M47 Dragon

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M47 Dragon

Dragon 04.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Panzerabwehrlenkwaffe
Heimische Bezeichnung: M47
NATO-Bezeichnung: FGM-77 Dragon
Herkunftsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: McDonnell Douglas, Raytheon
Entwicklung: 1966
Indienststellung: 1975
Stückpreis: 13.000 $
Technische Daten
Länge: 1,15 m
Durchmesser: 127 mm
Gefechtsgewicht: 16,1 kg
Spannweite: 340 mm
Antrieb: Feststoff-Raketentriebwerk
Geschwindigkeit: 200 m/s
Reichweite: 1.500 m
Ausstattung
Lenkung: SACLOS, via Draht
Gefechtskopf: 2,5 kg Hohlladung
Zünder: Aufschlagzünder
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Die M47 Dragon ist eine amerikanische Panzerabwehrlenkwaffe (PAL). Sie ist das Vorgängermodell der FGM-148 Javelin und wird noch heute von zahlreichen Streitkräften verwendet.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Entwicklung der Dragon wurde vom U.S. Army Ordnance Missile Command (AOMC) im September 1959 in Auftrag gegeben. Ziel war es, eine schwere und doch tragbare Version einer PAL zu entwickeln. Im August 1964 wurde ein Vertrag mit McDonnell Douglas unterschrieben, welcher eine 12-monatige Testentwicklung für eine PAL mit einer Reichweite von 1000 m beinhaltete.

Die Dragon wurde 1975 erstmals von der U. S. Army, dem U. S. Marine Corps, im Feld eingesetzt. Zu Beginn betrug die Reichweite des als FGM-77A bezeichneten Flugkörpers maximal 1000 m, die Fluggeschwindigkeit 100 m/s. 1985 wurde die Dragon aufgerüstet zur Dragon II, welche eine größere Durchschlagskraft aufwies. Das aktuelle Modell heißt Super-Dragon und wurde 1990 vorgestellt. Die Super-Dragon kann eine bis zu 450 mm dicke Panzerung durchschlagen und besitzt eine verbesserte Reichweite von 1500 m.

Das Zielgerät besteht aus einem glatten, glasfaserverstärkten Kunststoffrohr, Zielsucher sowie Trageschleife; ein Nachtsichtgerät ist bei Bedarf nachrüstbar. Im Einsatz weilt der Schütze in stehender, sitzender oder kniender Stellung und lenkt das Geschoss ins Ziel, nachträgliche Korrekturen sind über einen Draht möglich, an welchem das Geschoss mit dem Zielgerät verbunden ist. Größter Nachteil dabei ist, dass der Schütze nach Abschuss seine Deckung verliert und für den Feind ein leichtes Ziel bietet.

Da die Flugkörper der Dragon verhältnismäßig teuer sind, wird für die Ausbildung und das Training an der Waffe im Normalfall eine mobile, batteriebetriebene Simulationseinheit eingesetzt. Dabei wird nicht die normale Waffe verwendet, welche einen Flugkörper abfeuert, sondern eine optisch und in der Haptik sehr ähnliche Simulationwaffe. Beim Abschuss wird eine größere Masse durch eine vorgespannte Feder schlagartig verschoben, wodurch der Rückstoß nachgeahmt wird. Außerdem zündet beim Abfeuern eine Knallpetarde mit starker Rauchentwicklung. Nach dem Abschuss kann auf einem über Kabel angeschlossenen Simulator die fiktive Abweichung des vom Schützen angepeilten und dem effektiven Ziel graphisch dargestellt, protokolliert und bewertet werden. Das Ziel besteht aus einem Tripelspiegel, der über Retroreflexion das von der Simulationswaffe ausgesendete Infrarotsignal wieder an einen Empfänger auf dem Zielgerät zurücksendet. Der Spiegel ist handlich und leicht an stationären oder beweglichen Zielen zu befestigen.

Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten stellten die Dragon offiziell Ende der 1990er Jahre außer Dienst, jedoch befinden sich in den Arsenalen noch Bestände der Dragon.

Schweiz[Bearbeiten]

Die Dragon wurde 1977 in der Schweizer Armee unter dem Namen PAL BB 77 (für Panzerabwehr-Lenkwaffe Boden-Boden 1977) eingeführt. Der PAL-Zug bezieht zur Bekämpfung von gepanzerten Fahrzeugen in der Regel vorbereitete Schützenstellungen, von denen aus er auf die Ziele wirkt. Die Schützengruppen haben jeweils ein Zielgerät dabei, welches sie abwechselnd nutzen bzw. auf ihren Abschussbehälter montieren.

Im Verlauf der Zeit führte die Schweizer Armee vier Generationen von Lenkwaffenmutition für die Dragon ein: PAL BB 77 HPz G (Hohlpanzer-Granate, Armee-Lagernummer 591-3280), PAL BB 77 HPz G 86 (ALN 591-3281), PAL BB 77 HPz G 90 (591-3282) und die PAL BB 77 HPz G 00 (591-3283) im Jahr 2000. Die neuste Generation der kampfwertgesteigerten Dragon vermag auch Reaktivpanzerung zu durchdringen.

Die PAL Dragon wurde am 1. Januar 2008 aufgrund unverhältnismässig hoher Unterhaltskosten außer Dienst gestellt und liquidiert.[1]

Abbildungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: M47 Dragon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pressemitteilung des VBS vom 23. Oktober 2007