Bahnstrecke Bad Krozingen–Münstertal

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Bad Krozingen–Münstertal/Sulzburg
Strecke der Bahnstrecke Bad Krozingen–Münstertal
Kursbuchstrecke (DB): 725
Streckennummer (DB): 9433 (Bad Krozingen–Sulzburg)
9434 (Staufen–Münstertal)
Streckenlänge: 11,0 km
stillgelegt: 5,6 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: 15 kV 16,7 Hz ~
Strecke – geradeaus
Rheintalbahn von Basel
Bahnhof, Station
0,0 0,0 Bad Krozingen
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
Rheintalbahn nach Mannheim
Haltepunkt, Haltestelle
1,3 0,0 Bad Krozingen Ost
Haltepunkt, Haltestelle
2,2 0,0 Oberkrozingen
Bahnhof, Station
5,2 0,0 Staufen 284 m
Brücke über Wasserlauf (mittel)
Neumagen
BSicon eBS2+l.svgBSicon BS2+r.svg
5,4 0,2
BSicon exHST.svgBSicon STR.svg
7,0 0,0 Grunern
BSicon exHST.svgBSicon STR.svg
9,2 0,0 Ballrechten-Dottingen
BSicon exKBHFe.svgBSicon STR.svg
11,0 0,0 Sulzburg 325 m
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1,0 Staufen Süd
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3,0 Etzenbach
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4,4 Dietzelbach
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5,0 Hof (Münstertal)
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5,8 Münstertal (Schwarzwald)

Die Bahnstrecke Bad Krozingen–Münstertal (Münstertalbahn) ist eine eingleisige, elektrifizierte Nebenbahn von Bad Krozingen nach Münstertal (Schwarzwald). In Bad Krozingen ist die Strecke an die Rheintalbahn angebunden. Eigentümer und Betreiber der Münstertalbahn ist die Südwestdeutsche Verkehrs-Aktiengesellschaft (SWEG). Die Betriebseinrichtungen befinden sich im Bahnhof von Staufen. Der Personenverkehr auf dem ehemalige Streckenast nach Sulzburg wurde 1969 eingestellt.

Streckenverlauf[Bearbeiten]

Bahnbrücke des Neumagen

Die Trasse verläuft größtenteils durch Felder, Wiesen und Waldgebiete. Der Strecke beginnt in Bad Krozingen und führt über Oberkrozingen bis nach Staufen. Dort verzweigte sich die Nebenbahn in zwei Äste. Der – zuerst erbaute und heute stillgelegte – Südast führte über Grunern und Ballrechten-Dottingen nach Sulzburg. Der Nordast führt über Etzenbach und Dietzelbach nach Münstertal. Die Strecke – einschließlich des stillgelegten Abschnitts – befindet sich vollständig im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald.

Geschichte[Bearbeiten]

Bau der Stichstrecke und erste Betriebsjahe[Bearbeiten]

Weder die angedachten Routen der Rheintalbahn (orange), noch die tatsächliche mit der Anbindung Freiburgs (rot) führten an Sulzburg und Staufen vorbei.
Haltepunkt Etzenbach

Sowohl Staufen als auch Sulzburg hatten sich um einen Anschluss an die Rheintalbahn bemüht. Da die Strecke jedoch abseits beider Städte vorbeiführte, gerieten diese wirtschaftlich zunehmend ins Abseits. Aus diesem Grund bemühten sich Staufen und Sulzburg zunächst unabhängig voneinander um den Bau einer jeweiligen Stichbahn. Letztendlich wurde beschlossen, eine Nebenbahn zu errichten, die in Bad Krozingen von der Rheintalbahn abzweigen und über Staufen bis nach Sulzburg führen sollte.[1]

Der erste Abschnitt von Bad Krozingen über Staufen nach Sulzburg wurde vom Berliner Unternehmen Vering & Waechter gebaut und am 22. Dezember 1894 eingeweiht. Im Februar 1895 wurde die Strecke in die Liste jener aufgenommen, in denen das Internationale Übereinkommen über den Eisenbahn-Frachtverkehr Anwendung findet.[2] Später ging die Strecke in das Eigentum der Deutschen Eisenbahn-Betriebsgesellschaft (DEBG) über, unter deren Regie 1916 die Verbindung von Staufen nach Münstertal eröffnet wurde. 1963 wurde die Strecke von der Südwestdeutschen Verkehrs-Aktiengesellschaft (SWEG) übernommen.

Stilllegung des Sulzburger Streckenastes[Bearbeiten]

Gleise der stillgelegten Strecke bei Grunern mit Bahnhofsgaststätte

Am 27. September 1969 wurde der Personenverkehr auf dem Ast nach Sulzburg eingestellt und durch eine Buslinie ersetzt; der Güterverkehr zwischen Grunern und Sulzburg endete am 15. März 1973; danach wurde der Abschnitt ab Mitte der siebziger Jahre abgebaut. Nach Insolvenz des zuletzt in Grunern angeschlossenen Industriebetriebs wurde 1996 auch der Betrieb auf dem Reststück eingestellt. Heute ist die Trasse nach Sulzburg teilweise überbaut.

Zum 30. September 2002 wurde die Güterverkehrsstelle Staufen geschlossen. Die Weiche der letzten vorhandenen Ausweichanschlussstelle eines Industriebetriebs wurde zwei Jahre später demontiert.

Elektrifizierung und Modernisierung[Bearbeiten]

Die Kooperationsvereinbarung zwischen RVG und NVBW vom 11. März 2009 beinhaltet die Elektrifizierung des S-Bahn-Netzes im Freiburger Raum bis zum Jahr 2018.Vorlage:Zukunft/In 4 Jahren Dabei wurde auch die Strecke Bad Krozingen–Münstertal während einer Vollsperrung zwischen dem 29. Mai 2012 und dem 9. Juni 2013 elektrifiziert.[3]

Am 29. Mai 2012 wurde der Betrieb vorübergehend eingestellt, um den Oberbau der Strecke zu erneuern.[4] Nachdem am 23. Juli 2012 das Regierungspräsidium die Elektrifizierung der Bahnlinie freigegeben hatte, konnte zudem mit der Elektrifizierung für geplante 14 Millionen Euro begonnen werden.[5] Anfang 2013 wurde bekannt, dass die elektrischen Triebwagen nicht mit 80 km/h, sondern mit 60 km/h fahren können, da die Landeszuschüsse zum Ausbau der Bahnübergänge nicht genehmigt worden waren.[6] Mitte Februar 2013 wurden die Mittel trotz eines generellen Bewilligungsstopps im Verkehrsministerium freigegeben.[7]

Das elektrische Stellwerk in Staufen wurde im August 2013 in Betrieb genommen. Am 21. September 2013 nahm der Landesverkehrsminister Winfried Hermann offiziell den elektrifizierte Betrieb auf, nachdem die Oberleitung am 15. Juli 2013 unter Spannung (15.000 Volt) gesetzt wurde.[8]

Betrieb[Bearbeiten]

Die Strecke liegt komplett im Tarifbereich des Regio-Verkehrsverbund Freiburg (RVF).

Zuggattung Strecke Takt
SWEG Bad Krozingen – Oberkrozingen – Staufen 60-Minuten-Takt
SWEG Bad Krozingen – Staufen – Etzelbach – Münstertal (Schwarzwald) 60-Minuten-Takt
SWEG Freiburg im Breisgau – Schallstadt – Bad Krozingen – Staufen – Münstertal (Schwarzwald) 3 Zugpaare

Zwischen Bad Krozingen und Staufen besteht ein Halbstundentakt, im weiteren Verlauf bis Münstertal ein Stundentakt mit einzelnen Verdichtungen in der Hauptverkehrszeit. Einzelne Kurse fahren im Auftrag der Deutschen Bahn AG über Norsingen, Schallstadt und Ebringen bis Freiburg weiter und wechseln in Bad Krozingen die Fahrtrichtung.

Fahrzeuge[Bearbeiten]

Die Münstertalbahn im Endbahnhof Münstertal (Schwarzwald)
Bombardier Talent 2 der SWEG im Bahnhof Staufen

Ab Anfang der achtziger Jahre wurden auf der Münstertalbahn Dieseltriebwagen der Baureihe NE 81 eingesetzt, die in den neunziger Jahren von RegioShuttles ersetzt wurden.

Die 11,0 Kilometer lange Strecke wurde bis 2012 von drei Dieseltriebwagen dieses Typs befahren. Da sich die Lieferung der zwei neue elektrische Fahrzeuge des Typs Bombardier Talent 2 (ET 150 und 151)[9] verzögerte, wurden von Juni bis September leihweise Regio Shuttle der Ostdeutschen Eisenbahn-Gesellschaft (ODEG) eingesetzt.

Die zwei Fahrzeuge trafen Anfang Juli 2013 im SWEG-Betriebshof in Endingen ein. Erste Test- und Schulungsfahrten der neuen Triebwagen sollten ursprünglich im April 2013 beginnen, verzögerten sich jedoch auf Grund des Zulassungsprozesses und der Finanzierungszusagen des Landes Baden-Württemberg auf Ende Juli. Am 9. September 2013 erfolgte schließlich der erste Einsatz der Talent 2 im Fahrgastbetrieb.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerd Wolff, Hans-Dieter Menges: Deutsche Klein- und Privatbahnen. Band 2 - Baden. Eisenbahn-Kurier-Verlag, Freiburg 1992, ISBN 3-88255-653-6, S. 364–374
  •  Peter-Michael Mihailescu, Matthias Michalke: Vergessene Bahnen in Baden-Württemberg. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-8062-0413-6, S. 98–101.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Münstertalbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vergessene-bahnen.de: Staufen - Sulzburg, abgerufen am 25. November 2012
  2.  Gesicherte Zukunft Nach Münstertal (Schwarzwald) soll die Breisgau-S-Bahn ab Ende 2012 elektrisch fahren.. In: Regionalverkehr. Nr. 4, 2011, ISSN 1615–7281, S. 50.
  3. Südwestdeutsche Verkehrs-Aktiengesellschaft: Schienenersatzverkehr auf der Münstertalbahn, 14. Mai 2012, abgerufen am 30. März 2013
  4. Elektrifizierung Münstertalbahn, sweg.de, abgerufen am 30. März 2013
  5. Rainer Ruther: Münstertal: Fehlstart für Elektrozug, Badische Zeitung, 1. Februar 2013, abgerufen am 30. März 2013
  6. Rainer Ruther: Kreis Breisgau-Hochschwarzwald: Ausbau der Bahnübergänge der Münstertalbahn: Das Land lenkt doch ein, Badische Zeitung, 19. Februar 2013, abgerufen am 30. März 2013
  7. Staufen: Fotos: Eröffnung der elektrifizierten Münstertalbahn - Fotogalerien - badische-zeitung.de. Abgerufen am 22. September 2013.
  8. Rainer Ruther: Kühler und ruhiger in die Zukunft, Badische Zeitung, 26. Juli 2013, abgerufen am 26. Juli 2013