MGR-1 Honest John

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Honest John auf einem Startfahrzeug
Honest John, August 1961 auf Hawaii

Die 762-mm-Feldrakete MGR-1 Honest John war eine ungelenkte militärische Kurzstreckenrakete (Short Range Ballistic Missile, kurz SRBM) der Zeit des Kalten Krieges aus US-amerikanischer Produktion. Sie war nach einem berühmten Indianer des 18. Jahrhunderts benannt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Von der Honest John gab es zwei Varianten: Die MGR-1A (M31), ab 1954 im Einsatz, sowie die MGR-1B (M50), die ab 1958 zum Einsatz kam.

Beide Versionen waren nuklearwaffenfähig für einen Sprengkopf von bis zu 50 kt.

Von 1960 bis 1965 wurden insgesamt 7089 Honest John MGR-1B (M50) produziert. Ab 1964 überließ man der US-Nationalgarde das Waffensystem bis zur Außerdienststellung 1982. Das Nachfolgesystem war die MGM-52 Lance.

Für die Rakete gab es nukleare Gefechtsköpfe[1] mit einer Sprengkraft von 5, 10, 20 und 40 KT unter Hoheit und im Gewahrsam der USA, an deren Einsatz NATO-Verbündete im Rahmen der nuklearen Teilhabe mitwirken konnten. Außerdem waren neben konventionellen TNT-Sprengköpfen auch Spezialköpfe vorgesehen, mit denen große Mengen Propagandamaterial bzw. Flugblätter verschossen werden konnten. Nach entsprechenden Erprobungen erwies sich dieser Ansatz für die Operative Information jedoch als wenig effizient; es wurde weiter mit Fesselballons gearbeitet.

Stationierung in Deutschland und Mitteleuropa[Bearbeiten]

MGR-1 Honest John der Raketenartillerie der Bundeswehr
MGR-1 Honest John der Raketenartillerie der Bundeswehr, 1969

In der Bundeswehr wurden die Raketenartilleriebataillone 140, 240 und 340 1959 aufgestellt, mit Honest John (HJ) ausgestattet und den drei Korps unterstellt (I. Korps in Münster, II. Korps in Ulm, III. Korps in Koblenz). 1961 begann unter Zuziehung dieser HJ-Bataillone die Aufstellung der Raketenartilleriebataillone in den Artillerieregimentern der Heeresdivisionen mit je 3 HJ-Batterien und einer Begleitbatterie.[2] In den 11 Raketenartilleriebataillonen der Heeresdivisionen (ohne 1. Luftlandedivision[3]) war beginnend 1970 (mit der Einführung von LARS (110 SF)) bis 1982 nur noch die jeweils 2. Batterie mit vier Honest-John-Raketenwerfern ausgestattet.[4]

Die Raketenartilleriebataillone sollten neben konventioneller Munition im Falle eines Atomkrieges mit Honest John auch nukleare Sprengköpfe verschießen können.[5] Damit sollte die Korps- bzw. Divisionsführung in der Lage sein, feindliche Kräfte frontnah oder im Hinterland zu zerschlagen, ohne auf Luftunterstützung zurückgreifen zu müssen. Gemäß dem Konzept der nuklearen Teilhabe blieben die dafür vorgesehenen Atomsprengköpfe stets in US-Gewahrsam, nur die Trägersysteme wurden von deutschen Soldaten bedient. Ab einer erhöhten Alarmstufe sollten die amerikanischen Einheiten dann den deutschen Korps unterstellt werden.[6] Mit der Ausmusterung der Honest John endete auch die nukleare Teilhabe in diesen Bataillonen.

In Deutschland verschoss man Honest John im Rahmen von Gefechtsschießen auf den Truppenübungsplätzen Grafenwöhr, Baumholder, Bergen-Hohne und Munster mit Übungsgefechtsköpfen. Wegen der großen Schussentfernung von etwa 17 km wurde meist von Außenfeuerstellungen in den Platz hinein, aber auch von Platz zu Platz (Bergen-Hohne/Munster) geschossen. Die Treffgenauigkeit lag unter guten Bedingungen (Windgeschwindigkeit, Vermessungsmöglichkeiten topografischer Punkte) bei einem CEP von 20 Metern.

Trägerfahrzeuge[Bearbeiten]

Die Honest John konnte von folgenden Fahrzeugen eingesetzt werden:

  • M33
  • M46
  • M289
  • M329
  • M386
  • M405
  • M465

Technische Daten[Bearbeiten]

System MGR-1A (M31) MGR-1B (M50)
Länge 8,30 m 7,92 m
Durchmesser 760 mm 760 mm
Spannweite 2.770 mm 1.370 mm
Gewicht 2.640 kg 1.960 kg
Geschwindigkeit Mach 2,3 Mach 2,3
Reichweite 24,8 km 48 km
Antrieb Feststoffrakete; Startschub: 400 kN Feststoffrakete; Startschub: 382 kN
Sprengkopf Nukleargefechtskopf, Übungsgefechtskopf, Splittergefechtskopf oder Sarin-Bomblets Nukleargefechtskopf, Übungsgefechtskopf, Splittergefechtskopf oder Sarin-Bomblets

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Raketenartillerie der Bundeswehr Honest John - Sergant - Lance - LARS 1. Jochen Vollert-Tankograd Publishing, Erlangen 2010, Technische Beschreibung, S. 7.
  2. Gliederungsbild http://www.peterhall.de/srbm/bundeswehr/rakartbtl-div/rakartbtl6.html
  3. Das Raketenartilleriebataillon 92 der der 1. Luftlandedivision (= 9. Division!) war Im November 1961 unter Oberstleutnant von Preller in Großengstingen aufgestellt und nach Verlegung nach Philippsburg 1964 der 12. Panzerdivision unterstellt und in Raketenartilleriebataillon 122 umbenannt worden.
  4.  Raketenartillerie der Bundeswehr Honest John - Sergant - Lance - LARS 1. Jochen Vollert-Tankograd Publishing, Erlangen 2010, Einsatz, S. 8 bis 10.
  5.  Raketenartillerie der Bundeswehr Honest John - Sergant - Lance - LARS 1. Jochen Vollert-Tankograd Publishing, Erlangen 2010, Die Raketenartillerie der Bundeswehr, S. 2 bis 3.
  6.  Raketenartillerie der Bundeswehr Honest John - Sergant - Lance - LARS 1. Jochen Vollert-Tankograd Publishing, Erlangen 2010, Einsatz, S. 10.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: MGR-1 Honest John – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien