Ma Ying-jeou

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ma Ying-jeou, 9. Juli 2011.

Ma Ying-jeou (chinesisch 馬英九 / 马英九Pinyin Mǎ Yīngjiǔ, Hakka Mâ Yîn-kiú, Pe̍h-oē-jī Má Eng-kiú; * 13. Juli 1950 in Hongkong) ist ein taiwanischer Politiker der Kuomintang (KMT) und seit dem 20. Mai 2008 Präsident der Republik China auf Taiwan.

Biografie[Bearbeiten]

Ma Ying-jeou wurde in der damals noch britischen Kronkolonie Hongkong geboren. Seine Familie, Anhänger der Kuomintang, setzten sich ein Jahr nach seiner Geburt nach Taiwan ab. Als Bürgerkriegsflüchtling gilt er unter den Taiwanern als Waishengren („Festlandchinese”). 1972 schloss er sein Studium der Rechtswissenschaften an der Nationaluniversität Taiwan ab und ging mit einem Stipendium der KMT in die USA, wo er an der New York University den Mastertitel und an der Harvard University den Doktortitel im Bereich Völkerrecht erwarb. 1981 kehrte er nach Taiwan zurück.

Ma Ying-jeou ist verheiratet und hat zwei Töchter, Ma Wei-chung und Ma Yuan-chung.[1] Er ist seit mehr als 20 Jahren begeisterter Jogger. Er spricht neben Hochchinesisch fließend Englisch. Taiwanisch, Hakka und Französisch lernte er dazu.

Politischer Werdegang[Bearbeiten]

1984 wurde er Sekretär (Englischdolmetscher) des Präsidenten Chiang Ching-kuo und kurz danach als Vizegeneralsekretär der KMT tätig (1984–1988), dann übernahm er verschiedene Ministerposten (u. a. Justiz und Festlandangelegenheiten) in der KMT-Regierung. Als Justizminister führte er viele Reformen durch, u.a. eine Anti-Korruptionskampagne auch in den eigenen Reihen. Seine Reformen wurden bald darauf von der KMT kritisiert, weshalb er abgesetzt wurde. Seine Popularität als „Saubermann“ wuchs.

Vom politischen Gegner wird behauptet, dass Ma bei der Erstellung von schwarzen Listen für Unabhängigkeitsanhänger mitgewirkt und sich für die Weiterführung des Kriegsrechts (bis 1987) eingesetzt habe.[2]

1998 setzte er sich bei der Wahl zum Bürgermeister von Taipeh durch, wurde 2002 wiedergewählt und verblieb bis 2006 im Amt. Danach trat er nicht wieder zur Wahl an. Sein Nachfolger im Bürgermeisteramt, Hau Lung-Bin (chinesisch 郝龍斌Pinyin Hǎo Lóngbīn), gehört ebenfalls der KMT an. Am 16. Juli 2005 wurde er als Nachfolger von Lien Chan zum Vorsitzenden der KMT gewählt, musste jedoch am 13. Februar 2007 seine eigene Ankündigung wahr machen, von diesem Amt zurückzutreten, falls er jemals wegen Korruptionsverdachts angeklagt werden würde. Kurz darauf erklärte er seine Bereitschaft, zur Präsidentschaftswahl 2008 der Republik China anzutreten.

Wegen Unregelmäßigkeiten in der Verwendung eines persönlichen Fonds des Bürgermeisters wurde Ma 2007 formell angeklagt, jedoch vom Gericht erster Instanz freigesprochen. Am 28. Dezember 2007 erfolgte schließlich auch der Freispruch des Berufungsgerichts. Rechtlich wurde seitens der Gerichte die Verwendung des Geldes tatsächlich in einer Grauzone angesehen, die keine strafrechtlichen Konsequenzen für die Angeklagten mit sich brachten. Dies brachte schließlich die Exkulpation Mas.[3]

Auch letztinstanzlich entschied der Oberste Gerichtshof am 24. April 2008, dass Ma von diesem Tatvorwurf freigesprochen werde.[4]

Erste Amtszeit als Präsident[Bearbeiten]

Die Präsidentschaftswahl gewann Ma Ying-jeou am 22. März 2008 mit 58 Prozent der abgegebenen Stimmen, während sein Konkurrent Hsieh Chang-ting knapp 42 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte.

Ma erklärte, er wolle die Wirtschaft Taiwans stärker beleben. Auch wolle er die Beziehungen zur Volksrepublik China entspannen. Ihm schwebt ein Friedensvertrag vor, um den seit 1946 währenden Konflikt mit den chinesischen Kommunisten zu beenden. Auch spricht er sich für stärkere Wirtschaftsbeziehungen im Rahmen der WTO-Verpflichtungen aus, die sowohl die Volksrepublik China als auch die Republik China (Taiwan) eingegangen sind.[5] Anlässlich seiner Vereidigung zum Staatspräsidenten am 20. Mai 2008 betonte Ma, dass er sowohl eine Vereinigung mit der Volksrepublik China als auch eine Unabhängigkeit Taiwans ablehne.[6]

Zweite Amtszeit als Präsident[Bearbeiten]

Im Januar 2012 gewann Ma die Präsidentenwahl mit absoluter Stimmenmehrheit vor Tsai Ing-wen von der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP). Das Ergebnis wurde als Bestätigung seiner Annäherungspolitik zur Volksrepublik China gewertet.[7]

Doch der Beginn der zweiten Amtszeit Mas gestaltete sich schwierig. Nachdem zunächst Korruptionsaffären von Kuomintang-Mitgliedern in der näheren Umgebung des Präsidenten bekannt geworden waren, erschütterte im September 2013 ein Abhörskandal die Öffentlichkeit. Eine Sonderuntersuchungseinheit des Justizministeriums hatte mit Kenntnis des Präsidenten die Telefongespräche zahlreicher Abgeordneter des Legislativ-Yuans (des Parlaments der Republik China), darunter des Parlamentspräsidenten Wang Jin-pyng, abgehört.[8]

Zudem erregten das hinter den Erwartungen zurückbleibende Wirtschaftswachstum und das Bestreben Mas, den taiwanischen Markt für Dienstleistungsbetriebe aus der Volksrepublik China zu öffnen, öffentlichen Protest.[9] Ein Meinungsforschungsinstitut ermittelte in einer repräsentativen Umfrage im September 2013, dass nur noch 9,2 Prozent der taiwanischen Bevölkerung mit der Regierung des Präsidenten zufrieden waren.[10]

Privatleben[Bearbeiten]

Ma ist, neben seiner Leidenschaft für das Joggen, ein begeisterter Golfspieler. Mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern Ma Wei-chung und Ma Yuan-chung verbringt er fast jede freie Minute auf dem Golfplatz.[11] Am Geburtstag der Töchter singt die Familie immer den Titelsong der chinesischen Version von Darkwing Duck, welches die Lieblings-TV-Sendung der jüngsten Tochter war. Der Song heißt auf Chinesisch „等我搞破壞!“ und bedeutet wörtlich „Warte, bis ich etwas zerstöre!“[12]

Literatur[Bearbeiten]

  • Weyrauch, Thomas: Chinas unbeachtete Republik. 100 Jahre im Schatten der Weltgeschichte. Band 2 (1950–2011). Longtai 2011, ISBN 978-3-938946-15-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ma Ying-jeou – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Familie. Biographische Website.
  2. Chin Heng-wei: “The Ma Ying-jeou myth perishes”, 27. August 2009, Taipei Times.
  3. Präsidentenkandidat der Opposition Ma Yingjiu von Korruptionsvorwurf freigesprochen, Radio Taiwan International, 28. Dezember 2007.
  4. www.chinapost.com.tw/taiwan/national/national%20news/2008/04/25/153499/Court-clears.htm, Chinapost vom 25. April 2008.
  5. Ma will besseres Verhältnis zu China. Der Spiegel, 23. März 2008.
  6. Ma Ying-jeou lehnt Vereinigung mit China ab. Tages-Anzeiger, 20. Mai 2008.
  7. Präsident Ma Ying-jeou gewinnt Wahl. In: derStandard.at. 14. Januar 2012, abgerufen am 15. Januar 2012.
  8. Martin Aldrovandi: Lauschangriff in Taiwan. In: Asienspiegel. 2. Oktober 2013, abgerufen am 1. Januar 2014.
  9. Sheryn Lee: Protestors show Taiwanese democracy is alive and kicking. In: East Asia Forum. 8. Oktober 2013 (englisch).
  10. ERA News, 15. September 2013.
  11. Golfleidenschaft des Staatsoberhauptes – biographische Website über Ma Ying-jeou (chinesisch)
  12. „Let's get dangerous!“.