Münzschatz von Asendorf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Krug aus Langerweher Steinzeug.

Der Münzschatz von Asendorf ist ein Depotfund von etwa 4.500 spätmittelalterlichen Münzen aus dem Hanseraum, der 1962 beim Straßenbau in der Gemeinde Asendorf im niedersächsischen Landkreis Harburg gefunden wurde. Teile des ungewöhnlich umfangreichen Fundes werden in der archäologischen Dauerausstellung des Archäologischen Museums Hamburg in Hamburg-Harburg gezeigt.[1][2]

Der Münzhort ist nicht mit dem 1955 in der gleichnamigen Gemeinde Asendorf der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen im niedersächsischen Landkreis Diepholz zu verwechseln, der etwa 6.300 Münzen aus dem 13. bis 15. Jahrhundert enthielt.[3]

Fund[Bearbeiten]

Schulkinder und Anwohner bei der Nachsuche am 23. Mai 1962.(Historisches Foto mit Lichtschaden)

Der Münzschatz wurde am 22. Mai 1962 gefunden, nachdem auf dem Hof des Landwirtes E. Schröder in Asendorf Nr. 8 Sand für die Begradigung der Ortsdurchfahrt Richtung Jesteburg Sand abgegraben und an der Baustelle abgeladen wurde. Der Schachtmeister Erwin Saeger und Alfred Wischnewski entdeckten im Sand Scherben und eine größere Anzahl grün patinierter Münzen. Saeger erkannte die Bedeutung ihres Fundes und sammelte Scherben und Münzen ein und übergab sie den Lehrern Hanke und Manglier der örtlichen Schule. Am 23. Mai meldete Hanke den Fund an das Helms-Museum. Bei der Besichtigung der Fundstelle wurden dem Museum drei Gulden und etwa 3.000 Silbermünzen übergeben. Die ursprüngliche Fundstelle war bereits vollständig abgebaggert und ergab keine Hinweise mehr auf den Lagerort. Bei der Nachsuche an der Baustelle wurden weitere, weit verstreut liegende Silbermünzen gefunden. Die Nachsuche wurde durch Schulkinder unterstützt, die auch noch weitere Münzen einlieferten, die sie am Tag zuvor gefunden hatten. Diese Nachsuche erbrachte 1.347 Münzen, darunter eine weitere Goldmünze. Beim Durchsieben des Sandes der Baustelle am 24. Mai wurden 243 weitere Münzen geborgen. Das Museum erwarb den Fund von Landwirt Schröder und die Finder erhielten den gesetzlichen Finderlohn. [4]

Befunde[Bearbeiten]

Der Münzschatz von Asendorf war in ein Krug aus Langerweher Steinzeug verpackt, die mit einem geschliffenen Feldstein verschlossen war und anschließend vergraben wurde. Der Krug war durch die Baggerschaufel in zahlreiche Scherben zerbrochen und konnte aus den aufgesammelten Bruchstücken nahezu vollständig rekonstruiert werden. Es handelt sich um ein bauchiges, 29 cm hohes Gefäß mit einem geschwungenen Profil und einem durch Fingereindrücke wellig abgesetzten Fuß. Am Rand sind zwei Henkel angesetzt, die an der Schulter auslaufen. Der scheibengedrehte Gefäßkörper besteht aus gelbbraun glasiertem Ton und trägt auf der Außenseite flache Gurtfurchen. Die Gefäßschulter ist mit zwei umlaufenden Reihen von flachen dreieckigen Stempeleindrücken verziert. Der Feldstein war so sorgfältig eingeschliffen, dass er genau in die nicht ganz runde Gefäßöffnung passte.

Der Krug beinhaltete insgesamt etwa 4.500 Münzen, darunter vier gleiche Gulden aus Lübeck. Den mengenmäßig größten Anteil der Münzen machten Witten aus, etwa ein Fünftel waren Hohlpfennige, daneben einige Sechslinge und Dreilinge. Der Prägeorte verteilen sich auf Greifswald, Hamburg, Lübeck, Lüneburg, Rostock und Wismar, weitere Einzelmünzen wurden in Hannover, Oldesloe, Stralsund, in Friesland und Schleswig-Holstein geprägt.[4]

Deutung[Bearbeiten]

Aufgrund der Münzdaten wird eine Vergrabung des Asendorfer Münzschatzes um das Jahr 1400 angenommen. Die Prägeorte der weitaus meisten Münzen liegen, ähnlich wie bei dem Münzschatz von Luhdorf, im geographischen Schwerpunkt des späteren Wendischen Münzvereins. Ebenso wie bei dem Luhdorfer Münzhort können über die Gründe der Vergrabung dieses Münzschatzes nur Vermutungen angestellt werden. Sicher scheint, dass er vor den unruhigen Zeiten des Lüneburger Erbfolgekrieges in Sicherheit gebracht wurde.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Rüdiger Articus, Jochen Brandt, Elke Först, Yvonne Krause, Michael Merkel, Kathrin Mertens, Rainer-Maria Weiss: Archäologisches Museum Hamburg, Helms-Museum: Ein Rundgang durch die Zeiten. In: Rainer-Maria Weiss (Hrsg.): Veröffentlichungen des Archäologischen Museums Hamburg Helms-Museum. Nr. 101, Hamburg 2009, ISBN 978-3-931429-20-1, S. 163-165.
  •  Willi Wegewitz: Vor- und Frühgeschichtliche Abteilung: Asendorf. In: Willi Wegewitz (Hrsg.): Harburger Jahrbuch. Nr. 10, Hamburg-Harburg 1961/62, ISSN -0722-6055, S. 135-153; hier 147-149.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Themenbereich Gwalt, Vitrine Nr. 119.
  2.  Rüdiger Articus, Jochen Brandt, Elke Först, Yvonne Krause, Michael Merkel, Kathrin Mertens, Rainer-Maria Weiss: Archäologisches Museum Hamburg, Helms-Museum: Ein Rundgang durch die Zeiten. In: Rainer-Maria Weiss (Hrsg.): Veröffentlichungen des Archäologischen Museums Hamburg Helms-Museum. Nr. 101, Hamburg 2009, ISBN 978-3-931429-20-1, S. 163-165.
  3. Der Asendorfer Münzfund auf Gemeinde Asendorf (Landkreis Diepholz) (Abgerufen am 17. November 2012)
  4. a b c  Willi Wegewitz: Vor- und Frühgeschichtliche Abteilung: Asendorf. In: Willi Wegewitz (Hrsg.): Harburger Jahrbuch. Nr. 10, Hamburg-Harburg 1961/62, ISSN -0722-6055, S. 135-153; hier 147-149.