203-mm-Haubitze M1931 (B-4)

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203-mm-Haubitze M1931 des Freilichtmuseums zum Zweiten Weltkrieg in Minsk
Sowjetische Batterie schwerer Haubitzen vom Typ M1931 (3. Weißrussische Front, Sommer 1944)

Die 203-mm-Haubitze M1931 (B-4) (russisch 203-мм гаубица обр. 1931 г. (Б-4)) war eine Haubitze des Kalibers 203,2 mm aus sowjetischer Produktion. Sie war das schwerste Geschütz, das von der Artillerie der Roten Armee während des Zweiten Weltkriegs in großen Stückzahlen verwendet wurde. Die Haubitze wurde von 1926 bis 1931 konstruiert und 1933 in den Dienst der Roten Armee übernommen. Insgesamt wurden 871 Exemplare hergestellt. 203-mm-Haubitze M1931 war die Bezeichnung der Roten Armee, B-4 eine andere gleichwertige Bezeichnung des Herstellers, des Werks „Bolschewik“.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Januar 1926 erhielt das Konstruktionsbüro unter der Leitung von F. F. Lender den Auftrag, eine Haubitze mit dem Kaliber 203 mm und großer Reichweite zu entwerfen. Nach dem Tod von Lender wurde der Entwurf an das Werk „Bolschewik“ zur Weiterentwicklung übergeben. Das Konstruktionsbüro des Artilleriekommandos des Roten Armee übernahm im März 1927 den Konstruktionsauftrag zusammen mit einem Projekt für eine 122-mm-Kanone. Im Januar 1928 war die Konstruktion der Haubitze abgeschlossen. Diese wurde in zwei Versionen konzipiert, die jeweils mit und ohne eine Mündungsbremse ausgestattet waren. Bevorzugt wurde von der Roten Armee die Version ohne Mündungsbremse. Der erste Prototyp der Haubitze wurde im Werk „Bolschewik“ im ersten Halbjahr 1931 hergestellt und im Juli/August 1931 vorgestellt. Nach langen Schießübungen und Einsatzplanungen wurde die Haubitze unter der Bezeichnung 203-mm-Haubitze mod. 1931 in den Bestand der Roten Armee aufgenommen. Insgesamt wurden in den 1930er- und 1940er-Jahren 871 Waffen dieses Typs in zwei Baulosen hergestellt.

Die M1931 wurde entweder auf einer Räderlafette oder auf einer Kettenlafette montiert. Die Kettenlafette hatte den Vorteil, dass das schwere Geschütz problemloser durch Schnee und Schlamm transportiert werden konnte. Eine Motorisierung des Geschützes war nicht vorgesehen. Rohrrücklauf und Lademechanismus waren konventionell gehalten. Zwei Spreizholme sicherten den Stand beim Abschuss. Rohr und Lafette wurden während des Krieges verändert. So entstanden die beiden Versionen B-4 des ersten Bauloses und die modifizierte Variante B-4M.

Da die Waffe vor der Entwicklung der Blitzkriegstaktik entworfen worden war, entsprach sie aufgrund ihrer fehlenden Motorisierung und damit eingeschränkten Beweglichkeit nur bedingt den Anforderungen des Deutsch-Sowjetischen Krieges. Die Militärführung erkannte bereits in 1930er-Jahren, dass die fehlende Motorisierung des Geschützes seinen Kampfwert erheblich reduzierte. Versuche, das Geschütz in einen Kampfwagen mit der Bezeichnung SU-14 zu integrieren, scheiterten jedoch an technischen Problemen.

Die deutsche Wehrmacht erbeutete einige der Waffen während ihres Vormarsches und setzte sie als 20,3-cm-Haubitze 503/3(r) (Räderlafette), 503/4(r) (Protzlafette) und 503/5(r) (Vollkettenlaufwerk) ein.

Die M1931 wurde bis in die 1950er-Jahre hinein als schwerste Artillerie der Sowjetarmee auf Divisions- und Korpsebene genutzt.

Technische Daten[Bearbeiten]

203-mm-Haubitze M1931 [1]
Allgemeine Eigenschaften
Klassifikation schwerste Haubitze
Chefkonstrukteur Nikolai Nikititsch Magdesiew
Bezeichnung des Herstellers B-4 (russ. Б-4)
Hersteller Sawod „Bolschewik“ (Bolschewik-Werke, «Завод Большевик»)
Länge 9365 mm
Breite 2490 mm
Höhe etwa 2300 mm
Gewicht in Feuerstellung 17.700 kg
Gewicht in Fahrstellung 19.000 kg
Mannschaft 15 Mann (Geschützführer, zwei Richtschützen, zwölf Lade- und Munitionsschützen)
Baujahre 1932–1937(?)
Stückzahl 871
Rohr
Kaliber 203,4 mm
Rohrlänge 5087 mm (L/25)
Rohrlänge (gezogenen Lauf) 3981 mm (L/19,6)
Höhe der Schusslinie 1920 mm
Feuerdaten
Höhenrichtbereich 0° bis +60°
Seiterichtbereich
Höchstschussweite 18.025 m
Höchstmündungsgeschwindigkeit 607 m/s
Feuerrate 0,5–1 Schuss/min
Beweglichkeit
Bodenfreiheit  ? mm
Höchstgeschwindigkeit geschleppt 5–15 km/h

Literatur[Bearbeiten]

  • Autorenkollektiv[2]: Оружие Победы. (Die Waffen des Sieges.) Изд. „Машиностроение“ (Maschinenbauverlag), Moskau 1985 (Kapitel über die sowjetische Artillerie).
  • А.Б. Широкорад: Энциклопедия отечественной артиллерии. (A.B. Schirokorad: Enzyklopädie der Artillerie des Vaterlands.) Harvest-Verlag, Minsk 2000, ISBN 985-433-703-0 (russisch).
  • Ian Hogg: Artillerie des 20.Jahrhunderts. Gondrom Verlag, Bindlach 2001, ISBN 3-8112-1878-6.
  • Alexander Lüdeke: Waffentechnik im Zweiten Weltkrieg. Parragon Verlag, Köln, ISBN 978-1-4054-8584-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. A.B. Schirokorad: Enzyklopädie der Artillerie des Vaterlands.
  2. И.В. Бах, И.И. Вернидуб, Л.И. Демкина, Л.Н. Кошкин, С.П. Непобедимый, В.Н. Новиков, А.Э. Нудельман, М.З. Олевский, В.М. Сабельников, В. А. Тюрин, Е.Н. Царевский, П.В. Шевалдин

Weblinks[Bearbeiten]