MEDIA

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MEDIA (französisch für Mesures pour Encourager le Développement de l´Industrie Audiovisuelle, deutsch: Maßnahmen zur Förderung der Entwicklung der audiovisuellen Industrie) ist das Programm der Europäischen Union zur Förderung der audiovisuellen Medien in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und einigen assoziierenden Ländern. Hauptförderungsgegenstand ist die Filmprojektentwicklung sowie der Verleih und Vertrieb europäischer Filme. MEDIA wird seit Januar 2014 als eines der beiden Teilprogramme von Creative Europe fortgesetzt, das die Kultur- und Medienförderungen der Europäischen Union zusammenfasst. Creative Europe wurde im Herbst 2013 vom Europäischen Parlament und vom Europäischen Rat verabschiedet. Es verfügt für eine Laufzeit von sieben Jahren vom 1. Januar 2014 bis zum 31. Dezember 2020 über ein Gesamtbudget von 1,46 Milliarden Euro.

Fördermaßnahmen und –ziele[Bearbeiten]

Der Verleih und Vertrieb europäischer Filme steht mit der höchsten Fördersumme im Zentrum der Förderungen des Creative Europe Teilprogramms MEDIA. Gefördert werden Verbünde europäischer Verleiher, die einen nicht-nationalen europäischen Kinofilm herausbringen möchten. Es gibt zudem eine Förderung für Weltvertriebe und eine sogenannte automatische Verleihförderung, bei der europäische Verleiher Gelder pro verkauftem Ticket eines europäischen Filmes erhalten, die dann wieder nach vorgegebenen Modellen in europäische Filme reinvestiert werden müssen. Ergänzend dazu fördert die Europäische Union auch Filmfestivals, Märkte und Events mit einem hohen europäischen Programmanteil und Promotionsmaßnahmen für europäische Filme, zum Beispiel die Verleihung des Europäischen Filmpreises durch die European Film Academy. Viele der Promotion-Projekte werden von der European Film Promotion (EFP) durchgeführt, deren bekannteste Aktivität die jährliche Vergabe der Shooting Star Awards an junge, talentierte europäische Schauspieler im Rahmen der Berlinale ist. Ebenfalls gefördert werden Fortbildungsmaßnahmen für u.a. Produzenten, Regisseure, Autoren, Redakteure und Entwickler von Computerspielen. Auf Initiative von MEDIA und mit Unterstützung des Centre national du cinéma et de l’image animée (CNC) in Frankreich wurde 1992 das europäische Kinonetzwerk Europa Cinemas gegründet, in dem sich Kinos mit einem hohen Programmanteil europäischer Filme zusammengeschlossen haben. MEDIA unterstützt das Netzwerk bis heute.

Nicht gefördert wird im Rahmen von MEDIA - im Gegensatz zu den nationalen Filmförderungen in Deutschland - die Produktion von Filmen, es gibt lediglich eine Förderung der Entwicklung von Film- und TV-Projekten sowie von Computerspielen.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Initiativen für eine gemeinsame europäische Medienpolitik gab es bereits ab den 1960er-Jahren. Abkommen zur Erleichterung von europäischen Koproduktionen oder deren Förderung scheiterten vorerst jedoch an unterschiedlichen nationalen Interessen. Mit dem 1984 erschienenen "Grünbuch" „[[[1]]]“ („Fernsehen ohne Grenzen“) wurde dann die ideelle Grundlage für einen europäischen Film- und Fernsehmarkt publik. Das "Grünbuch" forderte erstmals „die Öffnung der innergemeinschaftlichen Grenzen für die nationalen Fernsehprogramme", um den "freien Fluss von Informationen, Ideen, Meinungen und kulturellen Leistungen der Gemeinschaft" zu gewährleisten. Vorangegangen war der Publikation schon 1983 eine „Entschließung“ der Europäischen Kommission „zur Förderung des Filmwesens“, die in der Gemeinschaft allerdings nicht umgesetzt werden konnte. 1988 wurde dann vom Europarat ein erster Koproduktionsfonds verabschiedet, der unter dem Namen Eurimages bis heute existiert. Die Europäische Gemeinschaft (EG), der Vorgänger der EU, arbeitete jedoch noch immer an einem Konzept zur Förderung der europäischen Filmwirtschaft, wobei sich diese nicht auf die Produktion – wo auf nationaler Ebene noch immer sehr viele und unterschiedliche Förderinstitutionen und -konzepte bestehen – sondern auf die internationale Verbreitung europäischer Filme konzentrieren sollte. Bis 1987 waren über 2000 Experten an der Erarbeitung von Projektvorschlägen und -konzepten beteiligt, neun Förderprogramme wurden dann von 1987 bis 1990 auf ihre Praxistauglichkeit getestet, darunter das europäische Filmbüro EFDO (European Film Distribution Office) in Hamburg, aus dem später die European Film Promotion (EFP) hervorging, und die noch heute bestehende Initiative Cartoon.

Am 21. Dezember 1990 fasste der Rat der Europäischen Gemeinschaft den Beschluss zur „Durchführung eines Aktionsprogramms MEDIA (1991-1995)“. Dieses erste, auf fünf Jahre festgelegte, „MEDIA-Programm“ verfügte über ein Gesamtbudget von 200 Millionen ECU. In jedem europäischen Land wurden Büros gegründet, die MEDIA Desks und Antennen, um als Verbindungsstelle zwischen den europäischen Institutionen und der Filmbranche aktiv zu sein. Das Netzwerk der Desks wurde stetig ausgebaut, heute firmieren die Büros als Creative Europe Desks. Bereits damals stand der Verleih- und der Vertrieb von bereits fertiggestellten Filmen im Zentrum der Förderungen. Daneben wurden mit der MEDIA Business School, EAVE oder Sources auch die Aus- und Fortbildung von Filmschaffenden gefördert sowie mit den Initiativen Script, Cartoon, Documentary und Map-TV die Projektentwicklung, die jeder Filmproduktion vorausgeht.

1996 trat das Nachfolgeprogramm, MEDIA II, in Kraft. Es verfügte über ein Budget von 310 Millionen ECU. Nach Analyse des Vorgängerprogramms, das unter anderem wegen der vielfachen Überschneidung der 19 einzelnen Projekte kritisiert worden war, wurde MEDIA II in lediglich drei Projekte, den Hauptförderungszwecken entsprechend, gegliedert: Projektentwicklung, Vertrieb und Fortbildung.

Nachfolger von MEDIA II wurde schließlich MEDIA Plus, das für die Programmlaufzeit von 2001 bis 2006 über ein Budget von 483 Millionen Euro verfügte. Von 2007 und bis 2013 lief das Nachfolgeprogramm MEDIA 2007 mit einem Gesamtbudget von 755 Millionen Euro. Die Zahl der MEDIA Mitgliedsländer erhöhte sich auf derzeit 33.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fernsehen ohne Grenzen: Grünbuch über die Errichtung des gemeinsamen Marktes für den Rundfunk, insbesondere über Satellit und Kabel, Europäische Kommission, Mai 1984