Münsterhof (Zürich)

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Fraumünster, Münsterhof und Zunfthaus zur Meisen, Ansicht vom Grossmünster
Das Kampfgeschehen im Verlauf der Mordnacht von Zürich, Glasmalerei aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, Landesmuseum Zürich
Der Münsterplatz auf den Altarbildern von Hans Leu dem Älteren, Ende 15. Jahrhundert
Ansicht von der Münsterbrücke, links die Marktstände beim Fraumünster, Aquarell von 1833

Der Münsterhof ist ein öffentlicher Platz im Lindenhof Quartier in der Altstadt von Zürich.

Lage[Bearbeiten]

Halbpanorama: Die Nordseite vom Zunfthaus zur Waag bis zum Zunfthaus zur Meisen im Osten

Im Süden grenzt der Platz ans namensgebende Fraumünster. Von der Limmat wird der Platz durchs Zunfthaus zur Meisen getrennt. Vom Platz weg führen die Münsterbrücke aufs rechte Limmatufer, das Stadthausquai und die Fraumünsterstrasse nach Süden, die Storchengasse nach Norden sowie die Poststrasse, die Waag- und Storchengasse zum Paradeplatz. Der Münsterhof ist die grösste freistehende öffentliche Fläche der linksufrigen Altstadt und hat eine annähernd fünfeckige Form, die bis auf die Zufahrtswege vollständig mit Häusergruppen umbaut ist.

Noch bis ins Frühmittelalter war das südlich des Lindenhofs liegende Gelände eine sumpfige, von einem hier in die Limmat mündenden Sihlarm überflutete Mulde, sodass eine erste Besiedlung des Geländes vermutlich zu Beginn des 9. Jahrhunderts erfolgte.[1] Erste Bauten während der gallo-römischen Besiedlungsphase zwischen dem 1. und 4.  Jahrhundert sind zwar nicht ausgeschlossen, die archäologischen und geologischen Befunde deuten aber auf den Lindenhof als Zentrum der keltischen Siedlung Lindenhof und des römischen Vicus Turicum.

Geschichte[Bearbeiten]

Mit der Aufschüttung von Geschiebe aus dem Sihlarm entstanden mit dem Bau des Fraumünsters (873) erste Holzbauten,[2] wobei das Gelände auch als einer der drei neu geschaffenen Friedhöfe im hochmittelalterlichen Zürich diente, nachdem die Verstorbenen nicht mehr im Friedhof der gallo-römischen Siedlung Turicum bestattet wurden.

Zu Beginn des 12. Jahrhunderts entstanden erste Bürgerbauten aus Stein, vermutlich mehrheitlich mit Material aus dem spätantiken Kastell Zürich und dessen Nachfolgebauten auf dem nahen Hügel des Lindenhofs. In der Nacht vom 23. auf den 24. Februar 1350 wurden auf dem Münsterhof die erbittert geführten Strassenkämpfe zwischen den Parteien der Mordnacht von Zürich geführt.

Nachweislich ab 1504 bis vermutlich zu Beginn der Reformation fanden hier die Passionsspiele zu Ehren der Stadtheiligen Exuperantius, Felix und Regula statt. Bis 1667 diente der Platz als Schweinemarkt. 1676 wurde der Platz gepflästert, sodass er im Wesentlichen sein heutiges Erscheinungsbild erhielt. In den Jahren 1627 bis 1835 standen entlang der nördlichen Mauer des Fraumünsters die Verkaufsstände von Krämern, welche der Aufsicht der Zunft zum Kämbel unterstanden. Ein öffentlicher Brunnen zierte von 1766 bis 1811 den Platz. 1938 erhielt der Münsterhof seine heutige Form, indem er auf südwestlicher Seite in Richtung Poststrasse umgestaltet wurde.[2]

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Mit der zunehmenden Nutzung als Parkplatz wurde der Münsterplatz seiner einstigen Funktion als Marktplatz und öffentlicher Raum für Veranstaltungen weitgehend beraubt. Inzwischen geht die Stadt Zürich eine Umnutzung – wie vom Stimmvolk im Jahr 2003 entschieden – an: „Ab 2014 soll der Zürcher Münsterhof frei von parkierten Autos sein und die neue Gestaltung seiner städtebaulichen und historischen Bedeutung entsprechen“.[3] Dem Volksentscheid entsprechend wurde der Parkplatz zwar noch nicht aufgehoben, seit 2010 finden aber wieder vermehrt Grossveranstaltungen auf dem öffentlichen Platz statt, darunter ein Kulturfest anlässlich des Besuchs des Dalai Lamas im Jahr 2010, das Jubiläum von Schutz und Rettung Zürich und das Fraumünster Mittelalter Spectaculum unter dem Patronat der Gesellschaft zu Fraumünster als wiederkehrende Veranstaltung.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wichtigste Sehenswürdigkeit ist das Fraumünster mit seiner Innenausstattung und seinem Kreuzgang beim angrenzenden Stadthaus, die Fayence-Ausstellung im Zunfthaus zur Meisen und die zahlreichen mittelalterlichen Bauten im Umfeld des Münsterhofs. Erwähnenswert sind auch Gastgewerbebetriebe der höheren Preisklasse, wie das Zunfthaus zur Waag und das Zunfthaus zur Meisen.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Münsterhof ist einer der wenigen öffentlichen Plätze in Zürich, der nicht durch die Verkehrsbetriebe Zürich erschlossen ist. Die Tramlinie zwischen Paradeplatz und Helmhaus über Münsterhof und Münsterbrücke wurde im Mai 1901 durch die neu eröffnete Linie über die Quaibrücke ersetzt. In unmittelbarer Nachbarschaft liegen aber die Haltestellen der Tramlinien 4 und 15 bei Helmhaus-Wasserkirche und der Paradeplatz mit Zugang zu sieben Tramlinien.

Neugestaltung[Bearbeiten]

Mit dem öffentlichen Gestaltungsplan «Sechseläutenplatz – Theaterplatz (Opernhaus-Parking), Zürich-Altstadt» wurde die Aufhebung des Parkplatzes am Münsterhof im Zusammenhang mit dem 2012 fertiggestellten Parkhaus Opéra beschlossen. Die damit verbundende Neugestaltung des Platzes erarbeiteten das Tiefbauamt und die beauftragten Planer gemeinsam mit Vertretern der Anrainer und des Gewerbes. Die Neugestaltung soll die historisch gewachsene Geometrie des Platzes und die Altstadtatmosphäre betonen und wieder ein repräsentativer und belebter Stadtplatz mit einem flexiblen Nutzungskonzept angestrebt werden. Die Alltagsnutzung steht dabei im Zentrum, sodass der Zubringerdienst zu den Gewerbetrieben erhalten bleibt. Die durchgängige Kopfsteinpflästerung wird ohne Abstufungen und Trottoirs umgestaltet, ein Brunnen und eine Baumgruppe ergänzt. Der Münsterhof soll ganzjährlich mit „eher ruhigen, qualitativ hochstehenden Veranstaltungen bespielt werden, die zum historischen Ensemble passen“ und der Münsterhof als Kulturplatz positioniert werden. Insgesamt sollen 100 Nutzungstage für Veranstaltungen nicht überschreiten werden.[3]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Münsterhof (Zürich) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Anita Siegfried: Die Eisenzeit. In: Geschichte des Kantons Zürich, Band 1, Frühzeit bis Spätmittelalter, Werd-Verlag, Zürich 1995, ISBN 978-3-85932-444-2.
  2. a b Website Gang-dur-Alt-Züri: Der Münsterhof, abgerufen am 20. März 2013.
  3. a b Website Stadt Zürich, Tiefbau- und Entsorgungsdepartement: Sechseläutenplatz – Theaterplatz (Opernhaus-Parking), Zürich-Altstadt: Der neue Münsterhof, abgerufen am 20. März 2013.

47.378.5411111111111Koordinaten: 47° 22′ 12″ N, 8° 32′ 28″ O; CH1903: 683270 / 247158