, dass es sich bei den Zielpersonen nur um die Drahtzieher des München-Attentats handelt. Sein nächster Einsatz missglückt, lediglich ein noch sehr junger Wachposten wird getötet. Avner bricht seine Tätigkeit ab und zieht nach New York. Er versucht, mit seiner Frau in ein normales Familienleben zu finden, jedoch beschleicht ihn immer mehr das Gefühl, selbst zum Ziel eines Mordauftrags geworden zu sein, und bei einem Spaziergang mit seinem Kind glaubt er, von einer dunklen Limousine verfolgt zu werden. Avner stürmt die israelische Botschaft und droht mit Enthüllungen, falls seine Familie weiterhin bedroht werde. In einem Telefongespräch beteuert Papa, dass von seiner Seite her Avner nichts Böses drohe und schickt ihm Essen.

Am Ufer des Hudson River trifft er mit Ephraim zusammen, der jegliche Zweifel an der Legitimität der Tötungen und die Terrorverbindungen der Zielpersonen zurückweist, sowie blinden Gehorsam fordert. Allerdings gibt er zu, dass auch andere Teams mit Mordaufträgen ausgeschickt worden sind. Avners Bitte, einer jüdischen Sitte gemäß mit ihm und seiner Familie zu Abend zu essen, lehnt der Vorgesetzte ab und geht.

Die Kamera macht eine Kranfahrt in die Höhe und das Panorama von New York mit den noch existierenden Türmen des World Trade Centers füllt die Breitwand. Man erfährt durch eingeblendeten Text, dass neun von elf Gesuchten getötet worden sind. Es folgt der Abspann, beginnend mit "Directed by Steven Spielberg", während das Bild abblendet und schwarz wird.

[Bearbeiten] Hintergrund

München wurde von Janusz Kaminski mit Arri-Kameras gedreht. Dabei wurde das Breitwandverfahren Super 35 verwendet, bei dem man ohne anamorphotische Objektive auskommt und lediglich ein Teil des 35-Millimeter-Bilds belichtet wird (siehe dazu das ähnliche Techniscope). Erst im Labor wird das Material künstlich verzerrt, damit es im Kino mit den herkömmlichen anamorphotischen Linsen projiziert werden kann. Die Vor- und Nachteile dieses Verfahrens sind in München gut zu studieren: hervorragende Farbwiedergabe und keinerlei optische Verzerrungen, dafür jedoch ein vergleichsweise grobkörniges Bild.

Viele Szenen des Filmes wurden in der ungarischen Hauptstadt Budapest gedreht. Die Szenen, die auf Zypern, in Griechenland und Rom spielen, entstanden auf Malta.

[Bearbeiten] Kritik

Neben vielen Journalisten und Filmkritikern, die den Film recht unterschiedlich beurteilten, meldeten sich auch Organisationen wie das Committee for Accuracy in Middle East Reporting in America oder die Anti-Defamation League zu Wort. Wo dies nicht geschah – wie im Fall des AIPAC – wurde dies wiederum kritisiert.[1]

[Bearbeiten] Historizität

Von verschiedenen Kritikern wurde angemerkt, dass die Fiktionalität der Handlung nicht deutlich genug gemacht werde. Dies sei umso problematischer, als der Film durch die Einfügung von originalen Nachrichtensendungen Historizität vorspiegle und damit die populäre Geschichtsschreibung beeinflusse und manipuliere.[2][3][4] In einem Artikel des Magazins Der Spiegel beruft sich Spielberg auf sein Recht, Geschichten zu erzählen. „München“ basiere zwar auf Fakten, sei am Ende aber doch ein fiktionales Werk: im Vorspann des Films wird davon gesprochen, dieser sei „inspiriert durch reale Geschehnisse“ (dt. Einblendung der DVD: "basierend auf einer wahren Begebenheit").

Kritisiert wird vor allem die Vorlage für den Film, der maßgeblich auf dem Buch Vengeance. The True Story of an Israeli Counter-Terrorist Team (erschienen 1984, deutsche Ausgabe: „Die Rache ist unser”) des kanadischen Journalisten George Jonas basiert. Dieses Werk wurde bereits 1986 erfolgreich unter dem Titel Sword of Gideon für das Fernsehen verfilmt. Es entstand aus Gesprächen Jonas' mit Juwal Awiw, der von sich behauptete, Mossad-Agent gewesen zu sein. Bereits Ende der 1980er Jahre wurde jedoch aufgrund von Gerichtsakten der Appellate Division des New Yorker Supreme Court nachgewiesen, dass Awiw weder dem Mossad noch einem anderen Geheimdienst angehört hatte. (Heaps v. Simon & Schuster, Co. 152 A.D.2d 468, 540 N.Y.S.2d 437 N.Y.A.D. 1 Dept.,1989. May 02, 1989)[5][6] Wie Yossi Melman von der israelischen Tageszeitung Haaretz in der FAZ schrieb, weist auch der ehemalige Chef des Mossads, Bei Zvi Zamir, die Behauptung Awiws zurück.

Yossi Melman meint außerdem, inzwischen zugängliche Quellen seien nicht berücksichtigt worden und Zeitzeugen wie etwa der ehemalige Chef des Mossads Bei Zvi Zamir oder Mike Harari, Chef der zuständigen Abteilung des Mossads, seien nicht zu den Ereignissen befragt worden. Dasselbe gilt für einen der Terroristen, Abu Dawud, der sich in Damaskus versteckt. Auch Awi Dichter, der ehemalige Chef des israelischen Inland-Geheimdienstes Schin Bet, bezeichnete die Darstellung der Agentenarbeit als sehr unrealistisch.

Diesen Aussagen widerspricht jedoch die Spiegel-TV-Reportage vom 4. Februar 2005, in der drei ehemalige Mossadagenten (darunter Aaron Stein und Amnon Biran) sowie der Drahtzieher des Attentats von München, Abu Daud, und die Tochter eines Angehörigen zu Wort kamen. Die Agenten bestätigten in großen Teilen Spielbergs Darstellung der Attentate von Paris, Nikosia und Beirut.

Auch einige Verwandte der Opfer empfanden es als Affront, dass sie von Spielberg nicht um ihre Meinung befragt wurden. Allerdings spielt Gur Weinberg seinen Vater Moshe (das erste Opfer, das bei dem Attentat getötet wurde), und einige Ehefrauen und Kinder der Terroropfer gaben in Reportagen von ZDF, ORF und Spiegel-TV zustimmende Stellungnahmen ab.

[Bearbeiten] Antizionismus

Von verschiedenen Kritikern wurde kritisiert, der Film sei tendenziös antiisraelisch. In ihm gebe es nur brutale Israelis mit Gewissensbissen.[3] Die israelische Seite werde sehr eindimensional dargestellt.[4] Während man die persönliche Geschichte der palästinensischen Terroristen erfahre, die als Poeten und treusorgende Familienväter dargestellt würden, werde die Geschichte der Sportler von München nicht erzählt. Die Attentäter würden als geschichtslos, als von ihrem blinden Nationalismus getrieben dargestellt. Ehud Danoch, israelischer Konsul in Los Angeles, kritisierte, dass der palästinensischen Seite durch den mehr-minütigen Monolog des Terroristen Ali die Möglichkeit gegeben werde, ihre Sicht darzustellen, ohne dass es eine solche Szene für die israelische Sicht gäbe. Befürworter des Films meinen dazu, dies werde jedoch durch einen Monolog der Mutter Avners widerlegt. Ihre Aussage wurde allerdings kritisiert, weil sie zum einen nicht einmal auf ihren Sohn den Hauptdarsteller wirke, und darüber hinaus nur die palästinensische Geschichtssicht unterstütze. Nicht nur der palästinensische Terrorist, auch Avners Mutter sage, die Juden hätten den Palästinensern ihr Land weggenommen. Sie werde als radikale Nationalistin dargestellt, die sagt: "Wir brauchten eine Zuflucht. Wir nahmen sie uns. Was auch immer es kostet." Mit der Aussage "Was immer es kostet", werde impliziert, dass Israel wirklich keinerlei menschliche Opfer scheute.[7]

Einige Kritiker wie etwa Leon Wieseltier, der Literaturkritiker von The New Republic meinten, in dem Film sei Zionismus nur Anti-Anti-Semitismus, Israel werde dadurch zu nicht mehr als einer Antwort auf den Holocaust degradiert, womit die historische Verbindung der Juden zu ihrer Heimat und die Geschichte des Zionismus seit dem 19. Jahrhundert ausgeklammert werde. Der amerikanische Publizist und Psychiater Charles Krauthammer meinte in der Welt, dies sei genau die Erzählweise, die radikale Antizionisten, wie der iranische Präsident propagieren würden:

"Wenn Israel nicht mehr ist als Europas Schuldtrip für den Holocaust, warum sollten die Moslems dann einen jüdischen Staat in ihrer Mitte erdulden?"

Einige Kritiker sehen einen Beweis für die israel-feindliche Ausrichtung des Films in dem Ko-Drehbuchautor Tony Kushner, der ein ausgewiesener Anti-Zionist sei, weil er die Gründung Israels als Fehler bezeichnet hat.[8] Die antizionistische Ausrichtung des Films wird laut Kritikern wie etwa Krauthammer auch darin deutlich, dass Avner und seine Familie Israel am Ende verlassen und in die USA übersiedeln, "an den einzigen Ort", wie Krauthammer ironisch bemerkt, "an dem echte Juden mit Anstand und Feingefühl eine Heimat finden".

[Bearbeiten] Moralische Äquivalenz

Andere Kritiker wiederum meinen nicht, dass der Film einseitig sei, sondern sein Fehler liege gerade in der peinlich genauen Austariertheit. Ali werde die Möglichkeit gegeben, die palästinensische Seite darzustellen, dann gleichfalls der Mutter Avners, die israelische Seite zu verteidigen. Dies setze sich in langweiligen, unendlichen Szenen fort.[3][9] In dem Versuch neutral zu sein, sei der Film gleichmacherisch. Der Film unterscheide nicht zwischen Terrorismus und Terrorbekämpfung. Die unbeabsichtigte Tötung Unschuldiger von israelischer Seite würde mit der absichtlichen Tötung der Terroristen auf eine Stufe gestellt. Gestützt werde so eine Lesart durch die Aussage eines der israelischen Agenten, der meint: "Wenn wir lernen, wie sie zu handeln, werden wir sie besiegen!" Jeffrey Gedmin meinte in der Welt, was der Spiegel an dem Film als tiefgründig ansehe, nämlich dass er zeigt, dass Terroristen "auch nur Menschen sind", halte er für dumm, weil die Aussage als simple Binsenwahrheit keinen Erkenntnisgewinn bringe.[7]

Spielberg, so einige Kritiker wie etwa David Brooks von The New York Times, verbreite die vereinfachende These, Gewalt verursache Gegengewalt, ohne zu berücksichtigen, dass ein Staat seine Bürger schützen müsse, und in der Welt zitieren Maxeiner und Miersch Daniel Pearl mit der Aussage, dass es eine zivilisatorische Notwendigkeit sei, Täter zu bestrafen.[10] Die Verfolgung der Hintermänner des Massakers von München sei legitim, moralgeleitet und zugleich notwendig, um Verbrecher nicht davonkommen zu lassen sowie potentielle Verbrecher abzuschrecken. Dies werde im Film nicht berücksichtigt.

Ein weiterer Kritikpunkt in Bezug auf die These von "Gewalt produziert Gegengewalt" ist die Schlusseinstellung des Films, die die noch stehenden Türme des World Trade Centers zeigt, und damit suggeriere, die israelischen Attentate seien für den terroristischen Angriff auf den Westen und die USA verantwortlich (Richard Just: Two problems with Munich, The New Republic 24. Dezember 2005). Es sei naiv und nachweislich falsch zu glauben, dass, wie von Spielberg behauptet, Terrorismus auf tatsächlich erfahrener Ungerechtigkeit basiere und nicht auf einer fehlgeleiteten Ideologie. Dem entgegnen jedoch Befürworter des Filmes, dass Attentate, welchen Hintergrund sie auch immer haben, nichts anderes seien als Morde, die die israelische Killertruppe ausführt und als diese würden sie auch hingestellt.

[Bearbeiten] Rassismus

Der Film sieht sich aber auch der gegenteiligen Kritik ausgesetzt. Uri Avnery wirft Spielberg vor, er würde nur die Israelis als (gute) Menschen mit Gewissensbissen darstellen, während die Araber zu Gewissensbissen nicht fähig seien. Der Rechtfertigungsmonolog des Arabers sei nur ein Alibi, um so etwas wie Neutralität vorzuheucheln.

[Bearbeiten] Unvollständigkeit

Auch wird kritisiert, dass Spielberg die Ermordung eines unschuldigen Arabers in der so genannten Lillehammer-Affäre nicht erwähnt.[11]

[Bearbeiten] Spielbergs Reaktion auf die Kritik

In Newsweek meinte Spielberg: „So viele in meiner eigenen Gemeinschaft, der jüdischen Gemeinschaft, sind sehr böse, dass ich den Palästinensern erlaubt habe, einen Dialog zu führen und dass ich es Tony Kushner erlaubt habe, Autor dieses Dialoges zu sein.“

München beziehe keine Stellung, sondern stelle einfach jede Menge Fragen. Der Film beziehe absichtlich keine definitive Stellung zu gezielten Tötungen. Er sei sogar der Ansicht, es sei berechtigt gewesen, auf den Terror von München zu antworten, weshalb er durch den Film hindurch Rückblenden des Massakers gezeigt habe. Er habe vor allem eine intellektuelle Diskussion anstoßen wollen und es sei ihm klar gewesen, mit dem Film Freunde zu verlieren; er habe seine Entscheidung mit seiner Familie und seinem Rabbi abgesprochen. Seiner Meinung nach fordere Terrorismus eine scharfe Antwort, aber man müsse auch den Ursachen Aufmerksamkeit schenken. Der Film sei ein Gebet für den Frieden, es müsse mehr gesprochen werden als andauernd gegenseitig zu vergelten.

In einem Interview mit Roger Ebert sagte er, dass er fest daran glaube, den Frieden zwischen beiden Völkern noch erleben zu können. „Der größte Feind sind nicht die Palästinenser oder die Israelis“, erklärte Spielberg im US-Magazin „Time“. „Der größte Feind ist die Unnachgiebigkeit.“

[Bearbeiten] Nominierungen für Filmpreise

[Bearbeiten] Golden Globe 2006

Nominiert in den Kategorien

[Bearbeiten] Oscar 2006

Nominiert in den Kategorien:

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Debbie Schlussel: AIPAC's Silence on "Munich". In: FrontPageMagazine.com. 29.12.2005
  2. Walter Reich: Something's Missing In Spielberg's 'Munich'. In: The Washington Post. 1.1.2006
  3. a b c Leon Wieseltier: Hits. In: The New Republic. 12.09.2005
  4. a b Stephen Howe: 'Munich': Spielberg's failure In: OpenDemocracy. 26.01.2006
  5. Yossi Melman, Steven Hartov: Spielbergs trübe Quellen. In: FAZ.net. 06.01.2006
  6. Theo Sommer: Blut um Blut. In: ZEIT online. 19.01.2006
  7. a b Jeffrey Gedmin: Als Statement lächerlich. In: WELT ONLINE. 01.02.2006
  8. Ori Nir: The freedom to dissent. In: Haaretz.com. 07.04.2006
  9. Stanley Kauffmann: Spielberg's List. In: The New Republic. 16.01.2006
  10. Dirk Maxeiner, Michael Miersch: Verständnis für alles und jeden. In: DIE WELT. 06.01.2006
  11. Sven Boedecker: Gute Mörder, schlechte Mörder. In: SonntagsZeitung.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Artikel und Pressestimmen

[Bearbeiten] Kritiken und Filmbesprechungen

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