Machine Identification Code

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hexagonale Punkt-Markierung auf weißem Papier, erzeugt von einem Farb-Laserdrucker (Ausdruck stark vergrössert, Punktdurchmesser etwa 0,1 mm)

Als Machine Identification Code (MIC) – auch Farbdruckermarkierung, yellow dots (gelbe Punkte), tracking dots (Punkte zur Nachverfolgung) oder secret dots (geheime Punkte) – wird ein digitales Wasserzeichen bezeichnet, das von bestimmten Farblaserdruckern und -kopierern auf jeder gedruckten Seite angebracht wird.

Der Code kann eine Identifikation des Geräts ermöglichen, mit dem ein bestimmtes Schriftstück erzeugt wurde, und dadurch Hinweise auf den Hersteller des Schriftstücks geben.

Technische Realisierung[Bearbeiten]

Markierte Yellow Dots eines HP Color LaserJets CP1515n.

Die Markierung besteht aus einem Punktraster, das über das ganze Druckfeld verteilt ist. Die Punkte sind gelb, haben einen Durchmesser von einem Zehntel Millimeter und einen Abstand von etwa einem Millimeter. Sie sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Ihre Anordnung kann verschlüsselte Informationen über Hersteller und Seriennummer des Gerätes, sowie Datum und Uhrzeit des Druckvorgangs enthalten.

Besteht der Code beispielsweise aus 8 × 16 Punkten in einer quadratischen oder hexagonalen Anordnung, belegt er eine Fläche von etwa vier Quadratzentimetern. Auf einem DIN-A4-Blatt erscheint er ca. 150 Mal. So kann er auch dann ausgelesen werden, wenn nur Ausschnitte oder Fragmente des bedruckten Blattes zur Verfügung stehen.

Einige Drucker ordnen gelbe Punkte auch in scheinbar zufälligen Punktwolken an.

Der Chaos Computer Club gibt an, dass aktuelle Farbkopierer eine Markierung in einer Matrix von 32 x 16 Punkten vornehmen und somit eine Datenmenge von 64 Byte unterbringen können.[1]

Sichtbar machen[Bearbeiten]

Yellow Dots: Der versteckte Code auf dem Ausdruck in Form von winzigen gelben Punkten am Beispiel eines HP Color LaserJet 3700.

Der Machine Identification Code kann sichtbar gemacht werden, indem eine Farbseite gedruckt oder fotokopiert wird und anschließend ein kleiner Ausschnitt davon mit einem Scanner mit hoher Auflösung eingescannt wird. Der gelbe Farbkanal kann anschließend mit einem Grafikprogramm verstärkt werden, um die Punkte des Machine Identification Codes, wenn vorhanden, deutlich erkennbar zu machen. Bei guter Beleuchtung kann aber auch eine Lupe ausreichen, um die winzigen gelben Punkte zu sehen.[2]

Mit diesem steganografischem Verfahren werden auch hochwertige Ausdrucke als Kopien einer Originalvorlage (bspw. einer Banknote) unter blauem Licht kenntlich. Ebenso können mit diesen Markierungen geschredderte Ausdrucke wiederhergestellt werden: die im Jahr 2011 von der DARPA ausgeschriebene „Shredder Challenge“ wurde nur vom Team „All Your Shreds Are Belong To U.S.“ (Otávio Good und zwei Kollegen) vollständig gelöst und damit gewonnen.[3][4]

Aufklärung[Bearbeiten]

Kritisch anzumerken ist, dass diese Rückverfolgbarkeit vielen Anwendern nicht bekannt ist. Ein Hersteller oder Vervielfältiger von politischen Flugblättern und ähnlichem Material, der anonym bleiben möchte, könnte unwissentlich seine Identität preisgeben und sich Repressalien ausgesetzt sehen. Wäre die Thematik allgemein bekannt, oder es gäbe einen Pflichthinweis gut sichtbar an jedem Gerät, könnten politische Autoren diese Gefahr der Entdeckung vermeiden, ohne dass Fälschern das Handwerk erleichtert würde. Ein solcher Pflichthinweis oder eine öffentliche Diskussion über dieses Thema dürften in Staaten mit einem repressiven politischen System allerdings kaum möglich sein.

Xerox ist einer der wenigen Hersteller, die auf die Markierung der Seiten hinweisen: „Das Digitale Farbdrucksystem ist entsprechend den Forderungen zahlreicher Regierungen mit einem fälschungssicheren Kennzeichnungs- und Banknotenerkennungssystem ausgerüstet. Jede Kopie wird mit einer Kennzeichnung versehen, die nötigenfalls die Identifizierung des Drucksystems ermöglicht, mit dem sie erstellt wurde. Dieser Code ist unter normalen Bedingungen nicht sichtbar.“[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Frank Rosengart: Datenspur Papier. In: Chaos Computer Club (Hrsg.): Die Datenschleuder. Das wissenschaftliche Fachblatt für Datenreisende. Nr. 86, Hamburg 2005, ISSN 0930-1054, S. 19–21 ([1] (PDF; 1,8 MB) bzw. [2], abgerufen am 27. Februar 2011).
  2. Beitrag bei Druckerchannel: Big Brother ist watching you: Code bei Farblasern entschlüsselt
  3. CONGRATULATIONS to "All Your Shreds Are Belong To U.S."! Defense Advanced Research Projects Agency, 21. November 2011, abgerufen am 12. Juni 2014 (englisch).
  4. Tip for Bad Guys: Burn, Don't Shred. Bloomberg Businessweek, 15. Dezember 2011, abgerufen am 12. Juni 2014 (englisch).
  5.  Xerox GmbH (Hrsg.): Xerox DocuColor® 6060 Digitales Farbdrucksystem. Prospekt. Neuss, Abschnitt „Technische Daten des Digitalen Farbdrucksystems Xerox DocuColor 6060“, S. 8 Sp. 2 ([3] (PDF; 1,4 MB), abgerufen am 27. Februar 2011).

Weblinks[Bearbeiten]