M103 (Kampfpanzer)

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Panzer M103A2 im Bovington Tank Museum

Der Kampfpanzer M103 war ein Panzer der Streitkräfte der Vereinigten Staaten, der mit seinen Variationen M103A1 und M103A2 als schwerer Kampfpanzer in die Kategorie MBT (Main Battle Tank) einzureihen ist. (Für diese Fahrzeugklasse musste mit dem Bergepanzer M51 ein speziell dafür ausgelegtes Modell entwickelt werden.)

Geschichte[Bearbeiten]

Der M103 wurde nach der Forderung der militärischen Führung der Vereinigten Staaten entwickelt, um die Speerspitze bei einer direkten Konfrontation mit schweren sowjetischen Panzern zu bilden. Die Entwicklung begann in den 1950er-Jahren zu Beginn des Kalten Krieges. Hauptforderung war ein schwerer Panzer zur Bekämpfung feindlicher Ziele über große Entfernungen hinweg und zur Feuerunterstützung mittlerer Kampfpanzer. Es war der schwerste Panzer, der je von den US-Streitkräften (United States Armed Forces) eingeführt worden ist.

1957/1958 wurde das Fahrzeug der Truppe übergeben, die letzten, beim United States Marine Corps noch im aktiven Dienst stehenden Panzer wurden 1972/1973 ausgemustert. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges hatten die US-Streitkräfte mehrere schwere Kampfpanzer in der Entwicklung (T28 bzw. T95, T29, T30, T32 und T34). Keines dieser Fahrzeuge erreichte die Serienreife. 1948 wurde ein weiterer Prototyp mit der Bezeichnung T43 fertiggestellt. Weitere vier Vorserienmodelle bis zum T43E1 folgten. Letzterer ging dann in die Serienproduktion. Zwischen 1952 und 1954 wurden bei Chrysler bzw. dem Detroit Arsenal Tank Plant 400 Stück gefertigt. Erst 1953 erfolgte die endgültige Benennung in M103. In der Truppenpraxis traten dermaßen viele Mängel auf, dass der Panzer als völlig untauglich erklärt wurde und mehr als 150 Änderungen vorgenommen werden mussten.

Aufgabe des Panzers war, ähnlich dem schweren britischen Conqueror, die Bekämpfung der sowjetischen JS-3 und T-10 auf große Entfernung. Ausgestattet mit dem Motor des um zehn Tonnen leichteren Kampfpanzer M47 war das Fahrzeug hoffnungslos untermotorisiert und viel zu unbeweglich. Berüchtigt wegen seiner häufigen Pannen und seinem nur sehr begrenztem Fahrbereich, konnte dieser Panzer nicht als zufriedenstellend bewertet werden. Die Produktion wurde zu Gunsten des M60-Programms eingestellt.

Die sehr hohe Silhouette machte die Tarnung schwierig. Auch das Gewicht des Fahrzeugs entsprach nicht den notwendigen Gegebenheiten. Das niedrige Kraft/Masseverhältnis beeinträchtigte enorm die Fahreigenschaften des Panzers. Zudem erwies sich der hinter dem Turm angebrachte Munitionsbunker als gefährliche Geschossfalle. Am gravierendsten waren aber die Probleme bei der Waffenkontrolle. Diese Gründe führten zur Ausmusterung in den siebziger Jahren.

Keiner der M103-Panzer kam je zum Kampfeinsatz.

Kampfpanzer Prototyp T29

Versionen[Bearbeiten]

M103A1[Bearbeiten]

Durch den Einbau eines verbesserten Feuerleitsystems (Steroscopic T52), den Einbau eines Feuerleitrechners T33 und die Anbringung eines Turmkorbes wurden insgesamt 219 Fahrzeuge 1959 zum Modell M103A1 umgewandelt. Eines der beiden koaxialen Maschinengewehre wurde entfernt. Die elektrische Anlage des Turms wurde verstärkt.

M103A2[Bearbeiten]

1964 wurden 153 Fahrzeuge durch den Einbau eines Dieselmotors AVDS-1970-2AD aus dem M60 Panzer (was den Straßenfahrbereich auf 480 km erhöhte), ein neues Entfernungsmessgerät XM2A und 152 weiteren Verbesserungen bzw. Umbauten weiter verbessert. (Der A2 wurde an das Marine Corps geliefert und nur von diesem eingesetzt.)

Technische Beschreibung[Bearbeiten]

Die gegossene Wanne des Fahrzeuges entspricht der verlängerten Wanne des Kampfpanzer M48A2. Der M103 hatte sieben drehstabgefederte Laufrollen (statt der sechs des M48), Verbinderkette mit sechs Stützrollen und Hecktriebrad. Das komplette Laufwerk entsprach dem des M47, was durch das höhere Gewicht wiederum den Verschleiß beschleunigte. Ausgerüstet war der Panzer mit IR-Fahrlicht und einem IR/Weißlicht Zielscheinwerfer koaxial zur Kanone. Diese hatte einen Richtbereich von −8 bis +15 Grad und war nicht stabilisiert. In der Nähe der Mündung war ein Rauchabsauger angebracht. Eine Mündungsbremse war nicht vorhanden. Die Kommandantenkuppel befindet sich turmmittig im hinteren Bereich. Die Munition musste getrennt (Kartusche und Geschoss) geladen werden. Es waren 34 Schuss 120-mm-Munition, 5250 Schuss 7,62-mm-Munition und 1000 Schuss 12,7-mm-Munition an Bord.

Technische Daten[Bearbeiten]

M103
Technische Daten
Typ: Kampfpanzer
Besatzung: 5 (davon 2 Ladeschützen)
Bewaffnung:
eine 120-mm-Kanone M58
zwei 7,62-mm-Maschinengewehre koaxial M57 oder M1919A4E1
ein 12,7-mm-MG Browning M2 auf dem Turm
Panzerung: 12–178 mm
Abmessungen
Länge: (Kanone 12 Uhr) 11,32 m
Länge: (nur Wanne) 6,98 m
Breite: 3,76 m
Höhe: 2,88 m
Kampfgewicht: 65 t
Antrieb und Fahrleistung
Antrieb: Continental AV-1790-5B oder ZC luftgekühlter Dieselmotor mit 595 kW (810 PS) bei 2800/min (M103A2)
Höchstgeschwindigkeit Straße: 34 km/h maximal
Fahrbereich 129 km
Kletterfähigkeit 0,91 m
Grabenüberschreitfähigkeit 2,29 m
Steigungsfähigkeit: 60 %
Watfähigkeit: 1,22 m
Bodendruck: 0,90 kg/cm2
Sonstiges
Preis (1954): 300.000 US-Dollar
Preis des M60A1 (1974): 297.000 US-Dollar

Kanonenmunition[Bearbeiten]

Folgende Munitionssorten standen zur Verfügung:

  • Panzergranaten mit Leuchtspur (High Explosive Plastic – Tracer / HEPT)
  • Sprenggranaten (High Explosive / HE)
  • Sprenggranaten mit Leuchtspur (High Explosive – Tracer / HET)
  • Übungsgeschosse mit Leuchtspur (Practice – Tracer / PracT)
  • Phosphorgranaten (Phosphorus / PH)
  • Phosphorgranaten mit Leuchtspur (Phosphorus – Tracer / PHT)

Weiterentwicklungen[Bearbeiten]

Nachdem sich der M103 als Fehlschlag erwiesen hatte, versuchte man, trotz des sehr erfolgreichen Nachfolgemodells M60, weiterhin einen schweren Kampfpanzer zu entwickeln. Es wurden noch folgende Prototypen gebaut:

  • Kampfpanzer T54 (in drei verschiedene Ausführungen)
  • Kampfpanzer T57 (auf T43 Fahrgestell mit 105-mm-Kanone)
  • Kampfpanzer T58 (auf T43 Fahrgestell mit 155-mm-Kanone)
  • Kampfpanzer T69 (auf T43 Fahrgestell mit 105-mm-Kanone)
  • Kampfpanzer T77 (keine Informationen erhältlich – wahrscheinlich Nuklearbewaffnung)
  • Kampfpanzer T110 (keine Informationen erhältlich – wahrscheinlich Nuklearbewaffnung)

Keines dieser Fahrzeuge kam über das Versuchsstadium hinaus.

Noch existierende Exemplare[Bearbeiten]

Bergepanzer M51

Bergepanzer M51[Bearbeiten]

Für diese Gewichtsklasse reichten die vorhandenen Bergepanzer leistungsmäßig nicht aus. Es musste daher ein Bergepanzer gebaut werden, der den Anforderungen des M103 entsprach. Der M51 (Prototypenbezeichnung T6 und T6E1) hatte eine Besatzung von vier Mann, einen Kran mit 30 Tonnen Leistungsfähigkeit und eine Bergewinde mit 60 Tonnen Zugkraft. Sie wurden ebenfalls bei Chrysler gebaut und später zusammen mit den M103 ausgesondert. (Über die gefertigten Stückzahlen gibt es widersprüchliche Angaben.)

Literatur[Bearbeiten]

  • F. M. von Senger und Etterlin: Tanks of the World 1983. Arms and Armor Press, London 1983, ISBN 0-85368-585-1.
  • Panzer und andere Kampffahrzeuge 1916 bis heute. Buch und Zeit Verlagsgesellschaft, Köln 1977.
  • Philip Terwhit: Panzer. Neuer Kaiserverlag, Klagenfurt 2005.
  • Roger Ford: Panzer von 1916 bis heute. Karl Müller Verlag, Erlangen, ISBN 3-86070-676-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: M103 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien