Münzenberg

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Münzenberg (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Münzenberg
Münzenberg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Münzenberg hervorgehoben
50.4533333333338.7761111111111205Koordinaten: 50° 27′ N, 8° 47′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Wetteraukreis
Höhe: 205 m ü. NHN
Fläche: 31,63 km²
Einwohner: 5490 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 174 Einwohner je km²
Postleitzahl: 35516
Vorwahlen: 06033, 06004
Kfz-Kennzeichen: FB, BÜD
Gemeindeschlüssel: 06 4 40 015
Stadtgliederung: 4 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstr. 22
35516 Münzenberg
Webpräsenz: www.muenzenberg.de
Bürgermeister: Hans Jürgen Zeiß (CDU)
Lage der Stadt Münzenberg im Wetteraukreis
Butzbach Münzenberg Rockenberg Ober-Mörlen Bad Nauheim Friedberg (Hessen) Rosbach v.d. Höhe Wöllstadt Karben Bad Vilbel Wölfersheim Reichelsheim (Wetterau) Niddatal Florstadt Echzell Reichelsheim (Wetterau) Nidda Hirzenhain Gedern Ranstadt Glauburg Altenstadt (Hessen) Limeshain Ortenberg (Hessen) Kefenrod Büdingen Lahn-Dill-Kreis Landkreis Gießen Vogelsbergkreis Hochtaunuskreis Frankfurt am Main Main-Kinzig-KreisKarte
Über dieses Bild
Ortsansicht von Münzenberg

Münzenberg ist eine Stadt im Wetteraukreis in Hessen.

Geografie[Bearbeiten]

Münzenberg liegt am Nordrand der Wetterau auf einer Höhe von 202 m ü. NN, 7,5 km nordöstlich von Butzbach, und wird von dem Fluss Wetter durchflossen. Münzenberg besteht aus den Stadtteilen Gambach, Münzenberg, Ober-Hörgern und Trais.

Münzenberg grenzt im Norden an die Stadt Pohlheim, im Osten an die Städte Lich und Hungen (alle drei im Landkreis Gießen), im Südosten an die Gemeinde Wölfersheim, im Süden an die Gemeinde Rockenberg und im Westen an die Stadt Butzbach (alle drei im Wetteraukreis).

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Das Dorf Münzenberg entstand als Siedlung um die Burg Münzenberg, die in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts für Kuno I. von Hagen-Arnsburg, der sich spätestens seit 1156 nach der Burg Kuno I. von Münzenberg nannte, erbaut wurde. 1245 wurden der Siedlung Stadtrechte verliehen.

Münzenberg gehörte 1255 als Allod zur Münzenberger Erbschaft, dem Nachlass Ulrichs II. von Münzenberg. Die Münzenberger Erbschaft wurde zwischen sechs seiner Schwestern geteilt, aber als Kondominat gemeinsam weiter verwaltet. So erhielten zunächst je einen Anteil:

Die Rechte an den Anteilen – und damit die Herrschaftsrechte über Münzenberg – wurden weiter vererbt und zum Teil auch verkauft, so dass sich immer wieder unterschiedliche Eigentümergemeinschaften bildeten. Die einzelnen Eigentümer integrierten ihren jeweiligen Anteil in Verwaltungsstrukturen der jeweils eigenen Herrschaft, in der Herrschaft und späteren Grafschaft Hanau war der Anteil z. B. dem dortigen Amt Münzenberg zugeordnet, in der Grafschaft Stolberg-Roßla dem dortigen Amt Ortenberg. Die Zuordnung der Anteile zu einzelnen Eigentümern entwickelte sich folgendermaßen:

Zeitraum Herren Bemerkungen
1255–1256 Adelheid 1/6
∞ Reinhard I. von Hanau
Isengard 1/6
∞ Philipp I. von Falkenstein
Mechthild 1/6
∞ Engelhard von Weinsberg
Irmengard 1/6
∞ Konrad von Weinsberg
Agnes 1/6
∞ Konrad von Schöneberg
Hedwig 1/6
∞ Heinrich von Pappenheim
Aufteilung des Erbes auf sechs verheiratete Töchter
1256–1272 Herrschaft Hanau 1/6 Falkenstein 3/6 Schöneberg 1/6 Pappenheim 1/6 Falkenstein erwarb 1256 die beiden Weinsberger Anteile.
1272–1286 Herrschaft Hanau 1/6 Falkenstein 4/6 Pappenheim 1/6 Falkenstein erwarb 1272 den Schöneberger Anteil.
1286–1418 Herrschaft Hanau 1/6 Falkenstein 5/6 Falkenstein erwarb 1286 den Pappenheimer Anteil.
1418–1420 Herrschaft Hanau 8/48 Eppstein 20/48 1418–1420 Solms-Braunfels (ungeteilt) 20/48 1418 erloschen die Falkensteiner. Ihr Anteil fiel zu gleichen Teilen an Solms und Eppstein.
1420–1433 Herrschaft und Grafschaft Hanau 8/48 Eppstein 20/48 Solms-Braunfels (neuer Zweig)15/48 Solms-Lich 5/48 Der Solmser Anteil wurde bei der Teilung des Hauses Solms 1420 im Verhältnis 3:1 zwischen den neuen Linien Braunfels und Lich geteilt.
1433–1458 Grafschaft Hanau 8/48 1433–1507 Eppstein-Münzenberg und Eppstein-Königstein 20/48 Solms-Braunfels 15/48 Solms-Lich 5/48 Das Haus Eppstein teilte sich in zwei Linien.
1458–1507 Grafschaft Hanau-Münzenberg 8/48 1433–1507 Eppstein-Münzenberg und Eppstein-Königstein 20/48 Solms-Braunfels 15/48 Solms-Lich 5/48 Das Haus Hanau teilte sich 1458 in zwei Linien. Die Münzenberger Anteile kommen an Hanau-Münzenberg. Die andere Linie ist Hanau-Babenhausen, später -Lichtenberg
1507–1535 Grafschaft Hanau-Münzenberg 8/48 1507–1535 Eppstein-Königstein 20/48 Solms-Braunfels 15/48 Solms-Lich 5/48 1507 trat der letzte männliche Vertreter des Zweiges von Eppstein-Münzenberg (erloschen 1522) seine Rechte gegen eine Pension an den Zweig von Eppstein-Königstein (erloschen 1535) ab.
1535–1548 Grafschaft Hanau-Münzenberg 8/48 1535–1581 Stolberg-Königstein 20/48 Solms-Braunfels

15/48

bis 1548 Solms-Lich 5/48 Erbe war der Sohn der Schwester des letzten Grafen von Königstein aus dem Hause Eppstein. Die Eppsteiner Anteile kamen an das Haus Stolberg, aus dem zwei Brüder die kurzlebige Linie Stolberg-Königstein 1535–1581 bildeten.
1548–1581 Grafschaft Hanau-Münzenberg 8/48 1535–1581 Stolberg-Königstein 20/48 Solms-Braunfels 15/48 ab 1548 Solms-Laubach 5/48 Die Solmser Linie Lich teilte sich 1548, es entsteht die Linie Laubach
1581–1642 Grafschaft Hanau-Münzenberg8/48 Mainz 10/48 1581–1677 Stolberg-Wernigerode 10/48 bis 1602 Solms-Braunfels, ab 1602 Solms-Greifenstein 15/48 Solms-Laubach 5/48 1581 Mit dem Erlöschen der Linie Stolberg-Königstein besetzte Kurmainz Königstein. Vom Eppsteiner Anteil blieb dem Hause Stolberg nur die Hälfte, die andere hatte Kurmainz als erledigtes Reichslehen kassiert. Vergleich 1590. 1602 teilte sich die Linie Solms-Braunfels in drei Zweige.
1642–1677 Grafschaft Hanau-Lichtenberg8/48 Mainz 10/48 1581–1677 Stolberg-Wernigerode10/48 bis 1602 Solms-Braunfels, ab 1602 Solms-Greifenstein 15/48 Solms-Laubach 5/48 1642 erlischt Hanau-Münzenberg und fällt an Hanau-Lichtenberg. Nur kurzfristig wieder selbständig, fällt kurz darauf wieder an den Bruder.
1677–1684 Grafschaft Hanau-Lichtenberg8/48 Mainz 10/48 1677–1684 Stolberg-Gedern 10/48 Solms-Greifenstein 15/48 Solms-Laubach 5/48 Die Linie zu Gedern spaltete sich erst 1677 von Stolberg-Wernigerode ab.
1684–1736 Grafschaft Hanau-Lichtenberg 18/48 Stolberg-Gedern 10/48 Solms-Greifenstein 15/48
ab 1693 Solms-Braunfels
Solms-Laubach 5/48 1684 trat Mainz seinen Anteil im Rahmen eines Gebietstausches an Hanau ab. 1693 stirbt Solms-Braunfels aus, Solms-Greifenstein übernimmt.
ab 1736 Landgrafschaft Hessen-Kassel 18/48 Stolberg-Gedern 10/48 Solms-Braunfels 15/48 Solms-Laubach 5/48 1736 erbte die Landgrafschaft Hessen-Kassel die Grafschaft Hanau-Münzenberg von Hanau-Lichtenberg, siehe hier. Die Grafschaft Hanau-Lichtenberg fällt an Hessen-Darmstadt.

Bereits ab 1183 werden Kleriker im Ort erwähnt, aber erst 1376 trennt sich die Ortsgemeinde von der Mutterkirche in Trais und wird eine eigenständige Pfarrei. Das Patronat der Kirche liegt anteilig bei der Ganerbschaft, den Rechtsnachfolgern der Münzenberger Erbschaft. Die Gemeinde gehörte zur Diözese Mainz. Kirchliche Mittelbehörde war das Archidiakonat von St. Maria ad Gradus in Mainz, Dekanat Friedberg.

Verschiedene Klöster unterhielten in Münzenberg Wirtschaftshöfe, so das Kloster Arnsburg, das Dominikanerkloster in Frankfurt und das Antoniterkloster in Grünberg.

Neuzeit[Bearbeiten]

Die Anteilseigener an dem Kondominat, zu dem auch Münzenberg gehörte, waren überwiegend Mitglieder des Wetterauer Grafenvereins oder standen ihm nahe. Deshalb setzte sich hier auch in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Reformation durch, letztendlich in ihrer reformierten Ausprägung.

Mit der Auflösung der alten Territorialstrukturen in napoleonischer Zeit wurde Münzenberg dem Großherzogtum Hessen zugeschlagen. Allerdings handelte es sich bis zur Verwaltungsreform von 1821 weiter um teilweise standesherrliches Gebiet, das zu 18/48 dem großherzoglichen Amt Butzbach, zu 15/48 dem standesherrlich-Solms-Braunfelsischen Amt Hungen, zu 10/48 dem standesherrlich-Stolberg-Ortenberg Amt Ortenberg und zu 5/48 dem standesherrlich-Solms-Laubachischen Amt Utphe zugehörte. 1821 wurde dann der Landratsbezirk Butzbach gebildet, dem der großherzogliche und der Stolbergische Anteil angehörten, während der Landratsbezirk Hungen für den Solmsschen Anteil zuständig war. Dies alles wurde 1841 im Kreis Hungen zusammengefasst. Während der Revolution von 1848 gehörte Münzenberg dem Regierungsbezirk Friedberg, ab 1852 dem Landkreis Friedberg an, der 1972 im Wetteraukreis aufging. 1957 wurde Münzenberg erneut Stadt.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde am 1. Oktober 1971 die Stadt Münzenberg in die Gemeinde Gambach eingemeindet; die Gemeinde Gambach erhielt den Namen Münzenberg und das Recht, die der Gemeinde Münzenberg zustehende Bezeichnung „Stadt“ weiterzuführen. Am 31. Dezember 1971 wurden die Gemeinden Trais-Münzenberg und Ober-Hörgern (Landkreis Gießen) in die neue Stadt Münzenberg eingegliedert.[2]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1939 1961 1970 2002 2007 2011 2012
Einwohner 930 1245 1218 5646 5648 5611 5584

Politik[Bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis[3]:

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
Kommunalwahl 2011
 %
50
40
30
20
10
0
48,5 %
40,9 %
10,6 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+5,9 %p
-5,7 %p
-0,1 %p
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 48,5 12 42,6 10 40,5 12
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 40,9 10 46,6 12 41,9 13
FWG Freie Wählergemeinschaft Münzenberg 10,6 3 10,7 3 11,7 4
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 5,4 2
FDP Freie Demokratische Partei 0,5
Gesamt 100 25 100 25 100 31
Wahlbeteiligung in Prozent 66,4 59,5 61,7

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Münzenberg unterhält eine Partnerschaft mit Ronneburg in Thüringen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Burg Münzenberg in einem Kupferstich von Matthäus Merian

Verkehr[Bearbeiten]

Straße[Bearbeiten]

Münzenberg wird durch die Bundesstraße 488 und den Autobahnanschluss Münzenberg an der Bundesautobahn 45 erschlossen. Am benachbarten Gambacher Kreuz treffen sich die Bundesautobahn 5 (Hattenbacher Dreieck–Weil am Rhein) und die A 45 (DortmundAschaffenburg).

Eisenbahn[Bearbeiten]

Empfangsgebäude des Bahnhofs

Der Bahnhof Münzenberg liegt an der Stammstrecke ButzbachLich der Butzbach-Licher Eisenbahn (BLE). Er ging gemeinsam mit der Strecke am 28. März 1904 in Betrieb. Am 27. Mai 1961 wurde hier Personenverkehr aufgegeben. Der Güterverkehr wurde zum 26. September 1985 zwischen Münzenberg und Trais-Münzenberg eingestellt.

Heute ist der Münzenberger Bahnhof Endpunkt der Züge der Museumseisenbahn der Eisenbahnfreunde Wetterau e. V. (EfW). Die Züge befahren die Strecke über Griedel und Rockenberg nach Bad Nauheim Nord. Im Güterverkehr wird hier Holz verladen, das über den Bahnhof Butzbach Ost auf die Main-Weser-Bahn gefahren wird. Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Münzenberg ist heute ein Kulturdenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz.

Busverkehr[Bearbeiten]

Münzenberg gehört zum Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). Im Ort halten die Busse der VGO-Linien FB-52 und FB-57 (bis Ende 2013 FB-200 und FB-210), die Münzenberg mit Butzbach, Lich und Beienheim verbinden.

In Münzenberg geboren[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard Kleinfeldt, Hans Weirich: Die mittelalterliche Kirchenorganisation im oberhessisch-nassauischen Raum = Schriften des Instituts für geschichtliche Landeskunde von Hessen und Nassau 16 (1937). ND 1984, S. 26.
  • Oberhessischer Verein für Localgeschichte (Hg.): Geschichte und Beschreibung von Münzenberg in der Wetterau. Roth, Gießen 1879 (Digitalisat)
  • Heinz Wionski: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. Wetteraukreis II. Stuttgart 1999, S. 750–788.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Münzenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 360.
  3. http://www.statistik-hessen.de/K2011/EG440015.htm Hessisches Statistisches Landesamt