MAN Diesel

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MAN Diesel SE
MAN Markenlogo
Rechtsform Europäische Gesellschaft
Auflösung rückwirkend zum 1. Januar 2010
Auflösungsgrund Fusion mit MAN Turbo zur MAN Diesel & Turbo
Sitz Augsburg, Deutschland
Leitung Georg Pachta-Reyhofen (letzter Vorstandsvorsitzender)
Mitarbeiter 7.383 (2007)
Umsatz 2,179 Mrd. EUR (2007)
Branche Dieselmotoren
Website www.mandiesel.com

Die MAN Diesel SE war ein Tochterunternehmen der MAN SE mit Sitz in Augsburg. Es ging zum 1. Januar 2010 durch eine Fusion mit der MAN Turbo AG in der MAN Diesel & Turbo SE auf. Produziert wurden unter anderem die weltweit größten und leistungsstärksten Dieselmotoren, eingesetzt hauptsächlich auf Schiffen, aber auch in Kraftwerken. In Hamburg diente das MAN Diesel-Motorenwerk Hamburg als Werkstatt für Schiffsmotoren, die dort gewartet, überholt und repariert wurden.

Ein Konkurrent von MAN Diesel war die Wärtsilä Corporation (finnisch Oy Wärtsilä).

Geschichte[Bearbeiten]

MAN Diesel hatte eine große Tradition im Dieselmotorenbau. Rudolf Diesel entwickelte 1897 den ersten Dieselmotor in Augsburg. Die dänische Tochter Burmeister & Wain mit Firmensitz in Kopenhagen wurde in den 1980er Jahren zugekauft. Weitere Dieselhersteller wurden seitdem übernommen, darunter die dänische Alpha Diesel Frederikshavn. Bis zum 1. September 2006 firmierte das Unternehmen unter dem Namen MAN B&W Diesel AG. Am 14. Juli 2009 wurde die Fusion mit der MAN Turbo AG zum Konzernbereich Power Engineering bekannt gegeben.[1] Die Fusion wurde am 26. März 2010 (rückwirkend zum 1. Januar) mit Eintragung der MAN Diesel und Turbo SE im Handelsregister Augsburg vollzogen.[2]

Produkte[Bearbeiten]

Modell der MAN-Zweitakt-Schiffsdieselmotoren

Das Werk in Augsburg konstruierte und produzierte Dieselmotoren für Schiffsantriebe und Kraftwerke mit einer Leistung zwischen 430 kW und 97.300 kW. Ausgeliefert[3] werden diese per LKW-Schwertransport zum Neckar-Hafen Heilbronn.

MAN lieferte komplette Antriebsanlagen mit Getriebe und Propeller. Die dänische Tochter in Kopenhagen konstruierte Zweitakt-Dieselmotoren, die hauptsächlich als Schiffshauptmaschinen eingesetzt wurden. Sie wurden in der ganzen Welt, in erster Linie aber in Asien (Japan, Korea, China, Vietnam) nach dänischem Engineering und Musterzeichnungen gebaut. Die größten Motoren kamen seit vielen Jahren von koreanischen Werftbetrieben. Über lange Jahre waren dies Reihenmotoren mit sieben, acht und neun Zylindern, später waren auch Zwölf- und Vierzehnzylinder mit bis zu 97.300 kW Antriebsleistung verfügbar. Diese Motoren unterschieden sich stets nur in der Leistung, Zylinderzahl und Baulänge. Ihr Querschnitt und die Komponenten waren in einem strikten Baukastensystem immer die gleichen.

Die Bohrung der größten Motorenbaureihe K108 betrugt 1080 mm, der Hub 2660 mm womit solch ein Motor mit über 14 Metern Höhe und rund sieben Metern Breite mit Längen bis zu 32 Metern einen Platzbedarf hat, wie vergleichbar ein Einfamilienhaus oder ein Doppelhaus. Dieser Motortyp wiegt 2800 Tonnen und bringt seine Höchstleistung bei einer Drehzahl von 97 Umdrehungen pro Minute. Sein Dieselverbrauch ist in der Variante als L2 (reduzierte Spitzenleistung mit 162 g/kWh) niedrig. B&W-Motoren wurden auch in der VR China gebaut.

Die Spezialität des deutschen Unternehmensteils waren mittelschnelllaufende Viertakt-Dieselmotoren. Größter Motor war zum Zeitpunkt der Unternehmensfusion ein Achtzehnzylinder-V-Motor mit 22.600 kW. Auch in niedrigeren Leistungsklassen mit Viertakt-Antrieben war man bei MAN lieferfähig, das Produktprogramm reichte herunter bis zu Motoren von ungefähr 430 kW. Der kleinste Viertakter hatte eine Bohrung von 160 mm und einen Hub von 240 mm. Das darunterliegende Marktsegment, wie etwa für LKW-Motoren, wurde von der Konzernschwester MAN-Motoren abgedeckt.

Die von MAN gebauten Verstellpropeller erreichten einen Durchmesser bis 7,3 m und ein Gewicht von 77,2 Tonnen.

Konsolidierungskreis[Bearbeiten]

MAN-Schiffspropeller

Die MAN Diesel SE war die Muttergesellschaft des Teilkonzerns (MAN Diesel Group), die aus Herstellerunternehmen für Schiffsmotoren, Schiffspropeller, Turboladern, Dieselgeneratoren und Kraftwerken bestand.

Wesentliche konsolidierte Beteiligungen der MAN Diesel SE waren:

  • MAN Diesel SE, Kopenhagen, Dänemark
  • MAN Diesel Ltd, Stockport, Großbritannien
  • MAN Diesel SAS, Villepinte, Frankreich
  • MAN Diesel (Singapore) Pte. Ltd., Singapur
  • MAN Diesel Australia Pty. Ltd., Sydney, Australien
  • MAN Diesel Canada Ltd., Oakville, Kanada
  • MAN Diesel North America Inc., New York, USA
  • MAN Diesel India Ltd., Aurangabad, Indien
  • Rostock Diesel Services GmbH, Rostock, Deutschland
  • PBS Turbo, Velka Bites, Tschechische Republik

Sonstiges[Bearbeiten]

Für eine Serie von fünf Containerschiffen, deren Typschiff die COSCO Guangzhou ist, entwickelte MAN Diesel SE im Jahre 2006 unter der Bezeichnung K98 MC den ersten Dieselmotor mit über 100.000 PS (73.500 kW). Eine Variante davon, der 14K98MC7 mit 116.875 PS (87.200 kW), war 2008 der stärkste Schiffsmotor der Welt, wurde aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht verbaut.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pressemitteilung der MAN SE zur Fusionierung der MAN Diesel SE und der MAN Turbo AG
  2. Pressemitteilung der MAN SE zum Vollzug der Fusionierung der MAN Diesel SE und der MAN Turbo AG zur MAN Diesel & Turbo SE (PDF; 114 kB)
  3. The four-stroke engines produced in Augsburg are taken to Heilbronn by truck. There they are loaded onto ships sailing down the river Neckar.