Młynary

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Młynary
Wappen von Młynary
Młynary (Polen)
Młynary
Młynary
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Landkreis: Elbląg
Gmina: Młynary
Fläche: 2,76 km²
Geographische Lage: 54° 10′ N, 19° 44′ O54.16666666666719.733333333333Koordinaten: 54° 10′ 0″ N, 19° 44′ 0″ O
Einwohner: 1833
(30. Jun. 2013)[1]
Postleitzahl: 14-420
Telefonvorwahl: (+48) 55
Kfz-Kennzeichen: NEB
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 505: FromborkPasłęk
DW 509: ElblągDrwęczno (–Orneta)
Milejewo → Młynary
Schienenweg: PKP-Linie Nr. 204: MalborkElblągBraniewoMamonowoKaliningrad
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 29 Ortschaften
17 Schulzenämter
Fläche: 157,09 km²
Einwohner: 4566
(30. Jun. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 29 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2804063
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeisterin: Jadwiga Osowska
Adresse: ul. Dworcowa 29
14-420 Młynary

Młynary [mwɨˈnarɨ] (deutsch Mühlhausen i. Ostpr.) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Sie ist Hauptort der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde (Gmina).

Geografische Lage[Bearbeiten]

Młynary liegt etwa 70 Kilometer ost-südöstlich von Danzig, 20 Kilometer südlich des Frischen Haffs an der Südostseite der Trunzer Berge, den nordwestlichen Ausläufern des Oberlandes, dessen nördlichste Stadt Młynary ist. Durch den Ort fließt der kleine Fluss Donne, der in den Haffzufluss Baude mündet.

Die Straßenverbindungen zu den unmittelbaren Nachbarstädten Elblag (Elbing) sowie Orneta (Wormditt) und Pasłęk (Preußisch Holland) sowie Frombork (Frauenburg) verlaufen über die Woiwodschaftsstraßen 505 bzw. 509, die sich in der Stadt kreuzen. Zehn Kilometer nördlich führt die heutige Fernstraße S 22 ElblągKaliningrad (Königsberg), die ehemals als Reichsautobahn Berlin–Königsberg geplant wurde, vorbei.

Die Bahnstrecke zwischen den beiden Städten Elbląg und Kaliningrad, die frühere Preußische Ostbahn, führt direkt durch Młynary.

Stadt Młynary (Mühlhausen)[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Über die Herkunft der Ortsbezeichnung gibt es zwei Versionen, nach denen entweder ein Bezug zur gleichnamigen Stadt in Thüringen oder zu einer schon früh vorhandenen Wassermühle an der Donne hergestellt wird. Das schon von den deutschen Einwohnern verwendete Wappen mit der Darstellung eines Mühlrades spricht für die Mühlenversion.

Auch das Datum der Gründungsurkunde steht nicht genau fest, es wird vermutet, dass sie zwischen 1320 und 1331 durch den Elbinger Komtur des Deutschen Ordens Hermann von Öttingen ausgestellt wurde. Die so genannte Handfeste wurde in den Jahren 1338 und 1404 erneuert. Aus ihr geht hervor, dass der Erbschulze Nicolaus von Kunyn mit der Entwicklung der Stadt „Molhusen“ beauftragt wurde. Die Siedlung war südlich einer kleinen Burg des Deutschen Ordens entstanden. Bis 1410 war die Burg Sitz des Waldmeisters der Komturei Elbing. 1349 erlitt die Stadtentwicklung einen Rückschlag, als rund 1000 Einwohner an der Pest starben. 1408 hielt sich der Hochmeister des Ordens, Ulrich von Jungingen, in Mühlhausen auf. In diesem Zusammenhang wurde erstmals eine Schule in der Stadt erwähnt. Während der Kriege zwischen dem Deutschen Orden und Polen wurde Mühlhausen 1414 von den Polen gebranntschatzt. 1440 trat die Stadt dem Preußischen Bund bei, in dem sich zahlreiche Städte zur Abwehr der finanziellen Belastungen durch den Orden zusammengeschlossen hatten. In dem aus diesem Konflikt entstandenen so genannten Städtekrieg wurde Mühlhausen 1455 vom Elbinger Komtur Heinrich Reuß von Plauen unterworfen und in einer Strafaktion der Bürgermeister in der Donne ertränkt. Im Gegenzug nahmen noch im gleichen Jahr die Truppen des Preußischen Bundes die Stadt ein und brannten sie erneut nieder. Auch im letzten Waffengang des Ordens gegen Polen, dem Reiterkrieg von 1520, kam es zu erneuten Zerstörungen.

Nachdem der Ordensstaat 1525 säkularisiert und in das Herzogtum Preußen umgewandelt worden war, wurde Mühlhausen vom Hauptamt Preußisch Holland im Oberländischen Kreis verwaltet. Einer weiteren Pestepidemie im Jahre 1625 fielen 142 Einwohner zum Opfer. 1626 wurde erstmals ein Apotheker in der Stadt erwähnt. Während der schwedisch-polnischen Kriege wurde Mühlhausen im Winter 1628/29 von den Schweden besetzt und musste drei schwedische Kompanien aufnehmen. Die Besetzung dauerte bis 1631, begleitet von einer weiteren Pestepidemie, die diesmal 400 Tote, darunter auch schwedische Soldaten, forderte. 1655 richtete der schwedische König Karl X. Gustav in Mühlhausen das schwedische Hauptquartier unter seinem Reichskanzler Axel Oxenstierna ein. Bevor die Schweden abzogen, wurde die Stadt ausgeplündert.

1678 verlegte das brandenburgische Heer eine Garnison in die Stadt, und auch unter Preußen blieb Mühlhausen bis 1806 Garnisonsstadt. Als 1752 im Zuge einer preußischen Verwaltungsreform der Oberländische Kreis aufgelöst wurde, kam die Stadt in den neu geschaffenen Kreis Mohrungen. Während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) wurde Mühlhausen von Russland besetzt und musste hohe Kontributionen leisten. Dafür mussten die Bürger 25 Prozent ihrer Grundstückswerte an die Stadt abführen. 1760 lebten 676 Menschen in der Stadt. Mit einer erneuten Kreisreform wurde 1818 für Mühlhausen mit dem Kreis Preußisch Holland eine neue Verwaltungsebene geschaffen. 1852 erfolgte der Anschluss an die Eisenbahnstrecke Elbing – Braunsberg. Davon profitierte vor allem der ansässige Flachsanbau, dessen Erträge bald verzehnfacht wurden. 1871 wurde das Rathaus durch einen Brand völlig zerstört.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts dominierte vor allem die Holzindustrie in der Stadt, daneben gab es eine Gerberei, eine Töpferei und eine Bierbrauerei. Mühlhausen hatte sich zum wirtschaftlichen Zentrum des Kreises entwickelt, die Einwohnerzahl war 1885 auf 2439 angestiegen. 1900 wurde mit dem Aufbau eines Telefonnetzes begonnen und 1901 ein Elektrizitätswerk fertiggestellt.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges hatte die Stadt 3006 Einwohner (1939). Bei der Einnahme der Stadt durch die Rote Armee im Januar 1945 kam es zu großen Zerstörungen. Nach der Übernahme durch die polnische Verwaltung wurde der Ortsname ins polnische transkribiert, aus Mühlhausen wurde Młynary. Die zum Kriegsende evakuierte oder später vertriebene deutsche Einwohnerschaft wurde durch polnische Bürger aus den an die Sowjetunion verloren gegangenen polnischen Ostgebieten oder aus Innerpolen ersetzt.

Kirche[Bearbeiten]

Pfarrkirche[Bearbeiten]

Die Pfarrkirche aus dem 14. Jahrhundert wurde mehrfach umgebaut und besitzt eine wertvolle barocke Ausstattung aus dem 18. Jahrhundert, u.a. einen Altar von Isaak Riga. Nachdem die Bevölkerung während der Reformation lutherisch geworden war, war diese Kirche ein evangelisches Gotteshaus. Nach 1945 wurde sie auf Grund der Vertreibung der mehrheitlich protestantischen Deutschen zugunsten der katholischen Kirche enteignet, die sie neu weihte und sie nach dem Apostel Petrus benannte (Kościół Św. Piotra Apostoła).

Kirchengemeinde[Bearbeiten]

Mühlhausen ist ein alter Kirchort. Bereits vor der Reformation war die Stadt Pfarrsitz. Bis 1598 war Schönberg (heute polnisch: Zastawno) Filialkirche, zwischen 1594 und 1604 auch Herrndorf (Młynarska Wola).

Bis 1945 gehörte die von einer mehrheitlich evangelischen Bevölkerung geprägte Stadt zum Kirchenkreis Preußisch Holland (Pasłęk) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Nach 1945 kam die nunmehr katholische Pfarrgemeinde zum Dekanat Pasłęk I im Bistum Elbing der Katholischen Kirche in Polen. Hier lebende evangelische Kirchenglieder gehören zur Pfarrei in der Stadt Elbląg (Elbing) in der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Pfarrer 1540-1945[Bearbeiten]

Die Pfarrei Mühlhausen wurde bis 1926 von zwei Geistlichen („Pfarrer“ und „Diakonus“, dann auch „Hilfsprediger“) betreut:

  • Johann Bomann, 1542
  • Albert Lichtenstein, 1543
  • Blasius NN., 1544
  • Nicolaus von Hame, 1545
  • Urbanus Hahn, 1546
  • Philipp Mechler, 1554
  • Johann Holtz, 1558-1575
  • Sebastian von Sanden, 1578-1586
  • Michael Harmer, 1584-1589
  • Simon Johannes, 1589-1607
  • Adam Eckstedt, 1595-1608
  • Nicolaus Trumpf, 1607-1629
  • Johannes Agricola, 1608-1610
  • Joachim Pollio, 1610-1635
  • Heinrich Möller, 1637-1654
  • Theophilus Wegner, 1655-1660
  • Gottfried Curtius d. Ä., 1661-1685
  • Caspar Mirovius, 1669-1682
  • Martin Suchland, 1670-1685
  • Gottfried Curtius d. J., 1685-1734
  • Samuel Alckenberger, 1685-1729
  • Johann Schumacher, 1724-1741
  • Johann Grüneberg, 1734-1738
  • Jacob Theodor Decker, 1739-1748
  • Johann Gottfried Sandhoff, 1741-1775
  • Philipp Emanual Drenckhan, 1749-1761
  • Georg Friedrich Thilo, 1761-1803
  • Jacob Schulz, 1776-1815
  • Theodor Carl Chr. Brasche, 1804-1807
  • Ernst Heinrich Bruno, 1813-1818
  • Johann Simon Weiß, 1815-1819
  • Johann Wilhelm Kopp, 1818-1831
  • Johann Benjamin Felskau, 1819-1823
  • Ludwig Julius Albert von Schäwen, 1825-1827
  • Gotthilf Friedrich I. Kleckl, 1828-1829
  • Napoleon Schumann, 1830-1832
  • Johann Benjamin Schuchard, 1832-1834
  • Michael August Gutzeit, 1832-1842
  • Heinrich Schuur, 1834-1865
  • Heinrich Büttner, 1843-1849
  • Carl Jonas, 1850-1854
  • Carl Ludwig Milau,1856-1867
  • Julius Carl Wilhelm Lube, 1866-1878
  • Johann Friedrich Eckert, 1867-1877
  • Georg Gardin, 1878-1880
  • Eduard Wilhelm J. Lehmann, 1890-1918
  • Wilhelm Finger, 1919-1925
  • Viktor Felix Reiß, 1925-1926
  • Ludwig Rosenow, 1926-1935
  • Bruno Kühnel, 1935-1945

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • St. Peter-Pfarrkirche
  • Reste der Stadtbefestigung sind im Westen der Stadt zu sehen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Fernverkehr[Bearbeiten]

Von Berlin aus ist Młynary – allerdings saisonbedingt – täglich per Direktverbindung im Schlafwagen zu erreichen (weiter nach Kaliningrad).

Bildung[Bearbeiten]

In der Stadt gibt es zwei Grundschulen mit insgesamt etwa 500 Schülern und ein Gymnasium mit etwa 220 Schülern.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Gmina Młynary[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Młynary umfasst eine Fläche von 157,09 km², was 10,98 % der Gesamtfläche des Powiat Elbląski ausmacht. 54 % sind Ackerflächen, 37 % Forsten.

Im Gemeindegebiet leben 4594 Einwohner.

Nachbargemeinden sind: Frombork (Frauenburg), Milejewo (Trunz), Pasłęk (Preußisch Holland), Płoskinia (Plasswich), Tolkmicko (Tolkemit) und Wilczęta (Deutschendorf).

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde (Gmina) gehören folgende Ortschaften:

polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
Błudowo Bludau
Bronikowo Brünneckshof
Broniszewo Monbrunsdorf
Gardyny Gardienen
Janiki Pasłęckie Jonikam
Karszewo Karschau
Kobyliny Kobling
Krasinek Schönfeld
Kraskowo Schönfließ
Kurowo Braniewskie Kurau
polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
Kwietnik Blumenau
Mikołajki Nikolaiken
Młynarska Wola Herrndorf
Młynary Mühlhausen
Nowe Monasterzysko Neu Münsterberg
Nowe Sadłuki Neu Sadlucken
Ojcowa Wola Vaterswille
Olszówka Erlau
Płonne Lohberg
Podgórze Greulsberg
polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
Rucianka Moorbruch
Sąpy Sumpf
Sokolnik Falkhorst
Stare Monasterzysko Alt Münsterberg
Sucha
Warszewo Judendorf
1936-45 Hermannswalde
Włóczyska Vierzighuben
Zaścianki Schwangen
Zastawno Schönberg

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Hermanowski, Heinz Georg Podehl: Ostpreußen-Lexikon. Geographie, Geschichte, Kultur. Lizenzausgabe. Bechtermünz, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-186-4.
  • Erich Weise (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Ost- und Westpreußen. Unveränderter Neudruck der 1. Auflage 1966. Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X (Kröners Taschenausgabe 317).
  • Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968.

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 8. November 2013.
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 8. November 2013.